Glocker Winfrid: Seite 135-153
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Wilhelm, Erzbischof von Mainz
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929-2.3.968

Im Alter von 17 Jahren wurde OTTO, dem Sohn König HEINRICHS I., der erste Sohn geboren. Die Mutter des Knaben war eine vornehme Slawin. Durch die Namensgebung - das Kind erhielt den Namen Wilhelm - war dieser aus der Familie der LIUDOLFINGER ausgeschlossen worden.
In seinen späteren Lebensjahren erlangte Wilhelm Bekanntheit als Erzbischof von Mainz, und hier besonders durch die Gegnerschaft zu den Plänen seines Vaters, König OTTOS I., die neue "sedes regia" Magdeburg zu einem Erzbistum zu erheben.

1. Wilhelms Weg ins Bischofsamt
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Wilhelm kam im Jahr 929 zur Welt: "cuius mater, licet peregrina, nobili tamen erat genere procreata". König HEINRICH sah sich veranlaßt, die ungestüme Jugend seines Sohnes zu zügeln und ihn mit einer dem König genehmen Gemahlin, der angelsächsischen Königs-Tochter Edgith, zu vermählen. Die Namensgebung für den neugeborenen Knaben verdeutlichte dessen illegitimen Charakter: der Name Wilhelm war und blieb in der Familie der LIUDOLFINGER vollkommen unüblich und schloß den Sohn OTTOS somit aus dem engeren Familienverband aus.
Schon bald dürfte Wilhelm für die geistliche Laufbahn bestimmt worden sein. Rückschlüsse auf seinen Bildungsstand erlauben uns zwei Dokumente: der Brief des Mainzer Erzbischofs an den Papst Agapit II., mit dem sich Wilhelm über die Pläne OTTOS I. zur Einrichtung des geplanten Erzbistums in Magdeburg beschwerte, und Notizen von seiner eigenen Hand in Wilhelms Handexemplar der Annales Augienses. Der Brief an Papst Agapit beweist durch seine geschickte Wortwahl und seine raffinierte Argumentationstechnik, dass Wilhelm in einer entsprechenden Ausbildung auf eine führende Stellung in der Kirchenhierarchie vorbereitet worden sein muß. Neben seinen Kenntnissen in lateinischer Stilistik war der Königssohn auch im kanonischen Recht offenbar gut bewandert. Des weiteren zeigte WilhelmInteresse an Geschichtsschreibung und Literatur: bezeugt ist seine Bekanntschaft mit der Geschichtsschreiberin und Dramatikerin Hrotsvith von Gandersheim. Staatsmännische Fähigkeiten bewies der Mainzer Erzbischof, als er mit seinem Onkel, Erzbischof Brun von Köln, während des zweiten Italienzuges OTTOS DES GROSSEN die Regentschaft im Reich führte. Wilhelmwar offenbar am 25. September 953, als er in das kanonisch vorgeschriebene Alter von 24 Jahren eingetreten war, von seinem Onkel Bruno an dessen Ordinationstag zum Priester geweiht worden.
In das Licht unserer Quellen tritt Wilhelm aber erst im Jahr 954. Auf dem Reichstag zu Arnstadt, auf dem auch das Urteil über die Beteiligten des Liudolf-Aufstandes gefällt wurde, bestimmte man Wilhelm zum Erzbischof von Mainz, dem größten und einflußreichsten Metropolitansitz des Reiches. Er folgte Erzbischof Friedrich von Mainz nach, der am 25. Oktober desselben Jahres verstorben war.
Wilhelm erlangte die Würde des Mainzer Erzbischofs als Sohn OTTOS DES GROSSEN. Dennoch darf die Erhebung Wilhelms nicht als Erfolg König OTTOS I. gewertet werden, wie dies Martin Lintzel mit einleuchtenden Argumenten aufgezeigt hat. Die ältere Forschung hat in der Wahl Wilhelms einen Sieg OTTOS gesehen, der in seiner Bedeutung mit der Unterwerfung Liudolfs vergleichbar sei. Erzbischof Friedrich, der Amtsvorgänger Wilhelms, war für die Regierung OTTOS DES GROSSEN immer ein Unsicherheitsfaktor gewesen, und es sei, wie die Forschung meinte, in der Wahl eines Sohnes des Königs die Einsetzung eines vertrauenswürdigen, zuverlässigen Metropoliten vollzogen worden, wie an die Stelle der aufständischen Herzöge Liudolf und Konrad zuverlässige Anhänger des Königs getreten seien.
In seinem Handexemplar der Annales Augienses notierte Wilhelm in Ergänzung des Jahreseintrages:
"Anno dominicae incarnationis 954, indictione 12, beatae memoriae domnus Frithuricus, sancta Mogontiacensis aecclesiae archiepiscopus, 8 Kal. Novembris obiit. Eodem vero anno ego Willihelmus, tantae successionis indignus, logo eius cum consensu cleri et populi aiusdem sanctae sedis 16 Kal. Januarii, ipsoque die pace inter regem Ottonem et filium eius Liudolfum facta, in loco Aranstedi, sum electus..."
Wilhelm betont in dieser Notiz die nach den kanonischen Regeln vorgenommene Wahl durch Klerus und Volk von Mainz. Kein Wort deutet darauf hin - Lintzel macht besonders auf dieses Argument e silentio aufmerksam -, hiermit sei ein Sieg über das aufständische Mainz errungen worden. "Tantae successionis indignus": auch dies dürfte mehr sein als eine der üblichen Bescheidenheitsformeln. Eine derartige Topik hätte sich in andere Form kleiden lassen, ja gekleidet werden müssen, wenn Wilhelm ein Gegner seines Amtsvorgängers gewesen sein sollte.
Wilhelm dürfte in Friedrich somit eher ein Vorbild denn das Negativbild eines Erzbischofs, gegen den er sich hätte absetzen müssen, gesehen haben. Der verstorbene Erzbischof hatte in jedem Aufstand eine für die Herrschaft OTTOS DES GROSSEN zumindest zwiespältige Haltung eingenommen. Mainz war von Friedrich, wenn er sich auch nicht selbst an den Kämpfen beteiligt hatte, doch an die beiden Empörer Liudolf und Konrad überlassen worden: die Herrschaft König OTTOS I. hatte wegen dieses Verhaltens schweren Schaden erlitten. Zudem war im Dezember 954 der Liudolfaufstand noch nicht endgültig beendigt: in Bayern hielten die LUITPOLDINGER weiter die Stadt Regensburg in ihrer Hand, in Sachsen schwelte der Aufstand weiter, und auch Mainz war noch unbezwungen, wenn sich die Stadt auch eben in Arnstadt ergab. So entsprach es durchaus der gesamtpolitischen Situation, wenn die Nachfolge des verstorbenen Mainzer Erzbischofs ein Mann antrat, der in seiner Person versprach, die Politik seines Amtsvorgängers nicht aprupt in die andere Richtung zu lenken.
Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch nicht vergessen, dass Wilhelm nun auch ein Sohn des Königs war. So mochte OTTO I. vielleicht darauf hoffen, sein Sohn könne sich durch familäre Rücksichten dazu bewogen fühlen, auf lange Sicht gesehen doch einen eher ottonen-freundlichen Kurs einzuschlagen. Es ließe sich somit die These vertreten, beide Seiten könnten in Wilhelm einen Kompromißkandidaten gesehen haben, von dem jede Partei hoffte, der neue Erzbischof werde sich schließlich eher den eigenen Vorstellungen gemäß entwickeln.
Die erste Amtshandlung des neuen Erzbischofs, die in den Quellen bezeugt ist, zeigt die eigenständige Handlungsweise Wilhelms, obwohl sie sich ganz im Rahmen des Üblichen hält. So rasch wie nur irgend möglich, gleich nachdem die Alpenpässe wieder passierbar waren (Wilhelm war ja Dezember zum Erzbischof erhoben worden), überbrachten Boten Papst Agapit II. die Wahlanzeige. Wilhelm erbat und erhielt die Würde eines "vicarius missus in partibus Germaniae Galliaeque", wie sie auch sein Amtsvorgänger Friedrich innegehabt hatte. Mit diesem Amt, das den besonderen Schutz des Papstes für die Rechts- und Ehrenstellung der Mainzer Kirche gewährleistet, war das Recht verbunden, an jedem beliebigen Ort im Vikariatsbereich eine Synode einberufen zu können.
Es war an und für sich nichts Ungewöhnliches, eine solche Wahlanzeige an den Papst zu senden, sondern allgemein geübte Praxis bei den Erzbischöfen. Auffällig ist allerdings die Eile, mit der Wilhelm nach Rom sandte. So nahm Wilhelms Onkel, Erzbischof Bruno von Köln, erst zwei Jahre nach dem Amtsantritt mit dem Papst Kontakt auf, als zufällig ein Bote in anderem Auftrag nach Rom reiste: Abt Hadamar von Fulda überbrachte dem Heiligen Stuhl die Nachricht vom Ungarnsieg OTTOS DES GROSSEN und bat zugleich um ein Privileg für den König, der in Magdeburg ein Erzbistum einrichten wollte - dies alles unter dem offiziellen Auftrag (wohl als Vorwand), für Brun das Pallium zu erbitten. "Man darf die Frage aufwerfen, ob in diesem verschiedenen Handeln der beiden Erzbischöfe nicht schon eine unterschiedliche Auffassung von ihrer Stellung offenbar wurde."
Schon im November 955 sah sich Erzbischof Wilhelm veranlaßt, sich erneut an den Papst zu wenden. Diesmal ging es um die Problematik, die der Plan König OTTOS I. aufgeworfen hatte, für die Slawenmission ein neues Erzbistum einzurichten.

2. Überblick über die Ostpolitik Ottos des Großen
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König HEINRICH I. hatte in wechselhaften Kämpfen die Grenzen seines Reiches über Elbe und Saale hinaus geschoben. Auch sein Sohn OTTO I. sah eine der Hauptaufgaben seiner Regierung darin, die Ostgrenze zu sichern und auszubauen. Die Zielsetzung OTTOS ging jedoch über die seines Vaters hinaus: von Anfang an plante er, die neuerworbenen Gebiete auf dem Weg der Christianisierung der Heiden für das Reich auf Dauer zu sichern.
Um die O-Grenze militärisch zu verteidigen und für die weiteren Feldzüge eine Ausgangsbasis zu schaffen, waren Marken eingerichtet worden, die OTTO gleich nach dem Regierungsantritt mit neuen, fähigen Männern besetzte.
Die Herrschaft mußte aber auch auf das Heil der Beherrschten bedacht sein und bezog aus dieser Motivation nicht zuletzt ihre Rechtfertigung: so ergab sich aus diesen Zielen zwangsläufig die Pflicht des Herrschers zur Mission: "Quoniam augmentum divini cultus salutem et statum esse regni vel imperii nostri credimus: idcirco cunctis quibus posse suppetit modis hoc amplificare tendimus et desideramus." Um dieser seiner Pflicht zu genügen, errichtete König OTTO I. im Jahr 937 das Kloster des heiligen Mauritius (Moritz), das von Anfang an als Missionszentrum geplant war, wie die reiche Ausstattung nahelegt. Neben der Verwendung als Militär- und Handelsstützpunkt wurde die Stadt an der Elbe einer der bevorzugten Aufenthaltsorte OTTOS I. Im Jahr 948 wurden mehrere Bistümer: Brandenburg und Havelberg an der mittleren Elbe sowie Schleswig, Ripen und Aarhus gegründet; sie wurden den beiden Metropolitansitzen in Mainz und in Hamburg-Bremen als Suffraganbistümer zugeschlagen.

3. Der Brief Wilhelms an Papst Agapit II. vom November 955
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Durch den Brief Erzbischof Wilhelms an Papst Agapit II. erfahren wir erstmals von dem Plan König OTTOS DES GROSSEN, für die Slawengebiete ein eigenes Erzbistum einzurichten. Da dieses Schreiben sowohl für die Politik OTTOS DES GROSSEN als auch für die Person Wilhelms von Mainz aufschlußreich ist, sei hier ausführlich darauf eingegangen.
Nach einleitenden und allgemeinen Höflichkeitsfloskeln weist Wilhelm auf die Gefahr im Innern des Reiches hin, da die Bedrohung von außen (die Ungarn) nun abgewendet sei: die Lage der Kirche im Reich sei bedroht, der geistliche Bereich unter die Herrschaft der weltlichen Macht geraten. So sei beispielweise der Erzbischof Herold von Salzburg von einem weltlichen Fürsten, Herzog Heinrich von Bayern, geblendet worden. (Hier sei darauf aufmerksam gemacht, dass Heinrich von Bayern Wilhelms Onkel war und zu dieser Zeit zu den vertrautesten Fürsten am königlichen Hofe gezählt werden muß.)
Nun bringt Wilhelm sein eigentliches Anliegen zur Sprache. Sein Erzbistum sei zwar so groß, daß es keiner Vergrößerung mehr bedürfe, doch werde versucht, das Erzbistum zu schädigen. Als Vorwand für dieses widerrechtliche Vorhaben dienten Missionspläne. Wilhelm zitiert wörtlich das ihm vor mehreren Monaten erteilte Vikariatsprivileg, das jegliche Minderung des Erzstuhles ausdrücklich untersagte. Einer Schädigung von Mainz, so schreibt Wilhelm weiter, werde er nie im Leben zustimmen. Nun sei aber ein falscher Prophet, ein "Wolf im Schafspelz", nach Rom gereist, der ein päpstliches Privileg mitgebracht habe, das dem König erlaube, nach Gutdünken Bistümer einzurichten. Dies sei ohne sein (Wilhelms) Wissen geschehen, obwohl ihm als Vikar die Regelung aller kirchlichen Fragen vom Papst, dem Adressaten seines Schreibens, zugestanden worden sei.
Der Papst wird in diesem Brief in die Rolle des eigentlichen Angeklagten hineinmanövriert, während Wilhelm seinen Vater, den König, auffallend schont. Der Erzbischof beruft sich auf die juristische Lage der Dinge, die ihn eindeutig ins Recht setzte: ohne Zustimmung des Mainzers durfte niemand eine Verkleinerung des Metropolitangebietes vornehmen, wie dies König OTTO mit der Verlagerung des Bistums Halberstadt nach Magdeburg und dessen Erhebung zum Erzbistum plante.
Sollte der Papst aber dennoch an seinem Vorhaben festhalten wollen, forderte Wilhelm in seinem Brief die Einberufung eines Konzils, an dem der König und die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier teilnehmen sollten, um die anstehenden Punkte zu erörtern: die Blendung Herolds von Salzburg, die Vertreibung Bischof Rathers aus Lüttich und andere Fragen, womit das eigentliche Hauptanliegen Wilhelms, die Magdeburger Problematik, geschickt kaschiert war. Wenn es der Papst zum Konzil kommen lassen wollte, drohte Wilhelm zudem mit der Aufkündigung des Gehorsams: lieber wolle er sich dann den Aufgaben der Mission widmen. Auch diese Absichtserklärung war kirchenrechtlich korrekt. Die Mission galt im 10. Jahrhundert als peregrinatio, als besondere Ausprägung strenger religiöser Zucht und Gesinnung. Sie brachte erhöhte Anstrengungen mit sich, verlangte den Verzicht auf Heimat und führte in ein ungewisses Dasein. Andererseits galt der Grundsatz, man dürfe eine kirchliche Stellung nur dann verlassen, um dagegen ein strengeres, höheren religiösen Anforderungen genügendes Leben einzutauschen. Wilhelms Protesthaltung, zu der ihn keinesfalls eine innere Berufung drängte, hätte ihn mit Sicherheit nicht in allzu große Nachteile gestürzt: Papst Agapit II. und
hätten kaum anders handeln können, als Wilhelm den neuen Erzstuhl in Magdeburg zu übertragen, wenn der Mainzer schon zur Aufgabe seiner glanzvollen Stellung als Metropolit von Mainz bereit gewesen wäre.
In seinem Brief stellte Wilhelm dem Hauptanliegen die Kritik an der allgemeinen Lage der Kirche im Reich voran: weltliche Große richteten Kleriker, wie zum Beispiel Herzog Heinrich von Bayern Herold von Salzburg hätte blenden lassen: "Non personam, mitisque sibi opperam vindicat." Wilhelm fordert also, Kleriker nach dem kanonischen und nicht nach dem weltlichen Recht abzuurteilen. Auch gegen den König, der nur so nebenher Erwähnung findet, werden ähnliche Vorwürfe laut: OTTO I. informiere den am nächsten Beteiligten nicht einmal, wenn er die Einrichtung neuer Bistümer plane, geschweige denn, daß er diesen um sein Einverständnis bitte; mit Geld erkaufe sich der König Privilegien, die alte Kirchenrechte verletzten. Hiermit war "das ganze System der ottonischen Politik gemeint, die alles und jedes in ihren Bereich und unter ihre Leitung zu ziehen sich unterfing". König OTTO I. sollte allerdings bei der Regelung der strittigen Punkte durchaus beteiligt sein, nicht wie gut 100 Jahre später Humbert von Silva Candida und Papst Gregor VII. den völligen Ausschluß des Kaisers und die alleinige Kompetenz des Papstes forderten. Doch sprach aus dem Brief Wilhelms "das Verlangen, daß die Dinge der Kirche im Einvernehmen mit dem Klerus zu behandeln seien, daß Geistliches geistlich behandelt würde, daß die Grenzen der beiden Sphären, des weltlichen und des Geistlichen, nicht verwischt würden.
Die Boten des Erzbischofs von Mainz trafen den Adressaten ihres zu überbringenden Briefes nicht mehr unter den Lebenden an. Der Nachfolger Agapits auf dem Stuhl Petri, Papst Johannes XII., antwortete Wilhelm nur in allgemein gehaltenen Segenswünschen und Ermahnungen, ohne auf die scharfen Anschuldigungen des Mainzers überhaupt einzugehen. Trotzdem waren die Magdeburger Pläne OTTOS I. vorerst gescheitert - zumal Wilhelm nicht der einzige Gegner gewesen sein dürfte.
Welche Gründe den Mainzer letztlich dazu bewogen, gegen die Pläne zur Gründung des Erzbistums Magdeburg einzuschreiten, ist auf der Basis unseres Wissens aus den Quellen nicht zu entscheiden. In der Forschung werden an Motiven genannt: die Tradition der Mainzer Bischofskirche, in die Wilhelm eingetreten sei, reines Machtstreben oder eine tiefe Sorge um das Heil der Kirche. Der Rechtsstandpunkt war in jedem Fall unangreifbar, in ihm fand die königliche Macht ihre Grenze. "Es gibt nur den freiwilligen Verzicht des Berechtigten und nichts anderes, was dieses Recht auf rechtlichem Weg beseitigen kann." Wenn der König seine Pläne zur Errichtung eines Erzbistums in Magdeburg nicht völlig aufgeben wollte, mußte er versuchen, sich mit Wilhelm gütlich zu einigen, um sein Vorhaben dann im Einvernehmen mit dem Mainzer Metropoliten in die Tat umsetzen zu können.

4. Der erste Kompromiß
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Wilhelm hatte deutlich gesagt, worin für ihn kein Kompromiß möglich war: "tum quod minorationem nostrae sedis translationemque Halberestetensis aeclesia me vivo non consentiam". Diese beiden Punkte - keine "minoratio" von Mainz und keine "translatio" des Bistums Halberstadt - waren also bei allen Überlegungen zu einer eventuellen Verständigung unbedingt zu berücksichtigen.
Zunächst scheint sich keine gemeinsame Basis gefunden zu haben. Zwischen König OTTO I. und Erzbischof Wilhelm ist keinerlei Kontakt nachweisbar - etwa durch die Intervention Wilhelms in einer Königsurkunde. Wilhelm tritt jedoch in einigen UrkundenOTTOS DES GROSSEN als Erzkanzler in der Rekognitionszeile in Erscheinung: hierbei handelt es sich zwar nur um eine rein ehrende Erwähnung, da der Erzkanzler in aller Regel keinerlei Tätigkeiten in der königlichen Kanzlei ausübte. In der Forschung interpretiert man diese Nennung Wilhelms als Erzkanzler dahingehend, OTTO DER GROSSE habe die Haltung seines Sohnes, des Erzbischofs von Mainz, respektiert, wenn diese auch seinen eigenen Planungen zuwiderlief. Allerdings unternahm der König in den nächsten Jahren vorbereitende Schritte, ohne hiermit freilich die endgültige Verwirklichung durchsetzen zu können. Das Mauritiuskloster wurde wiederholt dotiert, als neues Missionszentrum das Magdeburger Laurentius-Kloster neu gestiftet. In Merseburg richtete OTTO I. ein Stift ein, um die personellen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Domkapitels zu schaffen. Als weitere vorbereitende Maßnahmen transferierte man Reliquien nach Magdeburg, insbesondere die Gebeine des heiligen Mauritius, die, wie es die Aufgabe von Heiligenreliquien ist, für die geplante Missionstätigkeit wirken sollten.
Schließlich kam es auf der Basis der von Wilhelm in seinem Brief von November 955 abgesteckten Position zu einem Kompromiß zwischen König und Erzbischof, dessen Symptom die Forschung darin sieht, daß der Mainzer in der Königsurkunde D O I. 222 b vom 23. April 961 zum ersten Mal als Intervenient Erwähnung findet. Für den Zeitraum des geplanten Italienzuges König OTTOS DES GROSSEN wurde Wilhelm nicht nur die Erziehung des Thronfolgers, des soeben gekrönten OTTO II., und die Führung der Regierungsgeschäfte in Gemeinschaft mit seinem Onkel, Erzbischof Brun von Köln, übertragen, sondern auch eine Sonderaufgabe: "cura ab imperatore... comissa fuit Parthenopolim disponendi". Kurz zuvor hatte sich OTTO DER GROSSE in einer wichtigen Angelegenheit von seinem Sohn beraten lassen: auf  Wilhelms Vorschlag sandte er den Trierer Mönch Adalbert aus dem Kloster St. Maximin zu Trier in Missionsaufgaben nach Rußland.
Wie hatte Wilhelm dazu bewogen werden können, seinen Widerstand aufzugeben? Helmut Beumann hat in Beantwortung dieser Frage die These vertreten, Wilhelm seien wichtige Rechte als Lohn für sein Einverständnis zugestanden worden, und zwar seien diese Rechte in einem nicht mehr erhaltenen Papstprivileg, das im Jahr 962 ausgestellt worden sein müsse, verbrieft worden. Dieses von Beumann vermutete Privileg lasse sich aus einer im Jahre 975 ausgestellten Bestätigung der 962 verbrieften Rechte nachweisen und rekonstruieren; die Papsturkunde von 975 war für Willigis, den Nachfolger Wilhelms auf dem Mainzer Metropolitansitz, ausgestellt worden. Wilhelm, so Beumann, habe mit dem verlorenen Privileg den Primat über die anderen deutschen Metropoliten zugesprochen erhalten sowie das Recht, die Könige des Reiches zu krönen. Hinzu kam die Erlaubnis, das Pallium an den Festtagen des heiligen Mauritius und des heiligen Laurentius zu tragen. Diese zusätzlichen Palliumstage wurden von König OTTO auch für die anderen Metropoliten erwirkt als Zeichen der hohen Verehrung, die der König diesen beiden Heiligen entgegenbrachte. Zudem hatte sich der König dazu bewegen lassen, das Erzbistum Magdeburg nicht durch eine Verlegung des Bistums Halberstadt einzurichten; somit sollte dem Mainzer Erzstuhl nur eine relativ geringe Gebietsabtretung zugemutet werden.
König OTTO I.hatte hiermit die Forderungen Wilhelms im großen und ganzen, mit nur kleinen Abstrichen, erfüllt und ihm zum Ausgleich für die geringen Nachteile eine erhebliche Steigerung seines Ansehens zugestanden - so scheint es wenigstens auf den ersten Blick. Wilhelm fand sich unter diesen Bedingungen dazu bereit, dem Kompromiß zuzustimmen.
Freilich sollte der Mainzer Erzbischof von nun an von der weiteren Beteiligung an der Missionspolitik ausgeschlossen werden. Hierfür hätte er nur die recht vage Aussicht für sich eingehandelt, in eine ähnliche Vertrauensstellung beim König aufzusteigen, wie sie sein Onkel Bruno beim König innehatte, und die ihm künftig über den Einfluß im königlichen Rat auch die weitere Beteiligung an der Missionspolitik sichern würde.OTTO DER GROSSE dürfte in diesen Tagen allerdings kompromißbereit gewesen sein als sieben Jahre zuvor. Die unruhige Lage in den Slawengebieten erforderte einfach eine festere Organisation. Zudem war auch im Moment die Lage in Rom sehr günstig, um endlich die Kaiserkrone zu erringen, worum sich König OTTO I. bereits bei seinem ersten Italienzug bemüht hatte. So war es angebracht, sich im Rücken Ruhe zu verschaffen, um die Hände für ein Eingreifen in Italien frei zu haben. Zugleich konnte auf diesem Italienzug neben der Kaiserkrone auch das Einverständnis des Papstes für die Einrichtung der Slawenbistümer, was nach dem Kirchenrecht unabdingbar notwendig war, eingeholt werden.
Wie sich freilich zeigen sollte, war König OTTO I. trotz der Modifikation seiner Pläne der Neugründung in Magdeburg nicht nähergekommen. Mit dem Placet des Mainzer Erzbischofs hatte er sich das Veto des Bischofs von Halberstadt eingehandelt. Der dortige Bischof Bernhard hätte zwar gern seine Erhöhung zum Erzbischof von Magdeburg erlebt; aber in den neuen Plänen sollte er derjenige sein, der durch Abtretungen von seinem Sprengel die territoriale Grundlage für das neue Erzbistum schaffen sollte.
Trotzdem wurde das Ergebnis des Kompromisses zwischen König OTTO I. und Wilhelm von Mainz während des Aufenthaltes OTTOS in der Ewigen Stadt in einem Papstdekret ausformuliert. In der Dispositio ordnet der Papst die Einrichtung des Erzbistums in Magdeburg an, geht aber gleichzeitig davon aus, sein Dekret allein könne dies nicht entscheiden. Andernfalls hätte es sich nämlich erübrigt, die Metropoliten des Reiches, die Erzbischöfe von Mainz, Köln, Trier, Salzburg und Hamburg-Bremen, ausdrücklich dazu zu verpflichten, den Beschlüssen des Papstes für Magdeburg zuzustimmen und die Neugründung nach Kräften zu unterstützen. Mit diesem Dekret werden sämtliche deutsche Metropoliten zu einer dem Papst konkurrierenden Instanz. Diese Stellung der deutschen Erzbischöfe wird noch dahingehend erweitert, daß das Dekret den Metropolitanbischöfen ein Konsensrecht bei der Ernennung neuer Suffraganbischöfe durch den Erzbischof von Magdeburg zugesteht. Interessant ist hier, daß alle Metropolitanbischöfe und nicht etwa nur der Mainzer Erzbischof allein ein Zustimmungsrecht zugesprochen erhalten: der Primat des Mainzer Erzbischofs kommt allerdings in dessen Nennung an erster Stelle zum Ausdruck, während Wilhelm nach Amtszeit erst die dritte zugestanden wäre. In diesem Papstdekret deutet sich so erstmals die Bildung einer Reichskirche an, die eine mit dem Papst konkurriende Zuständigkeit beansprucht.
Die skizzierten Einschränkungen in dem Papstdekret lagen durchaus in der Linie der ursprünglichen Forderungen Wilhelms, der die alleinige Zuständigkeit des Papstes bestritten und die Einberufung einer Nationalsynode gefordert hatte. Allerdings wird sich der Mainzer Erzbischof diese Nationalsynode etwas anders vorgestellt haben: in seinem Brief hatte er die ausschlaggebende kirchenrechtliche Kompetenz für sich und den Mainzer Metropolitansitz in Anspruch genommen. Nun sah er sich, nach Berücksichtigung seiner rechtlichen Bedenken, auf den Vorsitz in einem Gremium beschränkt, dessen Mehrheitsvotum bei der damaligen personellen Zusammensetzung nicht zweifelhaft sein konnte. Zudem ist es ziemlich fraglich, ob die Vermehrung seiner Palliumstage um die neu hinzugekommenen Gedenktage der Magdeburger Heiligen Mauritius und Laurentius für Wilhelmein Quell ungeteilter Freude gewesen ist. Das nur ad personam verliehene Krönungsrecht war so kurz nach der endgültigen Regelung der Thronfolge mit der Krönung des 7-jährigen OTTO II.auch nur eine sehr vage Aussicht auf einen eventuellen Gewinn an Ansehen. Bei näheren Zusehen wird so ersichtlich, wie das Papstdekret und die dazugehörigen Absprachen einige Spitzen gegen den Mainzer Erzbischof enthalten haben.

5. Der zweite Kompromiß
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Doch das Veto Bernhards von Halberstadt erwies sich als ebenso unüberwindlich wie das bisherige Wilhelms von Mainz: "Ibi [in Magdaburgensi civitate] etiam episcopatum facere conatus, apud Bernardum, sanctae Halverstidensis aeclesiae antistitem VII um, in cuius diocesi urbs praefata iacet, quamdiu vixit, impetrare non potuit." Bei Bernhard wird die Erklärung seines Widerstandes gemeinhin mit Altersstarrsinn gesehen: er war bereits in den 70-ern. Auch Wilhelm scheint mit dem ausgehandelten Kompromiß nicht recht zufrieden gewesen zu sein. Seine Beteiligung am weiteren Aufbau der geplanten Diözese zeigt sich zwar in den Interventionen in den Königsurkunden, mit denen OTTO I. weiterhin das im Aufbau befindliche Kirchenzentrum dotierte. Jedoch scheint der Mainzer Erzbischof einer endgültigen Entscheidung in der Magdeburger Frage ausgewichen zu sein: dies legt eine von Eduard Quiter durchgeführte Untersuchung der Kaiserurkunden der Zeit nahe, in der sich Kaiser OTTO DER GROSSE zwischen seinem zweiten und seinem dritten Italienzug im Reich aufgehalten hat. Da Wilhelm an diesen beiden Italienzügen nicht teilgenommen hat, traf er nur in dieser Zeit zwischen Januar 965 und August 966 mit dem Kaiser zusammen. Von den rund 60 Diplomen nennen allein 16 Wilhelm als Intervenienten oder Petenten: so häufig intervenierte in dieser Zeit kein anderer Erzbischof des Reiches. Doch bei einer chronologischen Zusammenstellung der Diplome ergeben sich drei Perioden, während derer Wilhelm, der seit dem Tod Bruns von Köln alleiniger Erzkanzler war, als Intervenient genannt wird (Februar bis Mai 965, Januar und Februar 966 sowie August 966), während in den dazwischen liegenden Zeiträumen (Juni bis Dezember 965 sowie März bis Juli 966) der Mainzer überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Setzt man diese Zeiträume, in denen die Anwesenheit Wilhelms am Hofe durch dessen Intervention bezeugt ist, mit dem Itinerar des Kaisers in Beziehung, so kann man feststellen, daß sich der Kaiser in diesen Monaten, in denen Kontakt mit Wilhelm bezeugt ist, sich im Südwesten und Westen des Reiches aufhielt: zuerst in Worms, Ingelheim und Wiesbaden, im zweiten Abschnitt in Köln, Aachen und Maastricht und im letzten in Speyer, Straßburg und Rufach. Während der Zeit, für die keine Intervention Wilhelms genannt ist, hielt sich OTTO I. in Sachsen auf: für den Sommer 956 sind die Aufenthaltsorte Dornburg, Magdeburg, Quedlinburg, Siptenfeld und Wallhausen, für das Frühjahr 966 wieder Quedlinburg, Siptenfeld und Wallhausen. Auch beim Magdeburger Hoftag im Juni 965 scheint Wilhelm nicht anwesend gewesen zu sein. Wilhelm hat somit ein Zusammentreffen mit seinem Vater, wie wir resümieren können, während dessen Aufenthalt in Sachsen vermieden, und das gerade zu einer Zeit, in der Kaiser OTTO DER GROSSE das Moritzkloster im Sommer 965 mit einem ganzen Bündel von Urkunden reich dotierte. Darüber hinaus nahm OTTO I. auf dem Magdeburger Hoftag im Juni 965 eine verwaltungsmäßige Neugliederung der Slawengebiete vor: er teilte die Mark des vor kurzem verstorbenen Markgrafen Gero in 6 kleinere Marken auf und  stärkte auf diese Weise die Stellung des Reiches gegenüber den mit weitreichenden Kompetenzen ausgestatteten Markgrafen. Bei dieser Neuorganisation des Gebietes und der gleichzeitigen Fülle von Schenkungen für St. Moritz hat man sicherlich auch über das weitere Vorgehen in der immer noch ungelösten Magdeburger Frage beraten.
So fällt es auf, dass Wilhelm in seinem eigenen sächsischen Metropolitangebiet die Nähe des Kaisers vermieden hat, während er in fremden Kirchenprovinzen mit dem Hof mitreiste, wo er nur die Funktion des päpstlichen Vikars und des Erzkanzlers des Reiches ausüben konnte. Seine Haltung mutet wie ein vorsichtiges Umgehen oder Verzögern der endgültigen Entscheidung über die neue Kirchenprovinz im Osten an. Was Wilhelm allerdings wirklich zu diesem skizzierten Verhalten bewogen hat, wissen wir nicht. Vielleicht stützten sich sogar die beiden Hauptgegner des Magdeburger Vorhabens, Wilhelm von Mainz und Bernhard von Halberstadt, gegenseitig in ihrem Widerstand, vielleicht zögerte Wilhelmaber auch nur, um seinen Suffragan nicht öffentlich bloßzustellen. Möglicherweise hat Wilhelm auch nur nach außen den Plänen seines Vaters zugestimmt, im Inneren seines Herzens aber weiter opponiert, da er einer Schmälerung seiner Kirchenprovinz eben doch nicht zustimmte, er Bedenken gegen die Stabilität des neuen Erzbistums im unruhigen Slawengebiet hatte oder immer noch insgeheim Widerstand gegen die Kirchenpolitik seines Vaters, des Kaisers, hegte. Und dies sind nur einige Möglichkeiten, an die man denken kann.
Auf seinem dritten  Italienzug hatte Kaiser OTTO DER GROSSE die feste Absicht, jetzt endlich den Weg für die Gründung des Erzbistums in Magdeburg freizumachen: noch auf dem Weg nach Italien urkundete OTTOfür das Kloster St. Moritz. Neben der Magdeburger Angelegenheit standen viele andere Probleme zur Lösung an: die Ordnung in Rom und im Kirchenstaat mußte wiederhergestellt werden, die Beziehungen zu Byzanz sollten geklärt werden - zumal OTTO DER GROSSE daran dachte, auch die unteritalienischen Fürstentümer in sein Hoheitsgebiet einzubeziehen.
Am 20. April 967 stellte der Papst dem Kaiser ein Privileg nach Verhandlungen auf einer Synode zu Ravenna aus, mit dem er die Erhebung Magdeburgs zu einem Erzbistum endgültig verfügte. Das neu gegründete Erzbistum erhielt einen größeren Bereich zugewiesen, als dies 962 geplant war. Die Bistümer in Brandenburg und Havelberg wurden jetzt ausdrücklich dem neuen Metropoliten unterstellt. Zudem erhielt der Erzbischof von Magdeburg das Recht, in Merseburg, Zeitz und Meißen Bischöfe einzusetzen. Hierbei verzichtete man auf die Konsensklausel von 962. Die Frage weiterer Suffraganbistümer blieb allerdings genauso offen wie der genaue Gebietsumfang des Erzbistums. Doch wieder scheiterte der Plan am hartnäckigen Widerstand Bischof Bernhards von Halberstadt, der als Hauptbetroffener den vorgesehenen Änderungen unbedingt hätte zustimmen müssen. Mit dem Hinweis auf sein hohes Alter verweigerte Bernhard die Reise nach Italien.

6. Die endgültige Lösung
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Erst im Jahr 968 änderte sich die Lage zu Gunsten des Kaisers OTTO DER GROSSE: in den ersten Monaten dieses Jahres verstarben sowohl Erzbischof Wilhelm von Mainz als auch Bischof Bernhard von Halberstadt. Die bisherigen Schwierigkeiten in der Magdeburger Angelegenheit hatten deutlich gezeigt, daß das jeweilige Einverständnis der beiden Hauptbeteiligten unbedingt vorher eingeholt werden mußte. In Form einer Urkunde erteilten die beiden neuen Bischöfe von Mainz und von Halberstadt ihr Placet zu den Abtretungen für das neu einzurichtende Erzstift. Hiermit waren die Schranken für das Erzbistum Magdeburg gefallen.
Wilhelm scheint bis zuletzt einer Entscheidung aus dem Weg gegangen zu sein. Auf der Synode zu Ravenna, die über die Pläne OTTOS DES GROSSEN beraten hat, ist sicherlich auch über die künftige Stellung des Mainzer Erzbischofs gesprochen worden, wo dieser doch als Generalvikar und bisherige Metropolit der abzutretenden Bistumsgebiete ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Doch das päpstliche Dekret schweigt darüber.
Nun berichtet die Chronik Thietmars von Merseburg, Erzbischof Wilhelm sei selbst in die Ewige Stadt gekommen, um den jungen OTTO II., der ihm zur Erziehung übergeben worden war, zur Kaiserkrönung zu begleiten. Als zusätzlichen Beleg für einen Romaufenthalt Wilhelmsließe sich die Kaiserurkunde D O I. 345 anführen, die am 23. September 967 in Rom datiert ist und Wilhelm als Intervenienten nennt. Doch nach den Erkenntnissen der Urkundenkritik Theodor Sickels ist das fragliche Diplom in der überlieferten Form erst 977 ausgestellt worden, wenn auch das Formular kanzleigemäß ist. Zudem läßt sich D O I. 345 in das Itinerar von OTTO II. einfügen, was aber notwendig wäre, falls Wilhelm seinen Schützling begleitet haben sollte: da OTTO II. erst Anfang Oktober mit seinem Vater in Verona zusammengetroffen ist, kann sich der ihn begleitende Wilhelmnicht schon in der 2. Septemberhälfte in Rom aufgehalten haben. Zudem ist die Anwesenheit des Intervenienten bei der Ausstellung der Urkunde nicht zwingend notwendig. Will man die Thietmarstelle nicht ganz verwerfen, so kann man annehmen, Wilhelm habe seinen Schützling bis an den Fuß der Alpen begleitet und dann mit Hinblick auf gesundheitliche Rücksichten den jungen König allein nach Italien ziehen lassen: Wilhelm starb ja wenige Monate später im Alter von etwa 40 Jahren.
Auch wenn es bei der Quellenlage, die uns keinen Einblick in die Überlegungen Wilhelms gestattet, nicht einfach ist, ein Resümee zu ziehen, kann man sich der Wertung Quiters anschließen: "Der Mainzer Metropolit hatte sich zwar offiziell zu einer Einwilligung in den modifizierten Plan einer Magdeburger Kirchenprovinz bereit gefunden, aber er hatte das Vorhaben nicht in dem Maße unterstützt, da seiner Stellung als Vorsteher der Mainzer Provinz und als Primas Germaniens zugekommen wäre, vielmehr scheint er sogar bewußt einer endgültigen Entscheidung sorgsam aus dem Weg gegangen zu sein."

7. Zusammenfassende Würdigung
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Die Einsetzung Wilhelms, des unehelichen Sohnes OTTOS I., als Erzbischof in Mainz, war nicht, wie die Forschung vor Lintzel meinte, ein Erfolg des Königs, der nun entsprechend zur Absicherung seiner Herrschaft durch die Einsetzung von Verwandten in die Herzogtümer nun auch den Mainzer Erzstuhl mit einem engen Verwandten besetzte, der wegen dieser Verwandtschaft zu OTTO I. zu dessen zuverlässigen Paladinen gehören würde. Die Vermutung Lintzels, mit Wilhelm sei ein Kompromißkandidat auf den Mainzer Erzstuhl gelangt, wird durch die weitere Entwicklung auf das beste bestätigt. Das Verhältnis zwischen König OTTO I. und seinem Sohn war bis an das Lebensende Wilhelms gespannt und durch die scharfe Kontroverse um die Einrichtung eines Erzbistums in Magdeburg bestimmt. Erst der Tod des Sohnes OTTOS I. machte diesen Weg zur kirchlichen Neuorganisation wirklich frei gangbar.
Für Wilhelmdarf am wenigsten unter allen Verwandten der OTTONEN-Dynastie der Grundgedanke der "Familienpolitik", wie ihn die Forschung gemeinhin sieht, postuliert werden, nämlich: es sei die Absicht des Königs gewesen, durch die Einsetzung von Verwandten die königliche Macht zu stärken. Doch andererseits ist es zu keiner direkten Auseinandersetzung zwischen König OTTO I. und Erzbischof Wilhelm von Mainz gekommen; die Kontroverse bewegte sich immer auf der diplomatischen Ebene schriftlicher Konfliktaustragung. Ja, in seinem Protestschreiben an den Papst Agapit II. schont Wilhelm seinen Vater sogar auffällig. Insoweit wäre Wilhelm wirklich am gerechtesten beurteilt, wenn wir in ihm einen Kompromißkandidaten sehen.