CXXXVIII. ROGER (I.)
Das Chronicon Novaliciense berichtet, daß zwei Brüder,
Arduin und
Roger, zusammen mit ihrem Klienten Alineus über
die unwirtlichen
Berge
nach Italien kamen. Während der einsichtige Arduin Vasall des
Grafen
Rudolf von Auriate geworden sei, habe Roger - avidus mortali honore -
schließlich die Grafschaft
Auriate an sich reißen
können, als nämlich
der schon in hohem Alter stehende Graf
Rudolf ihn wegen guter Dienste
zum Nachfolger ausersah, der in Pavia residierende König mit dem
Vorschlag einverstanden war und Roger
selbst die Witwe des bald darauf
verstorbenen Grafen Rudolf ehelichte
[1
Chronic. Novalic. lib. V, cap. 8, Seite 249.].
Da dieser Bericht die beiden Brüder Arduini proles
nennt und auch
völlig der Datierungshinweise entbehrt, die beiden Brüder
aber zu den
Ahnen des italienischen Königs-Hauses SAVOYEN gehören, ist
sowohl die
genealogische wie die chronologische Seite dieses Berichtes in weiterer
und näherer Vergangenheit stärker erörtert worden [2 Vgl. H.
BRESSLAU, Jahrbücher Konrads II., Band 1, Seite 361ff. und
Anmerkungen
CIPOLLAS in Fonti 32.].
Allgemein [3
Vgl. Enciclopädia Italiana Band IV (1929).
Stichwort: Arduinici.], scheint
sich dabei die Ansicht durchgesetzt zu haben, daß die beiden
Brüder aus
der Normandie kamen, daß sie wohl im Gefolge WIDOS nach
Italien
gelangten und daß Roger I.
sein Amt zwischen 902 und 915 [4
Vgl. SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 414.]
erhielt.
Graf Roger I., dessen
fränkischer Ursprung durch diesen Bericht schon
zur Genüge festgestellt wird, hatte
zwei Söhne, Roger II.
und
Arduin
Glabrio [5 Chronic.
Novalic. lih. V, cap. 8, Seite 249: Rogerius ... genuit
filios
duos, rocans uni nomen suum, alteri nomen fratris, Rogerium et
Arduinum.],
dessen Urkunden die fränkische Abkunft nochmals unterstreichen. -
Ob
er oder sein gleichnamiger Sohn es war, der ca. 935 mit dem Grafen
Autbert von Asti in das Kloster Breme eintrat, bleibt
ungewiß [6
Chronic. Novalic. lib. V, cap. 24, Seite 266. Daß der Eintritt
ca.
935
erfolgt sein muß, ergibt sich aus den Darlegungen in Skizze
Autbert.
Allgemein wird dieser Passus auf Roger
II. bezogen, doch kann meines Erachtens
recht gut noch Roger I. gemeint
sein. Eine Nennung Rogers I.
könnte
noch in einer verfälschten Urkunde des Markgrafen Adalbert von
Ivrea
vorliegen (SCHIAPARELLI, I dipl. di Ugo Seite 51, nr. 19; vgl. dazu
Skizze
Adalbert von Ivrea, Anm. 24).
Dort findet sich als erste
Zeugenunterschrift das Signum Rogerii filii quondam Aldioni
(die
Abschrift des 13. Jahrhunderts ist hier wohl in Ardoini zu
verbessern), vasalli predicti
marchionis, ex genere Francorum. Es
unterschreibt dazu, was die Stellung dieses Roger unterstreicht, ein
Tebaldus
filius quondam item Tebaudi, vasallus infrascripti
Rogerii. Im
Dienste des Markgrafen von Ivrea wäre demnach Roger emporgekommen.
Bei
dieser Identifizierung beachte jedoch auch Ratgerius filius bone
memorie
Eldini; vgl. Skizze Rotger von
Mailand.].