LXX.    GANDULFUS


ist uns als Graf von Piacenza bekannt. Die recht karge Quelle, die seine Existenz erweist, ist eine in Caniano iudiciarie Placentine ausgestellte Libellarurkunde, mit welcher der berühmte Graf Samson Güter in Asula in der Grafschaft Brescia von Abt Ingelbert von Nonantola zu Zins nimmt; und zwar fertigt diese genannte Urkunde ein Teuzo rtotarius domni regis ex jussione Gandulfi comes Placencia am 18. Juli 930 aus [1
TIRABOSCHI, Nonantola II Seite 108, nr. 81 (= CdL Seite 913, nr. 535). ]. - Wenn die Miracu1a sancti Co1umbani in ihrer Klage gegen habgierige Große für die Zeit um 930 von einer curtis Memoriola, quam Gandulfus, unus de predictis principibus, olim invaserat, sprechen, dann scheinen sie nochmals diesen Grafen von Piacenza vor Augen zu haben, zumal das erwähnte Borgoretto-Mormorola etwa 40 km westsüdwestlich von Piacenza liegt und ehedem noch zur Grafschaft Piacenza gehört zu haben scheint [2 MG SS XXX, 2 Seite 1013 (= CIPOLLA, Cod. dipl. di Bobbio I Seite 302).].
Nun entnehmen wir einer Piacentiner Urkunde, daß ein Framsit, filius qd. Gandulfi ex genere Francorum, Güter in Gibidi et in Accariano seu in Glavena aldque in Dungle et in castro Grumo vel in corum adjacenciis comitato Auciense seu et in comitato Placentino einem gewissen Petrus, Sohn Restalds, verkauft hatte und daß dieser jene Besitzungen am 31. Juli 927 einem Presbyter Raduin (Langobarde) weiter verkaufte, welcher sie noch am gleichen Tage der Placentiner Kirche testamentarisch vermacht [3
BOSELLI, Delle storie Piacentine I Seite 291.]. Eine gleichfalls in Piacenza ausgestellte Urkunde vom September 911 bezeichnet uns den Framsit als vicecomes von Piacenza [4 FICKER, Forschungcn IV Seite 25, nr. 20 (= BOSELLI, a.a.O. Seite 290).].
Gehört Graf Gandulf von Piacenza in die Familie jenes Piacentiner Vicegrafen Framsit, wofür nicht nur das Verbleiben in derselben Grafschaft, sondern auch die Namensfolge Gandulf-Framsit-Gandulf spricht, so können wir ihn als Franken anschen [5
Diese Vermutung hat schon geäußert C.G. MOR, L'eta feudale I Seite 194, nr. 13.].