XCIV.    Pfalzgraf H U C P O L D


ist, obwohl er in engeren Beziehungen zur Toskana gestanden zu haben scheint, auch in Ober-Italien nachweisbar und deshalb hier mit zu behandeln. - Wir finden ihn zum Beispiel 851 in Pavia, wo Kaiser LUDWIG II. Klagen von Einwohnern aus Cremona anhörte und dann zur Abstellung der Mißstände einen ersten Gerichtstermin in dieser Angelegenheit vor seinem Missus und Consiliarius Theodericus und dem comes sacri palatii Hucpaldus sowie den beiden Grafen Adelgis und Achedeus einberief [1
MANARESI, I placiti Seite 193, nr. 56 (= CdL Seite 303, nr. 180) von 851/Oktober/5 - 852/Januar/29.]. Und so hat sich auch die eine der beiden Töchter Hucpolds, Ingelrada, in Ober-Italien verheiratet; sie wurde die Gemahlin des Ravennater dux Martinus [2 Vgl. unten Anm. 7.].
Im März 860 war Hucpold mit Kaiser LUDWIG II. im Gebiet von Spoleto. Er erhob dort für LUDWIG Klage gegen den Grafen Hildebert wegen unrechtmäßiger Besitzergreifung von Gütern in Ober-Italien, Tuszien, Spoleto und in der Romagna [3
MANARESI, I placiti Seite 234, nr. 65 (= Additamenta ad Chron. Casauriense, MURATORI, Script. II, 2 Seite 928) von 860/März. - Über den Grafen Hildebert vgl. Th. WÜSTENFELD, Über die Herzöge von Spoleto Seite 399, A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 355, und MANARESI, I placiti Seite 187.].
War er selbstverständlich meistens im Gefolge des des hin- und herziehenden Kaisers, so darf aber vielleicht doch Florenz als die Stadt angesehen werden, zu der er engere Bindungen hatte. In Florenz ist die andere der beiden Töchter, Berta, Äbtissin des S. Andreas-Frauenklosters [4
  PIATTOLLI, Le carte della canonica della cattedrale di Firenze Seite 6, nr. 2. - Florenz. 852/Oktober/19: Ego Radingo uir uenerabilis, sancte Florentine ecclesiae episcopus ... ordinare et confirmare preuidi te Berta Deo deuota, filia Hucpoldi comiti palatii, ut tu inibi diebus uite tue abbatissa et retrice ipsius monarterii esse debeas ..]; und ihr folgt dort eine zweite Berta, Nichte der ersten und Tochter eines Grafen Hubald (wohl des bekannten WIDO-Anhängers, der demnach ein Sohn unseres Pfalzgrafen Hucpold gewesen sein muß [5 In der Epitome Chronicarum Casinensiurn (MURATORI, Script. II, 1 Seite 370) findet sich eine romanhafte Erzählung des Schicksals eines in der Zeit Kaiser LUDWIGS II. lebenden Tucbaldus comes palatii und seiner Familie. Obgleich die Einzelheiten als fabulös außer acht zu lassen sind und auch der Name Hucbald in Tucbald verderbt ist, scheint von den genealogischen Angaben manches brauchbar zu sein. So wird neben der Gemahlin dieses Pfalzgrafen namens Andaberta ein dem Vater gleichnamiger Sohn genannt.], als Äbtissin nach [6 PIATOLLI, a.a.O. Seite 19, nr. 6. - Florenz 893/März/1: tradidit Berta Deo dicata, abbatissa, filia bone memorie Ubaldi, qui fuit comes palatio, recundum suam firmitatem et ordinationem, idem Berta neptia sua, ueste sancte religionis indula, filia Ubaldi comitis, ad abbatissa in monasterio Sancti Andree, sito infra hanc Florentina civitatem, ut post decessum ipsius Berte ipsa idem Berta ibidem ordinata et confarmata fuisset in ipso monasterio ...]
Auch für diesen Pfalzgrafen ist eine direkte Einwanderung aus den Gebieten nördlich der Alpen oder die Nachkommenschaft von einem nordalpinen Einwanderer offensichtlich. Die in Ravenna verheiratete Ingelrada verwandte nämlich bei der am 8. September 896 vorgenommenen reichen Besitzschenkung an ihren Sohn, den Diacon Petrus von der Kirche von Ravenna, die in den nordalpinen Stammesrechten übliche Traditionsformel: cartam cum calamare et cultellum et festucum notatum et guazonem de terra cum ramis arborum et vinearum de terra levavi et tibi Dominico tabellioni huius civitatis Rav. scribendum rogavi ... Auch ist ein Adelengo q. v. Acio ex genere Francorum im Gefolge Ingelradas bezeugt [7
FEDERICI E BUZZI, Regesto Bella chiesa di Ravenna Seite 3, nr. 1. An der Stelle: ego pro omnipotentis Dei clementia Ingelarda filia Apaldi comitissa Latii profitens profiteor ... ist die Lesart Ingelrada filia Apaldi comitis palatii, die sich in den Drucken dieser Urkunde bei MURATORI, Antiqu. Italiae I Seite 153, VESI, Storia di Romagna (Documenti) Seite 142, FANTUZZI, Mon. Ravennati I Seite 96, nr. 7 findet, vorzuziehen. - Ingelrada und Martin sind weiterhin aus folgenden Urkunden bekannt: VESI Seite 112 (= FANTUZZI I Seite 88, nr. 3) von 870/Dezember/14; BERNHARTt, Codex traditionum eccl. Ravennatis Seite 47 (= FANTUZZI I Seite 34, nr. 69) von 878-888; VESI Seite 126 (= FANTUZZI Seite 90, nr. 4) von 889/November/20; VESI Seite 137 (= FANTUZZI I Seite 92, nr. 5) von 893/Juni/11; BUZZI, Ravenna c Roma Seite 195 von 893/September/18; BUZZI, Ravenna e Roma Seite 196 von 901/März/28; VESI Seite 152 (= FANTANUZZI I Seite 102, nr. 8) von 903/Juli/26 - beide als quondam erwähnt, desgleichen in MG DD Otto III. Seite 758, nr. 330 (= CENETTI, Le carte Bolognesi Seite 74, nr. 21) von 999/September/27. - Aus dieser Ehe sind zwei Kinder bekannt: der Diacon Petrus (siehe oben) und eine Tochter Ingelrada, die den inPistoia beheimateten Grafen Teudegrim heiratete. Die Belege für diese Personen sind zu finden bei VESIS Seite 152,155,156,158,172, FANTUZZI V Seite 100, nr. 2 und BUZZI, Ravenna e Roma Seite 166 und 196, für Teudegrim und seine in Pistoia ansässigcn Verwandten auch bei SANTOLI, Libro Croce Seite 223, nr. 118; Seite 39, nr.10; Seite 35, nr. 9; Seite 34, in. 8..]. Letzte Gewißheit geben aber die Rechtsbekenntnisse der Nachkommen seines Sohnes Hubald [8 Vgl. die Skizzen Hubald und Bonifaz].




























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