Diwald Helmut: Seite 75-94
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"Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches."

Nach den erfolgreichen Feldzügen von 772 und 777 hatte KARL DER GROSSE die sächsischen Edelinge zur Unterwerfung und Huldigung geladen. Widukind, Fürst der Westfalen, erschien auf dem Reichstag zu Paderborn (Ostern 777) nicht, sondern floh zum Dänen-König Sigfred. Der Sachsenfürst war aber keineswegs nur aus Sorge um seine Sicherheit dieser Zusammenkunft ferngeblieben; er hatte sich entschiedener als alle anderen Gaufürsten der Sachsen dem Kampf gegen König KARL, gegen die Franken und das Christentum verschrieben. Sichere Angaben über seine Beteiligung fehlen, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch bei den Kämpfen um die Hohensyburg führend war. Eine seiner eigenen großen Besitzungen, der Oberhof am rechten Ufer der Ruhr, zu dem vier angrenzende Bauernschaften gehörten, lag in unmittelbarer Nähe der Hohensyburg; sie galt deshalb auch als seine Stammburg. Dass Widukind in Paderborn nicht erschien, war jedenfalls aufsehenerregend genug und mußte als ein Beweis dafür angesehen werden, dass sich der Westfalenfürst inzwischen auch in der damaligen Öffentlichkeit zum wichtigsten Gegenspieler KARLS DES GROSSEN in dem Ringen zwischen Franken und Sachsen profiliert hatte. Auch der Sturm auf die Eresburg und ihre Eroberung im Jahr 775 scheint unstreitig von Widukind geleitet worden zu sein. Sein Aufgebot war allerdings dem Gegenangriff der Franken und ihrer Panzerreiter im darauffolgenden Jahr nicht gewachsen. Widukind mußte durch ganz Westfalen bis über die Weser zurück; er beschloß nun, sich mit seinen Unterführern in das sichere Gebiet des dänischen Königs Sigfreds, seines Schwagers, zurückzuziehen und hier die nächste Gelegenheit abzuwarten.
Während KARLS DES GROSSEN Spanienfeldzug 778 nutzte Widukinddie Gunst der Stunde erneut. In einem wahren Vernichtungsrausch war Widukind mit seinen Kriegern durch das Bergische Land bis zum Rhein gestürmt, hatte sich bei Deutz nach Südosten gewandt, war rheinaufwärts bis Koblenz gezogen und von dort aus durch den Lahngau tief nach Hessen vorgedrungen. Die Sachsen hatten auf ihrem sichelähnlichen Vernichtungszug gnadenlos jedes Kloster und jede Kirche niedergebrannt. Der König gab in Auxerre den Befehl, dass ostfränkische und alemannische Truppen in Eilmärschen nach Norden ziehen sollten, um den Sachsen womöglich den Rückzug abzuschneiden und sie zu stellen, bevor sie ihr eigenes Land erreicht hatten. Der Plan mißlang, die Franken stießen nur noch auf die Nachhut des Sachsenheeres, dessen Gros schon die Eder, den linken Nebenfluß der Fulda, bei Leisa überquert hatte. Das Treffen bei der Furt des Flusses war blutig, die Verluste der Sachsen waren beträchtlich. Entscheidend war vielmehr, dass Widukind mit dem Hauptteil des sächsischen Aufgebots unbehelligt die Heimatgebiete erreichte, denn die Franken verzichteten nach dem Treffen an der Eder auf weitere Verfolgung und kehrten zurück.
Mit dem Ergebnis nicht zufrieden, unternahm König KARL 779 das vierte große Unternehmen gegen die Sachsen. Das Sachsenheer überschritt den Rhein bei Lippenham im Raum Wesel und rückte gegen die Verschanzungen vor, die von den Sachsen noch außerhalb ihres Gebietes angelegt worden waren. Zum ersten größeren Zusammenstoß kam es bei Bocholt an der Aa; die Sachsen wurden unterworfen. Noch größer war der Erfolg der Franken bei dem Treffen kurz darauf in den Coesfelder Bergen bei dem Dorf Darup. Die fränkischen Panzerreiter durchbrachen ohne Mühe die Befestigungen der Sachsen, teilten sich zu einer Zangenbewegung und eroberten die Anlage. Sie drangen danach bis zur Weser vor uns schlugen linksseitig gegenüber von Uffeln ihr Lager auf. Damit hatten sie ganz Westfalen in der Hand. Trotz dieser Erfolge war es nicht der triumphale Sieg, den KARL erringen wollte. Gegenüber seinem Lager auf dem Amtsberg bei dem heutigen Ort Vlotho hatten die Engern und Ostfalen auf der anderen Seite der Weser eine vorzügliche Stellung ausgebaut, die ihnen eine sichere Beherrschung der Furt ermöglichte. KARL hütete sich deshalb, trotz seiner Truppenübermacht den Flußübergang zu versuchen. Auf beiden Seiten setzte sich schließlich die Überzeugung durch, dass ein gütliches Arrangement am vorteilhaftesten sei. Auf einer Insel in der Weser trafen Parlamentäre zu Gesprächen zusammen. Nach etlichen Tagen war man sich einig, die Engern und Ostfalen stellten Geiseln und leisteten die geforderten Eide. KARL verzichtete auf einen weiteren Vormarsch, er zog über Paderborn und die Eresburg nach Worms ins Winterlager und feierte in der Stadt Weihnachten und ebenso das Osterfest.
KARL brach im Frühjahr 780 erneut an der Spitze eines Heeres auf, zog über die Eresburg ins Quellgebiet der Lippe nach Horheim. Er hatte den gesamten sächsischen Adel dorthin bestellt, um seine Unterwerfung entgegenzunehmen und die Taufe durchführen zu lassen. Widukind blieb auch diesmal fern. Er sei, so wurde KARL erklärt wiederum zum Dänenkönig gegangen und würde wahrscheinlich nie mehr in Sachsen auftauchen. KARL war deshalb überzeugt, dass jetzt der Widerstandswille der Sachsen nachhaltig genug gedämpft war, um auch die kirchlichen Angelegenheiten so zu regeln wie im ganzen Frankenreich. Der König führte auch in Sachsen die Grafschaftsverfassung ein. Letzte Hand an die innere Umgestaltung Sachsens wurde auf dem Reichstag des Jahres 782 in Lippspringe durch den Erlaß der Capitulatio de partibus Saxoniae gelegt. In den Reichsannalen wird ausdrücklich notiert, dass Widukindauch diesmal nicht erschienen sei.
Noch im selben Jahr glaubte KARL, die Verpflichtung der Sachsen zum Kriegsdienst auf die Probe stellen zu können. Die Sorben zwischen Elbe und Saale waren zu einem Plünderungszug in thüringisches Gebiet eingebrochen. Ein gemischtes Großaufgebot von Franken und Sachsen sollte sie verjagen. Wider Erwarten rückten die Sachsen mit erfreulich starken Einheiten heran. Die Kontingente sammelten sich am Süntel, einem langgestreckten Bergzug an der Weser nördlich von Hameln. Die genaue Stelle läßt sich nicht mehr markieren, weil in der alten Zeit der ganze Nordrand der Weserfestung, also der Wiehen - zusammen mit dem Wesergebirgszug, links und rechts der Porta Westfalica, als Süntel bezeichnet wurde. Höchstwahrscheinlich kam es im Raum östlich von Minden und damit tatsächlich in der Nähe des heutigen Süntelgebiets zur Schlacht.
Widukind hatte den Aufstand dieses Jahres besonders sorgfältig geplant, er konnte auch die Friesen dafür gewinnen. Während die fränkischen Einheiten schon in das Gebiet rückten, das die Sorben heimsuchten, brach der Sachsenaufstand los. Vor seiner Gewalt verblaßten alle früheren Rebellionen. Die Zahl der Krieger, die aus fast sämtlichen Sachsenstämmen zusammengeströmt waren, übertraf die Erwartungen - für KARL DEN GROSSEN ein entsetzlicher Rückschlag, da es keinen augenfälligeren Beweis dafür geben konnte, dass die sächsische Zusammengehörigkeit stärker war als jede Taufe und jeder Treueid. Als die Führer der fränkischen Truppen die Nachricht erhielten, dass die Sachsen sich erhoben, die vom König eingesetzten Grafen erschlagen und zahlreiche Kirchen und Klöster niedergebrannt hatten, kehrten sie mit ihren Kontingenten sofort um. Kurz darauf trafen sie mit dem Grafen Theoderich, einem Verwandten des Königs zusammen. Theoderich hatte in aller Schnelligkeit Truppen zusammengezogen und war ins Aufstandsgebiet gerückt. Die fränkischen Befehlshaber hatten von der Stellung des Sachsenheeres Widukinds ein genaues Bild. Sie verabredeten, den Gegner in einer Zangenbewegung von zwei Seiten zu umfassen. Im Osten wollten Marschall Gailo, der königliche Kämmerer Adalgis und der Pfalzgraf Worad mit ihren Truppen Widukindangreifen. Kurz darauf sollte Graf Theoderich mit seiner Einheit von Westen aus den Sachsen in die Flanke fallen.
Doch ein Plan ist nicht besser als seine Durchführung. Dem Bericht in den Fränkischen Reichsannalen ist kaum etwas hinzuzufügen: "Nachdem Graf Theoderich am Süntel sein Lager aufgeschlagen hatte, setzten die drei Befehlshaber, so wie es verabredet war, über die Weser, um so den Berg leichter umgehen zu können, und lagerten sich am Ufer des Flusses. Nunmehr besprachen sie sich untereinander und äußerten schließlich die Befürchtung, die Ehre des Sieges könnte dem Theoderich alleine zufallen, wenn er an der Schlacht teilnähme. Daher beschlossen sie, ohne ihn die Sachsen zu attackieren. Sie griffen also zu ihren Waffen und rückten in größter Eile, als ob sie es nicht mit einem in Schlachtordnung stehenden Feind zu tun hätten, sondern mit der Verfolgung von Fliehenden und mit Beutemachen, so schnell jeden sein Roß tragen konnte, auf die Sachsen los, die sie vor ihrem Lager in Schlachtreihe erwarteten. So unselig der Anmarsch, so unselig verlief auch der Kampf selbst. Kaum hatte die Schlacht begonnen, wurden sie von den Sachsen umzingelt und fast bis auf den letzten Mann niedergehauen. Wer sich retten konnte, floh nicht in das eigene Lager, von denen sie aufgebrochen waren, sondern in das Lager Theoderichs, das jenseits des Gebirges lag. Die Verluste der Franken waren noch höher, als es zahlenmäßig zu sein schien, denn Adalgis und Gailo, die beiden Sendboten des Königs, ferner vier Grafen und etwa 20 andere erlauchte und vornehme Männer wurden getötet, ebenso all die vielen anderen, die ihnen gefolgt waren und lieber mit ihnen sterben, als sie überleben wollten.
In dem Bericht des Annalisten wird zwar der leichtsinnige, fast kopflose Angriff verurteilt, zu dem sich die Franken aus purer Ruhmsucht und aufgrund ihres arroganten Überlegenheitsgefühls verleiten ließen. Doch für die Katastrophe war das nicht ausschlaggebend. Entscheidend war die ausgezeichnete Führung, die Schlachtordnung und Disziplin der Sachsen, ebenso ihre überragende Tapferkeit. Nur dadurch war es ihnen möglich, den Ansturm der fränkischen Panzerreiterei zerschellen zu lassen. In diesem Moment brachen sächsische Berittene aus ihren Flankenstellungen in den dunklen Waldgebieten des Süntels hervor, umzingelten das Frankenheer und hieben es zusammen.
Als der König die Hiobsbotschaft erhielt, brach er umgehend mit allen Truppen auf, die er in der Eile zusammenraffen konnte, und zog ins Wesergebiet. Er befahl sämtlichen Sachsenführern, sich in seinem Lager bei Verden, unterhalb der Mündung der Aller in die Weser, zu versammeln. Die meisten fanden sich auch mit ihren Kriegern ein. Als der König nach den Ursachen für den neuen Aufstand forschte, wurde ihm übereinstimmend versichert, dass Widukind dafür verantwortlich gewesen sei. Doch bestehe keine Aussicht ihn zu fangen, weil er sich bereits wieder unerreichbar und gesichert bei den Dänen befinde. Diese Schuldzuweisung konnte die Wut und den Groll des Franken-Königs nicht besänftigen; sie wurde auch schwerlich mit der Absicht vorgetragen, Verantwortung abzuwälzen. Die Erbitterung des Königs über den neuen Aufstand, der fürchterlicher als jede frühere Erhebung gewesen war, ebenso sein Zorn über die katastrophale Niederlage am Süntel haben bei dieser Versammlung zweifellos eine erhebliche Rolle gespielt. Ausschlaggebend aber war die Ansicht KARLS, dass es sich bei diesen rebellierenden Sachsen, deren Gebiet inzwischen nichts anders mehr war als ein Territorium seines Frankenreiches, einfach um Hochverräter handelte, weil sie sich als seine Untertanen gegen ihn empört hatten. Auf Hochverrat aber stand nach den geltenden Gesetzen die Todesstrafe. Den König interessierten in Verden nur beiläufig die Gründe für den neuen Aufstand. Er war in erster Linie zum Gerichtstag und zur Aburteilung gekommen. Sein Spruch lautete auf Tod. Er gab den Befehl, alle Sachsen, die man ihm vorgeführt hatte und die auf sein Urteil warteten, hinzurichten. Sie wurden sämtlich an einem einzigen Tag getötet, 4.500 Mann.
KARL war mit einer starken Truppenmacht nach Verden gekommen und die Sachsen erwarteten nicht  nur unbewaffnet, sondern auch gefesselt sein Urteil. Auf welche Weise sie dazu gebracht wurden, in Verden zu erscheinen, wissen wir nicht. Die Leichen der von den Kriegern exekutierten Sachsen wurden in die Aller geworfen, sie trieben in die Weser und dann ins Meer. Einige Jahre später ließ KARL DER GROSSE an der Gerichtsstätte eine Holzkirche errichten. Sie wurde zum Mittelpunkt des Bistums Verden.
KARL hatte versucht, im Herbst desselben Schicksalsjahres 782 und den ganzen Winter hindurch Widukindin Sachsen aufzuspüren. Er verließ sich nicht auf die Versicherung, dass der Rebell schon längst wieder bei seinem Schwager in Dänemark sei. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit noch so gering war, ihn durch Zufall zu entdecken und zu fangen, der König wollte das Risiko nicht eingehen, auch nur die kleinste Chance außer acht gelassen zu haben. Die fränkischen Trupps, die das Land durchzogen, hieben gnadenlos alle bewaffneten Sachsen, auf die sie stießen, zusammen, setzten Häuser in Brand, verwüsteten die Siedlungen. Das Blutgericht von Verden brachte freilich dem Land nicht den Frieden der Furcht und die Ruhe der Lähmung, sondern steigerte den Haß und Zorn der Sachsen auf einen Siedepunkt. Im Frühjahr 783 war Widukinderneut zur Stelle. Ohne besondere Anstrengungen sammelte er wieder starke Verbände, auch von den Friesen wurde er kräftig unterstützt. KARL hatte, kaum dass ihn die ersten Meldungen von der neu aufgeflammten Empörung erreichten, starke Truppen zusammengezogen, überquerte in aller Schnelligkeit den Rhein und fiel in Engern ein. Im Mai 783 kam es in der Nähe von Detmold zur zweiten großen Feldschlacht. Bei diesem Treffen wurde die Kriegserfahrung des Königs ausschlaggebend. Es gelang ihm, die sächsischen Heerhaufen noch vor ihrer Vereinigung einzeln zu besiegen. Die Verluste auf beiden Seiten waren außerordentlich. Doch ob es sich wirklich um einen so überragenden Erfolg der Franken gehandelt hat, wie die Annalisten glauben machen wollen, ist mehr als fraglich, denn KARL zog sich mit seinen Truppen in höchster Eile nach Paderborn zurück und wartete hier Verstärkungen ab. Eine Woche später kam es zu einem weiteren gewaltigen Treffen nordwestlich von Osnabrück an der Hase. Die Franken hatten diesmal vor allem westfälische und friesische Krieger unter der Führung Widukinds als Gegner. Die Schlacht tobte drei Tage und Nächte. Schließlich waren die Sachsen eindeutig geschlagen. Widukindmußte sich in eine nahegelegene Burg zurückziehen; sie trägt noch heute seinen Namen: Wittekindsburg. Die Zahl der Gefallenen auf beiden Seiten belief sich auf mehr als 6.000. Die Franken konnten die Fluchtburg Widukinds einschließen. Als die Lage aussichtslos wurde, entschloß sich der Sachsen-Herzog zu einem nächtlichen Ausfall, durchstieß den Belagerungsring und entkam.
Im darauffolgenden Frühjahr mußte König KARL wie gewohnt nach Sachsen aufbrechen, denn Widukinds erneuter Aufstand hatte nicht auf sich warten lassen. Da die Weser Hochwasser führte, war ein Übergang nicht möglich. KARL wandte sich deshalb nach Thüringen, um von der Elbe nach Ostfalen vorzudringen. Die Front in Westfalen hatte der König seinem Sohn Karl überlassen - freilich nur nominell, denn der Knabe war erst 12 Jahre alt. Im münsterländischen Dreingau kam es zu einem Treffen, bei dem die Sachsen die Oberhand behielten. Da Widukind bis tief in den Herbst hinein, ja selbst noch im Winter ständig neue Überfälle inszenierte, blieb der fränkische König auch in der kalten Jahreszeit im Kriegsgebiet. Als Standort für seine engste Umgebung und seine Familie wählte er die Eresburg. Er bereitete schon in diesen Monaten den neuen Frühjahrsfeldzug vor und war jetzt entschlossen, den Widerstand der Sachsen ein für allemal zu brechen. Aus diesem Grund zahlte er Widukindseine ununterbrochene Aktivität mit gleicher Münze heim. In den Annalen heißt es dazu: "Während der König in der Eresburg weilte, schickte er vielfach Scharen ab und machte auch selbst einen Zug; er ließ die aufständischen Sachsen ausplündern, eroberte ihre Burgen, drang in ihre Befestigungen ein und säuberte die Straßen, bis der passende Zeitpunkt herangerückt war."
Damit meint der Annalist den Reichstag zu Paderborn im Frühjahr 785. KARL zog unmittelbar darauf mit einem gewaltigen Heer durch den Bardengau bis zur Unterelbe. Nirgends hatten die sächsischen Truppen standhalten können. Sie waren jetzt im wesentlichen auf den nördlichen Raum rechts der Elbe, also auf ihr altsächsisches Stammesgebiet zurückgeworfen.
In dieser Situation kam es zu einem entscheidenden Wechselgespräch. Die Details sind nicht zu klären, doch es scheint ziemlich sicher zu sein, dass sowohl der König als auch der Sachsenherzog bereit waren, einen Schlußstrich unter das verzweifelt blutige Ringen zu ziehen. KARL erhielt von Widukindein Friedensangebot. Darin deutete er an, dass er nach Erfüllung bestimmter Garantien bereit sei, sich zu unterwerfen. Zur selben Zeit ließ der König durch sächsische Vermittler Widukinddie Einstellung der Kämpfe nahelegen: Er garantierte jeden Schutz, wenn er endlich seinen Widerstand aufgebe.Widukind nahm die Offerte an, verlangte aber zur Sicherheit die Stellung von Geiseln. Der König erfüllte die Bedingungen und ließ diese Geiseln durch Amalwin, einen seiner Hofleute, überbrigen. Damit betrachtete er die Unterwerfung Sachsens als beschlossene Sache, stellte alle Kämpfe ein und begab sich eine seiner bevorzugten Residenzen, in die vom MEROWINGER-König Chlodwig II. im Jahre 674 erbaute Pfalz Attigny an der Aisne, in der Champagne, am Südrande der Ardennen.
Wenig später brach Widukind mit einem kleineren Gefolge unter Führung Amalwins ebenfalls nach Attigny auf. In seiner Begleitung befanden sich seine zuverlässigsten Gefährten, allen voran Abbio, der mit Widukind verwandt war, ebenso Widukinds Gemahlin Gera. Am Weihnachtsfest 785 ließen sich Widukindund sein Gefolge taufen, gleichzeitig legten sie einen feierlichen Eid auf den König ab. KARL DER GROSSE wurde Taufpate des Sachsenherzogs. Als Taufgeschenk erhielt Widukind vom König ein überaus kostbares, in Gold getriebenes Reliquiar.
Mit dem Jahr 805 endeten die sächsischen Erhebungen, bricht der letzte Widerstand zusammen. Zwar ist es nur ein Zufall, aber doch auch bezeichnend, dass diese Tatsache und das Ableben Widukinds beinahe zeitgleich sind. Sein genaues Todesdatum steht nicht fest, es wird zumeist auf den 7. Januar 807 verlegt. In Enger soll Widukind im Jahr 785, noch unmittelbar vor seiner Taufe, eine Kirche gestiftet haben. Hier dürfte er auch gestorben und begraben worden sein. Seine mutmaßliche Ruhestätte trägt seit dem 11. Jahrhundert eine Grabplatte.