LXXI.    GARIARDUS/GADDO


Am 21. April 902 überließ Kaiser LUDWIG DER BLINDE auf Bitten des Markgrafen Adalbert von Ivrea einem Idelgerio vasso Gaddoni vicecomitis Liegenschaften in Cusiningo pertinentes hactenus de comitatu Verzellensi [1
SCHIAPARELLI, I dipl. di Lodov. III. Seite 51, nr. 18.]. In diesem hier genannten Vicegrafen Gaddo hat man den im Gebiet von Vercelli öfters bezeugten Gariardus vicecomes vor sich. Dies zeigt eine Gerichtsurkunde vom 9. Mai 902, laut welcher damals bei einem vor dem Markgrafen Adalbert von Ivrea abgehaltenen Placitum auch ein Gariardus seo Gaddo vicecomes zugegen war [2 MANARESI, I placiti Seite 418, nr. 113, wo der Text dieser durch Feuchtigkeit verderbten Urkunde mit Gariardus seo Gaddo vicedo[minus] ... wiedergegeben ist. TIRABOSCHI, Nonantola II Seite 85, nr. 63 las nur Gariardus seu Gaddo. Da im Text der Urkunde bald auch ein Giselbertus subdiaconus atque sanctae Vercellensis ecclesiae vicedominus folgt, ergänzte MANARESI das letzte Wort dieser wohl nur noch schwer erkennbaren Stelle zu vicedominus. Doch ist hier zweifellos vicecomes zu lesen. Das gleiche gilt für die Lesung bei den Unterschriften. MANARESI gibt dort vicedominus und bemerkt zu den folgenden Worten: „di lettura incerta", während TIRABOSCHI diese Zeile ganz wegließ.]. - Am 14. August 908 wird dann dieser Vicegraf als Gründer und Ausstatter des S. Sebastiansklosters in Fontaneto (15 km südlich des Lago d'Orta) genannt. BERENGAR I., der damals diesem Kloster eine Besitzbestätigungs-Urkunde verlieh [3 SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 183, nr. 68.], bezeichnete ihn dabei als Gariardus vicecomes fidelis Adalberti marchionis (von Ivrea). Auf Bitten Adalberts von Ivrea und Ageltrudes, der Witwe Kaiser WIDOS, bestätigte BERENGAR sodann am 13. Juni 910 Gariardo vicecomiti eiusdemque Adalberti fideli allen erworbenen und ererbten Besitz, vornehmlich den in Caddo, Premosello und Longomiso im Comitat von Ossola (de comitatu Oxilense) [4 SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 192, nr. 71.]. - Wenn die Könige Hugo und Lothar am 4. März 945 ihrem fidelis Richard drei Mansen in villa Aureliaco in valle Oxila überließen, sicut quondam fuerunt possessi a Gariardo comite de castro Fontaneto, dann haben wir gcwiß unseren ehemaligen Vicegrafen und Gründer des Klosters Fontaneto vor uns [5 SCHIAPARELLI, I dipl, di Ugo Seite 226, nr. 77. - MURATORI, Ant. Italiae I Seite 429 und MORANDI in BSSS 77 Seite 4, nr. 3 lasen Gropardo comite de castro Fontaneto. CARUTTI, Il conte Umberto I. Seite 356, der schon die Gleichsetzung von Gropard mit Gariard vermutete, meint, daß das „Vice" vor comes versehentlich weggelassen wurde. Dafür liegt nach der Edition SCHIAPARELLIS aus dem Original keine Wahrscheinlichkeit mehr vor.].
In einer historisch entscheidenden Situation wird Gariard-Gaddo von LIUDPRAND [6
LIUDPRAND, Antapod. lib. II, cap. 66, Seite 67. Der Editor bemerkt dort in Anm. 3: „G. war wahrscheinlich Vicecomes von Novara unter Markgraf Adalbert I."] erwähnt. Als der von seinem oben genannten Herrn Adalbert von Ivrea uns aanderen nach Italien gerufene König Rudolf II. von Hoch-Burgund 923 gegen BERENGAR bei Fiorenzuola kämpfen mußte und die Schlacht schon zu verlieren schien, da entschieden Bonifacius (von Bologna), der Schwager des BURGUNDERS, atque Gariadus, subito ex insidiis properantes, die Schlacht, indem ihr Erscheinen die Truppen BERENGARS verwirrte, Rudolfs Anhängern dagegen neuen Mut gab.
Über Herkunft, Familie und Verwandtschaft Gariards ist nichts bekannt.