CXLII.    ROTCARIUS


Im Februar 843 hielt laut einer im Archivio Capit. di Bergamo verwahrten Urkunde ein Rotcario comes in Glesialba (= Ghisalba) ein Placitum ab, auf welchem einem Archidiacon Willebuto der Besitz gewisser Güter bestätigt' wird [1
MANARESI, I placiti Seite 151, nr. 46 (= CdL Seite 258, nr. 149 und LUPO, Cod. dipl. Bergom. I Seite 699).] - Obwohl nicht bekannt ist, welchen Comitat Rotcar verwaltete, darf er aber doch wohl wegen seiner Tätigkeit in dem nur 15 km südöstlich von Bergamo gelegenen Chisalba als Graf von Bergamo angesehen werden [2 Bereits FINAZZI, der Editor dieser Urkunde im CdL, schreibt einleitend: „Placitum habitum a Rotcario comite bergomensi in vico Glesialba." MANARESI, I placiti Seite 732 (Register) sieht in ihm einen Grafen von Verona.].
Andere eindeutige Zeugnisse fehlen. Zu beachten ist jedoch, daß Kaiser LUDWIG II. am 11. März 858 der Kirche von Cremona eine Schenkung bestätigte, die Ruthcherus quondam fidelis vassus et ministerialis noster de hac luce descendens vornahm, und zwar quandam curtem sue proprietatis nomine Roberino in comitatu scilicet Bergamense prope plebem, que dicitur Forum Novum [3
CdL Seite 350, nr. 213. - BM² nr. 1215.]. Es könnte mit diesem Schenker, dem in der Grafschaft Bergamo begüterten fidelis vassus et ministerialis Ruthcher, sehr wohl noch unser Graf Rotcar von Bergamo gemeint sein. - Die pagina traditionis für diese Schenkung, die durch die Testamentsvollstrecker Gunther, Gyroldus atque Hillo ausgeführt wurde, lag LUDWIG bei seiner Bestätigung vor (in nostra presentia). Wenn weiterhin der Kaiser in die gewöhnliche Poenformel: ut nullus comes, neque ullus rei publice minister... presumat, invasionis inquietudinem in his rebus ullo umquam tempore contra prefatam ecclesiam aut rectores eius inferre auch noch quispiam heredum vel proheredum predicti Ruthcheri einschließt, so scheint dieses letztere aus der vorgelegten Privatrechtsurkunde, in der der Veräußerer nach allgemeinem Brauch auch die Rechte seiner Erben hinfällig macht, mit übernommen zu sein. Die dabei verwendete proheredes-Formel, die für die in Ober-Italien lebenden Langobarden und Romanen nicht üblich ist, stellt aber ein deutliches Zeichen der nordalpinen Herkunft dieses Mannes dar [4 Vgl. oben Seite 15, Anm. 15. - Vielleicht war Graf Rotcar ein Verwandter der Brüder Hernust und Hungeer (Franken !), die während der ersten vier Jahrzehnte des 9. Jahrhunderts in Mailand und in der Lombardei sehr angesehen und reich begütert waren, ja sogar eigene Vasallen hatten. Deren Neffe hieß nämlich Rotcar; vgl. CdL Seite 226, nr. 127 - von 836 Febr. Zu Hernust und Hungeer vgl. CdL Seite 162, nr. 87; Seite 183, nr. 100; Seite 186, nr. 102; Seite 213, nr. 118; Seite 215, nr. 120; Seite 226, nr. 127; Seite 235, nr. 133; Seite 241, nr. 137.].