LXXXI. HADUMAR (I.)
Die fränkischen Reichsannalen berichten zum Jahre 806,
daß
gemäß einer Weisung König
Pippins eine Flotte
von Italien nach
Corsica
auslief, um dort gegen die Mauren, die diese Insel verheert hatten,
einen Gegenschlag zu führen. Bei deren Ankunft seien die Feinde
jedoch
entflohen, und zu größeren Gefechten wird es daher nicht
gekommen sein.
Gleichwohl: unus tamnen nostrorum, Hadumarus comes civitatis Genuae,
inprudenter contra eos dimicans occisus est [1 Ann. regni
Franc. ad 806, Seite 122. - Diese Nachricht findet sich wenig
abgewandelt auch in den abhängigen Annalenwerken: Ann. Berlin.,
Ann.
Fuldens, Ann. Mettens. etc. Hadumar
als Grafen von Genf zu
erklären, da die Ann. regni Franc.
und
die Ann. Einhardi beim Jahre 773 mit
Jenuam civitatem bzw. Genuam
Burgundiae civitatem eindeutig Genf meinen, wäre sinnlos.
Für
Genua
spricht eben doch die Tatsache des Schiffsaufgebotes und der
Seeschlacht. Eine Identifizierung dieses Grafen Hadumar mit dem gleichnamigen
Veroneser Grafen halte ich für ausgeschlossen, da dieser
noch
806/April
in Verona bezeugt ist, ja erst 808 oder Anfang 809 verstorben zu sein
scheint und sein Grab in Verona nachzuweisen ist (vgl. Skizze Hadumar
II.).].
Da aus dem 9. Jahrhundert urkundliche Zeugnisse aus Genua und Ligurien
gänzlich fehlen, bleibt diese Nennung des Grafen Hadumar von
Genua
die einzige Nachricht, die wir über ihn besitzen.
Das unus uostrorum darf
vielleicht als Anhaltspunkt dafür gelten,
daß
er einer der fränkischen
Befehlshaber war, die die
militärischen und
verwaltungsmäßigen Funktionen nach der Niederwerfung des
Langobarden-Reiches übernahmen [2
Vgl. schon Genua liguistiea (1751) Seite 15: Hic „ex nostris", scil.
Francis, vocatur, ut adeo dubium sit nullum, Genuam Francorum fuisse
et eum Caroli auspicii pugnasse. Hier auch die Anfänge einer
„marca
tosco-ligure" zu sehen (so U. FORMENTINI, Genova nel basso irnpero e
nell'alto medioevo Seite 156ff.), besteht keine Notwendigkeit.].