IC.    INGELFRED


war der Nachfolger des ca. 912 verstorbenen Graten Anselm (II.) in Verona. Er zählt - wie die Urkunden zu den engsten Vertrauten und häufigen Begleitern BERENGARS I. Nachdem er sich bereits einmal am 21. November 894 als Ingelfredus comes carissimus fidelis bei BERENGAR für die Bestätigung aller bei einem Brand vernichteten Urkunden der Kirche von Mantua und für die Bestätigung von Zoll, Schiffahrts- und Uferrechten, Marktrecht und Münzrecht an den Bischof Egilulf von Mantua eingesetzt hatte [1
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 41, nr. 12.], ohne daß man dabei wußte, welche Grafschaft er damals verwaltet haben soll [2 Das nur in Abschrift aus dem 15. Jahrhundert erhaltene Diplom trägt einige Zeichen der Unechtheit, wie zum Beispiel die für 894 noch unverständliche Formel pro nobis nostrique imperii statu, die zu dieser Zeit noch nicht übliche Münzrechtsverleihung usw. Da jedoch der Text der Urkunde in einem Diplom OTTOS III. von 997/Oktober/1 (MG DD) Otto III. Seite 670, nr. 255) wieder auftaucht, müßte man schon vermuten, daß die Fälschung noch im 10. Jh. angefertigt wurde. - Im Fälschungsfalle müßte dieser Beleg für Ingelfred ausfallen. Muß Ingelfred aber unbedingt einer Grafschaft zugeordnet werden? Vgl. nostrae militiae comes bei Ermenulf. In Verona war damals Waltfred Graf.], wird er in den darauffolgenden Jahren bis 913 in BERENGARS Urkunden nur als dilectus vassus, dilectus fidelis oder preclarissimus vassus erwähnt. Als solcher erhielt er von seinem König am 30. April 896 einen innerhalb der Stadt Verona gelegenen kleinen Garten geschenkt [3 SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 48, nr. 14: ortellum unum, pertinentem de Veronense comitatu situm infra civitatem Veronam non longe a Corte Alta. - BERENGAR hatte Verona soeben erst den Anhängern des abziehenden Kaiser ARNULF (VON KÄRNTEN) entrissen (vgl. Waltfred, Anm. 3). Wenn Ingelfred damals von BERENGAR eine Schenkung erhielt, dürfte er dann nicht BERENGARS besonderer Helfer in dieser Krisenzeit gewesen sein?], den er aber am 25. August 901 bereits an das S. Zenokloster weiter übertragen hatte [4 SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 100, nr. 34: et hortellum unum infra ciuitate Verona a quodam Ingelfredo donatum eidem Sancli Zenonis monasterio.]; und als solcher intervenierte er 911 bei BERENGAR zugunsten des Bischofs Petrus von Reggio/Em. sowie zugunsten eines Diacons der Kirche von Aquileja [5 SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 206, nr. 75 und Seite 216, nr. 80.].
Im April 913 ist er durch die Urkunde über ein in ciuitate Verona abgehaltenes Placitum zum ersten Male als
Ingelfredus comes ipsius comitatu nachzuweisen. Vor ihm, vor dem vassus et missus domni regis Odelricus, einigen Königsrichtern und Schöffen sowie auch vor König BERENGAR persönlich wurde damals ein Streit zwischen dem Kloster Nonantola und einer gewissen Gariberga um eine Hälfte des Kastells Nogara entschieden [6 SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 235, nr. 88 (= MANARESI, I placiti Seite 466, nr. 125). ]. - Dem S. Zachariaskloster in finibus Venetiarum non longe a pallatio de Rivoalta schenkte er dann am 1. Dezember 914 als Ingelf redus gratia Dei comes comitatu Veronense die in finibus et Montesilicano comitatu in loco Petriolo gelegenen Ländereien sowie die S. Thomaskirche in Monselice und eine curtis mit Kirche in Cona [7 GLORIA, Padua I Seite 45, nr. 29 (= CESSI, Documenti II Seite 40, nr. 30).], - Besitzungen, die er am 1. September 906 von seinem Freund, dem Bischof Adelard von Verona, zu Geschenk erhalten hatte [8 GLORIA, Padua I Seite 39, nr. 26.]. Die Gewalt über diese Besitzungen und ihr Nutzrecht behielt er sich und seinem Sohne Aitingus (= Egitingus) aber zeitlebens vor. Von BERENGAR erhielt er 916 hinwiederum den Fiskalhof Zerpa, pertinentem videlicet de comitatu Veronensi [9 SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 294, nr. 114: Ingelfredo glorioro comiti dilectoque fideli nostro iure proprietario concedere dignaremur ... curtem iuris regni nostri quae Girpa nominatur.]; er war damals bei BERENGAR in Pavia. Im Januar 918 hielt Ingelfred - noch einmal in Anwesenheit BERENGARS - mit dem Markgrafen und kaiserlichen Missus Odelrich in Verona ein neuerliches Placitum im Streit um den Besitz des Castrums Nogara ab [10 SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 302, nr. 117 (= MANARESI, I placiti Seite 478, nr. 128).]. Im Gefolge Kaiser BERENGARS ist er auch am 10. Februar 921 in Mantua. Er unterzeichnet dort zusammen mit seinem Sohn Egitingus, der offenbar auch sein Nachfolger in der Grafschaft Verona wurde, und dem Grafen Guntari das Testament des Bischofs Nother [11 UGHELLI, Italia sacra V Seite 727 (2. Auflage); Seite 633 (1. Auflage). - Von SCHIAPARELLI in die Dipl. di Bereng. I nicht aufgenommen, obwohl actum in ciuitate Mantua, ubi Dominus Berengarius gloriosissimus Imp. praeerat. Wenn auf das Signum + man. Ingelfredi comitis comitatu Veronenrir ex Alemanorum genere testis das Signum + man. Egiringi filio quondam Ingelfredi com. testis folgt, dann dürfte - da auch in der in Anm. 7 zitierten Urkunde nur ein Sohn (Aitingus) genannt wird - hier beim 1. Signum nicht ein zweiter Graf Ingelfred, vielleicht ein Sohn des älteren, bezeugt sein, sondern eher in dem quondam ein Lesefehler (qd oder qdam) für eidem (eid oder eitlem) stecken, was wahrscheinlich wird, wenn bei den Unterschriften weiter folgt: Signum + man. Romoni vasso eidem Ingelfredi comiti ex genere Alemanorum testit. Die Lesarten UGHELLIS lassen ja oftmals sehr viel zu wünschen übrig, vgl. Anhang: Grafennennungen in Urkundenfälschungen, Skizze Peredeus.].
Am 31. Juli 928 war er bereits verstorben. Bischof Nother von Verona, der Nachfolger Adelards, schenkte damals für sein und bone memorie Ingelfredo comes Seelenheil dem schon einmal genannten S. Zachariaskloster die Besitzungen in Petriolo in der Grafschaft Monselice, qui fuerunt iuris bone memorie Ingelfredi comis und deren Besitz- und Nutzungsrecht sich der Graf 914 bei der ersten Schenkung aber noch vorbehalten hatte und auf den Bischof übertragen haben muß; dazu übertrug er weitere Ingelfred-Besitzungen in dieser Grafschaft unter Vorbehalt des eigenen Nutzrechtes [12
GLORIA, Padua I Seite 54, nr. 34 (= CESSI, Documenti II Seite 50, nr. 34).]. Dem Zachariaskloster wurden die ehemaligen Güter Ingelfreds später noch oftmals bestätigt: so von OTTO I., OTTO III., KONRAD II., HEINRICH III., HEINRICH IV. etc. [13 GLORIA, Padua I Seite 68, nr. 46; Seite 110, nr. 77; Seite 170, nr. 133; Seite 176, nr. 139; Seite 341, nr. 317.].
Graf Ingelfred war ein Alemanne. Als solchen bezeichnet ihn der Bischof Adelard in seiner Urkunde; Ingelfredus gratia Dei comes comitatu Veronense et filius bone memorie Grimaldo ex genere Alemannorum nennt er sich dazu selbst in der Schenkungsurkunde von 914 für das S. Zachariaskloster in Venezien, und die gleiche Aussage liefert auch die Unterschrift unter dem Testament Bischof Nothers. Dazu hat er eine Reihe Vasallen alemannischer Abkunft [14
Vgl. die in Anm. 7, 10 und 11 zitierten Urkunden. - Zu den Vasallen Ingelfreds gehörte auch Flambert, der 924 Kaiser BERENGAR ermordete (vgl. LIUDPRAND, Antapod. lib. II, cap. 68-73, Seite 68ff.; CONSTANTIN. PORPHYROGEN., De administr. imperio Seite 117 und die in Anm. 6 und 11 zitierten Urkunden). B. BAUDI DI VESME hat in seinen genealogischen Kombinationen (I conti di Verona Seite 286) Ingelfred zu einem Enkel eines Engelbert, filius bone memorie Grimuald de Erbeto, gemacht, welcher 846 sein Testament abfaßte (FAINELLI, Cod. dipl. Veronese Seite 263, nr. 181). Dieser Engelbert bekannte aber ausdrücklich, nach langobardischem Recht zu leben (... lex mea langobardorum mihi tribuat ...); somit sind diese Kombinationen unhaltbar.].
Ingelfred war ein naher Verwandter des Grafen Grimald.