LXXXIV. (H)ELMERICUS, vicecomes von Piacenza,
der Nachfolger des Vicegrafen Amelgis,
begegnet uns in einer
Gerichtsurkunde aus dem September 897. Er hielt damals als uicecomes
Placentinis et missus domni imperatoris (Lamberti) in villa Pomario ein
Placitum ab [1
SCHIAPARELLI, Documenti inediti del arch. capit. di Piacenza Seite 195,
nr. 3 (= MANARESI, I placiti Seite 381, nr. 105).].
Er scheint durch die Gunst des Grafen
Sigefred, der seit
der Zeit der Machtkämpfe zwischen WIDO und BERENGAR als Verwalter
der
Grafschaft Piaccnza nachweisbar ist und die BERENGAR
treuen SUPPONIDEN
aus dieser Position verdrängte, sein Amt erhalten zu haben. Als
Vasall
des Grafen Sigefred trat Elmericus ja
bereits im Juni 892 in Piaccnza
auf [2
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 190, nr. 2 (= MANARESI, I placiti Seite 355,
nr. 99). ]. Und mit Sigefred saß der Elmericus
vice comes ejusdem
civitatis
auch am 1. August 898 in Piaccnza zu Gericht [3 MANARESI, I
placiti Seite 396, nr. 107 (= BOSELLI, Delle storie
Piacentine I Seite 286).]. Über sein
Verhalten
in
der Zeit der Annäherung Sigefreds
an König BERENGAR und
während
des
Abfalles zu LUDWIGS
DES BLINDEN wissen wir nichts Genaues. Einige Indizien
sprechen jedoch dafür, daß er in den Sturz seines
Gönners verwickelt
wurde. Traten nämlich im September 897 die bei den Eimericus und Bivin als Vasallen des Vicegrafen Helmerich
auf,
so
bezeichnen sie sich im Mai 906, also bald nach dem Sturz Sigefreds, als
Vasallen des Bischofs Elbung von Parma
[4
MANARESI, I placiti Seite 381, nr. 105 und Seite 436 (mit Anm. b auf
Seite
441), nr. 118. Bivin und Helmerich unterschreiben auch im
April 914 das
Testament Bischof Elbungs als vasalli (E.
FALCINI, Il testamento del
vescovo Elbunco Seite 59, nr. 1 = DREI, Parma I Seite 51, nr. 9).].
Auch trat dann im
September
911 der Franke Framsit unter dem neuen Grafen von
Piaccnza, dem
SUPPONIDEN Wifred II., als
Vicegraf in Piaccnza auf. Man saß
damals zu
Gericht über einen Herardus filio quondam idemque Herardi ex
genere
Francorum, vasallo Elmerici vicecomes,
der es verschmähte, vor
seinen
Richtern Rechenschaft über die Besitznahme einiger Güter des
Piacentiner S. Sisto-Klosters abzulegen [5 MANARESI, I
placiti Seite 459, nr. 123 (= FICKER, Forschungen IV Seie 25,
nr. 20 und BOSELLI, a.a.O. Seite 290).]. Ob Elmerich selbst
neben
dem erwähnten Framsit
vicecomes, der die Urkunde mit Wifred
II.
unterschrieb, in der Grafschaft Piaccnza noch etwas zu sagen hatte oder
nicht mehr, kann aus dem ihm in dieser Urkunde noch beigelegten
Vicecomes-Titel nicht unbedingt gefolgert werden. So taucht auch
im Juli
915 in Piaccnza ein Elmericus filio quondam Ratbaldi ex genere
francorum auf, der von Berta, der Äbtissin des S. Sistoklosters
und
Tochter König BERENGARS, verschiedene
Güter zu Libell nimmt und
diesmal
keinen Vicecomes-Titel trägt, aber dennoch wohl mit unserem
Vicegrafen
identifiziert werden darf, da er nach Wortlaut dieser Urkunde auch
wieder eigene Vasallen, das Zeichen eines Mannes in gehobener Position,
hat [6
CdL Seite 798, nr. 462: - Signum
+ manus Hodiloni vasallo suprascripti
Elmerici salico testes.].
Als dann aber im Mai 921 in villa
nuncupante Caselle comitatu Parmense
ein Adelbertus
comes ejusdem comitatu Parmense einen Gerichtstag
abhielt, war er auch von einem Helmericus vicecomes
istius comitatu
begleitet [7
DREI, Le carte Parmensi I Seite 83, nr. 23 (= AFFO, Parma I Seite 326,
nr. 45).]. Da aber Piaccnza und Parma des
öfteren gemeinsam
verwaltet
worden zu sein scheinen [8
Ein Vogt der Grafschaften Parma und Piacenza (fines Parmense et
Placentina unde ego advocato sum) tritt in einer Urkunde vom 30.
Mai
879 auf (BOSELLI, a.a.O. Seite 284). Dann gab es merkwürdigerweise
um
880 zwei Vicegrafen von Piacenza (Noe
und Adelbert-Acco), von denen
vielleicht einer mehr für Parma zuständig war.],
wird es nicht verwundern, daß
Helmericus nun
als Vicegraf von Parma genannt
wird. Vielleicht war er, der mit
Sigefred hochgekommen war, von
den SUPPONIDEN dorthin
abgedrängt
worden.
Helmerich war, wie aus der
schon zitierten Urkunde aus dem Juli 915
hervorgeht, ein Franke.