CXXVI. OTBERT I.,
der Stammvater des Hauses ESTE,
ein Langobarde, ist bereits
mehrmals behandelt worden. Die ausführlichsten Studien verdanken
wir L.A. MURATORI, H. BRESSLAU und P. GABOTTO [1 MURATORI,
Delle antichita Estense; H. BRESSLAU, Jahrbücher Konrads II. Band
1, Seite 414ff.; F. GABOTTO, I marchesi Obertenghi Seite 152ff.].
Otbert tritt das erste Mal in
dem Augenblick der Geschichte Italiens hervor, als Berengar II.
aus seinem Exil in Deutschland zurückkehrte und König Hugo die Macht entwand.
So finden wir den Obbertus
comes zusammen mit den anderen Anhängern Berengars
II. - dem Pfalzgrafen
Lanfranc und den Grafen Maginfred von Parma, Milo von Verona, Arduin von Turin und Aledram - am 13. April 945 um ihren
neuen Prätendenten in Pavia versammelt [2 SCHIAPARELI,
I dipl. di Ugo Seite 232, nr. 80 (= MANARESI, I placiti Seite 551, nr.
144).]. Offenbar hat er es in dieser Krisenstunde
geschickt verstanden, durch seine Stellungnahme in die Gunst des neuen
Herrn zu gelangen, ein Führungsamt zu erhalten und in die alte
(fränkische) Adelsschicht aufzusteigen. Da zwei Nennungen vom 18.
Juli 948 als Fälschungen verworfen werden müssen [3 MURATORI,
Antiqu. It. II Seite 173 und 177. Vgl. dazu Skizze Amalrich II. Anm. 6 und 9.],
sieht man ihn erst am 23. Januar 951 das nächste Mal auftreten. Interventu ac petitione Odeberti marchionis atque Maginfredi comitis überließ Berengar II.
als neuer König Italiens der Kirche von Modena und ihrem Bischof Wido, der Berengar
das Übergewicht über
König Hugo zu
erringen half [4
LIUDPRAND, Antapod. lib. V, cap. 27, Seite 146. - Über Wido,
Erzkanzler Berengars II., dann OTTOS I.,
vgl. G. SCHWARTZ, Besetzung der
Bistümer Reichsitaliens Seite 181f.],
verschiedene Rechte und Einkünfte aus Kastellen in der Umgebung
von Modena [5
SCHIAPARELLI, I dipl. di Ugo Seite 294, nr. 2.].
Bald darauf empfing er auch das Pfalzgrafenamt.
Am 23. Juni 953 sprach Berengar II.
jedenfalls schon interventu ac
petitione Otberti marchionis
comitisque
palacii nostri dilecti fideles einem gewissen Hildebrand eine
Besitzbestätigung aus [6
SCHIAPARELI, I dipl. di Ugo Seite 311, nr. 7.].
Doch in den nächsten Jahren scheinen die Beziehungen zwischen Berengar und
Otbert sehr erkaltet zu sein.
Ein Grund dafür läßt sich nicht erkennen. Im Jahre 960
war er bereits mit Erzbischof
Waltpert von Mailand, Bischof
Waldo von Como und anderen zu OTTO DEM GROSSEN
nach Deutschland geflüchtet und hatte dort Aufnahme gefunden [7 Vgl.
LIUDPRAND, Historia Ottonis cap. I, Seite 160 und Contin. Reginonis ad
960, Seite 170.]. Als dann noch die reliqui pene omnis Italiae comites et
episcopi OTTO
brieflich und durch Boten aufgefordert hatten, ut ad se liberandos veniat, und OTTO 961
endgültig die Süd-Politik aufnahm, da hatte Otbert wieder die besten
Möglichkeiten vor sich. Er erhielt sofort Markgrafschaft und Pfalzgrafenamt zurück.
Am 27. September 962 hält er bereits als marchio und comes palacii
wieder einen Gerichtstag ab [8
BSSS 28 (Aste) Seite 166, nr. 86.]. Sein Amt
verliert er nicht mehr bis zu seinem Tode ca. 975 [9 Er wird noch
durch folgende Urkunden als marchio et comes
palaiii - zumeist bei Abhaltung von Gerichtstagen bezeugt: MG
DD
Otto I. Seite 375, nr. 263 (Paterno. 964/Februar/19). MG DD Otto I.
Seite
383, nr. 269 (Lucca. 964/August/9). CdL Seite 1194, nr. 687 (Pavia.
964/Dezember/6). MG DD OttoI. Seite 464, nr. 340 (Ravenna.
967/April/17). MG DD Otto I. Seite 468, nr. 342 (Monte Veltrajo.
967/Juni/12). BERNARD ET BRUEL, Recueil des chartes de Cluny II, Seite
308, nr. 2 und 3 (Pavia. 967/Juli/18). MG DD Otto I. Seite 544, nr. 400
(Chiassa. 970/November/3). BSSS 96 (Tortona) Seite 199, nr. 4 (Pavia.
971/April/6). CIPOLLA, Cod. dipl. di Bobbio I
Seite 335, nr. 97 (Villa Gagio.
972/August/20). - Nachfolger im Pfalzgrafenamt wurde Giselbert II. von
Bergamo.]. Am 15. Oktober 975 treten dann
bereits Adelbertus
et Obertus germani marchioni, filii bone memorie Oberti
marchionis et comitis palatio, auf [10 MURATORI,
Antiqu. It. I Seite 375 (= CATUREGLI, Regestum Pisanum Seite 35 nr. 62).].
Über die Nachkommen Otberts I.,
der bei einer Schenkung von Gütern in Volpedo an das Kloster Cluny
sich selbst als
Otbertus marchio et comes palatio, qui professo sum ex natione mea legem
vivere langobardorum, bezeichnete [11 BSSS 96
(Tortona) Seite 199, nr. 4.], ist vor allem die
genannte Studie GABOTTOS zu vergleichen, in der gegen MURATORI und
andere ebenfalls erwiesen wird, daß zwischen dem Haus Otberts I. und den Markgrafen von Tuszien
bayrischer Abkunft keine direkten Verwandtschaftsbeziehungen bestanden.