CLXXIL WIFRED I.
ist von 843 bis 870 als Graf von
Piacenza nachweisbar. Im März 843
gibt
er einem unmündigen und deshalb nicht rechtsfähigen Knaben
zur
Erhaltung seiner Existenz die Erlaubnis, einige Güter zu
verkaufen [1
BOSELLI, Delle storie Piacentine I Seite 277, nr. 1. Eine Piacentiner
Urkunde vom 26. Mai 842 (FALCONI, Piacenza Seite 26, nr.
17) soll folgenden Vermerk über den Ausstellungsort tragen: Actum
civis Placencia in te b(one)
m(emorie) Vuifi com(es). Wenn diese
reichlich unverständliche Angabe in Actum civit(ate) Placencia in c(urt) e d(o)m(ni)
Vuif(red)i
com(itis) zu verbessern ist,
wäre Wifred I. schon ein
Jahr früher in Piacenza
bezeugt.],
und am 6. März 855 gestattet Griderisius als locopositus Vvifrit
comitis ein gleiches einem anderen Kind zur Abdeckung der vom
Vater
hinterlassenen Schulden [2
BOSELLI, a.a.O. Seite 278, nr. 2.]. - Wifred stand in guten Beziehungen
zu
LUDWIG II.
Als dieser 844 mit seinem Berater
Erzbischof Drogo von Metz
und einem ansehnlichen Heere, vielen oberitalienischen Bischöfen,
Äbten
und Grafen nach Rom aufbrach, um dort den Römern die 824 zwischen
Papst
Eugen II. und LOTHAR I. vereinbarte
Papstwahlordnung, welche bei der
Erhebung Sergius' II. nicht beachtet worden war, ins
Gedächtnis
zurückzurufen und sich selbst zum König salben und
krönen zu lassen, da
war Wifred in LUDWIGS Gefolge
und verfocht mit die Rechte des Kaisers
[3 Vita
Sergii (Liber pontific. II Seite 89/90).]. Als
dann Kaiser LOTHAR I. 846/47 das
Capitulare de expeditione
contra Sarracenos facienda erließ, setzte er Wifred als signifer
in der
secunda scara des
italienischen Aufgebotes ein [4
MG Capit. II Seite 65ff., nr. 203. Zur Datierung
neuerdings L. DUPRAZ, Le capitulaire de Lothaire I.].
854 sieht man ihn
zusammen mit Bischof Seufrid von
Piacenza in Moragnano einen Streit
zwischen dem Archipresbyter Johannes von
S. Pietro di Varsi (im Gebiet
von Piacenza) und Sigiprand de
Basilica Duci um die Zehnten von Monte Spinola loca montanca fine Castellana et
Placentina zu des ersteren Gunsten entscheiden [5 MANARESI, I
placiti Seite 208, nr. 59 (= Registrum magnum,
BSSS 95 Seite 197, nr. 148). Erwähut wird diese Entscheidung Wifreds und
Seufrieds in einem Diplom KARLS III.
vorn 20. Juni 883; MG DD Karl III.
Seite 131, nr. 81).]. Über die
Unversehrtheit seiner Grafschaft wachte er tüchtig; so mußte
Kaiser LUDWIG II. selbst
eingreifen, um einen inter partem
Sancti Petri Sanctigue Columbani et Vuifredum
comitem Placentinum entstandenen Besitzstreit um den Berg
Carice zu schlichten [6
CIPOLLA, Cod. dipl. di Bobbio I Seite 172, nr. 60 - von 860/Oktober/7
(= CdL Seite 362, nr. 218 - fälschlich zu 861/Okt/7).].
Und 870 sehen wir Wifred
nochmals im Gefolge LUDWIGS II.,
wobei er zugunsten der Kirche von Reggio interveniert [7 CdL Seite
429, nr. 254 (= TIRABOSCHI, Modena I Seite 46, nr. 35)
von 870/ September/8. - Nach BM² nr. 1246 besteht bei dieser
Urkunde
Fälschungsverdacht.]. - Sein Todestag ist
noch vor dem Februar 881, in
welchem der Missus KARLS DES DICKEN Sigerad
in Piacenza in curte qui fuit quondam Unifredi comes einen
Gerichtstag abhält, zu suchen [8
SCHIAPARELLI, Documenti inediti dell'arch. capit. di
Piacenza Seite 195, nr. 3 (= MANARESI, I placiti Seite 381, nr. l05).
Zu
Sigerad vgl. Skizze Leo (von
Seprio), Anm. 8. Zur Frage des Todestages Wifreds I. und der Nachfolge eines
gewissen
Richard in der Grafschaft
Piacenza vgl. auch Skizze Richard.].
Seine Tochter Berta hatte Wifred dem Grafen Suppo II. von Parma zur Frau
gegeben; er war damit auch in die weitere
Verwandtschaft Kaiser LUDWIGS II.
gelangt. Berta bewahrte ihrer
Heimatstadt Piacenza noch lange treues Angedenken und vermachte nach
dem Tode ihres Gatten der S. Antoninuskirche dieser Stadt von ihrem
Vater ererbte Besitzungen in und vor Piacenza [9 BOSELLI,
a.a.O. Seite 288 - von 902/Juli; vgl. dazu auch den Exkurs über
die Genealogie der SUPPONIDEN.].
Da sie sich dabei filia b. mem. Vvif redi comiti ex
genere f rancorum nennt und nach dem Tode ihres Gatten auch
weiterhin nach salfränkischem Recht lebt, ist ihr Vater Wifred als Salfranke anzusehen.