CLXVII. WARIN
Wie aus den ungedruckten Annalen des PRISCIANO VON FERRARA
hervorgeht, überließ Erzbischof
Petrus Vl. von Ravenna am
25. Mai 960
Guarino
olim inclito comiti Ferrariae die Massa Vicariana nec non ultra
Padum omnia que de ipsa Massa pertinet Padule vel silva piscaria vel
mansionibus etc. [1
Vgl. FRIZZI, Memorie di Ferrara I Seite 50 und II Seite 57. - Zum
Eindringen der „Grafschaftsverfassung" in das Kirchenstaatsgebiet im
10. Jahrhundert vgl. oben Seite 38.]. Nicht nur
unter Berengar
II. und Adalbert,
sondern
auch unter OTTO I. war Warin Graf in Ferrara. Aus
verschiedenen Urkunden
ist das ersichtlich [2
FRIZZI, Ferrara II Seite 61 und Seite 71. Beim Königsgericht in
Ravenna am
17. April 967 war neben vielen anderen Großen auch Guarinus comes
Ferariensis zugegen (MG DD Otto I. Seite 464, nr. 340). Eine
Gerichtsurkunde aus Martialia
territoria Mutinensi vom 9. September 973
zeigt einen
Marinus comes Ferrariensis (AFFO, Parma I Seite 360, nr.
72 =
SAVIOLI, Annali Bolognesi I, 2 Seite 54, nr. 31); hierbei
dürfte
Verlesung für Vuarinus
comes vorliegen. Am 10. September 972
nahmen
Vuarinus gratia
Dei comes et Officia clarissima femina iugalis von
Erzbischof Honestus von Ravenna
verschiedene, im Gebiet von Bologna
gelegene Güter für sich und ihre
beiden Töchter Rotani
et Maria
honeste puelle germane filie nostre
in Emphyteuse (CENCETTI,
Le carte
Bolognesi Seite 86, nr. 26).]. Am 1. Juni 984 war er wahrscheinlich
schon
verstorben; damals erschien bei einem Gerichtstag in Ferrara Richelda,
relecta quondam Johannis qui vocabatur de Lamma,
et aprehendit virga in
manus sua und übertrug für sich und ihre Tochter Guntilda ein
predium
de domno Vuarimo comite,
quam praedicta sorte et portione
posita est
juxta Canale quod de Peronodoroso an einen gewissen Petrus qui bono
remorario [3
FRIZZI, Ferrara II Seite 72f.]. Eine Urkunde aus
Ferrara aus dem Jahre 1017 nennt dann noch
einmal die heredes quondam Warini comes [4 FRIZZI,
Ferrara II Seite 74 und Seite 93.]. Aus welcher
Bevölkerungsgruppe Ober-Italiens Warin
von Ferrara hervorging, ist
nicht
bekannt. Wenn Richelda, die das
predium Warins veräußerte,
eine
Verwandte des Grafen von Ferrara war, so deutet ihre investitio mit
einer virga, also ihre
Anwendung eines nordalpinen Stammesrechtes, auch
auf Warins Abstammung von
einer nordalpinen Zuwanderer-Familie hin.