Lexikon des Mittelalters:
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Werden,
ehem. Abtei OSB (Stadt Essen, Nordrhein-Westfalen).
Im Rahmen seiner Glaubensverkündung in Westfalen gründete der hl. Liudger nach Münster (793) in Werden um 799 auf Eigengut ein zweites angelsächsisch geprägtes monasterium, dem er in Personalunion vorstand. Nach seinem Tod (809) behaupteten seine Verwandten bis 877 den Besitz Werbens als Eigenkloster (Rektoren). Die große liturgisch-memorative Bedeutung Werbens für die Liudgeriden (847 erscheint Liudger erstmals als Patron neben Salvator) dokumentiert die von Bischof Altfrid von Münster († 849) initiierte Vereinigung der bisherigen Einzelgräber in einer Familiengrablege (Ringkrypta). Auseinandersetzungen innerhalb der Gründersippe veranlaßten 877 den letzten Liudgeriden, Bischof Hildegrim von Halberstadt († 886), den weiteren Bestand Werbens durch die Kommendation an den König zu sichern. Der an der Verleihung königlichen Vorrechte (Immunität, Abtswahl, Vogtgerichtsbarkeit) ablesbare Aufstieg Werbens zum Reichskloster leitete eine bis um 1150 dauernde Blüte ein. Neben den Tochtergründungen Nottuln und Helmstedt zeugen davon vor allem ein weit gestreuter, grundherrschaftlich gut organisierter Besitz (Niederrhein, Westfalen, Flandern, Friesland), eine reiche Bibliothek mit bedeutendem Skriptorium (Hss. theol., hagiogr. und musiktheoret. Inhalts) und nur noch zum Teil erhaltene Werke der Malerei, Bildhauerei und des Erzgusses. Um 1150 hielt vielleicht der Siegburger Ordo in Werben Einzug und könnte die seit Anfang des 11. Jh. befolgten Gewohnheiten von Gorze abgelöst haben. Die traditionell engen Beziehungen zum Königtum erkalteten unter Friedrich Barbarossa (Verlust des Münzrechts); dies erklärt auch den Parteiwechsel Abt Heriberts II. (1197-1221) zu Otto IV. im Thronstreit. Die 1234 am Widerstand des hochadligen Konvents endgültig scheiternde Reform Werbens löste eine Phase langanhaltenden Niedergangs aus, bestimmt von Kämpfen mit den kirchlichen (Erzbischof von Köln) und weltl. Nachbarn, Verfall der klösterlichen Disziplin und hoher Verschuldung. Erst die vom Klostervogt, dem Herzog von Kleve, erzwungene Einführung der Bursfelder Reform 1474 bewirkte einen neuen Aufschwung.
H. Seibert
Quelle: Lexikon des Mittelalters, CD-ROM-Ausgabe.
Verlag J. B. Metzler 2000. LexMA 8, 2196-2197