VII. Generation
30-32
-------
Die Lebensdaten der Rotlinda
lassen sich präzisieren. Ihre Mutter Rotrud/Roza, "Tochter
des angesehenen Königsrichters Walpert aus Pavia" (Hlawitschka 188),
war zunächst Gattin des Pfalzgrafen Giselbert (Hlawitschkla 186-188),
der nach 927 V 14, vor 929 XI 19 starb (ebd. 188). Wir dürfen annehmen,
daß König Hugo die illegitime
Verbindung mit der Frau seines Pfalzgrafen einging, als diese etwa 928
Witwe geworden war, womit etwa 929/30 die Geburtszeit der
Rotlinda
wäre, was sehr gut zu ihrer ersten Nennung als Gattin des Grafen
Elisiardus 945 III 29 (Hlawitschka 174f.) paßt: 14-16 ist das
damals bei weitestem häufigste Lebensalter der Frauen bei der Eheschließung.
Rotlindas
Mutter, Rotruda comtissa, que Roza vocatur, erscheint in
der gleichen Urkunde, ebenso Lanfranc (Hlawitschka 217), legitimer Sohn
Rotruds
und Stiefbruder der Rotlinda. Über
Nachkommen aus Rotlindas erster, kurzer
Ehe ist nichts bekannt. In zweiter Ehe hat die Tochter König
Hugos den Grafen Bernhard von
Pavia geheiratet, Sohn des Grafen Maginfred von Parma, also
einen bedeutenden italienischen Grßen; vgl. Hlawitschka 175, Anmerkung
3 zu Elisiardus, und die dort genannten Urkunden. Von ihnen ist
bemerkenswert das D O II 130 von 976 VI 30, in dem Bernhard mehrere
(Königs-)Höfe, die ihm durch seine Frau zugekommen waren und
die man ihm wegen Hochverrats konfisziert hatte, restituiert erhielt. Die
beiden Gatten werden zweimal
Bernardus et Rotlinda
comites genannt! Daraus und aus dem Umfang des ihnen
in voller Verfügung restituierten Besitzes geht das Ansehen hervor,
daß die Hugo-Tochter unter
Kaiser
OTTO II. offenbar besaß. Der Besitz wird ausdrücklich
auch ihren Erben vorbehalten, so daß mit dem Vorhandensein von Kindern
aus dieser Ehe zum Zeitpunkt der Urkunde gerechnet werden darf. Eines dieser
Kinder lernen wir jedenfalls kennen: Es ist der Ubertus diacconus
(er trägt den alten Leitnamen der Familie
König
Hugos, Hucbert/Hubert), der zusammen mit seiner Mutter,
Rolend
cometissa filia bone memorie domni Ugoni
regis 1001 X 14 zu Pavia den Rechtsstreit gegen den Kaiser
und das Reich um die Abtei S. Salvatore e S. Felice zu Pavia vor dem kaiserlichen
Gericht verliert, D O III 411. Ubertus/Hubert ist Diakon der
Kirche von Pavia, und sein Vater wird, im Unterschied zur Mutter, als
schon verstorben genannt (bome memorie Bernardi comiti [sic].
Andere filiis filiabus ipsius Rolend
ohne Namensnennung erwähnt. Diese Kinder, die Brandenburg nicht kennt,
sind der achten Generation der Nachkommen KARLS
DES GROSSEN zuzurechnen.
Rotlinda
hat also ein Alter von über 70 Jahren erreicht. Liudprand, Antapodosis
IV, 14, ed. Becker 112 hat zwar die besondere Schönheit der Rotlinda
hervorgehoben (quae [sc. Roza] ei [sc. Hugoni]
mirae pulcritudinis peperit natam), aber auch ihre Abkunft vom König
angezweifelt: Et quoniam non rex solus his (sc. Pezola, Roza;
Stephania) abutebatur, earum nati ex incertis patribus originem
ducunt. Abgesehen davon, daß Fragen dieser Natur in keiner Genealogie
zwingend geklärt werden können und in unserem Fall von der Anerkennung
der Kinder Hugos als solche durch den
König selbst ausgegangen werden kann, ist zu bemerken, daß die
Verbindung
Hugos mit
Roza, wie
wir zeigten, um 930 datiert, während Liudprand summarisch die Konkubinen
angreift, die Hugo der legitimen Gemahlin
Bertha
(die Hugo erst Ende 937 heiratete)
vorgezogen habe.
Auch die Verbindung mit Pezola
muß wesentlich früher, nach 926 zwar, aber vor etwa 930 liegen,
wenn aus ihr hervorgehend Boso
um 940 Bischof wird und Bertha
944 nach Byzanz verheiratet wird.
Wandelmoda
endlich, mulier nobilissima (Liudprand, Antap. III, 20) hatte Hugo
den Sohn Hubert,
der Ende 936/37 schon Markgraf in Tuszien wurde, geboren, ehe Hugo
Hilda/Alda
ex Francorum genero Teutonicorum (ebd.) heiratete, also vor etwa
924; Wandelmoda gehört also der provenzalischen Periode
Hugos
an. Hildas gleichnamige Tochter muß
ihrerseits 925 spätestens geboren sein, wenn sie 936 den römischen
patricius und princeps Alberich ehelichte und ihm etwa 939 den Sohn
Octavian
schenkte. Gegenüber Brandenburg, der diese Fakten teils übersah,
teils auf die Zeitstellung der Konkubinen kaum achtete, ergeben sich danach
erhebliche Umdatierungen und Umstellungen in der Reihenfolge der Frauen
und Konkubinen Hugos.
Von der Mutter des Mailänder
Archidiakons Theobald, der Römerin
Stephania, können wir chronologisch Näheres nicht ermitteln.
958-962 schrieb Liudprand in der Antapodosis (vgl. ed. Becker, Einleitung
IX), in deren viertem Buch (von den sechs Büchern) er feststellt,
König
Hugo (also vor 948) habe den Theobald
zum Archidiakon in Mailand gemacht in der Hoffnung, ihn später
den Erzstuhl besetzen zu sehen. Theobald war
also etwa 961 Archidiakon, Erzbischof ist er nicht geworden.
Sohn einer Mutter, deren Namen wir nicht kennen, ist
endlich Gotifred, Abt von Nonantula,
Brandenburg gibt zu ihm kein Datum. Man fragt sich, ob er nicht identisch
ist mit den Bischöfen gleichen Namens, die zu seiner Zeitstellung
gut passen: Erzbischof Gottfried von Mailand, 975 etwa VII bis 980 IX 19
(Gams 796), oder Bischof Gotifred von Brescia, 970-976, der 976 Bischof
von Luna (Luni) wird, wo er bis etwa 998 lebt (Gans 779 und 817).