Das Jahr 870.
In diesem Jahre starb die erste Aebtissin von Gandersheim,
Hathmoda, und ihr folgte ihre Schwester Gerberga.
Das Jahr 877.
Abt Adalgar von Corbeja starb; ihm folgte Tankmar und,
als dieser nach acht Monaten starb, folgte Avo frommen Andenkens. Liuthard,
Bischof von Patherburn, starb und ihm folgte Biso.
Das Jahr 879.
Avo, der Abt von Corbeja, starb und ihm folgte Bovo, ein
Gönner der Brüder.
Das Jahr 881.
Bei der Theilung des Reiches bekam
Karl, der Sohn des verstorbenen Königs
Lodowich von ganz Germanien, und der Bruder der
Könige Karlomann von Bawarien und Lodowich
von Ostrofrancien, als seinen Antheil Alamannien.
Das Jahr 885.
Königin Liudgardis
starb am 30. November; sie liegt in Asskafaburg prächtig begraben.
Das Jahr 886.
Als der heilige Hildegrim, der vierte Bischof von Halberstadt gestorben war, bestimmte Kaiser Karl den Eiulf von Hersfeld zum Nachfolger. -
Damals war noch ein Kind Karl
übrig, der Sohn des Königs Lodowich,
welchen bei dem Tode des Vaters die Königin
Adelheid noch unter dem Herzen trug, dem von Rechtswegen das
gallische Reich gehörte.
Das Jahr 888.
Karl der Dicke, welcher
aus einem erhabenen Kaiser der Spott der Stolzen geworden war und alle
Wechsel des trügerischen Glückes erfahren hatte, gab am 12. Januar
seinen Geist auf.
Das Jahr 891.
Es erschien ein Stern von wunderbarer Größe und Viele meinen, daß es ein Komet war. Denn er sandte abwärts große Strahlen aus und stieg in vielen Nächten durch den Thierkreis empor. Er wurde am 21. März zu Mittfasten gesehen. -
Auf den Rath des Königs und der Großen gab
Sigehart die Abtei Fulda freiwillig auf, und Probst Hugo, welcher in Gegenwart
der Gesandten des Königs Thiotbald und Poppo erwählt war, empfing
sie zu Regensburg vom Könige.
Das Jahr 893.
Nach Sunzo regierte Hatto das Mainzer Bisthum, der in
seinen Sitten dem Vorgänger wenig ähnlich war.
Das Jahr 894.
[Eine große Synode wurde zu Tribur gehalten von
26 Bischöfen nebst den Aebten, welche die meisten Dekrete über
den Zustand der heiligen Kirche schriftlich bestätigten] gegen mehrere
Weltliche, die das priesterliche Ansehen herabzusetzen trachteten. Dabei
zeichnete sich der Bischof Wikbert von Hildensheim sehr aus.
Das Jahr 900.
Bis, der Bischof von Patherbrunn stirbt; Teoderich folgt.
Das Jahr 902.
Wunder zeigten sich in diesem Jahre: Sterne fielen wie Regen den größten Theil der Nacht hindurch; der Rhein und viele Flüsse Sachsens haben nach dem Zeugniß der Schiffer und Müller in dieser Nacht d. h. am 27. September, ihren natürlichen Lauf nicht gehabt. -
Der Vater [des großen Helden Adalbert] hieß
Herzog Heinrich, die Mutter Baba.
Das Jahr 906.
In diesem Jahre am 24. Juni verwüsteten die Ungarn
das sächsische Gebiet und tödteten viele; auch führten sie
eine zahllose Schaar edler, freier und dienender Frauen haufenweise nackt
mit ihren Haaren wie mit Zügeln an den Köpfen verknüpft
und mit durchbohrten Brüsten wie auch ihre
Kinder gefangen mit sich fort.
Das Jahr 907.
[In diesen Zeiten leuchtete in Sachsen Otto, der
Sohn Herzogs Liudolf und der Bruder Herzogs Bruno; von diesem
entstammte der königliche Sproß Heinrich,
den ihm Hathwiga gebar, welcher zuerst in Sachsen mit freier Gewalt
als König regierte. Die anderen Söhne, die er hatte, Thankmar
und Liudolf, starben vor ihrem Vater.] Als diese über
die Theilung des Erbgutes verhandelten, versuchten sie ein Gut von etwa
elftausend Hufen, mit welchem ihr Vater die Kirche zu Gandersheim ausgestattet
hatte, an sich zu reißen. Da Heinrich
sie nicht zur Erkenntniß zu bringen vermochte, wollte er lieber seinen
Anteil der Kirche geben, als mit ihnen dem Bannfluche unterliegen. An den
übrigen Gütern bekam er einen Antheil und trug es lieber geduldig,
daß man ihn den Unglücklichen enterbte. Und siehe, da seine
Brüder starben, fiel die ganze Erbschaft an ihn, als er schon Herzog
geworden.
Das Jahr 919.
König Konrad bemühte sich so um den Nutzen des Staates, das er denselben selbst im Feinde [Heinrich von Sachsen] anerkannte, - eine Tugend, die doch selten ist.
[Im genannten Jahre nun, nämlich im Jahre 919 nach der Fleischwerdung des Herrn, 1571 nach der Gründung Roms, begann Heinrich, dieses Namens der Erste,] als der erste aus dem Volke der Sachsen in freier Macht zu herrschen - und die Regierung des teutonischen Reiches, welche bisher bei den Franken gewesen, ging auf die Sachsen über. -
Heinrich mit dem Beinamen
"der Vogler" - zog der weltlichen Würde
den Dienst Gottes vor; er war ein Beschützer der Armen und Witwen
und ein Tröster der Betrübten.
Das Jahr 921.
Indem Heinrich mit
der größten Sorgfalt die Theile des Reiches in Germanien verwaltete,
- glaubte er, der das Reich Arnulfs
inne hatte, das Reich Lothars nach
dem Rechte der Erbfolge von Karl zurückfordern
zu müssen.
Das Jahr 922.
Er erbaute den Flecken Goslar.
Das Jahr 923.
[Als Sigismund, der sechste Bischof von Halberstadt
gestorben war, folgte nach dem Willen Heinrichs
Bernhard], ein edler und heiliger Mann und der erste unter den Fürsten
des Reiches.
Das Jahr 925.
Auf Anordnung Gottes und unter Mithülfe des Königs
Heinrich trat Odelrich, ein sehr heiliger, durch das Zeugniß
von Zeichen und Offenbarungen verklärter und Gottes würdiger
Mann, als Bischof [von Augsburg] ein.
Das Jahr 926.
Berengar, welcher
als Herzog von Friaul zum Könige von Italien erhoben
war, dreizehn Jahre mit Wido und Lodowich
gekämpft
und dann zwanzig Jahre allein das Reich besessen hatte, ward von den Italienern
getödtet.
Das Jahr 932.
König Heinrich besserte
das Reich Germanien mit göttlicher und menschlicher Hülfe und
sicherte es jetzt durch göttliche und menschliche Einrichtungen; -
auch bemühte er sich die Verehrung Gottes zu verbreiten. -
Das Jahr 933.
Nicht leicht kann mündlich oder schriftlich erklärt
werden, mit welcher Klugheit König Heinrich
während
der neun Jahre des Waffenstillstandes, den die Ungarn geschlossen hatten,
Sachsen gegen den Angriff aller Völker gesichert und wie geschickt
er die vorher ungeübte Schaar der Krieger zur
Zuversicht ermuthigt hat.
Das Jahr 936.
Otto nach der Sitte
der Franken zum Könige erwählt, begann zu herrschen.
Das Jahr 937.
Edith [die Gemahlin
Otto's
I] hatte großes Verdienst bei Gott, wie sich in einigen
Dingen zeigte. Denn in einer Nacht, als der König abwesend war, kam
eine ungezähmte Hirschkuh und veranlaßte dadurch, daß
sie öfters mit dem Fuße an der Thüre pochte, die Herrin,
sie einzulassen, gelangte geraden Laufs bis zu ihr und fiel nieder, als
wollte sie ihr Elend erzählen. Als nun auf Befehl der Königin,
welche bemerkte, daß irgend ein Schmerz sie quälte, ein Jäger
unter der Führung der Hirschkuh über den Albis ging, fand er
ihr Junges in einer Schlinge; sobald dies befreit war, verbarg sich die
Hirschkuh froh wieder in ihren Wäldern. Noch eine andere Merkwürdigkeit
that der Herr an ihr. Da sie in Almosen für die Armen sehr freigebig
war, verwehrte ihr der König, der ihre Beständigkeit zu prüfen
wünschte, als ob er zornig wäre, einen so großen Aufwand.
An einem Hauptfesttage nun ging sie mit einem kostbaren Gewande bekleidet
zur Kirche; vor ihr war der König, ohne daß sie es wußte,
listiger Weise in den Kleidern eines Armen dorthin gegangen. Er saß
in der Kirchenthür und als sie kam, hielt er sie fest und bat sie,
sich seiner zu erbarmen. Als sie aber sagte, sie habe nichts denn die Kleider,
vernahm sie, daß auch mit einem kleinen Theile der Kleider dem Armen
geholfen werden könne. Die Königin, voll Scham, umhüllte
jenen, der sie hartnäckig festhielt, mit ihrem Mantel und erlaubte
ihm, einen Aermel des kostbaren Gewandes abzureißen. Diesen verbarg
der vermeintliche Arme an seinem Busen und jene kehrte mit dem verstümmelten
Kleide, welches aber vom Mantel bedeckt wurde, in die Herberge zurück
und zog ein neues Kleid an, während sie das zerrissene verbarg. Als
der König sie also zu Tische kommen sah, fragte er, warum sie das
am Morgen angezogene Kleid gewechselt habe, und als jene allerlei Anlässe
vorschützte, befahl er das frühere Kleid zu bringen. Da er nun
durch wiederholte Ausflüchte nicht getäuscht werden konnte, zog
sie voll Angst das Kleid aus dem Verstecke hervor und reichte es ihm. Wie
es aber ausgebreitet war, sah der König, daß es beide Aermel
hatte, holte selbst hervor, was er abgerissen, und that vor Aller Ohren
den Hergang kund. Seitdem hielt er
die Königin in großer Achtung. -
In demselben Jahre am 23. September, d. h. am Tage
nach dem Feste des heiligen Mauricius, beschloß der König in
der Stadt [Magdeburg] eine Genossenschaft von Mönchen zu stiften,
indem er zum Besten Gottes, seines Vaters und seiner Seele wie der seiner
heiligen Gattin und des Königs Rodolf,
der ihm den heiligen Innocentius übersandt hatte,
und zur Vergebung aller seiner Sünden ein Kloster erbaute zur Ehre
des heiligen Apostelfürsten Petrus und der heiligen Mauricius und
Innocentius, und an dieses gab er viele Güter in verschiedenen
Gegenden, unterwarf es auch dem Mundiburdium Roms und überließ
den Brüdern die freie Wahl des Abtes; alles aber that er mit Beirath
der Erzbischöfe Friderich von Mainz und Adaldag von Bremen
und vieler anderer Bischöfe.
Das Jahr 943.
943 war ein sehr harter Winter und ihm folgte eine
furchtbare Hungersnoth.
Das Jahr 945.
Der König schenkte einem seiner Getreuen, dem Markgrafen
Christian, gewisse Besitzungen im Gaue Seronunti an einem Orte Namens
Steno und an einem Orte Namens Quicma in der Grafschaft desselben Christian.
Das Jahr 949.
Das Bisthum Brandenburg wird durch eine Urkunde des Königs
Otto bestätigt.
Das Jahr 951.
Als der König auf dem Marsche [nach Italien] war, kam ein Weib ihm entgegen und brachte eine Klage gegen ihren Entführer an, weil er ihr Gewalt angethan. Der König sprach zu ihr: "Wenn ich zurückkehre und noch Leben in mir ist, werde ich Deinen Schaden gleich dem meinen achten." Als sie meinte, er werde es vergessen, zeigte der König mit dem Finger auf eine Kirche und sagte, daß die für ihn ein Denkzeichen sein werde.
Als er die Mailänder unterwarf, gab er ihnen neue
Münzen, die bis heute noch Ottelinen genannt werden. -
Das Jahr 952.
Sobald seine Rückkehr bekannt wurde, einigte sich Jeder mit dem Andern in zuverlässiger Treue, damit der König nichts zu richten fände. Als er nun der erwähnten Kirche ansichtig wurde und sich des Weibes erinnerte, hieß er sie vor sich kommen und ihre Klage fortsetzen. Jene aber, welche sogleich nach geschehener Anklage sich mit ihrem Entführer rechtmäßig verbunden und von ihm Söhne geboren hatte, hatte jetzt über ihn nicht zu klagen. Dagegen versicherte der König bei dem Barte Otto's - das war sein Schwur - daß der Entführer, welcher schon vorher ihretwegen verurtheilt gewesen, diese seine Barte schmecken müsse. Sogleich erfüllte er die Bitte gegen ihren Wunsch, that ihr wohl gegen ihren Willen und richtete ohne ihren Dank. -
Diese drei Königreiche, nämlich der Dänen,
Sueonen und Nortmannen mit den Slaven, welche in jenen Gebieten sind, den
Waigrern, Abodriten oder Reregen, Linogen, Warnaben, Chizzinen und Circipanen,
wurden mit allen Kirchen der Mutterkirche Hammaburg nach Kirchenrecht unterworfen.
Das Jahr 955.
Die Ungarn wurden bei Augsburg, einer Stadt Alamanniens,
vom Könige kriegerisch empfangen.
Das Jahr 959.
Der König nahm die Gesandten wohlwollend und mit
großer Freude auf und bestimmte für sie den Libutius, einen
ehrwürdigen und katholischen Mann.
Das Jahr 961.
Unter der Regierung des frommen Königs
Otto im fünfundzwanzigsten Jahre seines Königthums,
ward in Gegenwart der Legaten des Herrn apostolischen und allgemeinen
Papstes Johannes XII, nämlich des Archidiakons der heiligen römischen
Kirche Johann und des Protoscriniars Azo, der Erzbischofe Waltbert von
Mailand, Willehelm von Mainz, Friderich
von Salzburg, und der Bischöfe Othelrich von Augsburg, Popo von Wirceburg,
Michahel von Regensburg, Hartbert von Cur, Adalbert von Lorch, Abraham
von Freising, Lanward von Minden, Peter von Novara, Rikbert von Sabina
und Landelaus von Basel [am Weihnachtsabende der Leib des heiligen Mauricius
und einiger seiner Genossen gebracht. ] - Dazu wurden an demselben Tage
für den ruhmreichen König auch Reliquien von vielen Heiligen,
nämlich von Aposteln, Märtyrern, Bekennern und heiligen Jungfrauen
nach Regensburg überbracht.
Das Jahr 962.
Amalung der Fardener Bischof, des Herzogs Herimann Bruder, starb und ihm folgte ein Mönch von Corbeja, Bruno, ein Verwandter desselben Herzogs. [Reginbert, ein Knecht Gottes, starb]; er hat die Abtei des heiligen Blasius in Schwaben erbaut.
Papst Johann, Alberichs Sohn, der zwölfte
jenes Namens, befahl auf Bitte des Kaisers Otto,
den er selbst eingesegnet hatte, zuerst, daß in der Stadt Magadaburg
der Sitz eines Erzbisthums sein sollte; freilich nachher hat er in seiner
Treulosigkeit sich dem Kaiser entfremdet und sein Nachfolger Johann,
der dreizehnte jenes Namens, hat dasjenige vollendet,
was jener zuerst begonnen hatte. Doch gab er darüber ein Privileg,
welches am Rande abgeschrieben ist:
"Johannes Bischof, Knecht der Knechte Gottes, an die ehrwürdigen Mitbrüder, die Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, Mönche, Primaten, alle Geistlichen und das Volk in Gallien, Germanien und Bawarien."
"So oft zum Nutzen einer neugepflanzten Christenheit von
der heiligen römischen Kirche, der wir durch Gottes Veranlassung dienen,
ein Anerkennungs- und Bestätigungs-Privilegium gefordert wird, haben
wir es der Mühe werth gehalten, uns mit aller Sorgfalt und aller
Liebe daran zu betheiligen, damit nicht wegen unserer Trägheit des
schlauen Feindes Nachstellung unaufhörlich raube, was frommen
Wünschen williger gewährt werden müßte. Mit allen
Kräften, theuerste Brüder, muß man ringen, daß die
Christenheit, welche der allmächtige Gott durch seine Knechte täglich
mit himmlischem Siege ausbreitet und fördert, in demselben auch unter
unserer Mitwirkung durch ihn befestigt werde und bleibe. Nun aber ist mit
Gottes Hülfe unser theuerster und christlichster Sohn König Otto
nach der Besiegung der barbarischen Völker, nämlich der Avaren
und anderer mehr, zum höchsten und allgemeinen Stuhle, auf dem wir
nach Gottes Veranlassung sitzen, gekommen, um zur ruhmreichen Vertheidigung
des Sieges der heiligen Kirchen Gottes die Würde des Kaiserthums und
die Krone durch uns vom heiligen Apostelfürsten Petrus zu empfangen.
Wir nahmen ihn mit väterlicher Zuneigung auf und haben ihn wegen der
Vertheidigung der heiligen Kirche Gottes mit dem Segen des
heiligen Petrus zum Kaiser gesalbt. Und als in der Kirche
des heiligen Petrus über den Zustand und die Regierung der ganzen
Christenheit das, was nützlich ist, in nützlicher Weise in Bezug
auf Gott verhandelt wurde, da hat der vorgenannte sehr fromme Kaiser
Otto unserer Väterlichkeit angezeigt, wie er die Slaven,
welche er selbst besiegt hatte, im katholischen Glauben neu begründet
habe, indem er flehte und inständigst forderte, daß nichtdie
Schafe, welche er selbst in Christo erworben, aus Mangel an einem Hirten
von der Verschlagenheit der alten Schlange beherrscht werden sollten. Mit
Recht daher haben wir, theuerste Brüder, dieser Bitte Zustimmung gewährt.
Von Herzensgrunde also wollen wir darnach streben, daß diese junge
Pflanzung, wie es recht ist, auf dem Gipfel des Berges in dem Felsen, welcher
Christus ist, begründet werde. Der wird Kräfte geben, der niemand
umkommen
lassen will. Unter Zustimmung seiner Gnade wollen wir
und befehlen durch dieses Privileg, daß das Magdeburger Kloster,
welches im Reiche der Sachsen an der Elbe erbaut ist, welches der vorerwähnte
heiligste Kaiser zum Gedeihen der neuen Christenheit erbaut hat, weil es
den Heiden der Gegend benachbart ist, in einen erzbischöflichen Sitz
umgewandelt werde, welcher durch untergebene Suffragane die ganze Heerde
Gottes lenken und regieren möge. Wir wollen und befehlen durch dieses
Privileg, daß das Merseburger Kloster, welches derselbe fromme Kaiser
Gott für die Zukunft gelobt
hat, weil er die Ungern niederschmetterte, zu einem Bischofsitz
erhoben werde, der dem Magdeburger Sitze unterworfen sei. Und weil so viele
Völker von einem Hirten nicht gut geleitet werden können, wollen
wir und halten gut durch das Privileg unseres Amtes, daß in
Betreff des Zinses und des Zehnten von allen Völkern, welche
derselbe fromme Kaiser getauft hat oder welche durch ihn und seinen gleichnamigen
Sohn den König und ihre Nachfolger unter Gottes Beistand noch getauft
werden werden, sie und ihre Nachfolger Macht haben sollen, ihn zu vertheilen
und zu untergeben dem Magdeburger, Merseburger oder welchem künftigen
Sitze sie wollen. Wir wollen auch, theuerste Brüder, und schreiben
auf Befehl des heiligen Apostels Petrus vor, daß die Erzbischöfe
von Mainz, Trier, Köln, Salzburg und Hamburg der Umwandlung des Magdeburger
Klosters in einen erzbischöflichen und des Merseburger in einen bischöflichen
Sitz mit allen Kräften des Herzens und des Leibes zustimmen und günstig
bleiben. Wenn aber der allmächtige Gott durch seinen vorgenannten
Knecht, den unbesiegten Kaiser und durch seinen Sohn, den König, und
durch ihre Nachfolger das benachbarte Volk der Slaven zur Verehrung des
christlichen Glaubens geleitet haben wird, wollen wir, daß von ihnen
an passenden Plätzen nach Bequemlichkeit Bisthümer errichtet
und in diesen mit Zustimmung der genannten fünf Erzbischöfe und
ihrer Nachfolger vom Magdeburger Erzbischofe die Suffraganbischöfe
geweiht werden; wenn jedoch die Nachfolger unseres vorgenannten Sohnes,
des
frommen Kaisers, und seines gleichnamigen Sohnes, des
Königs Bestimmungen derselben zu brechen versuchen sollten oder wenn
die Bischöfe der genannten Kirchen und die Uebrigen und ihre Nachfolger
dem Magdeburger Erzbischofe und seinen Nachfolgern und den Suffraganen
derselben und deren Nachfolgern nicht helfen und beistimmen sollten,
so sollen sie von der Schärfe des Anathema getroffen werden und vom
obersten Vergelter Verdammung ohne Ende empfangen. So möge der allmächtige
Gott dem erlauchtesten Kaiser Otto
und seinem Sohne, dem gleichnamigen Könige, unsern geistlichen Söhnen,
langes Leben schenken, auf daß sie in dieser Welt ruhig leben und
in der künftigen die Palme unvergänglichen Ruhmes gewinnen. Geschrieben
durch die Hand des Scriniarius des heiligen apostolischen Stuhles Leo,
im Monate Februar, in der fünften Indiction. Gegeben am 12. Februar
durch die Hand des Secundicerius des heiligen apostolischen Stuhles Georgius,
unter Gottes Fürsorge im siebenten Jahre des Papstthums des obersten
Priesters und allgemeinen Papstes Herrn Johannes, im ersten
Jahre des Kaiserthums des frommen und erhabenen Herrn
Otto, des von Gott gekrönten großen Kaisers. Geschehen
im Monate, wie vorsteht, und in der fünften Indiction."
Daß alte Kirchen von neuen weder des Zehntens noch irgend eines Besitzthums beraubt werden sollen. Daß die Ausstattung einer Kirche nicht weggenommen werden darf. Daß kirchliche Statuten und Privilegien, von den Aposteln und sonstigen Kirchenlehrern überliefert, unversehrt bleiben und ihre Uebertreter gebanntwerden sollen. Daß kirchliche Gewohnheiten gleich Gesetz zu achten sind. Daß dreißigjähriger Besitz kräftig sei. Wie dreißigjähriger Besitz eine fremde Diözese aufhebt, so läßt er kein fremdes Gericht im Territorium zu. Daher werden Basiliken, welche neu gegründet sind, ohne Zweifel zu demjenigen Bischofe gehören, dem die Gerichte gehören.
- In demselben Jahre wurden die Reliquien der heiligen
Märtyrer Fabianus, Eustachius, Pantaleon, Ypolitus, Eugeus, Miniates
und Valens und der Leib der heiligen Jungfrau Laurentia vom genannten Kaiser
der Stadt Quidelingeburg überschickt und daselbst ehrfurchtsvoll empfangen.
Das Jahr 963.
Der Leib des heiligen Gerontius wurde durch die Hand des
Bischofs Otker am 21. Juli auf Befehl des Kaisers
Otto von Italien gebracht und am 23. September in die Hauptstadt
Sachsens Magdaburg geführt und vom Halberstädter Bischof Bernhard,
in dessen Parochie die Stadt lag, ehrenvoll empfangen.
Das Jahr 964.
Der Leib der heiligen Jungfrau Stephana wurde der Stadt
Quidelingeburg übersandt.
Das Jahr 965.
Zu den Zeiten desselben Kaisers gab es zwei Brüder
aus dem Orte Thüringens, der Wimmeri heißt: Graf Willehelm
und Poppo, der Kapellan des Kaisers. Wie gerecht und heilig dieser
ehrwürdige Priester gelebt, bezeugte Gott an seinem Ende. Sein Bruder
Willehelm
aber lebte in ehrwürdigem
Greisenalter bis zu den Zeiten des Kaisers
Heinrich von Bavenberch.
Johann [XIII] vollendete in Magdaburg, was sein Vorgänger begonnen.
In demselben Jahre sandte der obengenannte Kaiser den Leib der heiligen Jungfrau Justa mit Ehren nach Sachsen.
Am 31. März dieses Jahres stürzte die Basilika der Halberstädter Kirche ein.
Der Bruder des Markgrafen Gero, Sigefrid,
übergab einen Theil seines Erbgutes dem heiligen Vitus, indem er demselben
an dem Orte, der Gronigge heißt, ein Kloster erbaute. Ihre Schwester,
eine heilige Frau Namens Hidda, welche der Anbetung wegen nach Jerusalem
zog und daselbst starb, gebar
den Markgrafen Thietmar und Gero, den Kölner
Erzbischof, welche auf ihrem Gute am Flusse Sala eine Abtei erbauten
zur Ehre der heiligen Gottesmutter und des heiligen Märtyrers Ciprian,
als Otto II Kaiser war.
Das Jahr 966.
Bevor der Kaiser in diesem Jahre nach Italien ging, ward
seine einzige Tochter Machtild, die
Zierde der Nonnen, unter allgemeiner Zustimmung der Geistlichkeit und des
Volkes zur Aebtissin der frommen Genossenschaft des heiligen Servatius
erwählt und in Gegenwart ihres Vaters, des Kaisers
Otto, ihrer Mutter,
der Kaiserin Athelheida und ihrer Großmutter,
der Königin Machtilde, wie auch
ihres Bruders, des Königs Otto
und aller Großen jener Gegend von beiderlei Geschlecht wurde sie
nicht von einem Bischofe, wie sonst üblich ist, sondern von sämmtlichen
zu diesem Zwecke versammelten Erzbischöfen und Bischöfen des
Reichs eingesegnet.
Das Jahr 967.
Das Erbgut Wigmanns theilte der Kaiser in zwei
Theile und einen von diesen gab er an das Kloster,welches Herzog Herimann
in Liuneburch erbaut hatte, den andern überließ er der Abtei
Keminada am Wisaraflusse. Diese beiden Klöster sind vorzüglich
mit der Gabe des Kaisers begründet und durch das königliche Ansehen
gekräftigt worden.
Das Jahr 968.
Der ehrwürdige Bischof von Halberstadt, Bernard,
entsprossen von sehr vornehmem sächsischem Geschlechte wie noch heute
deutlich ist an denen, welche seinem Geschlechte entstammen, der
Erste unter den Fürsten des Reiches, ein Mann von größter
Enthaltsamkeit und ausgezeichneter Frömmigkeit, entschlief hochbetagt
im Herrn, im achtundvierzigsten Jahre seiner Weihe, am Tage derselben,
das ist am 3. Februar, und sein Leib wurde in der Kirche des heiligen Stephan
begraben.
Unter unzähligen vortrefflichen Thaten hat er den
Arm des heiligen Papstes und Märtyrers Sixtus mit sehr vielen
Reliquien von Heiligen aus Rom herübergebracht. Da die Harfe unseres
Landes sich in Klage und Trauer wandelte und der Jubel unsrer Hoffnung
in das Schluchzen Weinender, hat die
Gerechtigkeit des Herrn, welche das Herz erfreut und
sein lauteres Gebot, welches die Augen hell macht, auf den Leuchter das
Licht gestellt, das Allen leuchten sollte, die im Hause Gottes sind, nämlich
dem Hildiward, der früheren Bischöfe goldene Zier, den gegenwärtigen
zur Richtschnur, den späteren zum Vorbilde heiligen Lebens. Einstimmig
und regelrecht von der ganzen Geistlichkeit und dem Volke erwählt,
ward er von dem Sachsenherzoge Herimann in der Burg Werlaon
zum achten
Bischofe dieser Kirche eingesetzt; denn der Kaiser hatte,
als er nach Rom zog, dem genannten Herzoge die Macht verliehen, inzwischen
Sachsen zu regieren. Am 21. Dezember wurde er vom Mainzer Erzbischofe Hatto,
welcher auf Willehelm gefolgt war,
geweiht.
[Darnach am 14. März ging die erlauchte Königin Machtildis aus dieser Welt heim und wurde vor dem Altar des heiligen Servatius, des Bischofs Christi, neben ihrem Herrn, dem Könige Heinrich begraben, weil sie mit dem, welchen sie im Leben geliebt hatte, auch im Tode vereint zu werden stets gebeten hatte, so lange sie lebte.] Um einiges von sehr vielem zu erwähnen, so hat sie, stets mit frommen Werken beschäftigt, von Frömmigkeit erfüllt das Kloster der Heiligen Dionysius und Servatius erbaut, welches auf dem Berge Quidelingeburg liegt, ein zweites in dem Flecken auf dem Königshofe zur Ehre des heiligen Apostels Jakobus und des Bekenners Wigbert, ein drittes für die heilige Gottesmutter Maria und das heilige Kreuz in Northusen, ein viertes in Aggeri dem heiligen Dionysius, ein fünftes in Palithi wieder dem heiligen Servatius. Und obwohl sie das Bestehen aller Kirchen, welche sie entweder durch Boten heimsuchen oder persönlich besuchen konnte, nach Kräften und mit aller Macht zu unterstützen sich bemühte, so ließ sie doch nicht ab, jene Klöster, welche wir eben nannten, mit allem Nützlichen und Bequemen besonders zu pflegen, als solche die mit inniger Zuneigung zu ihr und ihrem Namen gehörten . -
In derselben Zeit hat der Kaiser viele Güter der
Halberstädter Kirche und dem heiligen Stephan übertragen. - [Er
erhob den Adalbert von Trier, der seinem Stande nach ein Mönch, früher
zum Bischofe der Rügen geweiht, von dort aber durch die Heiden
vertrieben war, zur Würde eines
Erzbischofs als einen berühmten und durchaus bewährten
Geistlichen] und sandte ihn nach Rom, um vom Herrn Papste das Pallium zu
empfangen. Der Herr Papst Johannes aber, dieses Namens der dreizehnte,
früher Bischof von Narni, gab der gerechten Bitte nach, und indem
er ohne Zögern ihn in
einem Privileg des apostolischen Amtes als einen würdigen
Erzbischof anerkannte, gab er ihm aus Liebe zu dem heiligen Mauricius und
Innocentius und den Heiligen, welche in Magadaburch ruhen, und aus Liebe
zum genannten Kaiser das Pallium bei der Meßfeier im Jahre der Fleischwerdung
des Herrn 968, in der zwölften Indiction, am 18. October, das ist
am Feste des heiligen Evangelisten Lukas, im vierten Jahre des Papstthums
desselben Herrn und allgemeinen Papstes Johannes. -
Jener Kaiser hatte für jeden Tag, wie sich verzeichnet
findet, folgenden Speisevorrath: tausend Schweine und Schafe, zehn Fuder
Wein und zehn Fuder Bier, tausend Malter Korn, und acht Rinder, außer
den Hühnern, Ferkeln, Fischen, Gemüsen und anderem mehr.
Das Jahr 969.
Die Mönche, welche früher [zu Sanct Mauricius
in Magdeburg] verweilten, wurden auf den Berg versetzt, welcher "zum heiligen
Johannes" genannt wird, im Weichbild derselben Stadt, am 9. August, welcher
der Abend vor dem Tage des heiligen Märtyrers Laurentius ist. Noch
viele Jahre später pflegten sie aus Ehrfurcht und zur Erinnerung an
diese Versetzung am selbigen Tage mit nackten Füßen eine Prozession
in die Stadt zu machen und den Schutz des heiligen Mauricius und der übrigen
Heiligen demüthig anzuflehen. Diese Sitte blieb aber bis zur Ankunft
des Hirschauer Ordens. In welchem Jahre jedoch jene Versetzung geschehen
sei, darüber haben wir nichts Gewisses, außer daß
wir lesen, der Kaiser habe im Jahre 965 nach der Fleischwerdung
des Herrn, in der achten Indiktion, im vierten Jahre seiner Kaiserthums,
im dreißigsten aber seiner königlichen Regierung demselben
Kloster den ganzen Zehnten vom Honig aus dem Lande der Slaven, welches
Nizizi heißt, übertragen; ob sie aber in demselben Jahre
oder in früheren geschehen ist, bleibt zweifelhaft. -
Graf Heinrich von Stade hatte eine Gemahlin Namens Judith,
die Schwester des Herzogs Udo, der später unter Otto
dem Rothen mit Vielen in Calabrien gefallen ist; sie gebar ihm
drei Söhne, Heinrich, Udo und Sigefrid, und drei Töchter, von
welchen allen an seiner Stelle gesprochen werden wird. Er selbst erbaute
ein Schloß an dem Orte, der Hersefeld heißt, dessen Grundmauern
und Wälle bis heute erkannt werden können. Er ist mit seiner
Gemahlin in Heslinge begraben.
Das Jahr 970.
Gero, der Erzbischof der Kölner Kirche nach Folmar, und sein Bruder Markgraf Thietmar gaben an die Kirche der heiligen Gottesmutter in Thancmaresfelden einen Theil ihres Erbgutes. Geschehen öffentlich in genannter Kirche am 29. August. -
Kaiser Otto theilte
das Erbgut Wigmanns, der, wie wir oben erzählten, von den Slaven
erschlagen wurde, in zwei Theile, und einen von diesen gab er an das Kloster,
welches Herzog Herimann in Luninburg erbaut hatte, den andern überließ
er der Abtei Keminada am Wisaraflusse. Diese beiden
Klöster sind vorzüglich mit der Gabe desselben
Kaisers begründet und durch das königliche Ansehen gekräftigt
worden.
Das Jahr 971.
Die prächtige Pfalz in Thornburch brannte ab mit
den königlichen Schätzen.
Das Jahr 972.
Kaiser Otto ließ
für seinen Sohn Otto eine durch
Geist ausgezeichnete, beredte und sehr schöne Griechin, die KonstantinopolitanerinTheophanu
zu Ostern nach Rom bringen und auf der Hochzeit, welche daselbst acht Tage
nach Ostern gefeiert wurde, verband er die Schwiegertochter mit dem Sohne
unter dem Beifalle aller Großen Italiens und Germaniens.
Das Jahr 974.
Kaiser Otto, dieses
Namens der Zweite, mit Beinamen der
Rothe.
Das Jahr 975.
[Heinrich der Herzog
der Baiern wurde gefangen und nach Engelenheim gebracht und sorgsam
bewacht.] Er war der Sohn des Herzogs Heinrich,
des Bruders Otto's I, ihm geboren von
einer Tochter des früheren Herzogs von Baiern Arnold,
Namens Juditha. - In diesem Jahre wurde der mönchische Dienst
von Thancmaresfeld in ein Kastell Namens Nigenburch versetzt, welches auf
dem Ufer des Flusses Sala im Gau Nordthüringen liegt. Denn ihnen selbst
und mehreren Christgläubigen schien die Rauheit jenes Ortes und mannigfache
Unbequemlichkeit den daselbst Christo Dienenden hinderlich zu sein.
Das Jahr 976.
Gero und Helmrich, die Knechte Gottes, starben.
Das Jahr 977.
Heinrich mit dem Zunamen der Jüngere, welcher später Markgraf in Baiern war, hatte folgende Abstammung. Nachdem Lothar der Aeltere, Graf von Walbike, wie oben gesagt ist, den Kaiser Otto zu tödten versucht hatte, war er gefangen, nach Baiern geschickt und dem Grafen Berthold übergeben worden; als ihn dann der Kaiser wieder zu Gnaden angenommen hatte, gab er demselben Bertold seine Tochter Eila zur Gattin, welche demselben diesen Heinrich gebar. -
Dem Kaiser Otto und
der Kaiserin Theophanu wurde eine Tochter
geboren, welche er mit dem Namen seiner kaiserlichen Mutter bezeichnete.
Das Jahr 978.
Markgraf Thietmar, der Bruder des Kölner
Erzbischofs Gero, starb und wurde in Nuwenburch begraben. Er
hatte zur Gemahlin eine Tochter des Herzogs Herimann, Namens Suanehild,
welche ihm den Margrafen Gero gebar. Die Kaiserin
Adelheid reiste mit ihrer Tochter, der Aebtissin
Adelheid, nach Italien wegen mancher Mißhelligkeiten,
welche zwischen ihr und ihrem Sohne entstanden waren.
Das Jahr 979.
Athela, die Tochter [des hingerichteten Grafen
Gero von Alesleve], heirathete Sigefrid, den Sohn des Grafen Heinrich
von Stathen, welcher mit ihr den Grafen Liutger und die Aebtissinnen von
Alesleve, Irmingard und Berta zeugte. Die Gräfin Athela selbst
übertrug Land an die Magdaburger Kirche, um den Kopf ihres Vaters
auszulösen. Dazu gab sie den beiden Klöstern, welche sich in
Alesleve und Hersevelden befinden, das Gut, das in Trebenezi ist.
Das Jahr 980.
Der ehrwürdige Bischof Hildeward versetzte das Blut
und zwei Glieder des heiligen ersten Märtyrers Stephan, ein Geschenk
des Bischofs Theoderich von Metz, in die Halberstädter Kirche,
wo es mit großer Ehre und unter Lobeserhebungen von Geistlichkeit
und Volk empfangen und seine Heiligkeit durch deutliche Zeichen vom Himmel
her erwiesen wird. Diese Uebertragung geschah am 9. Mai, im zwölften
Jahre seiner Weihe. Der künftige Kaiser Otto
III wurde in diesem Jahre geboren.
Das Jahr 981.
[Der Kaiser feierte Weihnachten in Ravenna, Ostern aber
brachte er in Rom zu,] in Gegenwart seiner Mutter und der Kaiserin
Theophanu und der Schwester des Kaisers, der Aebtissin von Quidelingeburg,
indem dorthin, abgesehen von vielen Fürsten und Großen, auch
die Könige Konrad von Burgund
und Hugo von Gallien kamen.
Das Jahr 982.
Der treffliche Herzog Otto, Liudolfs Sohn, Brudersohn Otto's II, starb eines frühen Todes, als er eben aus dem Kampfe mit den Sarracenen zurückgekehrt war. -
- Man muß wissen, daß Cosmas, der Dekan der
Prager Kirche, dessen Worte es sind, diese Erwählung und Weihe [Adalberts
von Prag] zum Jahre 969 der Fleischwerdung des Herrn anmerkt, obwohl jene
Versammlung, welche Otto II nach dem
Kriege mit den Sarracenen zu Verona abhielt und die er ebenfalls an derselben
Stelle erwähnt, im Jahre 983 der Fleischwerdung des Herrn stattfand.
Das Jahr 983.
[Der Kaiser hielt in Verona einen Reichstag und Heinrich
der Jüngere, Bertolds Sohn, wurde von der Verbannung befreit und
zum Herzoge von Baiern eingesetzt,] während Heinrich,
des Kaisers Vetter, noch in Gefangenschaft blieb. [Des Kaisers Sohn Otto
III wird von allen zum Herrn erwählt.] Nachdem nun auch
der Reichstag und die Zusammenkunft mit den Sachsen, Sueven, Lothariern,
Baiern und Italienern und die Begegnung mit anderen durch Abstammung, Sprache
und Kleidung sehr verschiedenen Völkern zu Verona ruhmreichst abgehalten
worden, kehrt derselbe erhabene Kaiser nach Rom zurück und setzte
mit geziemender Ehre einen Herrn Papst über die römische Kirche.
- Der
Paderborner Bischof Folkmar starb.
Dedo, der Sohn Teoderichs, eines Mannes von besonderer Freiheit, hatte einen Bruder Friderich, einen sehr klugen Menschen. - Seine Nachkommen waren unter den Fürsten Sachsens, wie im Einzelnen später erzählt werden soll, edle Blüthen. Jetzt wollen wir zu unserer Aufgabe zurückkehren. -
Wegen der Zerstörung der Kirchen in Brandenburg und
Havelberg verlor der Herzog und Markgraf Teoderich, welcher
der Vertheidiger jener Gebiete war, seine Würde und Lothar von Waldbike
empfing vom Kaiser die Mark. [Als der Kaiser nach Rom gekommen war, während
seine ehrwürdige Mutter in der Stadt Papia zurückblieb, wird
er schwer krank und wie er sein Ende nahen fühlte, theilte er all
sein Geld in vier Theile, einen für die Kirchen, den zweiten für
die Armen, den dritten] für seine Mutter und seine einzige Schwester
zum Beweise der Liebe, welche er ihnen schuldete, den vierten für
die Ritter, welche Leben und Heimat der Liebe zu ihm
und dem Gehorsam nachgesetzt hatten.
Als diesen [Otto II]
sein Oheim, der Kölner Erzbischof Bruno,
welcher ihn von der ersten Kindheit an erzog, mit großer Strenge
im Zaume hielt, hat der Knabe etwas gar nicht Knabenhaftes vollführt.
Denn während der Bischof in einer Nacht die nächtlichen Horen
hielt, legte jener einen in der Stadt gestorbenen Knaben in sein eigenes
Bett und bedeckte ihn mit seinem eigenen Kleide, als sei er selbst gestorben;
dann ging er fort und machte sich aus dem Staube. Wie nun der Bischof bei
der Rückkehr nach dem Bette seines Neffen sah und den Leichnam fand,
glaubte er, daß jener heimgegangen sei, und verfiel vor übergroßem
Schmerze in Hüftweh. Inzwischen kommt der Knabe, den Alle beweinten,
lebendig herbei und antwortete auf die Frage des Bischofs, warum er ihn
so getäuscht habe: "Nicht besser konnte ich mich für die
zu große Schmach der Schläge rächen."
Jahr 984.
Otwin, von dem wir schon oben gesprochen haben, ist derselbe,
welcher den heiligen Epiphanius aus der Stadt Papia nach Hildinisheim gebracht
hat, und er war der zweite Abt zu Sanct Mauricius in der Stadt Magdaburg
gewesen.
Das Jahr 985.
Markgraf Rikdag erbaute und gründete mit seiner
Schwester Namens Eilsuit das Kloster, welches Gerbizstidi heißt.
Dort stand dieselbe Schwester den Nonnen vor und daselbst wurde er auch
begraben mit seinem Sohn Karl und den Meisten aus derselben Verwandtschaft.
Ihm folgte Ekkihard, Gunthars Sohn, ein Mann von großer
Thatkraft.
Das Jahr 987.
Liudolf wurde zum Augsburger Bischof geweiht.
Das Jahr 1031.
Meinwerk, Bischof von Patherbrunne, erbaute in der Vorstadt
seines bischöflichen Sitzes ein Kloster und weihte es zur Ehre Aller
Heiligen, indem dabei anwesend und durch ihr Ansehen hülfreich
waren die Bischöfe Hunfrid von Parthenopolis, Godehard von Hildinisheim
und Sigebert von Minden, und er führte in demselben die Mönchsordnung
von Cluny ein.