Werner Karl Ferdinand: Seite 468
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

VII. Generation
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Zum Todesjahr König Adalberts (bei Brandenburg "nach 968 VII [nach 971?]") vgl. Hiestand 219 mit Verweis auf C.G. Mor, L'eta feudale 1, 1952, 344: zwischen 972 und 975.
In einer längeren Abhandlung hat Brandenburg (Anmerkung zu VII, 36) zu zeigen versucht, daß Gerberga, die Gattin Adalberts und Mutter des Grafen Otto Wilhelm von Macon, eine Tochter des Grafen Letald II. von Macon gewesen sei, und nicht des Grafen Lambert von Chalon. Diese Auffassung ist zurückzuweisen und die ältere beizubehalten.
Vgl. zu den Grafen von Macon jetzt auch G. Duby, La societe aux XI et XII siecles dans la region maconnaise, Paris 1953, 91, vor allem 94ff. Otto Wilhelm (siehe VIII, 49) ist nicht in den Besitz der Grafschaft Macon gekommen als Sohn einer Grafen-Tochter aus diesem Hause, sondern als 2. Gemahl der Ermentrud, die in 1. Ehe den Grafen Albericus II. von Macon geheiatet hatte. Während die Söhne aus dieser 1. Ehe, Albericus und Letald, jung starben, trägt keines der Kinder aus Ermentruds 2. Ehe einen der Leitnamen des älteren Grafenhauses von Macon (Raculfus, Letald, Albericus); sie kommen auch bei den weiteren Nachkommen aus der Verbindung Otto Wilhelms mit Ermentruds nicht mehr vor. Die chronologischen Bedenken von Brandenburg entfallen, da Gerberga die Tochter Lamberts von Chalon aus dessen 1. Ehe ist, nicht aus Lamberts 2. Ehe mit Adela, aus der Hugo, Bischof von Auxerre und Graf von Chalon, hervorging. Gerberga ihrerseits hat in 2. Ehe, nach dem Tode Adalberts, Otto-Heinrich, den Herzog von Burgund, geheiratet (siehe VIII, 14). Otto-Heinrich, der zunächst zum Kleriker vorgesehen war, hat nur eine Ehe geschlossen, eben die mit Gerberga, die mit ihrem Sohn Otto Wilhelm an seinem Hofe weilte. Das Zeugnis der Gesta episcoporum Autissiodorensium, HF 10,171, wonach die Gattin des Herzogs eine Schwester des Grafen Hugo von Chalon (und Bischof von Auxerre) gewesen sei, behält also seinen vollen Wert. Auch in einem anderen entscheidenden Punkt hat Brandenburg das Zeugnis der Leitnamen nicht beachtet. Er gibt selbst zu, daß Gerberga nicht die Tochter Letalds von Macon gewesen sein könne, wenn die Gattin Otto Wilhelms, Ermentrud, identisch ist mit Ermentrud von Roucy, der Tochter des Renaud de Roucy; denn, "nach den kirchlichen Vorschriften (war) eine Ehe mit der Witwe des leiblichen Oheims völlig ausgeschlossen." (Ermentrud von Roucy ist als Gattin des Grafen Alberich II. von Macon bezeugt, der nach der Annahme von Brandenburg der leibliche Bruder Gerbergas, der angeblichen Letald-Tochter, wäre. Otto Wilhelm hätte also die Witwe Alberichs, des [angeblichen] Bruders seiner Mutter Gerberga, geheiratet). Der Nachweis, daß die Gemahlin Otto Wilhelms nicht irgendeine andere Ermentrud war, wie Brandenburg unterstellt, sondern Ermentrud von Roucy, würde also die These von Brandenburg nach dessen eigener Auffassung zu Fall bringen. Nun ist aber an der Identität Ermentruds mit der gleichnamigen Tochter des Grafen Renaud de Roucy nicht zu zweifeln, denn ein Sohn aus Ermentruds Ehe mit Otto Wilhelm trägt den Namen des Großvaters, Renaud! Damit nicht genug: Eine Tochter trägt den ottonischen Namen Mathilde, und er ist ihr zugekommen aus dem Umstand, daß Renaud de Roucy ja Gemahl der Alberada war, einer Tochter aus der 1. Ehe von Gerberga, der Tochter König HEINRICHS I. und der Mathilde, mit Giselbert von Lothringen! Der von Brandenburg angefochtene Beleg für die Ehe Otto Wilhelms mit der Witwe seines Vorgängers in Macon, Alberich, eben der Ermentrud von Roucy (Cartul. de l'aglise de Macon nr. 7) ist also zutreffend: Zwar erst im 12. Jahrhundert aufgezeichnet, gibt er die Kenntnis in Macon selbst wieder. Dagegen ist ein Versehen die Angabe einer Urkunde des späteren Grafen Odo (Otto I.) von Macon, in der er Letald von Macon seinen atavus nennt: Hier wurde aus dem bloßen Vorgänger, mit dem Otto nicht blutsverwandt war, vom Hersteller der Urkunde ein Ahn gemacht. Von dieser Urkunde war Brandenburg ausgegangen und suchte die Richtigkeit ihrer Angabe gegen alle entgegenstehenden Momente zu erweisen.


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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

VIII. Generation
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Vgl. zu Otto Wilhelm von Burgund unsere ausführlichen Darlegungen oben Anmerkung VII, 47.
Der Versuch des Grafen, nach dem Tode seines Stiefvaters, des Herzogs Otto-Heinrich von Burgund, 1002 das Herzogtum für sich zu gewinnen, scheiterte an König Robert II., dem er sich 1005 durch Verzicht beugte. Die Auseinandersetzungen um das Herzogtzum nahmen jedoch erst mit dem Tode des Bischofs Bruno von Langres 1016 ein Ende.