XCIII.    HUCPALDUS


ist als Nachfolger des Grafen Hadumar (II.) in der Grafschaft Verona bekannt. - Am 13. Mai 809 überträgt er zusammen mit dem Ratoldus sanctae Veronensis ecclesiae episcopus als ejus civitatis comis der in castro ueronensim gelegenen S. Peterskirche Güter, die der Graf Hadumar mit der Bestimmung hinterlassen hatte, sie an die genannte Kirche, seine Grabkirche, pro luminaria et orationem eiusdem anime weiterzugeben [1
FAINELLI, Cod. dipl. Veronese Seite 103, nr. 89.].
Noch 820 waltete er in der Grafschaft Verona. Nach einer am 31. März 820 ausgestellten Urkunde saßen in ciuitate Verona der kaiserliche Missus Bischof Ratold und Hucpaldus comis ipsius civitatis zu Gericht. Als Vertreter des Klosters Nonantola klagt dabei der Notar Bonifrit gegen den Grafen Hucpald um den vierten Teil der silva, que nominatur Ostilia, que posita esse videtur in finibus ipsius civitatis Verone (= Gegend nördlich von Ostiglu am Po), und um die Hälfte der verbleibenden drei Viertel mit Ausnahme der königlichen St. Laurentiuskapelle und eines zur curtis Rovescello gehörigen Landstreifens. Bei einem neuen Termin im Königshof Pociolo (= Pozzuolo am Mincio), bei dem neben Graf Hucpald auch der Bischof von Vicenza und der Graf Otto von Mantua zugegen sind, muß der Beklagte zugeben, kein Recht auf die besetzten Grundstücke zu haben. Diese werden dem Kloster zugesprochen [2
MANARESI, I placiti Seite 95, nr. 31 (= CdL Seite 177, nr. 95 und FAINELLI, a.a.O. Seite 158, nr. 121).].
Die eigentliche Besitzergreifung durch das Kloster scheint aber trotz dieses Urteils noch lange ausgeblieben zu sein. Erst sieben Jahre nach diesem Placitum, am 11. März 827, kommt es in Anwesenheit von Raginpertus scavino et advocato Vuaradi comiti de Verona und vieler anderer zur räumlichen Festlegung der abzutretenden Teile und zur Rückgabe des Verlangten an das Kloster Nonantola iuxta iudicatum sicut iam a parte monasterii et inter partem Hucpaldi comitis iudicium habuerunt [3
MANARESI, I placiti Seite 566, nr. 2 (= FAINELLI, a.a.O. Seite 172, nr. 128 und CdL Seite 195, nr. 108). Zur Datierung dieser Urkunde auf 22. März 827 vgl. C. SANTORO, Rettifiche Seite 233.]. Hucpald und sein Nachfolger, Graf Waradus, scheinen demnach das erste Urteil zunächst nicht anerkannt und die Revestitur verhindert zu haben.
Für das Herkommen Graf Hucpalds gibt einen Anhaltspunkt die schon genannte Urkunde vom 13. Mai 809. Hucpald läßt nämlich in den Text aufnehmen: Has autem prenominatas res ego supramemoratus Hucpaldus comis per memet ipsum et inuicem Ratoldus episcopus per gleba et ramum arboris sacrosancto altario iam norninate ecclesiae beati Petri coram testibus tradidi iuxta morem et consuetudinem legis nostrae. Die Übertragung per glebam et ramum arboris ist aber ein Charakteristikum für die nördlich der Alpen gebräuchlichen Stammesrechte [4
Vgl. dazu oben Seite 15.]. Wir können deshalb mit gutem Grund Graf Hucpald als einen Zuwanderer aus den nördlich oder nordwestlich der Alpen gelegenen Teilen des Franken-Reiches ansehen.