Die Großen O-Frankens sicherten 889 in Forchheim
König
ARNULF das Erbrecht seiner beiden außerehelichen Söhne
Zwentibold
und
Ratbod
zu,
falls ihm kein legitimer Sprößling von Oda
beschieden sein würde. Zwentibold
wurde 893 von seinem Vater nach Italien geschickt, drang auch bis Pavia
vor, konnte aber gegen Kaiser WIDO
nichts ausrichten. Gegen den schwer zu packenden WELFEN
Rudolf von Hoch-Burgund waren ein erneuter Feldzug Zwentibolds
und eine Zusammenkunft ARNULFS mit
LUDWIG VON DER PROVENCE im Sommer 894 gerichtet, zu einem guten
Teil aber auch ARNULFS Plan, den Erstgeborenen,
der seit der Geburt Ludwigs des Kindes
sein Thronfolgerecht in O-Franken eingebüßt hatte, mit einem
gesonderten Regnum auszustatten, das außer dem eigentlichen Lotharingien
auch Burgund umfassen sollte. Nachdem die Großen dies, bemerkenswerterweise,
894 in Worms noch abgelehnt hatten, setzte sich ARNULF
im Mai 895 an gleicher Stätte durch und ließ Zwentibold
in Gegenwart
Odos von W-Franken unter
allgemeiner Zustimmung zum König in Burgundia et omni Hlotharico
regno salben und krönen.
Der einzige unter ARNULF
Söhnen, der politisch handlungsfähig geworden ist, war
Zwentibold,
dem der Vater 895 die Hoheit über Lotharingien mit allen Merkmalen
der Eigenständigkeit, also auch einer gesonderten Hofkapelle unter
Erzbischof Hermann von Köln und einer Kanzlei unter Erzbischof Radbod
von Trier, zugestanden hatte. Gewiß verband sich damit die Erwartung
engsten Zusammenwirkens mit O-Franken, doch kam es gerade dazu nicht, denn
statt flankierend zu dem nach Italien strebenden ARNULF
weiter
Rudolf von Hoch-Burgund
unter Druck zu setzen, ließ sich Zwentibold
sogleich im Sommer 895 für den fast schon gescheiterten Karl
den Einfältigen gewinnen und drang, auch in der Hoffnung
auf eigenen Gebietszuwachs, ins W-Reich ein, wo er bis vor Laon gelangte,
ohne indes Odos Vormacht erschüttern
zu können. Im Winter 895/96 und nochmals im Sommer 896 bot er Karl
Zuflucht in seinem Reich und verhinderte nicht, dass er im Vogesenkloster
Remiremont mit ARNULFS Widerpart in
Italien, dem flüchtigen Kaiser LAMBERT,
und wahrscheinlich auch Rudolf von Hoch-Burgund
zusammentraf. Nicht bloß diese eigenwillige Außen-,
besser Familienpolitik, sondern auch heftige Zerwürfnisse
Zwentibolds
mit dem lotharingischen Grafenadel veranlaßten den kranken Kaiser
ARNULF, sich 897 nach Worms zu bemühen, wo es zur einstweiligen
Aussöhnung und im Sinne einer stärkeren Bindung an das O-Reich
zur Verabredung einer Heirat des Königs mit der LIUDOLFINGERIN
Oda, Tochter des sächsischen Machthabers Otto des Erlauchten,
kam. Offenbar hinderten diese Vorgänge Zwentibold
an weiteren Eingreifen im Westen, wo ein Ausgleich zwischen Odo
und Karl
zustande kam.
Der Herrscherwechsel nach dem Tod König
Odos hatte indes Rückwirkungen auf Lothringen, weil sich
unzufriedenen dortigen Großen nun in Gestalt Karls
eine dynastische Alternative zu Zwentibold
bot. Insbesondere kam es zum scharfen Bruch zwischen dem König und
der bis dahin maßgeblichen Figur seiner Umgebung, dem Maasgau-Grafen
Reginar, Sohn Giselberts und einer Tochter LOTHARS
I., und zu dessen Hilferuf an Karl,
der im Sommer 898 bis Aachen und Nimwegen vorstieß, wogegen Zwentibold
offenbar vergebens Beistand seines sächsischen Schwiegervaters suchte.
In der Gegend von Prüm wurde im Oktober eine offene Schlacht zwischen
den beiden KAROLINGERN durch einen
Waffenstillstand abgewendet, doch zeigten die Friedensverhandlungen im
Frühjahr 899 in St. Goar am Mittelrhein, bei denen die ostfränkischan
Abgesandten ARNULFS, Erzbischof Hatto
von Mainz sowie die KONRADINER Konrad
und Gebhard, ein gewichtiges Wort mitsprachen, dass es um Zwentibolds
Autorität und Autonomie immer schlechter bestellt war. Die Großen
des Lothar-Reiches warteten augenscheinlich nur noch das unabwendbare Hinscheiden
Kaiser
ARNULFS ab, das am 8.12.899 in Regensburg eintrat, und die Nachfolge
seines am 4.2.900 in Forchheim erhobenen und gekrönten Sohnes Ludwig
das Kind, um diesen ins Land zu rufen und ihm im März in
Diedenhofen zu huldigen. "Von allen seinen Bischöfen und Grafen im
Stich gelassen", wie man in Regensburg notierte, ist König
Zwentibold am 13.8.900 bei einem Gefecht im Maasgau umgekommen.
Seine Ruhestätte fand er später Überlieferung zufolge in
der Abtei Susteren.