CLIII.    SUPPO (III.)

war consiliarius und archiminister bei Kaiser LUDWIG II., damit also einer der angesehensten Männer seiner Zeit. Als kaiserlicher Bevollmächtigter nahm er an der zwischen Oktober 869 und Februar 870 in Konstantinopel tagenden 8. Allgemeinen Synode teil [1
Vgl. Vita Hadriani in: Libcr pontific. II Seite 181, dazu die Konzilakten in: MANSI, Concil. collectio, vol. XVI, Col. 158.]. Er war in erster Linie dafür ausersehen, in Konstantinopel alles Nähere für die Vermählung der Kaiser-Tochter Irmingard mit dem ältesten Sohne des regierenden byzantinischen Kaisers und gleichzeitigen Mitregenten, Konstantin, zu regeln [2 Diesen Auftrag erwähnt ANASTASIUS bibliothecarius in der Vorrede zu den Akten des Konstantinopler Konzils: causa nuptialis commercii, quod efficiendum ex filio imperatoris Basilii et genita praefati ... augusti (se. Ludwigs II.) ab utraque parte sperabatur simul et parabatur.]; doch wurde dieser Auftrag durch eine plötzliche Weigerung Kaiser LUDWIGS II. hinfällig. Nach Abschluß der Synode, auf welcher sich die griechische Kirche vor Rom sehr gedemütigt hatte, griff Suppo III. in den Kampf um die Vormachtstellung des Bischofs von Rom ein. Er protestierte mit Anastasius bibliothecarius bei Kaiser Basilius gegen die Entwendung einiger bereits ausgefertigter Protokolle und Urkunden, welche die Unterwerfung in klarster Form enthielten, und hatte damit auch Erfolg [3 Vgl. E. DÜMMLER, Geschichte des ostfränkischen Reiches II² Seite 255/56.]. Wohl zum Dank für diese schwierige Mission erhielt er von LUDWIG lI. am 3. April 870 die beiden cortes juris regni nostri Fellina und Malliaco in der Grafschaft Parma, und zwar in gastaldatu Bismantino [4 TORELLI, Le carte Reggiani Seite 37, nr. 13 (= AFFO, Parma I Seite 287, nr. 12; TIRABOSCHI, Modena I Seite 40, nr. 30 - mit falschem Datum !). Bismantua ist das heutige Castelnovo ne' Monti im Apennin, 35 km südwestlich Reggio/Em.]. Sein sonstiges Einsatzfeld war die Mark Spoleto [5 Nicht ganz von der Hand zu weisen ist auch die Auffassung, daß Suppo III. nur Camerino, den östlichen Teil des Herzogtums Spoleto, verwaltete. Vgl. dazu bes. H. MÜLLER, Topographische und genealogische Untersuchungen Seite 117ff.], wo er (zwischen dem 25. August und 29. September) [6 Das erste Datum ergibt sich aus einer auf den 25. VIII. 873 datierten, noch unedierten Urkunde des Liber instrumcntorum seit chronicorum monasterii Casauriensis, die zugleich auch nach dem 2. Jahr des Grafen Suppo zählt. Das zweite Datum erhält man aus einer Urkunde vom 29. September 971 (fehlerhaft in der Angabe der Regierungsjahre LUDWIGS II.; XX statt XXII), die das erste Jahr Suppos angibt. Vgl, hierzu MANARESI, I placiti Seite 288, Einleitung zu nr. 79 und MURATORI, Antiqu. It. I Seite 282.] 871 die Nachfolge des aufrührerischen und schließlich vor LUDWIG II. nach Benevent entflohenen Markgrafen Lambert antrat [7 Vgl. A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 360f.]. Es ist eine Reihe von Urkunden dieses Raumes bekannt, die nach Jahren Suppos in seinem comitatus datieren und die Amtshandlungen Suppos erwähnen [8 Vgl. außer den in Anm. 6, 9 und 10 gegebenen Belegen: Additamenta ad Chron. Casauriense, MURATORI, Script. II, 2 Seite 932 (Urkunde vom November 871 - Sisenandus ex genere Francorum, filius quondam Anastasii et missus Supponis comitis); MURATORI, Antiqu. It. I Seite 282 (Urkunde vom 9. Juni 872 - Erwähnung Suppos in der Datierung, Regierungsjahre LUDWIGS II. falsch angegeben); Additamenta ad Chron. Casauriense Seite 936 (Urkunde vom 25. März 873 - Erwähnung Suppos in der Datierung, dazu Wido missus Supponis comitis); MANARESI, I placiti Seite 287, nr. 79 = Additamenta ad Chron. Casauriense Seite 946 und Chron. Casauriense Seite 816 (Urkunde vom Mai 875 - Fratellus auditor Supponis comitis und temporibus Supponis comitis anno eius IV.); MANARESI, I placiti Seite 289, nr. 80 (Urkunde von 871-875 - Fratello auditore Supponi comitis und tempore Supponi comitis). Auch das Relief über dem Hauptportal der Abteikirche in Casauria (um 1190), das die Gründung Casaurias darstellen will, zeigt einen Suppo comes neben Kaiser LUDWIG II.]. In einer Urkunde vom 6. Juni 872, mit der er eine Schenkung an das Kloster Casauria vornimmt, bezeichnet sich Suppo als dux und als filius quondam Maurini [9 Additamenta ad Chron. Casauriense, MURATORI, Sctipt. II, 2 Seite 935]. Seine fromme Gesinnung bekundete Suppo, Piceni comes, neben dieser Schenkung auch dadurch, daß er usurpationem suorum in rebus tam venerabilis monasterii prohibuit [10 S. Gregorii magni vita, auct. JOANNE DIACONO, lib. IV, cap. 95, in MIGNE PL 75 Seite 238. Auch das nach 1182 abgefaßte Chron. Casauriense Seite 800
spricht bei der Inhaltswiedergabe der in Anm. 9 zitierten Urkunde von Suppo Piceni comes qui et dux ibscribitur, in imperators exercitu fulgidus.].
Noch in Mai 875 finden wir Suppo III. in einer Urkunde aus Chieti erwähnt [11
Vgl. Anm. 8.]. Mit dem Regierungswechsel von LUDWIG II. auf KARL DEN KAHLEN hat er sein spoletinisches Amt verloren; die WIDONEN wurden restituiert. So zählte man im Juni 876 in Camerino bereits wieder das 1. Jahr Widos (II.) [12 Additamenta ad Chron. Casauriense Seite 947. Vgl. auch A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 362f.- Das Chron. Casauriense Seite 819 nennt noch zum Jahre 878 bei der Wiedergabe eines Urkundeninhaltes vicarii Supponis comitis. Da die betreffende Urkunde in den Additamenta Seite 948 jedoch noch erhalten ist, kann hier leicht ein Irrtum des Chronisten - Verwechslung Suppos mit Wido festgestellt werden.]. - Im März. 877 unterzeichnete er noch in Brescia das Testament der Kaiserin Angilberga, seiner Base [13 BENASSI, Parma I Seite 146, nr. 22 (= CdL Seite 452, nr. 270).]. In einem Briefe Papst Johanns VIII. vom Anfang August 879 wird er bereits als verstorben erwähnt [14 MG Epist. VII Seite 190, nr. 212; vgl. auch Anm. 9 bei Suppo II.].
Er war ein Glied der SUPPONIDEN-Familie und daher ein Franke [15
Vgl. Exkurs: Genealogie der Supponiden.].