EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XII Tafel
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Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1053
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Dillingen, Grafen von
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Graf Hartmann I. nannte sich 1111 erstmals nach Dillingen. Wegen seines Erbbesitzes im Dillenburger Raum wird er zu Recht als Nachkomme der HUPALDINGER, der Familie Bischof Udalrichs von Augsburg, angesehen. Seinen großen Besitzungen im Donauraum konnte Hartmann durch Ehe mit Adelheid von Winterthur ein reiches Erbe in der N-Schweiz hinzufügen. Im Investiturstreit erbitterter Gegner HEINRICHS IV., errichtete er zum Schutz seiner Besitzungen Höhenburgen (Kyburg, Hohengerhausen). Hartmann und seine Gemahlin stifteten das Kloster Neresheim. Seine Söhne Hartmann II. (+ 1134, kinderlos) und Adalbert I. (+ 1151) wandten sich - wohl wegen des Machtzuwachses der STAUFER im nördlichen Schwaben - stärker ihren Herrschaften in der Schweiz zu; ein 3. Sohn, Ulrich, war 1111-1127 Bischof von Konstanz. Nachdem Adalbert I. nochmals die gesamte Erbschaft vereinigt hatte, teilten seine Söhne erneut, wobei Adalbert II. (+ 1170, kinderlos) die schwäbischen, Hartmann III. (+ 1180) die Schweizer Gebiete erhielt; 1170-1180 vereinigte letzterer nochmals den gesamten Besitz. Seit der 2. Hälfte des 12. Jh. waren die Grafen von Dillingen - mit reichem Gewinn - enge Verbündete der STAUFER. Die Söhne Hartmanns III. teilten 1180 endgültig in den Schweizer Teil (Ulrich, + 1227; Stammvater der Grafen von Kyburg) und den schwäbischen Teil (Adalbert III., + 1214). Adalbert und seine Kinder wandten sich trotz ihrer Anlehnung an die STAUFER in ihrer Heiratspolitik stärker dem bayerischen als dem schwäbischen Raum zu. Erst nach dem Wegfall der staufischen Macht in Schwaben traten die Grafen von Dillingen wieder stärker im schwäbischen Raum hervor: Heiratsverbindungen der 4 Töchter Adalberts mit den ZOLLERN, Helfenstein, Helfenstein, Pfalzgrafen von Tübingen; Adalberts Sohn Hartmann IV. (+ 1258) begann aus seinem Besitz eine Herrschaft zu bilden (Zollerhebung, Abhaltung von Märkten, Münzprägung, Besetzung der Hofämter des Schenken und Truchseß), wozu ein verstärkter Burgenbau seiner Ministerialen trat. Er hatte auch die Vogtei über Ulm inne. Als Klosterstifter trat er ebenfalls hervor. Da seine Söhne Ludwig (+ 1251) und Adalbert IV. (+ 1256/57) vor ihm starben - nur Hartmann V. (1248-1286 Bischof von Augsburg, + 1286) und zwei Töchter überlebten - fielen die Lehen der Grafen von Dillingen an das Reich und das Herzogtum zurück; der Allodialbesitz wurde aufgeteilt, wobei offenbar einige Besitzungen an Hartmanns IV. Schwiegersöhne, den Grafen von Helfenstein und den Pfalzgrafen von Tübingen, kamen. Bischof Hartmann schenkte seinen Erbteil, die Grafschaft Dillingen, 1258 an das Bistum Augsburg. Das Ausscheiden der Grafen von Dillingen aus dem schwäbisch-bayerischen Grenzraum ließ ein gewisses Machtvakuum entstehen, das bald darauf die WITTELSBACHER und WÜRTTEMBERGER bei ihrem Aufstieg begünstigte.
Literatur:
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R. Dertsch, Die Sippe des heiligen Ulrich von 10. bis
zum 20. Jahrhundert, Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte,
1970, 5ff. - Die Grafen von Kyburg, 1981 [Beitrag von H. Bühler und
A. Layer; weitere Literatur] - I. Eberl, Die Edelfreien von Ruck und die
Grafen von Tübingen, Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte
38, 1979, 5ff.
Wie bei den Grafen von Zollern lag bei den Grafen
von Dillingen die namengebende Stammburg zwar außerhalb,
nur nahe den Grenzen des jetzigen Königreichs Württemberg: bei
der heutigen bayerischen Stadt Dillingen über die Donau; allein sie
zeichneten sich doch durch bedeutenden Besitz an Rechten und Gütern
innerhalb dieser Grenzen aus, verwalteten insbesondere wohl von alter Zeit
her die Grafschaft im Brenzgau, sowie in dem an ihn grenzenden Albgau und
waren namentlich in den jetzigen Oberämtern Neresheim, Heidenheim,
Ulm und Aalen angesessen. Ihre ältesten bekannten Stammeltern sind:
Hupald
(+ 909 oder 910), welcher im Kloster Neresheim als Seliger galt und
nach späterem Glauben, wahrscheinlich jedoch infolge einer Verwechslung
mit einem jüngeren alsbald zu nennenden Glied der Familie dieses Namens,
in Neresheim begraben wurde, und dessen Gattin Dietbirg, vielleicht
eine Schwester Herzog Burchards I. von Schwaben. Von ihren Kindern sind
hervorzuheben: Graf Dietbald, welcher im Jahre 955 in der Schlacht
auf dem Lechfelde den Heldentod fand, der heilige Ulrich, der größte
unter den Bischöfen Augsburgs (923-973), eine Schwester Liutgarde,
vermählt an den wahrscheinlich oberschwäbischen Grafen Peier
und
Mutter Reginbalds, welcher gleichfalls in der Schlacht am Lech fiel,
Adalberos,
des Lieblings und Koadjutors des genannten heiligen Ulrich (+ 973),
und Mangolds, welcher zu Sultmetingen seinen Sitz hatte und durch
eine Tochter Urgroßvater Hermanns des Lahmen wurde. Während
darauf die Geschichte des Hauses etwas dunkel wird und insbesondere die
zwei Gebrüder, die Bischöfe Warmann
(1026-1034) und Eberhard (1034-1046)
von Konstanz, zwar gewöhnlich, aber nicht mit Zuverlässigkeit,
demselben beigezählt werden, erscheinen in den Jahren 1070 quellenmäßig
beurkundet der Pfalzgraf Mangold, sowie
Hupald
IV. (+ 1074) ohne Zweifel zu Neresheim begraben, und dessen Sohn
Graf Hartmann I. Letzterer erhielt wohl durch
seine Mutter, eine Erbtochter der gräflich Gershausischen Familie,
die Grafschaft im alten Flinagau mit ansehnlichem Besitz in der dortigen
Gegend und vermählte sich selbst mit Adelheid, der reichen
Erbtochter Adalberts von Winterthur. Ein erbitterter Gegner
HEINRICHS
IV. in dessen Kampfe mit
RUDOLF VON
SCHWABEN, gründete er mit seiner Gemahlin und seinen Söhnen,
darunter Ulrich, in der Folge Bischof von Konstanz 1111-1127), im
Jahre 1095 das Kloster Neresheim und verstarb als Mönch desselben
im Jahre 1121. Sein Urenkel
Hartmann IV. wurde der Neubegründer
des Klosters Söflingen und befand sich im Besitz des Marschallamtes
des Herzogtums Schwaben als staufisches
Lehen. Bei seinem Tode im Jahre 1258 überlebte ihn außer mehreren
Töchtern nur ein Sohn, Graf Hartmann V., welcher den geistlichen
Stand erwählt hatte und 1249-1286 Bischof von Augsburg war. Es fielen
nunmehr die vom Reich oder vom schwäbischen Herzogtum zu Lehen gehende
Rechte des Hauses zurück, so dass zum Beispiel Konradin
mit dem genannten Marschallamt, der Grafschaft im Flingau (übrigens
ohne den früher damit verbundenen Besitz) und der dazu gehörigen
Vogtei über Ulm den Grafen Ulrich von Württemberg belehnte; manches
Erbe kam an die Familien von Graf Hartmanns IV. Töchtern, so
wohl durch Willibirg, Gemahlin Graf Ulrichs II. von Helfenstein,
das Grafenamt im Albgau an das Helfensteinische Haus; was sonst noch
von dem einst so reichen Besitz des Geschlechtes vorhanden war und an ihn
kam, übergab
Hartmann V. fast sämtlich seiner bischöflichen
Kirche.
Ein Seitenzweig des Hauses, welcher mit alt-dillingischen
Gütern im Brenztale und auf der Rauhen Alb ausgestattet war, bekleidete
in der 2. Hälfte des 11. und bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts
das Pfalzgrafenamt des Herzogtums Schwaben: Pfalzgraf
Mangold 1070, 1075 und wohl ein zweiter dieses Namens 1113,
vor Ende des Jahres 1125 verstorben, sowie des letzteren Sohn Pfalzgraf
Adalbert (1125-1143), auch von
Lauterburg benannt, dessen Bruder
Walter 1133-1154
Bischof von Augsburg war. Mit diesen Brüdern, welche ums
Jahr 1125 im Verein mit zwei weiteren Brüdern einem Vorhaben ihres
Vaters gemäß das Kloster Anhausen gründeten, scheint dieser
Zweig der Familie erloschen zu sein, worauf sein Besitz meist an die Hauptlinie
des Hauses, die pfalzgräfliche Würde aber an die Grafen von Tübingen
kam.
Auf die in der heutigen Schweiz gelegenen Besitzungen
des Hauses wurde eine eigene Linie desselben abgeteilt, welche sich, urkundlich
nachweisbar erst nach der Mitte des 12. Jahrhunderts, Grafen von Kiburg
nannte. Sie zählt die Mutter König RUDOLFS
I. VON HABSBURG zu ihren Gliedern und erlosch im Mannesstamm
um dieselbe Zeit, wie der Hauptzweig der DILLINGER,
im Jahre 1264.