Werner Karl Ferdinand: Seite 465
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

VII. Generation
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Die Lebensdaten der Rotlinda lassen sich präzisieren. Ihre Mutter Rotrud/Roza, "Tochter des angesehenen Königsrichters Walpert aus Pavia" (Hlawitschka 188), war zunächst Gattin des Pfalzgrafen Giselbert (Hlawitschkla 186-188), der nach 927 V 14, vor 929 XI 19 starb (ebd. 188). Wir dürfen annehmen, daß König Hugo die illegitime Verbindung mit der Frau seines Pfalzgrafen einging, als diese etwa 928 Witwe geworden war, womit etwa 929/30 die Geburtszeit der Rotlinda wäre, was sehr gut zu ihrer ersten Nennung als Gattin des Grafen Elisiardus 945 III 29 (Hlawitschka 174f.) paßt: 14-16 ist das damals bei weitestem häufigste Lebensalter der Frauen bei der Eheschließung. Rotlindas Mutter, Rotruda comtissa, que Roza vocatur, erscheint in der gleichen Urkunde, ebenso Lanfranc (Hlawitschka 217), legitimer Sohn Rotruds und Stiefbruder der Rotlinda. Über Nachkommen aus Rotlindas erster, kurzer Ehe ist nichts bekannt. In zweiter Ehe hat die Tochter König Hugos den Grafen Bernhard von Pavia geheiratet, Sohn des Grafen Maginfred von Parma, also einen bedeutenden italienischen Grßen; vgl. Hlawitschka 175, Anmerkung 3 zu Elisiardus, und die dort genannten Urkunden. Von ihnen ist bemerkenswert das D O II 130 von 976 VI 30, in dem Bernhard mehrere (Königs-)Höfe, die ihm durch seine Frau zugekommen waren und die man ihm wegen Hochverrats konfisziert hatte, restituiert erhielt. Die beiden Gatten werden zweimal Bernardus et Rotlinda comites genannt! Daraus und aus dem Umfang des ihnen in voller Verfügung restituierten Besitzes geht das Ansehen hervor, daß die Hugo-Tochter unter Kaiser OTTO II. offenbar besaß. Der Besitz wird ausdrücklich auch ihren Erben vorbehalten, so daß mit dem Vorhandensein von Kindern aus dieser Ehe zum Zeitpunkt der Urkunde gerechnet werden darf. Eines dieser Kinder lernen wir jedenfalls kennen: Es ist der Ubertus diacconus (er trägt den alten Leitnamen der Familie König Hugos, Hucbert/Hubert), der zusammen mit seiner Mutter, Rolend cometissa filia bone memorie domni Ugoni regis 1001 X 14 zu Pavia den Rechtsstreit gegen den Kaiser und das Reich um die Abtei S. Salvatore e S. Felice zu Pavia vor dem kaiserlichen Gericht verliert, D O III 411. Ubertus/Hubert ist Diakon der Kirche von Pavia, und sein Vater wird, im Unterschied zur Mutter, als schon verstorben genannt (bome memorie Bernardi comiti [sic]. Andere filiis filiabus ipsius Rolend ohne Namensnennung erwähnt. Diese Kinder, die Brandenburg nicht kennt, sind der achten Generation der Nachkommen KARLS DES GROSSEN zuzurechnen. Rotlinda hat also ein Alter von über 70 Jahren erreicht. Liudprand, Antapodosis IV, 14, ed. Becker 112 hat zwar die besondere Schönheit der Rotlinda hervorgehoben (quae [sc. Roza] ei [sc. Hugoni] mirae pulcritudinis peperit natam), aber auch ihre Abkunft vom König angezweifelt: Et quoniam non rex solus his (sc. Pezola, Roza; Stephania) abutebatur, earum nati ex incertis patribus originem ducunt. Abgesehen davon, daß Fragen dieser Natur in keiner Genealogie zwingend geklärt werden können und in unserem Fall von der Anerkennung der Kinder Hugos als solche durch den König selbst ausgegangen werden kann, ist zu bemerken, daß die Verbindung Hugos mit Roza, wie wir zeigten, um 930 datiert, während Liudprand summarisch die Konkubinen angreift, die Hugo der legitimen Gemahlin Bertha (die Hugo erst Ende 937 heiratete) vorgezogen habe.
Auch die Verbindung mit Pezola muß wesentlich früher, nach 926 zwar, aber vor etwa 930 liegen, wenn aus ihr hervorgehend Boso um 940 Bischof wird und Bertha 944 nach Byzanz verheiratet wird.
Wandelmoda endlich, mulier nobilissima (Liudprand, Antap. III, 20) hatte Hugo den Sohn Hubert, der Ende 936/37 schon Markgraf in Tuszien wurde, geboren, ehe Hugo Hilda/Alda ex Francorum genero Teutonicorum (ebd.) heiratete, also vor etwa 924; Wandelmoda gehört also der provenzalischen Periode Hugos an. Hildas gleichnamige Tochter muß ihrerseits 925 spätestens geboren sein, wenn sie 936 den römischen patricius und princeps Alberich ehelichte und ihm etwa 939 den Sohn Octavian schenkte. Gegenüber Brandenburg, der diese Fakten teils übersah, teils auf die Zeitstellung der Konkubinen kaum achtete, ergeben sich danach erhebliche Umdatierungen und Umstellungen in der Reihenfolge der Frauen und Konkubinen Hugos.
Von der Mutter des Mailänder Archidiakons Theobald, der Römerin Stephania, können wir chronologisch Näheres nicht ermitteln. 958-962 schrieb Liudprand in der Antapodosis (vgl. ed. Becker, Einleitung IX), in deren viertem Buch (von den sechs Büchern) er feststellt, König Hugo (also vor 948) habe den Theobald zum Archidiakon in Mailand gemacht in der Hoffnung, ihn später den Erzstuhl besetzen zu sehen. Theobald war also etwa 961 Archidiakon, Erzbischof ist er nicht geworden.
Sohn einer Mutter, deren Namen wir nicht kennen, ist endlich Gotifred, Abt von Nonantula, Brandenburg gibt zu ihm kein Datum. Man fragt sich, ob er nicht identisch ist mit den Bischöfen gleichen Namens, die zu seiner Zeitstellung gut passen: Erzbischof Gottfried von Mailand, 975 etwa VII bis 980 IX 19 (Gams 796), oder Bischof Gotifred von Brescia, 970-976, der  976 Bischof von Luna (Luni) wird, wo er bis etwa 998 lebt (Gans 779 und 817).