Richlint von Schwaben                 Herzogin von Schwaben
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um 950-2.9.1035
 

Unbekannte Tochter des Kaisers OTTO I. DER GROSSE
Nach A. Wolf/Jackman/Fried Tochter des Herzogs Liudolf von Schwaben und der Ida von Schwaben, Erbtochter von Herzog Hermann I.
 

Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

RICHLINT
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    +

Tochter Herzog Liudolfs von Schwaben und der Ida von Schwaben

  oo KONRAD VON ÖHNINGEN, Herzog von Schwaben
                 + 20. VIII 997



Heine Alexander (Hg.): Seite 39
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"Geschichte der Welfen"

Geschichte der Welfen

6. Rudolf, der Bruder des Vorigen, nahm eine Gemahlin namens Ita aus dem Hause ÖHNINGEN [Die Verwandtschaft der Ita ist der Genealogie der Welfen entnommen. Diese Angaben sind teilweise falsch, OTTO hatte keine Tochter Richlint, es gab keinen Grafen Eggebert von Stade, ein Graf Kuno von Öhningen ist unbekannt, Diessen und Andechs werden gleichberechtigt genannt.], deren Vater der sehr edle Graf Kuno, die Mutter aber eine Tochter des Kaisers OTTOS DES GROSSEN namens Richlint war. Dieser Kuno zeugte vier Söhne, Eggebert, Kuno, Liutold und Leopalt. Der erste von ihnen, nämlich Eggebert, hatte die Mark gegen die Dänen an der Grenze Sachsens, Stade genannt, und zeugte Söhne und Töchter, welche sich in verschiedene Länder zerstreut haben. Derselbe Kuno hatte auch vier Töchter, deren eine unseren Rudolf, eine andere einen von Rheinfelden, Ahnherrn der ZÄHRINGER, eine dritte den König der Rugier und eine vierte den Grafen von Dießen heiratete.

Wolf Armin: Seite 59
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"Wer war Kuno von Öhningen?"
in: Archiv für Erforschung des Mittelalters 36 1980

Ist es möglich, auch die Identität der Gemahlin Kunos/Konrads festzustellen, die die welfische Überlieferung filia OTTONIS MAGNI imperatoris und Richlint nannte? Wie wir sahen, hatte die ältere Literatur den Bericht der Genealogia Welforum weitgehend verworfen. Seit Schmid in der Reichenauer Memorialnotiz ein zeitgenössisches Zeugnis für Konrad, Richlint, fünf ihrer Kinder und zwei ihrer Enkel entdeckte, wurde der Bericht der Genealogia aber weitgehend bestätigt.
In der Forschung werden hierzu drei Auffassungen vertreten:
1. Nach wörtlicher Deutung wäre Richlint wirklich eine leibliche Tochter OTTOS DES GROSSEN von unbekannter Mutter gewesen. So sah Gisi (1887) in Richlint eine "weiter nicht bekannte, wohl natürliche Tochter OTTOS DES GROSSEN. Feger (1956) bezeichnete Richlint ebenfalls als "Tochter Kaiser OTTOS I." Auch die Europäischen Stammtafeln von Isenburg und Freytag (Ausgabe 1960) führen Kunos Frau als Tochter OTTOS DES GROSSEN an. Nach Eckhardt (1963) war sie es "vielleicht". Eine schwache Stelle dieser direkten Filiation Richlint-OTTO DER GROSSE ist aber das Fehlen jeden Hinweises auf die Mutter oder auf eine uneheliche Geburt Richlints. Weil wir sonst nirgends von einer Tochter OTTOS DES GROSSEN namens Richlint hören, erscheint diese Lösung zwar nicht unmöglich, aber doch ziemlich unwahrscheinlich. Sie ist auch bereits von Schenk zu Schweinsberg (1904), von Dungern (1910), Curschmann (1921), Dobbertin (1962) und Schmid (1966) abgelehnt worden.
2. Schenk vertrat statt dessen eine andere Deutung. Danach solle Richlinteine Nichte OTTOS DES GROSSEN und mit jener neptis vom Wormser Hoftag identisch gewesen sein, um deren Ehe ein Zweikampf geführt wurde. Ich habe oben gezeigt, aus welchen Gründen ein Bezug dieser Geschichte auf die Gemahlin Kunos 'von Öhningen' völlig ungesichert, ja sogar unwahrscheinlich ist. Eine schwache Stelle dieser zweiten Lösung liegt auch darin, daß es bisher nicht gelang, nachzuweisen oder auch nur plausibel zu machen, aufgrund welcher Filiation Richlinteine Nichte Kaiser OTTOS gewesen sein könnte. Auch diese Lösung ist daher abzulehnen.
3. Nach der dritten und neuesten Deutung wäre Richlint eine leibliche Enkelin Kaiser OTTOS DES GROSSEN und Tochter von Herzog Liudolf aus seiner Ehe mit Ida von Schwaben gewesen. Nach Liudolfs frühem Tod 957 sei Richlint - so wie es von Liudolfs Sohn Otto bereits bekannt ist - von ihrem kaiserlichen Großvater als Tochter adoptiert worden. Diese Lösung wurde zuerst von Klebel (1954) und dann vor allem von Decker-Hauff (1956 und 1957) vorgeschlagen. Es ist kein zeitgenössischer Text bekannt, der Otto und Mathilde als die einzigen Kinder Liudolfs bezeichnet, ja nicht einmal ein Text, der sie auch nur nebeneinander als KinderLiudolfs erwähnt. Beide Filiationen werden lediglich einzeln genannt. Die Geburt eines weiteren Kindes von Liudolf vermerkt der Continuator Reginos zwar nicht. Aber kann es deshalb wirklich keine weiteren Kinder Liudolfs gegeben haben, etwa Richlint? Durchaus! Denn der Fortsetzer Reginos ist weit davon entfernt, alle Geburten im Königshause vollständig aufzuführen.
Die Nichterwähnung der Geburt von Richlint ist also kein Argument gegen deren von den WELFEN unwidersprochen behauptete Abstammung von OTTO DEM GROSSEN. Diese Überlegung habe ich bei der Prüfung des Essener Nekrologs bestätigt gefunden. Darin sind von 29 bekannten Angehörigen des ottonischen Königshauses 15 genannt. Wenn auch Richlint hier fehlt, so spricht dies also nicht gegen ihre Zugehörigkeit zum OTTONEN-Haus.
Nach Widerlegung dieser denkbaren Gegenargumente können wir jetzt ganz unbefangen fragen: Was spricht dafür, dass Richlint eine Tochter Herzog Liudolfs und Itas von Schwaben war.
Ich sehe 6 Argumente.
a) Das Auftreten des Namens Otto bei 5 oder 6 Enkeln und Urenkeln der Richlint. Dieses Argument gilt natürlich in gleicher Weise, ob Kunos Frau leibliche Tochter (Lösung 1) oder leibliche Enkelin (Lösung 2) OTTOS DES GROSSEN war.
b) Im Gegensatz zu Lösungen 1 und 2 (Richlint = Tochter oder Nichte Kaiser OTTOS) ist mit der hier vertretenen Lösung 3 (Richlint= Enkelin Kaiser OTTOS) das Auftreten weiterer Leitnamen erklärbar. Bei den Kindern Richlints und Kunos finden wir die Namen Ita, Hermann und Liutold. Deren Auftreten fände eine einfache Erklärung darin, dass Ita und Hermann die Namen von Richlints Mutter und mütterlichem Großvater wären und Liutold an den Namen von Richlints Vater Liudolf (=  Liutolf) anklänge. Im Hinblick auf diese drei Namen ist die Lösung 3 den Lösungen 1 oder 2 entschieden vorzuziehen.
c) In einem Aschaffenburger Evangeliar findet sich von einer Hand des 11. Jahrhunderts die Nachricht, dass eine nobilis matrona nomine Richiza diesen von ihren parentes gestifteten Ort (das heißt das Kollegialstift St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg), durch eine Schenkung bereichert habe. Adolf Hofmeister, der 1914 auf diese Stelle hinwies, hielt Richiza für die Königin von Polen (+ 1063) und sah in der Person Herzog Ottos I. von Schwaben (+ 982) - ohne sich an dem Unterschied zwischen Singular und Plural zu stören - die als Stifter genannten parentes. Decker-Hauff hat aber 1957 in der Festschrift "1000 Jahre Stift und Stadt Aschaffenburg" dargetan, welche Schwächen diese Deutung hat. Vielmehr seien - aufgrund von Argumenten, die hier nicht im einzelnen zu wiederholen sind, - schon die Eltern Ottos I., also Herzog Liudolf und Ita, Stifter von St. Peter und Alexander gewesen. Als parentes jener "edlen Frau namens Richiza" waren sie - ganz wörtlich verstanden - deren Eltern. Richiza (eine Koseform von Frauennamen, die mit Rich- beginnen), sei dann aber jene Richlint, die Gemahlin Kunos 'von Öhningen'. Von dieser als filia OTTONIS MAGNIS imperatoris bezeichneten Richlint der welfischen Überlieferung, deren Existenz bereits durch die Reichenauer Memorialnotiz bestätigt wurde, wird damit auch die Filiation ihrer ottonischen Herkunft namentlich bestimmt. Ich sehe in diesen Überlegungen von Decker-Hauff die erste überzeugende Erklärung für Richlints Abstammung aus dem ottonischen Kaiserhaus, wie sie die welfische Überlieferung - seinerzeit unwidersprochen - behauptete.
d) Richlints Enkelin, die Gemahlin Adalberos Grafen von Ebersberg, erscheint im Chronicon Ebersbergense als Richlindis, im Jahrzeitbuch von Einsiedeln unter dem Kosenamen Richenza. Beide Namen können also wirklich die gleiche Person bezeichnen.
e) Beachtung verdient ferner die Tatsache, dass der Öhninger Gedenkeintrag in Reichenau vorgenommen wurde. Dies wäre nämlich, falls Richlint die Tochter Liudolfs und Itas von Schwaben war, kein beliebiger Ort, sondern die Grablege von Richlints mütterlichem Großvater (Herzog Hermann I. + 949).
f) Nach dem Zeugnis der Historia Marechtalensis stammte die sehr edle Gräfin Bertha von Kellmünz de progenie eorundam (sc. Suevie) ducum ab. Als Tochter Rudolfs von Rheinfelden stammte sie gewiß von einem Herzog von Schwaben ab.Wenn nun Rudolfs Urgroßmutter Richlint Tochter und Enkelin von zwei Herzögen von Schwaben war, so wäre damit erklärt, warum Bertha de progenie ducum (nicht bloß ducis) bezeichnet wurde.

Zusammenfassung:
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Als Tochter des Königs-Sohnes Liudolf und der schwäbischen Herzogs-Tochter Ita wird Richlint um 948 (zwischen Ende 947 und Anfang 949) geboren sein. Ihr Vater war damals zunächst neben ihrem Großvater Hermann I., seit 949 dann allein Herzog von Schwaben, mußte aber infolge seines erfolglosen Aufstandes 954 auf das Herzogtum Schwaben verzichten. Als Liudolf957 in Pombia bei Novara starb, wurde Richlint als etwa 9-jährige Halbweise von ihrem Großvater, König OTTO I., adoptiert: Seit etwa 960 war sie kirchenrechtlich heiratsfähig. Ihre Vermählung mit dem "sehr edlen Grafen" Kuno ist in einem der nächsten Jahre anzunehmen, vielleicht 961, als Chuonradus comes erstmals in einer Königsurkunde erscheint. Nach der gefälschten Gründungsurkunde der Öhninger Kirche stimmte sie 965 deren Stiftung zu. Vielleicht stammte ein Teil des in Schwaben gelegenen Stiftungsgutes nicht aus Kunos, sondern aus Richlints Familie.
Sie gebar ihrem Gemahl 3 Söhne und 4 Töchter: Liutold, Konrad, Hermann; Ita, Judith, N. und Kunigunde. Zusammen mit den Namen ihres Gemahls, der 3 Söhne, der 2 ältesten Töchter, eines Schwiegersohnes (Rudolf) und zweier Enkel (Welf und Heinrich) steht Richlintim Reichenauer Verbrüderungsbuch. Falls es ihr Gemahl war, der im Mai 983 Herzog von Schwaben wurde, wäre dieser Eintrag zeitlich nicht lange vor diesem Datum anzusetzen. Als nobilis matrona nomine Richiza, das heißt möglicherweise als Witwe, schenkte sie dem von ihren parentes gegründeten Stift St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg 3 Hufen in dem (noch nicht lokalisierten) Ort Criniszi. Wenn Richlint ihren 997 verstorbenen Mann überlebte, könnte sie mit jener Nonne im Niedermünster zu Regensburg identisch sein, die von einer Hand der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts unter dem 2. September als Rihlint m(onach)a im Nekrolog von Einsiedeln eingetragen wurde und unter dem gleichen Datum auch in den Nekrologen von Niedermünster I, St. Emmeram (hier 1. September), Fulda und Mondsee erscheint. Falls sie mit jener Richlint sanctimonialis identisch war, die im Jahre 1035 starb, hätte sie ein sehr hohes Alter erreicht.
Ihre Nachkommen gehörten zu den vornehmsten Häusern Deutschlands; auch die Herzöge und Könige von Polen und Böhmen stammten von einer ihrer Töchter ab. Von ihrer nach Dießen verheirateten Tochter Kunizza weiß die Überlieferung zu berichten, dass deren Großvater Kaiser OTTO DER GROSSE gewesen sei.

Hlawitschka Eduard: Seite 21
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"Wer waren Kuno und Richlind von Öhniungen"

Gründe, warum Richlind nicht die Tochter von Liudolf von Schwaben war:

a) Wolf macht aus einer filia OTTONIS MAGNI eine Neptis OTTONIS MAGNI
b) Adoptionen von Frauen waren im Mittelalter ganz unüblich (Ausnahme: Adoption der Nichten Sophia und Beatrix durch die Kaiserin Gisela)
c) Herzog Konrad wäre mit Richlind in einer Nahehe 2 : 3 verbunden
d) Bei der Ehe von Herzog Konrad von Kärnten mit Mathilde von Schwaben würde es sich um eine Nahehe nicht im Verhältnis 4 : 4, sondern 4 : 3  handeln (Diedenhofer Synode)
e) Herzog Hermann II. von Schwaben wäre mit Gerberga von Burgund in einer Nahehe im Verwandtschaftsverhältnis 3 : 3 vermählt
f) Herzog Hermann II. von Schwaben hätte 1002 begründete Ansprüche, da er wie Otto von Kärnten mit OTTO III. näher verwandt gewesen wäre als Herzog Heinrich IV. von Bayern. Thietmar berichtet dies ausdrücklich von Otto von Kärnten, nicht aber von Herzog Hermann II.
g) Der 982 in Italien verstorbene Herzog Otto von Schwaben wurde nach Aschaffenburg gebracht, wo er von dem Mainzer Metropoliten Willigis, domna Idamatre ac sorore sua Machthildae abbatissaveneranda presentibus, bestattet wurde. Von Richlind ist dabei wiederum nichts zu bemerken.
h) Als Geschwister werden Herzog Otto und Mathilde außerdem in einem Eintrag im ältesten Aschaffenburger Nekrolog erkennbar, wobei wiederum nichts von einer weiteren Schwester zu erspüren ist.
i) In Vers 1164 ff. der Gesta Oddonis von Hrotswith von Gandersheim findet man die Freude beschrieben, mit der er sich nach Abschluß seines Italienunternehmens im Spätsommer 957 zur Heimfahrt anschickte, wie er darauf brannte das väterliche Antlitz und seine Gemahlin wiederzusehen und ebenso seine seit langem schon in der Heimat zurückgelassenen beiden Kinder. Liudolf und Idahatten also nur zwei Nachkommen, das heißt neben Otto und Mathilde gab es keindrittes. Kind!

Eigene Meinung

Professor Armin Wolf stellte die These auf, daß Richlint die Tochter des Herzogs Liudolf und der Ida von Schwaben war, der sich inzwischen verschiedene Forscher anschlossen.
Mir erscheinen die Argumente für Richlint als Tochter Liudolfs nicht zwingend. Man wird den Eindruck nicht los, daß hier ein Baustein in ein Mosaik eingebaut wurde, ein Ergebnis bekannt war, und nur der Lösungsweg gesucht wurde.
1. Der Name Richlint ist mir sonst noch nie aufgefallen. Erst ihre angebliche Enkelin, die WELFIN Richlind ist als Gräfin von Ebersberg bezeugt, denn Richlint von Öhningen wird ja erst später in der Genealogia Welforum genannt. Ob sich der Name Richlint von ihrer Großmutter Regilinde (Regilindis) herleiten läßt, wie mir dies Prof. Wolf versicherte, möchte ich doch anzweifeln.
2. Wie von Prof. Wolf beschrieben, wurde Richlint nach dem frühen Tod ihres Vaters am Hofe OTTOS I. erzogen. Sie stand also von Kindesbeinen an dem Hof nahe oder lebte am Hofe. Trotzdem wird sie in keiner Quelle oder Intervention genannt. Das wäre für diese Zeit mehr als ungewöhnlich, denn auch ottonische Prinzessinnen standen im Mittelpunkt des Zeitgeschehens. Auch durch ihrer Ehe mit Herzog Konrad von Schwaben gehörte sie der Führungsschicht des Reiches an und wäre als Herzogin von Schwaben auch öfter am Hofe erschienen und keiner hätte sie irgendwo erwähnt oder zur Kenntnis genommen. Wir dürfen dabei auch nicht aus den Augen, daß Richlint auch die Stiefnichte der Kaiserin Adelheid gewesen wäre. Ich möchte nur darauf hinweisen, welchen Einfluß und welches Ansehen die Schwestern OTTOS III. 1002 und noch 1024 genossen. Nach meiner Meinung ist das Auftauchen einer bisher unbekannten ottonischen Prinzessin ausgeschlossen.
3. Johannes Fried, Prolepsis oder Tod, Seite 109 macht wahrscheinlich, daß Konrad, Sohn eines Gebhards, 950 angeblich unerlaubte Beziehungen zu einer neptis des Königs unterhielt. Dieser Konrad, der Vater Konrads von Öhningen, brüstete sich mit Beziehungen, die er zur Gemahlin Herzogs Liudolfs, der KONRADINERIN Ida, unterhielt. Wenn die These Frieds zutrifft, dann hätte der Schwiegervater Richlints intime Beziehungen zu ihrer Mutter unterhalten oder sich dessen gebrüstet. Das ist aber eine mehr als groteske und geschmacklose Vorstellung. Nach dem Hoftag von Worms hatten die KONARDINER die Gnade des Königs verloren und zu Lebzeiten OTTOS I. wäre eine Ehe seiner Enkelin mit einem KONRADINER unmöglich gewesen.
4. Wenn Richints Sohn Hermann von Schwaben in einer Ehe 4 : 4 mit seiner Gemahlin Gerberga von Burgund verbunden war, dann ist mir nicht erklärlich, warum der König auf der Synode von Diedenhofen nicht die Ehe Hermanns, sondern die Ehe von dessen TochterMathilde mit Konrad, dem Sohn Ottos von Worms, angriff. Eine solche Gelegenheit, seinen Gegner noch zusätzlich zu diffamieren, hätte sich der siegreiche Heinrich von Bayern nicht entgehen lassen. Er griff Hermann von Schwaben nicht an, weil dieser in einer kanonisch unangreifbaren Ehe lebte und somit nicht mit den OTTONEN, oder nur sehr weitläufig mit ihnen verwandt war.
5. Wenn wir Prof. Wolfs Geburtsjahr für Richlint folgen wollen, dann müßte Hermann von Schwaben um 965 geboren sein und seine Gemahlin Gerberga war etwa gleichaltrig. Warum aber dann ein Ehepaar im Alter von ungefär 30 Jahren eine Wallfahrt zur heiligen Verena zu Zurzach unternahm, damit ihnen ein Sohn und Erbe geboren werde, ist mir völlig unklar. Einem Ehepaar in diesem Alter könnte jährlich noch ein Kind geboren werden, denn Prof. Wolf wies mich darauf hin, daß Agnes, die Tochter Kaiser HEINRICHS IV., noch Kinder im Alter von 45 geboren hat.
Diese beinahe an Torschlußpanik erinnernde Handlung macht nur dann einen Sinn, wenn Hermann, wie allgemein angenommen wird, um 940/50 geboren wurde und er zum Zeitpunkt der Wallfahrt um die 50 Jahre alt gewesen wäre. Er näherte sich einem Alter, das Thietmar für Otto von Worms mit betagt angibt, und hatte noch keinen Erben und Nachfolger und vielleicht aufgrund einer Krankheit den nahen Tod vor Augen.

Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß die Gemahlin Kunos von Öhningen möglicherweise Richlint geheißen haben kann, sie war aber sicher nicht eine Tochter oder Enkelin OTTOS I. Warum der Genealoge der Welfen glaubte hier eine OTTONEN-Verwandtschaft konstruieren zu müssen, entzieht sich meiner Kenntnis.
 
 
 
 

  oo Konrad I. Herzog von Schwaben
      915/20-20.8.997
 
 
 
 

Kinder:

  Liutold Graf von Mömpelgard
       -

  Konrad Graf
         -24.11.994

  Hermann II.
  945/50-4.5.1003

  Ita von Öhningen
       -16.10.

  oo Rudolf II. Graf von Altdorf (WELFE)
               -10.3.

  Uda
         - jung
 
 
 
 

Literatur:
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Fried, Johannes: Prolepsis oder Tod? Methodische und andere Bemerkungen zur Konradiner-Genealogie im 10. und frühen 11. Jahrhundert - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 279 - Heine Alexander (Hg.): Geschichte der Welfen. Phaidon Verlag GmbH Essen Seite 39 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 1-11,15,18-22,24-26,29,33,35-39,41,44,47,54-57,59-61,64,66-69,72-75,77,80, 88-91,96,102,105,110,113-115,120,138-145,148-151,155,159-165,170,180,183-189,191,193-195,
197-199,202,204 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 8,48,59,68,100,103,111,147 - Hlawitschka, Eduard: Wer waren Kuno und Richlind von Öhningen? Kritische Überlegungen zu einem neuen Identifizierungsvorschlag. In: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 128 1980 Seite 1-49 - Schmid Karl: Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter. Ausgewählte Beiträge, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1983, Seite 127,130,138 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 115 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 10 - Wolf Armin: Wer war Kuno von Öhningen? Überlegungen zum Herzogtum Konrads von Schwaben (+ 997) und zur Königswahl vom Jahre 1002. in Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Band 36, Seite 25-83 1980 - Wolf Armin: Zur Königswahl Heinrichs II. im Jahre 1002. Verwandtschaftliche Bedingungen des Königswahlrechts. in: Genealogisches Jahrbuch Band 42 Verlag Degener & Co. Neustadt a.d.Aisch 2002, Seite 5-88 -