Mit dem Anfang des Jahres 1003 eilte HEINRICH,
von Herzog Hermann begleitet, nach Ober-Lothringen, dem einzigen deutschen
Lande, das ihn noch nicht als König gesehen hatte. Herzog Dietrich,
der Sohn der klugen Beatrix, hatte
sich während der Thronstreitigkeiten zuwartend gehalten, war aber
endlich auch der herrschenden Stimmung gefolgte und hatte dem König
gehuldigt. Zu dem allgemeinen Landtage, den der König auf die Mitte
Janaur in Diedenhofen berufen hatte, stellte sich der Herzog mit den Großen
des Landes ein. Mit Ernst und Strenge trat der König auf und suchte
auf alle Beschwerden Abhilfe zu schaffen. Herzog Dietrich befahl
er, seine feste Burg Mulsberg abzubrechen, und verbot ihm, sie jemals
wieder aufzubauen. Der Herzog machte Schwierigkeiten, aber wurde bald hierin
wie in anderem inne daß er dem "Urheber des Rechts" zu weichen habe.
Anfang des Monats Juli 1011 begab er sich nach Mainz,
wohin er einen Reichstag berufen hatte, auf dem er die Streitigkeiten mit
seinen Schwägern endlich auszutragen hoffte. Dahin kam es auf dem
Reichtage nicht, doch wurde abermals ein längerer Waffenstillstand
geschlossen, den die LÜTZELBURGER
freilich schlecht genug hielten. Als der Herzog Dietrich von Ober-Lothringen,
der Bischof Haimo von Verdun und anderer Bischof von Mainz fortritten,
wurden sie plötzlich bei Odernheim von den Lützelburger
Brüdern Heinrich und Dietrich mit ihrem Anhange, in dem sich auch
Pfalzgraf Ehrenfried und dessen Bruder Hezelin befanden, aus dem Hinterhalt
überfallen und unter ihrem Gefolge ein gewaltiges Blutbad angerichtet.
Nur mit genauer Not entkamen die Bischöfe, während Herzog
Dietrich schwer verwundet in Gefangenschaft geriet und das Leben lediglich
seiner Verwandtschaft und früheren Freundschaft mit den LÜTZELBURGERN
dankte. Er wurde nach Tomberg, einer Burg des Pfalzgrafen, gebracht und
erst nach längerer Zeit gegen Geiseln in Freiheit gesetzt. Dieser
Streich der Schwäger des Königs, fast unter seinen Augen ausgeführt,
bewegte alle Gemüter; noch lange nachher erzählte man sich davon,
und im Sprichwort wünschten sich Freunde, sie möchten nie nach
Odernheim kommen.
In den letzten Tagen des August 1018 traten die Deutschen
den Rückzug an, auf dem Herzog Dietrich von Ober-Lothringen
von eFnem burgundischen Heere überfallen wurde und nur mit genauer
Not den Feinden entkam; es fehlte wenig darn, daß sich sein Unfall
von Odernheim wiederholte.
Gegen Graf Odo von der Champagne erhob König
Robert die schwersten Klagen, und nicht minder hatte sich der
Kaiser selbst zu beschweren, da Odo mit dem Herzog Dietrich von Ober-Lothringen,
wahrscheinlich infolge des burgundischen Kriegs, in Fehde stand. Der Kaiser
begab sich Ivois nach Verdun, wo er die den Grafen Odo vor sich beschied,
der sich in Gegenwart der Gesandten König
Roberts gegen die wider ihn erhobenen Klagen verteidigte. Odo
mußte zugleich mit Herzog Dietrich sich aussöhnen und
die wiederrechtlich erbauten Burgen niederreißen.
Nirgends schien KONRADS
Gegenwart dringender erforderlich als in Lothringen. Besonders zeigte sich
Gozelo tätig; mit den Bischöfen des Landes verhandelte er zu
Köln, Nymwegen, Verdun, Utrecht und Lüttich und gewann von den
meisten das Versprechen, nur unter seiner Zustimmung dem neuen König
zu huldigen. Dasselbe gelobte ihnen Graf Reginar von Hennegau, der alten
Feindschaft seines Hauses vergessend; dasselbe viele andere lothrische
Herren, und selbst der alte Herzog Dietrich von Ober-Lothringen
ging gegen ihn eidliche Verpflichtungen ein.