LXXVII. GRIMALDUS,
einer der treuesten Anhänger BERENGARS I.,
ist in den Jahren von
905
bis 922 urkundlich nachweisbar. Die 22 direkten Nennungen zeigen ihn
immer im Gefolge BERENGARS, -
so als Fürbitter beim König wie
auch als
Teilnehmer im Königsgericht. Mit dem königlichen Hofe ist er
so im
Valpolicella, in Brescia, Novara, Corteolona, Monza, Verona, Pavia,
Mantua etc. Eine besondere Bindung an eine Landschaft ist aus den
Aufenthaltsorten wie auch aus den Wohnorten der Urkundenempfänger,
für
die er interveniert, nicht zu ersehen. So scheint er wesentlich ein
hoher Hofbeamter gewesen zu
sein [1
So schon A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 381.].
Erscheint er zunächst (905 und 908) bei BERENGAR
als illustris vir
ac
devotus fidelis und als Grimaldus noster
dilectus fidelis [2
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 154, nr. 54 (von
905/Mai/26) und Seite 178, nr. 66 (von 908/April/24. Brescia). Zwei
Diplome von 900/Juli/8 und 901/März, in denen Grimald als dilectus
vassus fidelis noster und vassus et missus dn. reges genannt
wird, sind
Fälschungen; SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 375, nr. + 5 und S. 377,
nr. + 6.], so tritt
er ab 911 als
gloriosus comes auf [3
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 210, nr. 77 und Seite 212, nr. 78 (von
911/August/15 und 911/August/19. Novara): Grimaldum
gloriorum comitem
dilectumque fidelem nostrum suppliciter nostram exorasse
clementiam ...
; Seite 226, nr. 85 (von 912/August/9. Corteolona): Placitum in
Anwesenheit von et
Grimoaldus comitibus; Seite
240, nr.
89 (von
913/Mai/25. Verona): Grimaldus gloriosus comes
dilectumque fidelem
noster serenitatis nostrae adiit clementiam ...].
Mit ihm zusammen interveniert am
26. Januar 913 BERENGARS Schwiegersohn,
der Markgraf Adalbert von Ivrea
[4
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 232, nr. 87 und Seite 247, nr. 93 (von
913/Januar/26. Monza und ca. 913):
petitione Adelberti gloriosissimi
marchionis
et dilectissimi generi nostri et Grimaldi inlustris comitim
fidelium nostrorum.]. Seit 913, als er an
der Niederwerfung einer Verschwörung
Anteil
gehabt zu haben scheint [5
Am 19. September 913 läßt BERENGAR in
einer Urkunde
(SCHIPARELLI, a.a.O. Seite 244, nr. 91) niederschreiben: Adelardus
et seius homo
Ingelbertus qui etiam Plantardus dicitur uniti cum infideli nostro
Bosonete de nostra infidelitate tractantes
inventi sunt. Wenn sofort anschließend folgt: quapropter
interventu et
petitione Grimaldi eximii
comites nostrique fidelissimi ... omnes
proprietates eiusdem Adelardi
et sui hominis ... Meingauso fideli
nostro concedimus, dann läßt diese krasse
Gegenüberstellung
von
infideles und fidelissimus
doch wohl den Schluß einer Mitwirkung
des
fidelirrimus bei der
Niederwerfung der Verschwörung zu.], wird er
von BERENGAR
auch mit dem ehrendsten Titeln wie noster fidelissimus,
dilectissimus
fidelis und fidelissimus
consiliarius bezeichnet [6
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 244, nr. 91 (von 913/September/19. Pavia);
Seite 285, nr. 112 (von 976/September/1): per Ardingum reverentissimum
episcopum summumque cancellarium et auricularium nostrum nec non et
Grimaldum gloriorum comitem fidelissimum consciliarium nostrum; Seite
294, nr. 114 (von 916/-. Pavia): Grimaldum gloriosum comitem nec non
et Odelricum inclitum marchionem dilectissimos fideles nostros;
Seite
302, nr. 117 (von 918/Januar. Verona): Placitum vor Markgraf Odelrich
und Kaiser BERENGAR, bei dem auch Grimaldus et Tiso
comites zugegen sind;
Seite 313, nr. 120 (von 917-918/Dezember/18. Verona): Grimaldum gloriosum
comitem et Odelricum
inclitum marchionem carissimos fideles nosiros
humiliter nostram adiisse clementiam .. , Seite 315, nr. 121
(918/Dezember/26. Monza): Grimaldum gloriorum comitem nec non
et
Odelricum inclitum marchionem ...].
Zwischen 911 und 915 wird er von BERENGAR als sacellarius,
das heißt als
Schatzmeister
des Königs, genannt und erhält er auch den Fiskalhof
Ronco in
der
Grafschaft Lodi zu Eigen [7
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 271, nr. 105 (ca. 911-915):
Johannes Ticinensis eclerie pontifex
ac Grimaldus gloriosus comes
illustrisque sacellarius noster ...; Seite 269, nr. 104
(ca. 911-915):
Grimaldo glorioro comiti ...
quandam curtem que nominatur Runco
pertinentem de comitatu
Laudensi, situm in eodem comitatu ...,
concedere dignaremur.]. Am 17. November
919 wird er zum ersten Male - zusammen mit
Odelrich (II.) - als gloriosissimris marchio
bezeichnet [8
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 319, nr. 123 (von 919/November/7. Pavia): Grimaldus
et Odelricus gloriosissimi marchiones
et amabile
consiliarii nostri ...], trägt
in zwei
Urkunden vom Jahre 920 aber wieder den einfachen Comestitel [9 SCHIAARELLI,
a.a.O. Seite 338, nr. 131 (von 920/Oktober. Mantua): per Grimaldum
et Odelricum illustres comites et
dilectos fideles nortros,
Seite 340, nr. 132 (von 920/Dezember/20. Verona): Grimaldum
gloriosum comitem dilectumque
fidelem nostrum humiliter
nostram postulasse clementiam ...]. 921
und
922 ist er wieder als marchio genannt
[10
SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 348, nr. 136 (von 921/Oktober/3. Pavia):
Grimaldum
gloriosum marchionem dilectumque fidelem nostrum humiliter
nostram exorasse clementiam ...; Seite 354, nr. 138 (von
922/Juli/28. Verona): Grimaldum gloriosum
marchionem et Ubertum inclitum comitem hominesque
fideles nostros suppliciter
nostre pietatis exorasse clementiam ...; Seite 361, nr. 140 (von
915/Dezember - 924): petitione
Grimaldi gloriosi comitis atque
incliti marchionis ... fidelium
nostrorum.]. Wenn die letzte Urkunde vom
28. Juli 922 Grimald als
Fürbitter bei BERENGAR in
Verona zeigt, so ist
damit
Klarheit darüber gewonnen, daß er nicht mit den vielen
anderen
oberitalienischen Grafen zu Jahresende 921 den König Rudolf II. von Hoch-Burgund
zur
Übernahme der Herrschaft in Italien einlud [11 Vgl.
Skizzen Odelrich, Giselbert, Adalbert von Ivrea und Samson.],
sondern seinem Herrn treu geblieben ist.
Privaturkunden dieses Grafen und
Markgrafen Grimald sind nicht
erhalten. Familien- und Stammeszugehörigkcit dieser
einflußreichen
Persönlichkeit sind nur von einem Eintrag im Gedenkbuch von
Brescia her zu erhellen. Das Blatt 37 des Codice necrologico-liturgico [12 Cod.
necrol.-liturg., ed. VALENTINI, Seite 67 (= 37 r des Originals).]
beginnt mit folgenden Namen:
Grimaldus
commes
Regimberga
Ingelfredus
commes
Rotpern
Egitingus
commes
Ingelfredus
Cadolo
Cadolo
Sibichus
episcopus
Gumbert
Teopertus
Immeltruda
Rotpern
etc.
Diese Namen sind von einer Hand der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts
geschrieben. Wie aus der Wiederkehr bestimmter Namen ersichtlich ist [13 Die Namen Grimald und Ingelfred kommen dreimal, Rotpern und Gumbert zweimal, Cadolo sogar viermal vor.],
handelt es sich hier um die Einschreibung einer Verwandtengruppe.
Bestätigt wird dies dadurch, daß die mit eingeschriebenen Rotpern und Regimberga als Töchter des Grafen Grimald überliefert sind
und eine weitere Rotpern als Tochter eines Gumbert genannt wird [14 Cod.
necrol.-liturg. Seite 81 (= 44 r): Grimoalde comes
tradidit filias suas Rotpern et Regimberga. Dort auch: Gumbert tradidit
filiam suam Rotpern deo et sce. Julie sub iugo sce. regule. Vgl.
weiter: Egitingus.],
ja daß auch Egitingus
commes als Sohn von Ingelfredus
commes bekannt ist. Da als Vater des Grafen Ingelfred (von Verona) ein 914 bereits
verstorbener Grimald
öfter bezeugt ist [14a
GLORIA, Padua I Seite 45, nr. 29: Ego
quidem in Dei
omnipotentis nomine Ingelfredus gratia Dei comes comitatu Veronense et
filius bone memorie Grimaldo ex
genere Alemannorum . . . trado atque
offero ... CESSI gibt in seiner Edition dieser Urkunde
(Documenti
II Seite 40, nr. 30) statt bone
memorie das Wörtchen domno
wieder. Wie ich
aus Mikrofilmbildern des Staatsarchivs Padua ersehe, stützt sich
CESSI
vorwiegend auf eine Abschrift des 12. Jahrhunderts. Das Original zeigt
jedoch eindeutig be m (mit
Kürzungsstrich). Eine Identifizierung des
Markgrafen Grimald mit dem
gleichnamigen Vater Ingelfreds, die sich
nach CESSIS Edition durchführen ließe, wird dadurch
unmöglich.] - als comes wird er dabei nicht
bezeichnet -, müssen in Anbetracht dieses Eintrages wohl Graf Ingelfred und der noch
einflußreichere Graf Grimald
wie auch andere Große [15
So Bischof Sibico von Padua
(bezeugt 911-917) und Bischof
Ambrosius von Mantua (bezeugt 918).] aus
derselben Familie hervorgegangen sein. Die Stammeszugehörigkeit
dieser Magnaten wird daraus ersichtlich, daß Ingelfred und Egitingus ex genere alemannorum waren [16 B. BAUDI DI
VESME, I conti di Verona Seite 260, hatte bereits
vorgeschlagen, diesen Grafen und Markgrafen mit jenem gleichnamigen
Manne zu identifizieren, der im März 877 bei der Abfassung des
Testamentes der Kaiserin-Witwe Angilberga sein Sign. + manus Grimaldi
ex genere alamannorum testis neben
die Unterschriften vieler anderer
Großer des oberitalienischen Raumes setzte. Eine Identifizierung
mit dem Grimoaldus vassus et
mansionarius domini
imperatoris, dessen Frau Maria
(Langobardin) am 31. Juli 887 in Pavia
Güter verkaufte und der selbst fränkischer Abstammung gewesen
zu sein
scheint (2 Franken als Zeugen, Anwendung der proheredes-Formel),
braucht wohl kaum weiter erwogen zu werden; BSSS 78 (Novene) Seite 22,
nr. 16.].