CXVIII. Pfalzgraf M A U R I N U S
untersuchte im Jahre 835 auf Geheiß Kaiser LOTHARS
I. zusammen mit
dem
Pfalzkaplan Ructald und dem Grafen Adalgis (von Parma) die
Rechtmäßigkeit der Einforderung von parafreda et currus bei
den
Cremonenser Klerikern für die kaiserliche Kammer [1 CdL Seite
219, rar. 173 (= MURATORI, Antiqu. It. II Seite 6l).].
Im Februar 840
saß
der Maurinus comis
palacii mit dem Bischof
Rodingus -
missi
domni
Hlotharii - und dem Grafen Altanus (von Lucca) in Lucca zu
Gericht, um
über einen auf kaiserlichen Befehl für ungültig
erklärten Gütertausch
zu befinden [2
MANARESI, I placiti Seite 144, nr. 44 (- Mem. e doc. di Lucca V, 2
Seite
337, nr. 564 und MURATORI, Antiqu. It. I Seite 503).].
- Als dann im Jahre 844 der junge LUDWIG II.
nach Rom
zog und dort zum König gesalbt und gekrönt wurde, da nahmen
an den
Krönungsfeierlichkeiten auch omnes
archiepiscopi, episcopi et
abbates,
omnesque qui cum eo venerant Franci und die Romanorum nobiles et
praeclari teil. Noch vorher war aber die Art der Wahl des Papstes
Sergius II., bei der das 823 getroffene Übereinkommen - die
sog.
Constitutio Romana - nicht beachtet worden war, zur Sprache gekommen.
Per dies singulos conflictum summi
certaminis ... commovebat. Und
bei dieser Gelegenheit werden auch die archiepiscopi, episcopi et
abbates und die Franci, qui
cum eo venerant, namentlich genannt [3 Vita Sergii
II. - Liber pontif. II Seite 89f.; BM ² nr. 115a.].
Als
Erzbischöfe und Bischöfe werden aufgezählt: Erzbischof
Drogo von Metz,
ein Oheim LUDWIGS II. und eigentlicher Leiter des
Unternehmens, die
Erzbischöfe Angelbert von Mailand
und Georg von Ravenna, die
Bischöfe
Joseph von Ivrea, Agino von
Bergamo, Amalrich von Como,
Nortcaud von
Vercelli, Sigifred von Reggio,
Toringar von Concordia, Odelbert von
Aqui, Ambrosius von Lucca,
Johannes von Pisa, Petrus von Volterra,
Gausprand von Pistoja, Cantio von Siena, Lupus von Teate, Sisimund von
Teramo (Aprutium), Picco von
Ascoli, Fratellus von Cametino,
Gisus von
Fermo, Racipert von Nurcia,
Amadeus von Pena, Donatus von Piesole. -
Von den weltlichen Großen, die am Romzug teilnahmen et pariter
contendebant, werden genannt:
Boso comes, Adalgisus comes,
Johannes
comes, Vuldo comes, Bernardus comes,
Wilfredus comes
atque Maurinus comes.
Außer
Drogo von Metz, der
von LOTHAR
eigens zu diesem Unternehmen nach Italien geschickt wordenw ar, und dem
Erzbischof von Ravenna, dem ständigen Rivalen
Roms, hatten alle diese genannten Erzbischöfe und Bischöfe im
regnum Italiae gelegene
Bistümer inne. Auch die Grafen sind
sämtlich
im oberitalienischen Raum nachweisbar; so Boso, der
hauptsächlich durch
seine ungetreue Gemahlin Engeltrud
bekannt ist, so Adalgis als Graf
von Parma, Johannes als
Graf von Seprio, Bernard als Graf von Verona,
Wifred als Graf von Piacenza und Maurinus als unser in Cremona und
Lucca auftretender Pfalzgraf.
(Nur Vuldo
comes ist -
wahrscheinlich
wegen der Quellenarmut für Piemont und Ligurien - nicht weiter
nachzuweisen.) Die Grafen Boso,
Adelgis, Johannes, Bernard und
Wifred
sind dazu auch als Franken erweisbar. Der Ausdruck arcbiepiscopi,
episcopi et abbates, omnesque qui cum co (sc. Ludovico) venerant Franci
hat also volle Berechtigung. Deshalb wird man - wenn Pfalzgraf Maurinus
nun auch mit unter diesen Ausdruck Franci
fällt - auch ihn als
Mann
nordalpiner Abkunft ansehen dürfen. - Die Vermutung liegt nahe,
daß er
in die Familie der SUPPONIDEN
einzugliedern ist, in der der Name
Maurin
(Moring) vorkommt.