LXXXIX.    HUBALDUS,


der Vater des Grafen Bonifaz, war in der Zeit der nationalitalienischen Könige ein Anhänger WIDOS VON SPOLETO. Mit 300 gutgerüsteten Streitern habe er - wie die Gesta Berengarii vermerken - WIDOS Truppen verstärkt [1
Gesta Berengarii lib. II, v. 37, Seite 99 und Seite 24.]. Auch als dann König BERENGAR die Hilfe ARNULFS VON KÄRNTEN gegen WIDO anrief und dieser seinen Sohn Zwentibald nach Italien schickte, bewährte er sich im Einsatz für WIDO. Zwentibald lag - wie LIUDPRAND zu berichten weiß - mit seinen Bayern zunächst dem in Pavia verschanzten WIDO gegenüber. WIDO wollte sich jedoch nicht auf einen Kampf einlassen. Um aber dessen Truppen zum Kampfe herauszufordern, erschien alltäglich ein Reiter aus Zwentibalds Heer und verhöhnte die Gegner. Diese Beschimpfung rächte der Hubaldus igitur Bonefatii pater, qui post tempore nostro Camerinorum et Spoletinorum extitit marchio, indem er sich seinerseits auf einen Reiterkampf einließ und dabei den vorwitzigen Bayern niederstrecken konnte [2 LIUDPRAND, Antapod. lib. 1, cap. 21, Seite 19f.].
Diese beiden literarischen Quellen legen Hubald keinen Titel bei. Daß er ein Graf war, ist jedoch aus einer - wenn auch wohl verfälschten - Urkunde seines Sohnes Bonifaz zu entnehmen [3
TIRABOSCHI, Nonantola II Seite 115, nr. 86. - Vgl. dazu Skizze Bonifaz, Anm. 4.]. Wenn man deshalb auch noch ein Schreiben Kaiser KARLS III. findet, mit dem dieser Hubaldo comes fideli nostro kundtut, daß er einige Güter der St. Antonin- und Viktorskirche in Piacenza (der Grabstätte König Lothars II. von Lothringen) in seinen Schutz genommen habe und ihn mit der Wahrnehmung des Schutzes betraue [4 MG DD Karl III. Seite 68, nr. 40.], dann hat man wahrscheinlich auch diese Nennung auf den Vater des Bonifaz zu beziehen; damit aber wird deutlich, daß Hubald schon unter den letzten KAROLINGERN ein Amt in Italien verwaltete [5 Vgl. dazu auch MANARESI, I placiti Seite 254, nr. 71 (= Mem. e doc. di Lucca V, 2 Seite 492, nr. 811): Kaiser LUDWIG II. im Jahre 871 cum Ubaldo fidele nostro. - Die Vermutung A. VICINELIS, La famiglia dei conti di Bologna Seite 155, daß Hubald erst 888 mit WIDO nach Italien kam, ist durchaus abzulehnen. Welcher Grafschaft Hubald zuzuordnen ist, steht nicht fest. Bedenkt man jedoch, daß sein Sohn Bonifaz zuerst in Bologna nachzuweisen ist, wo auch spätere Mitglieder dieser Familie das Grafenamt verwalteten (vgl. Skizze Bonifaz), und daß am 14. September 918 bei einer Grundstücksbegrenzung intro civitate Bonoma... iura quondam Hubaldi verzeichnet wurden (CENCETTI, Le carte Bolognesi Seite 84, nr. 25), so darf vielleicht Bologna und das Kirchenstaatsgebiet der Romagna als sein Aufgabenbereich angenommen werden. Der 922 in Bologna auftretende Angelbertus comes gehörte dieser Familie wohl nicht an. Er dürfte eher von BERENGAR (Urkundendatierung!) gegen Bonifaz (Anhänger Rudolfs II.) dort eingesetzt worden sein.].
Hubald war ein Sohn des Pfalzgrafen Hucpold. - Über Bonifaz und dessen Kinder ist seine fränkische Abkunft erweisbar.