Glocker Winfrid: Seite 119-135
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Brun von Köln
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(1. Hälfte) 925-10.10.965

Brun, der jüngste Sohn König HEINRICHS I. und der Königin Mathilde, wurde schon mit vier Jahren für den geistlichen Stand bestimmt. Nach Beendigung seiner Studien übernahm er wichtige politische Aufgaben als Leiter der Königskanzlei und als Erzbischof von Köln. In seiner Person ist die Union von geistlicher Würde und weltlichem Amt als Idealtyp eines Klerikers im ottonisch-salischen Reichskirchensystem ausgebildet; dies allerdings - was man sich immer vor Augen halten muß - unter der besonderen Bedingung der Zugehörigkeit zur königlichen Familie.

1. Brun als Kanzler
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Brun wurde als dritter Sohn König HEINRICHS I. aus dessen zweiter Ehe mit der Königin Mathilde im Mai 925 geboren und bereits im Alter von vier Jahren für den geistlichen Stand bestimmt. Es sei hier an die bekannte Tatsache erinnert, daß die deutsche Reichskirche eine Adelskirche gewesen ist, und dass alle Adelsfamilien einige ihrer Nachkommen dem geistlichen Stand überantworteten. Auch König HEINRICH fügte sich dieser Konvention, die ihre Erklärung nicht zuletzt in der Sorge um das Seelenheil findet, das durch das Verrichten guter Taten durch Stellvertreter gesichert werden sollte.
Brun erhielt seine Erziehung durch Bischof Balderich von Utrecht, der der REGINAR-Familie zuzuordnen ist - einer Familie, zu der die LIUDOLFINGER wenige Jahre zuvor mit der Heirat der Königs-Tochter Gerberga und des Herzogs Giselbert von Lothringen in verwandtschaftliche Beziehungen getreten waren. Die umfassende Ausbildung schloß auch den Unterricht in der lateinischen Grammatik (die neben der eigentlichen Sprachlehre auch Literatur, Logik und Philosophie umfaßte), in Rhetorik, Geschichte und Sprachen (darunter Griechisch, in der damaligen Zeit ein Seltenheit) ein. Im Alter von 14 Jahren mußte Brun seine Studien abbrechen, da ihn OTTO I. im Jahre 939 an den königlichen Hof berief, wo er, Brun, nunmehr Tätigkeiten in der königlichen Kanzlei übernehmen sollte.
Über das anfängliche Wirken Brunos in der Kanzlei sind wir durch keinerlei Quellen unterrichtet, und so können wir nur vermuten, dass Brun seinen Bruder, den König, auf dessen Feldzügen gegen Heinrich, Eberhard und Giselbert begleitete: die Königskanzlei reiste üblicherweise mit dem Hof mit. Auffällig ist die politische Großwetterlage, während der Brun in die Kanzlei berufen wurde. In einer Zeit, in der König OTTO I. seine Herrschaft zu stabilisieren suchte, wählte er Brun, wohl in der Hoffnung, dieser könne ihm in Zukunft als zuverlässiger Berater zur Seite stehen. Ob Brun allerdings in den ersten Jahren am Hof einen maßgeblichen Einfluß auf die königliche Regierung ausübte, wie dies die jüngste Darstellung des späteren Kölner Erzbischofs annimmt, scheint doch sehr fraglich, wenn man das jugendliche und damit unerfahrene Alter Brunos bedenkt: er war damals 14-15 Jahre alt. Eher wäre an einen Wechsel auf die Zukunft zu denken.
Im September 940 erscheint Brun erstmals in der Rekognitionszeile einer Königsurkunde als Kanzler. Hiermit war die Stellung Bruns am königlichen Hof sozusagen institutionalisiert; OTTO setzte nun für die kommenden Jahre auf seinen Bruder, der auch jetzt noch jede freie Minute für seine Studien nutzte. Wenn man die Königsurkunden der nächsten Jahre untersucht, kann man eine spürbare Unsicherheit in der Beurkundungstätigkeit feststellen, die erst allmählich, mit zunehmender Erfahrung und Reife Bruns, einer besseren Ordnung Platz macht. Parallel zu dieser Einarbeitung in die Aufgaben des Kanzlers wird Brun auch entsprechend mehr und mehr Einfluß auf die Regierungstätigkeit ausgeübt haben. Der Kanzler war privater Sekretär und engster Berater des Königs. In seinen Händen lag die Überwachung der täglichen Geschäfte der Reichskanzlei, und durch seine Hand gingen alle Dokumente. Diese waren zumeist in lateinischer Sprache verfaßt, deren König OTTO nicht mächtig war, und so war es Bruns Aufgabe, diese Texte für seinen Bruder, den König, zu übersetzen. Durch diese Tätigkeit hatte er selbstverständlich einen hohen Einfluß auf die politischen Entscheidungen.
Brun war in der königlichen Kanzlei aber nicht nur einfach verwaltend tätig, sondern nahm auch bald Veränderungen und Verbesserungen vor. Die Urkundentexte wurden neu formuliert und in Mustern festgeschrieben, um künftig Zweideutigkeiten noch mehr zu vermeiden. In ihrer Bedeutung höher einzuschätzen als die Verbesserung am Urkundenformular ist jedoch die Gründung einer Klosterschule, die junge Kleriker im Rahmen der Kanzlei zu Notaren ausbildete, die später auch Aufgaben in der Kirche übernehmen konnten.
Neben dem Amt des Kanzlers in der Reichskanzlei hatte Brun bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof die Stellung eines Diakons inne und danach auch die des Abtes in mehreren Klöstern, darunter in der Reichsabtei Lorsch und vermutlich auch in der Abtei Corvey an der Weser. Durch diese Tätigkeit Bruns wurden diese Klöster zu führenden Zentren der Reformbewegung. Bruns Förderung innerkirchlicher Reformen war aber durch ein politisches Motiv zumindest mitbedingt: eine bessere Verwaltung durch gut ausgebildte und fromme Mönche ermöglichte es den Klöstern, sich aus der Abhängigkeit vom ortsansässigen Adel zu befreien; ein neuer Rückhalt für die Herrschaft des Königs wurde hier aufgebaut, aber auch eine Pflanzstätte für königstreues Personal.
Während der Jahre seiner Kanzlerschaft hielt sich Brun praktisch ständig am Hofe seines Bruders, des Königs, auf. Er begleitete OTTO I. auch auf dessen ersten Italienzug, auf dem er, Bruno, in seinem Rang in der königlichen Kanzlei noch erhöht wurde: Bruno wurde Erzkanzler des Reiches. Mit diesem hohen Amt erkannte der König die Verdienste seines Bruders an und zeichnete ihn für seine Leistungen aus - freilich war das Amt des Erzkanzlers zu einem bloßen Ehrenamt herabgesunken. Zugleich könnte König OTTO I. mit der Auszeichnung Bruns beabsichtigt haben, dem bisherigen Erzkanzler, Erzbischof Friedrich von Mainz, einen kleinen Dämpfer zu versetzen, da sich Friedrich schon einmal der Herrschaft König OTTOS gegenüber reserviert gezeigt hatte und nun den Erzkanzlerrang mit einem Mann teilen mußte, der nicht einmal die Würde eines Bischofs, geschweige die des Erzbischofs, aufweisen konnte. Brun hat freilich mit der Übernahme des Erzkanzleramtes die Leitung der Kanzleigeschäfte nicht aus der Hand gegeben.
In den Konflikt des Königs-Sohnes Liudolf mit König OTTO I., ein Konflikt zwischen Neffe und Bruder, dürfte Brun vermittelnd eingegriffen haben. Routger berichtet, Brun habe Liudolf, als dieser bei der Belagerung von Mainz zu Unterhandlungen in das Lager des Königs gekommen war, zur Seite genommen und unter vier Augen ein eindringliches Gespräch mit ihm geführt. Die Rede Brunos, die Routger sicher im Hinblick auf den dramatischen Effekt hin verfaßt hat, hat zwar sicher keinen authentischen Charakter; dennoch können wir zwei wichtige Informationen entnehmen. Zum einen zeigt die Tatsache, daß Routger mit einer solchen fingierten Rede auf Glaubwürdigkeit bei den Zeitgenossen rechnen konnte, wie wichtig die Vermittlertätigkeit Brunos für die Politik dieser Jahre gewesen sein muß, und wie zentral seine Position in der königlichen Familie war. Zum anderen können wir aber auch erkennen, welche Schlüsselrolle im politischen Denken der OTTONEN-Zeit die Familie an sich und im besonderen die königliche Familie gespielt hat. "Wir hören eine Menge über Liudolfs Sohnespflichten und wenig über das Reich". Liudolf wird ermahnt, Rücksicht auf das ehrwürdige Alter seines Vaters, auf die väterliche Liebe, die er von Kindesbeinen an empfangen habe, zu nehmen; er verachte Gott, wenn er seinen Vater verachte, und er möge bedenken, wer es war,  der alle Fürsten des Reiches ihm durch den Treueid verpflichtet habe. Der Konflikt des Königs mit Liudolfwird somit auf einen Konflikt in der Familie der LIUDOLFINGER reduziert, der schließlich durch die Vermittlertätigkeit Bruns ausgeglichen werden kann.
Nachdem sich Liudolf seinem Vater in Saufeld unterworfen hatte, läßt Routger seinen Protagonisten, den Erzbischof Brun, eingreifen, um den Königssohn, der auch weiterhin eine latente Gefahr für die Herrschaft des Königs darstellte, zu beruhigen und ihn wieder mit einer Aufgabe auszustatten, die seiner Stellung entsprach. Nachdem OTTO DER GROSSE in der Lechfeldschlacht gesiegt hatte, riet - so Routger - Brun seinem Neffen, die Gunst der Stunde zu nutzen und den Vater um Verzeihung zu bitten. Routger schreibt es also dem Einfluß Bruns auf den König zu, für Liudolf die Verzeihung und die neue Aufgabe, Italien zu sichern, durch seine Fürsprache bewirkt zu haben. Brun hätte somit einen gewichtigen Beitrag zur weiteren Absicherung der Herrschaft OTTOS DES GROSSEN geleistet, da mit der Entfernung Liudolfs nach Italien der noch schwelende Konfliktherd bis auf weiteres gelöscht war, der durch die Amtsenthebung des Schwabenherzogs entstanden war. Zugleich könnte man auch auf Brunos Konto gutschreiben, dass Liudolf durch die Zuteilung Italiens von seinen Anhängern räumlich weit genug getrennt war, um damit Sachsen für den König zu sichern: war doch die Kernlandschaft der ottonischen Herrschaft immer das oder zumindest ein Zentrum einer neu entstehenden Rebellion gewesen. Und mit dem Weggang Liudolfs in das langobardische Königreich stand in Sachsen auch kein potentieller Anführer für einen eventuellen Aufstand mehr zur Verfügung.
Seit Brun zum Erzbischof von Köln und zum Herzog von Lothringen erhoben worden war, konnte er sich nicht mehr wie zu Zeiten seiner Kanzleitätigkeit ständig in der Umgebung seines Bruders, des Königs, aufhalten, da ihn die neuen Amtspflichten zeitlich stark in Anspruch nahmen. Dennoch sahen sich Brun und König OTTO regelmäßig, fast jedes Jahr. Während des zweiten Italienzuges OTTOS DES GROSSEN wurde Erzbischof Bruno mit der Stellvertretung in der Reichsregierung beauftragt, und zwar in Gemeinschaft mit seinem Neffen, Erzbischof Wilhelm von Mainz, dem unehelichen Sohn OTTOS DES GROSSEN. Während dieser Zeit der Regentschaft der beiden Kirchenfürsten berichten die Quellen nichts über Aufstände oder Verschwörungen. Anscheinend wurde die Regentschaft Brunos und Wilhelms von den Großen des Reiches anerkannt, wenn wir auch kaum näheres darüber wissen. Nicht vergessen dürfen wir allerdings, daß zu dieser Zeit kein Angehöriger der OTTONEN-Familie mehr zur Verfügung stand, der in einem neuerlichen Aufstand die Führung hätte übernehmen können: OTTO DER GROSSE hatte alle seine tatsächlichen und potentiellen Gegner überlebt.
Als OTTO DER GROSSE, nunmehr Kaiser, in das Reich zurückgekehrt war, eilte ihm sein Bruder, der Erzbischof von Köln, nach Worms entgegen und feierte dort mit dem Kaiser das Fest Maria Lichtmeß. Zum letzten Mal sahen sich die beiden Brüder bei dem großem Treffen aller Angehörigen der ottonischen Familie, bei dem sich der Kaiser in seiner neu gewonnenen Würde den Angehörigen präsentierte. Über solche Treffen hinaus wurde der Kontakt zwischen König OTTO I. und Brun auch in der Zwischenzeit aufrechterhalten. Zu alledem wirkte der Einfluß Brunos am königlichen Hof auch nach seinem Ausscheiden aus der Kanzlei weiter, weil es seine Schüler waren, die nun die Kanzlei betreuten.
Brunwar somit bis zu seinem Tod intensiv an der königlichen Herrschaft beteiligt. Besonders eindrucksvoll verdeutlichen ließe sich die Stellung Brunos an einer Urkunde des Erzbischofs Everacrus von Lüttich, die den Erzbischof von Köln an erster Stelle unter den Fürsten nach den drei Monarchen OTTO DER GROSSE, OTTO II. und König Lothar von Frankreich nennt: diese Urkunde ist allerdings eine Fälschung. Bevor wir dieses Zeugnis für unseren Zweck, die Stellung Bruns einschätzen zu können, verwerten dürften, müßten wir das Dokument einer eingehenden Urkundenkritik unterwerfen, die hier jedoch nicht geleistet werden kann.

2. Erzbischof von Köln und "archidux" in Lothringen
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Seit dem Jahr 953 war Brun Herzog von Lothringen und etwa seit der gleichen Zeit Erzbischof in Köln. Brun wurde die Aufgabe übertragen, das Herzogtum zwischen Rhein und Maas für das Reich zu sichern. Brun löste diese Aufgabe nicht nur mit Bravour, sondern konnte Lothringen sogar enger an das Reich binden. Wie war es dazu gekommen?
Spätestens mit dem Anfang des Jahres 953 hatten sich die beiden Herzöge Konrad von Lothringen und Liudolf von Schwaben gegen Herzog Heinrich von Bayern verbündet. Hiermit hatte der Liudolf-Aufstand begonnen. Da sich König OTTO vor seinen Bruder Heinrich stellte, war er nicht nur von dem Aufstand mit betroffen, sondern rückte unter den Gegnern der Aufständischen in die zentrale Position vor. Und die Lage König OTTOS gestaltete sich noch bedrohlicher: nicht nur die beiden Herzogtümer Liudolfs und Konrads, Schwaben und Lothringen, schlossen sich dem Aufstand an, sondern auch die fränkischen Gegenden um Mainz und Worms. Hier hatte die Familie Konrads des Roten ihr traditionelles Machtzentrum, dort residierte Erzbischof Friedrich von Mainz, der sich den Empörern anschloß. Franken hatte bisher neben Sachsen zu den Säulen der königlichen Macht gehört.
Am 9. Juli 953 starb nun Erzbischof Wigfrid von Köln, der dem König treu ergeben gewesen war - gehörte doch auch er der Familie der LIUDOLFINGER an - und schon längere Zeit gekränkelt hatte. Auf den vakanten Sitz mußte ein Mann, auf den sich König OTTO unbedingt verlassen konnte, zumal Köln ja mitten im unsicheren Herzogtum Lothringen lag. Und wer hatte sich bisher für die Krone zuverlässiger gezeigt als Brun, der Bruder des Königs? Die Wahl des neuen Erzbischofs wurde zwar in regulärer kanonischer Weise vorgenommen, aber sogar Routger deutet die Einflußnahme des Königs in vorsichtigen Worten an. Der Aufstand Liudolfs zog immer weitere Kreise, deretwegen sich König OTTO I. zu einem neuen, bisher noch nie gewagten Schritt entschloß. OTTO DER GROSSE übertrug seinem Bruder, Erzbischof Bruno von Köln, die herzogliche Gewalt in Lothringen: "fratrem suum Brunonem occidenti et provisorem, et, ut ita dicam, archiducem, in tam periculoso tempore misit." Routger versucht, wie Helmut Neumann bei der Interpretation der zitierten Stelle aufgezeigt hat, mit "tutor" und "provisor" als gemeinverständlichen Synonyma das neugeschaffene Amt zu definieren; anschließend ordnet der Biograph Brunos diese Amt in Analogie zur kirchlichen Hierarchie ein:
     archidux  :  dux  =   archiepiscopus  :  episcopus
Die Amtsgewalt Brunos im Herzogtum Lothringen scheint nur eine Art "Oberstellung" beinhaltet zu haben: Konrad der Rote gilt auch weiterhin als Herzog, bis ihm auf dem Reichstag zu Arnstadt das Herzogsamt aberkannt wurde; doch durfte Konrad seinen Herzogstitel als Zeichen der Zugehörigkeit zum Reichsfürstenstand weiterhin behalten.
OTTO DER GROSSE hatte mit der Ernennung seines Bruders Brun, des Erzbischofs von Köln, völliges Neuland beschritten: noch nie hatte ein Kleriker die Herrschaft über ein ganzes Herzogtum übertragen bekommen. Auch die Zeitgenossen dürften die Ungewöhnlichkeit der nunmehrigen Stellung Bruns empfunden haben. Nur so ist es zu verstehen, dass sich Routger die ganze "Vita Brunonis" hindurch bemüßigt fühlt, den weltlichen Rang des Klerikers Brun zu verteidigen. Brun hat diese Stellung freilich nicht erhalten, weil er Kleriker, sondern weil er der zuverlässige Bruder OTTOS I. war.
Die Ernennung des Kölner Erzbischofs zum Herzog war auch für die Zukunft der Königsherrschaft richtungsweisend: hier entstand zum ersten Mal die Gemeinschaft von geistlicher und weltlicher Sphäre, die Einheit von Kirche und Staat. Das Zusammenwirken dieser beiden Bereiche sollte - dies wurde in den folgenden Jahren ganz deutlich - dem Schutz des Reiches, dem Frieden und der Ordnung dienen, und die Kirche sollte durch die weltliche Ordnung ergänzt werden. Es entstand daraus das, was die Forschung gemeinhin als das ottonisch-salische Reichskirchensystem bezeichnet. Brun selbst gilt in der Literatur als der "Prototyp" des ottonisch-salischen Reichsbischofs, wenngleich die "archidux"-Stellung nur ihm persönlich galt und nicht beim Kölner Erzbistum verblieb. Als politische Persönlichkeit bleibt Brun einzigartig, da sich kein anderer in dem gleichen Maße wie er in den Dienst des Staates einbrachte. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß unser Bild Brunos immer stark durch die Zeichnung des Routger in der "Vita Brunonis" geprägt sein wird: Routger hat aus dem Zusammenfließen von kirchlichen und weltlichen Amtsaufgaben in einer Person, die Mitglied der Herrscherfamilie und Bruder des Königs war, eine familiäre Struktur der Königsherrschaft abstrahiert.
Bruno von Köln, dem neuernannten "Erzherzog", konnte von seinem Bruder OTTO I. die Aufgabe, Lothringen zu sichern, allein überlasse werden, als sich der König nach Bayern begab, um dort gegen Liudolf vorzugehen. In Aachen fand unter der Leitung Bruns eine Versammlung der Fürsten Lothringens statt. Die Wahl dieses Versammlungsortes zeigte Bruns Legitimitätsdenken: Aachen war der Ort der Krönung OTTOS I. gewesen, stand aber auch in der KARLS-Tradition, die zugleich den Anspruch auf Lothringen implizierte. Doch auch die Schwierigkeiten, die Brun bei der Anerkennung seiner Stellung in Zukunft noch haben sollte, wurden schon bei dieser Versammlung deutlich: wie auch vier Tage später bei der feierlichen Thronbesetzung Brunos in Köln, erschienen nur Bischöfe aus Lothringen: andere Herzogtümer waren nicht vertreten.
Es gelang Brun, mit einer Politik des "divide et impera" die lothringischen Adligen auf seine Seite zu ziehen; sie wurden in den Kreis der Berater des Erzbischofs und "Erzherzogs" aufgenommen. Geschickt nutzte der Königsbruder die Feindschaft der Großen Lothringens gegen Herzog Konrad. Bereits kurz nach seiner Weihe zum Erzbischof trat Bruno Konrad dem Roten bei Rimlingen gegenüber, eine Begegnung die ohne Kampf verlief, da der Kölner Erzbischof Konrad davon überzeugen konnte, ein Kampf ginge "contra regem", worauf dieser auf die militärische Auseinandersetzung verzichtete. Es stellt sich hier die Frage, ob nicht auch Brun vor der kriegerischen Auseinandersetzung zurückgeschreckt ist. Wie konnte er überhaupt einen Waffenkampf mit seiner Stellung als Kleriker und als Erzbischof vereinbaren? Wir wissen, dass Brun selbst Heere anführte und vermutlich auch selbst Waffen trug. Dennoch scheint er ein diplomatisches Vorgehen, wenn möglich, vorgezogen zu haben, wie uns das der Continuator Reginonis im Falle des Rimlinger Treffens überliefert hat, und wie wir es auch aus dem weiteren Handeln Brunos in Lothringen entnehmen können.
Seit Anfang 954 war Konrad der Rote durch Brun offenbar isoliert worden: wir hören zumindest nichts mehr von Kämpfen zwischen Herzog Konrad und Erzherzog Bruno. Alleiniger Herzog in Lothringen war Brunallerdings erst seit dem Reichstag von Arnstadt, auf dem Konrad seinen Verzicht auf das Herzogtum leistete.
Doch auch jetzt konnte die Lage in Lothringen noch nicht als beruhigt angesehen werden. Es gab weitere potentielle Gegner, die sich bald zu Wort meldeten. Am  mächtigsten war nach dem Herzog die Familie der REGINARE, deren Haupt zu den Zeiten Brunos Graf Reginar III. vom Hennegau war. Dieser nahm im Jahr 955 Lüttich ein und setzte dort Bischof Rather, einst Lehrer Brunos und somit Günstling des "Erzherzogs", ab: er war - aus seinem Veroneser Bischofssitz vertrieben - von Brun noch an seinem Kölner Weihetag zum Bischof von Lüttich umordiniert worden; Rather hatte aber als Landfremder in lothringischen Lüttich seine Stellung nie festigen können. Als Nachfolger bestieg der Neffe Reginars, Balderich, den Lütticher Bischofsstuhl. Bruno konnte zunächst nichts gegen die gefährliche "familiäre Identität von regionaler Adels- und Bischofsherrschaft" unternehmen, da die REGINAR-Familie ihre Loyalität gegenüber Kirche und Reich versicherte. Doch bald bot sich eine Gelegenheit, gegen Reginar und seine Familie vorzugehen.
Um seine Machtstellung abzusichern, hatte Reginar das Witwengut der Gerberga, der Schwester OTTOS DES GROSSEN und nunmehrigen Witwe König Ludwigs IV. Transmarinus, okkupiert. Dieses Witwengut war Gerberga von ihrem ersten Gemahl, Herzog Giselbert übertragen worden, der seinerseits der REGINAR-Familie angehörte. Eine gewisse Berechtigung wird man daher dem Vorgehen Reginars III. nicht absprechen können, da die fraglichen Güter dem Besitz der Familie entstammten.
König Lothar, der Sohn Gerbergas, griff in diese im Grunde innerlothringische Angelegenheit ein, die allerdings wegen des zu erwartenden Erbfalles beim Tode seiner Mutter auch seine eigene sein mußte, und eroberte in einem Handstreich die Festung Reginars am Chiers, die auf Reichsgebiet lag; dabei gelang es ihm, die Gemahlin und Kinder Reginars gefangenzunehmen. Auf Bitten seiner Schwester Gerberga vermittelte Brun zwischen seinem Neffen Lothar und Reginar, der das Witwengut der Gerberga im Tausch gegen seine Angehörigen herausgeben mußte. Brun erscheint hier auf den ersten Blick als neutraler Schiedsrichter, der zwischen den Parteien, nur um die Gerechtigkeit besorgt, waltete. Doch wie groß war seine Beteiligung wirklich? Wir sind bei der Antwort auf Vermutungen angewiesen, können aber aus der Kenntnis der Gesamtergebnisse mit gutem Grund folgern, dass Brunvon dem Eingreifen Lothars im voraus informiert gewesen sein muß. Der französische König mußte keinen Augenblick lang zögern, einen ottonischen Vasallen in Lothringen anzugreifen. Dieses Vorgehen Lothars scheint ohne ein stillschweigendes Einverständnis des lothringischen "Erzherzogs" nur schwer vorstellbar. Zudem hatte ja auch Brun von Lothars Aktion profitiert: die Macht Reginars wurde geschmälert, ohne dass Brun gegen seinen Vasallen auftreten mußte und auf diese Weise etwa andere lothringische Große verstimmt hätte. Brun nutzte somit geschickt die Gegnerschaft Lothars gegen Graf Reginar III. aus, um sein eigenes Ziel, die Festigung der OTTONEN in Lothringen, weiter zu betreiben.
Als sich Graf Reginar im Jahr 957 zu einem neuen Aufstand erhob, griff Brun mit seiner ganzen militärischen Macht durch. Er sammelte seine eigenen Gefolgsleute und beorderte auch König Lothar gegen Graf Reginar, obwohl der westfränkische König dafür einen eigenen Feldzug abbrechen mußte. Gegen diese Übermacht rechnete sich Reginar keine Chance mehr aus und gab auf. Nun statuierte Brun gegen den  aufrührerischen Grafen ein Exempel: Reginar wurde abgesetzt und in die Verbannung geschickt; seinen konfiszierten Besitz erhielten treue Adlige, während die REGINAR-Söhne von der Nachfolge ihres Vaters ausgeschlossen wurden. Auch gegen die Stadt Cambrai, die Bischof Berengar - er war als Verwandter des sächsischen Königshauses von Brun eingesetzt worden - vertrieben hatte, ging der Kölner Erzbischof mit geradezu unchristlicher Härte vor und unterdrückte den Aufstand blutig.
Die letzten Erhebungen in Lothringen gingen von dem Grafen Immo aus, der in den Jahren 959 und 960 Aufstände anzettelte, aber für Brun keine allzu große Gefahr mehr darstellte. Graf Immo von Chevremont und Graf Robert von Namur hatten auf Befehl Bruns Teile ihres Besitzes an andere Adlige übertragen müssen, um so ihre eigene Macht zu verringern. Zudem mußten sie angeblich Burgen, die ohne Wissen Bruns errichtet worden waren, abtragen. Hierzu kamen auch noch militärische und finanzielle Belastungen. Die genauen Forderungen sind aus den Quellen nicht eruierbar, ja Flodoard bringt den Hauptpunkt der Forderungen Brunos, die "schwarz" errichteten Festungen zu schleifen, in die Nähe eines Gerüchts. Wir können eigentlich den Quellen mit Sicherheit nur entnehmen, daß sich Immo und andere Adlige gegen den lothringischen "Erzherzog" wegen bestimmter Forderungen Brunos erhoben. Die Rädelsführer dürften auch keine große Zahl von Anhängern um sich geschart haben; für diese Annahme spricht, dass es Brun rasch gelang, den Aufstand niederzuwerfen. Einen Feldzug Brunos nach dem Westfrankenreich nützten Immo und Robert zu einem neuen Versuch, Bruns Macht zu stürzen. Obwohl Bruno die Burgen der Aufständischen nicht erobern konnte, waren diese zur Unterwerfung gezwungen, da es ihnen an jeglicher Unterstützung mangelte.
Wie Brun in den Jahren seines Archidukates in Lothringen gezeigt hat, griff er mit harter Gewalt durch, wenn er es für notwendig erachtete. Man dürfte nicht zu weit gehen, Brun als konsequenten Machtpolitiker machiavellischer Prägung zu bezeichnen, der auch nicht davor zurückschreckte, seine Ziele - wenn er es für notwendig und unumgänglich erachtete - mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Für König OTTO I. war die Zeit des Erzherzogsamtes seines Bruders Bruno wichtig und von Vorteil, da Lothringen und damit auch die Kernlandschaften der ottonischen Herrschaft am Rhein für die königliche Macht gesichert wurden.
Militärischer Druck allein schien Brun allerdings nicht ausreichend, um Lothringen dauerhaft für das Reich sichern zu können. Die neue Stütze für die Herrschaft des ostfränkischen Königs sollte der Episkopat werden. Nur die Bischöfe, deren Einsetzung einer gewissen Einflußnahme des Königs unterstand, konnte ein zweiter Tragpfeiler des Staates neben und auch gegen die unsicheren weltlichen Adligen werden. Brun setzte zielstrebig Schüler seiner Bischofsschule in Köln auf die freiwerdenden Bischofssitze in Lothringen. Auf diese Weise kamen die meisten Bistümer in die Hände von Vertrauten Bruns, die zudem zum Teil noch mit den OTTONEN verwandt waren. Alle diese Bischöfe waren in der Bischofsschule Bruns oder in der Hofkapelle zur Loyalität erzogen worden. Nach Eignung und Pflichtbewußtsein wurden sie von Brun für den Dienst in Kirche und Reich ausgewählt. Dennoch blieben auch Brun Fehlgriffe und Rückschläge nicht erspart. Sein engster Vertrauter, Bischof Rather, konnte sich in Lüttich nicht durchsetzen. Auch die Position Bischof Berengars von Cambrai war trotz des Eingreifens Bruns und der fortgesetzten Schreckensherrschaft des Bischofs Berengar nicht zu halten.
Brun beugte auch eventuellen Ansprüchen des westfränkischen Reiches auf Lothringen vor: In einer Situation, in der - Bruns eigene Macht nicht ungefährdet war, ließ sich der "archidux" von König Lothar den Verzicht auf Lothringen bestätigen.
Möglicherweise - die Frage ist in der Forschung stark umstritten - versuchte Brun auch eine Verwaltungsreform, indem er das Herzogtum Lothringen in zwei Unterherzogtümer aufteilte. Durch ein Quellenzeugnis belegt ist freilich nur die Einsetzung Friedrichs, des Sohnes des Wigerich und der Kunigunde, der Graf von Bar und zudem noch mit einer Nichte Brunos, Beatrix, der Tochter Hugos des Großen und der Hadwig, vermählt war. Dieser Graf Friedrich wurde nach Flodoard zum Stellvertreter eingesetzt und ist in zwei Urkunden zudem als "dux" bezeichnet. Eine solche Maßnahme Brunos, Lothringen in zwei Unterherzogtümer aufzuteilen - sollte dies historisch sein, was beim momentanen Forschungsstand als noch nicht endgültig geklärt angesehen werden muß -, könnte zum Ziel gehabt haben, durch eine Intensivierung der Herrschaft, wie sich dies durch einen kleineren Amtsbereich für die Unterherzöge erreichen ließ, die lokalen Adelsgewalten besser in den Griff zu bekommen und sie somit zur Anerkennung der Herzogsherrschaft zu zwingen.

3. Die Einflußnahme Bruns im Westreich
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In den Jahren seines Archidukates in Lothringen griff Bruno immer stärker in die Belange des westfränkischen Reiches ein. Um das Reich OTTOS DES GROSSEN vor der Gefahr eines einigen und damit starken Westreiches zu schützen, nützte Bruno - wie schon zuvor OTTO DER GROSSE selbst - die inneren Gegensätze zwischen KAROLINGERN und ROBERTINERN. Die Verwandtschaft des "Erzherzogs" mit den beiden Häusern, die sich oft als Gegner gegenüberstanden, ermöglichte es Brun, als Schwager und Onkel zum Vermittler und somit zum heimlichen Regenten des westfränkischen Reiches zu werden. Brunsuchte den innerfranzösischen Gegensatz zu erhalten, um beide Parteien auf diese Weise zu zwingen, sich auf sich selbst zu konzentrieren. So war Lothringen, das Ursprungsland der KAROLINGER, vor eventuellen Ansprüchen des westfränkischen KAROLINGER-Königs gesichert. Brun nahm an den westfränkischen Angelegenheiten einen weit stärkeren Anteil als dies sein Bruder, König OTTO I., je getan hatte. Die Regierung des Westreiches lag praktisch in den Händen eines ottonischen Familienrates, in dem Brun dominierte, und OTTO DER GROSSE die graue Eminenz im Hintergrund war.

4. Zusammenfassende Würdigung Bruns
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Unter den Geschwistern OTTO DES GROSSEN, war Brun derjenige, der sich am zielgerichtesten nach den Intentionen des Vaters und des Bruders entwickelt haben dürfte. Brun ließ sich dort einsetzen, wo Gefahr für die königliche Herrschaft drohte, der König selbst aber nicht eingreifen konnte. So wies OTTO I. seinem Bruder zwei verschiedene Ämter zu, die Brun gut zu kombinieren verstand: das weltliche und das geistliche Fürstentum. Aus dieser Doppelaufgabe heraus entwickelte sich das Bemühen Bruns, den Frieden im Reich um jeden Preis zu sichern, notfalls auch mit militärischen Mitteln. So griff "Erzherzog" Brun in Lothringen mit harter Gewalt durch, um die Herrschaft seines Bruders, des Königs, zu festigen. Gegner wurden sowohl durch die erzbischöflichen wie auch durch herzoglichen Machtmittel zur Raison gebracht.
Neben diesen Fähigkeiten als Politiker und Feldherr setzte Brun auch seine geistigen Qualitäten ein, um den Aufbau einer neuen Machtstruktur mit der Ausbildung von Bischöfen in der Kölner Bischofsschule zu beginnen. Das Verhältnis Bruns zu seinem Bruder OTTO DEM GROSSEN kann nicht allein durch die verwandtschaftlichen Beziehungen erklärt werden, die sich im Rahmen der ottonischen Familienpolitik so oft als Flop erwiesen hatten. Brun handelte immer im Sinne seines Bruders, des Königs: er stellte sich nie gegen dessen Herrschaft und war somit als ein Angehöriger der LIUDOLFINGER-Familie eher eine Ausnahmeerscheinung.