Grafen von Klettenberg
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Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1211
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Klettenberg
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Thüringisches Grafengeschlecht mit Stammsitz in Klettenberg bei Walkdenried am Harz, mit Albert von Klettenberg 1187 erstmals nachweisbar. Es stand mit Kloster Walkenried in Beziehung und ist wahrscheinlich von der edelfreien Familie von Ballhausen abzuleiten, die im Dienste Kaiser FRIEDRICHS I. in Italien aufstieg. Die schmale Güterausstattung des Geschlechts lag am südlichen Rand der Goldenen Aue und bei Nordhausen. Vor den Grafen von Ho(h)nstein, mit denen sie 1219 in Fehde lagen, mußten die KLETTENBERGER schließlich weichen, ihr Besitz wurde 1253 in die Grafschaft Ho(h)nstein einverleibt, 1267 verloren sie ihre letzten Güter und verschwanden aus der Überlieferung. Bis 1593 gab es eine Linie Klettenberg-Lohra der Grafen von Ho(h)nstein.

Literatur:
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K. Mascher, Reichsgut und Komitat am Südharz im HochMA, Mitteldt. Forsch. 9, 1957, 17-32 - H. Eberhardt, Landgericht und Reichsgut im n. Thüringen, BDLG 95, 1959, 75-80.
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Hans Patze/Walter Schlesinger: Seite 184
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"Geschichte Thüringens"

Die Grafen von Klettenberg sind genealogisch sehr wahrscheinlich von einem Albert von Ballhausen abzuleiten, welcher 1144 in einer Urkunde Erzbischof Heinrichs von Mainz vorkommt. Ein Albert von Ballhausen, wahrscheinlich derselbe, weilte mit seinem Sohn Konrad 1170 bei FRIEDRICH BARBAROSSA  in Frankfurt, und mit dem Kaiser hielt sich Konrad 1160-1165 und 1172-1177 in Italien auf. Konrad ist zeitweise Podesta von Ferrara gewesen. Beide, Konrad und Albert, wurden in kaiserlichen Diplomen 1161 und 1170 als Grafen bezeichnet. Eine genealogische Verbindung zwischen ihnen und einer Familie ministerialen Standes, die sich in der Mitte des 13. Jahrhunderts ebenfalls nach Ballhausen bezeichnet, besteht nicht. Dagegen kann gesagt werden, dass die Grafen von Ballhausen mit hoher Wahrscheinlichkeit identisch mit den Grafen von Klettenberg sind, denn diese besaßen Eigengüter in Ballhausen und Umgebung und führten die Leitnamen Albert und Konrad. Wenige Jahre nachdem die Grafen von Ballhausen verschwunden sind, erscheinen die Grafen von Klettenberg. Da Grundlagen für ihre gräflichen Rechte in Ballhausen nicht vorhanden waren, muß man annehmen, dass ihr Dienst in Italien ihnen den Grafentitel eingebracht hat, den sie in Thüringen weitergeführt haben. Die Quellen geben keinen Aufschluß darüber, ob sich die Grafen auf dem Kalksteinfelsen über dem Dorf Klettenberg (südwestlich Walkenried) mit Billigung BARBAROSSAS festgesetzt haben. Nach neuerer Auffassung ist der Stifter von Walkenried, nicht der Familie zuzurechnen. Auch später finden sich keine Anzeichen dafür, dass sie sich als Nachfolger der Stifterfamilie betrachten. Anspruch auf die Vogtei von Walkenried ist nicht zu erkennen. Andererseits ist nicht ausgeschlossen, dass sie mit Billigung BARBAROSSAS in der Nähe des Klosters, für das der Kaiser dreimal geurkundet hat, Fuß gefaßt haben. 1187 erscheint Albert von Klettenberg in einer Urkunde für die Zisterzienser von Walkenried. Der Güterbesitz der Familie blieb immer schmal. Alle Güter lagen am südlichen Rand der Goldenen Aue in Berga, Uthleben, Windehausen, Othstedt, Niederrode, Groß-Werther, Groß- und Klein-Wechsungen und Nordhausen. Streugüter in Schwabsdorf, Sulzbach, Ebra, Pfüffel und anderen Orten scheinen durch Heirat angefallen zu sein. Dichter Besitz lag zwischen Nordhausen und Walkenried in Besenrode, Haferungen, Vodenrod, Fladichendorf. Wahrscheinlich waren letztere Orte alle Gandersheimer Lehen. Einzelne Hufen besaßen die Grafen in Obersachswerfen, vollständig gehörten ihnen die Dörfer Branderode und Neuendorf, die sie als fuldaische Afterlehen der Grafen von Orlamünde besaßen. Der Ort Klettenburg war Lehen des Erzstiftes Magdeburg. Sehr bald ist die weitere Ausdehnung der Grafen von ihrer Stammburg aus durch die benachbarten Grafen von Honstein behindert worden. 1219 wurde die erste Fehde ausgetragen, und um 1253 konnte die Stammburg erobert werden. Die Grafschaftsrechte gingen damit auf die Grafen von Honstein über. Als Burgmannen auf dem Klettenberg sind Herren von Klettenberg, von Meinwarderode, Haferungen, von Pützlingenund von Mackenrode bezeugt. Die Grafen hielten in Klettenberg, Uchtenfeld und vor der Stadt Nordhausen Gericht. 1267 wurden auch die letzten Besitzungen des Geschlechts mit dem Dorf Ellrich und den Reichslehen von den Grafen von Honstein in Besitz genommen. Das Geschlecht hatte in dem allgemeinen Wettlauf um den Aufbau einer Landesherrschaft kaum die 1. Stufe überwunden, da wurde es von Gleichstrebenden ausgelöscht. Den HONSTEINERN kam bei der Vernichtung zweifellos die Unruhe des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges zustatten. Nur selten begegnen die Grafen in den Zeugenreihen der Landgrafen oder anderer Dynasten Thüringens.