LXVI. Graf ERMENULF
war am 5. April 868 mit Kaiser LUDWIG II. in Salerno. Als kaiserlicher
Bevollmächtigter erwarb er dort für 800 Pfund Silber
vom
consul
et dux
Petrus, abitator civitate
Roma, filius quondam Karoli,
den in Rom
gelegenen und zur benachbarten Wohnung des Konsuls gehörigen
Söller mit
umgebendem Gelände, das Bad, den Wandelgarten und die dem hl.
Blasius
geweihte Kapelle sowie eine curtis
in Tussiano iuxta lacum Sabatini (=
lago di Bracciano) [1
Additamenta ad Chronicon Casaurrcnse (MURATORI, Script. II, 2 Seite
931): Vobis domno meo Hludovvico, gloriosissimo
imperatori. Ego Petrus
...
accepi a vobis per Hermenulfum comitem
missum vestrum argentum libras
octuocenti ... pro solario abitationis mea ...].
- Sein eigentliches Täitigkeitsfeld lag aber in Ober-Italien.
Bereits eine Urkunde vom 14. August 865, die auf dem Zuge Kaiser LUDWIGS II.
zu seinem Bruder nach Orbe in villa
Stablo ausgestellt wurde, zeigt das. Hermenulfus comes, filio b. m. Heremberti,
versprach damals der Kaiserin Angilberta, ihr all
seinen und seiner Gattin Teuta
Besitz zu übertragen (mit Ausnahme von 50 Knechten und Mägden
sowie mit Vorbehalt des Nießbrauches an der beweglichen Habe),
wenn sie für das ihm und seiner Gattin vom Kaiser zu Benefiz
überlassene, in der Grafschaft Stazzona am Lago Maggiore gelegene
Kloster Massino ein Bestätigungsdiplom besorge [2 BENASSI,
Parma I Seite 233, nr. 5 bis (Anhang): Actum in
villa Stablo, ubi ipse augustus preerat. Diese Urkunde ist bei
BM²
nicht vermerkt. Zu LUDWIGS II. damaligen
Weg nach Orbe vgl. BM² nr.
1231 a. - Zum Kloster Massino, das ca. 883 an das Kloster St. Gallen
kam (MG DD Karl III. Seite 151, nr. 92a), vgl. P. DARMSTÄDTER,
Reichsgut
Seite 231f. und G. BISCARO, I maggiori dei Visconti Seite 36ff.].
Im August 879, als bereits König
Karlmann die Geschicke Italiens zu
leiten begonnen hatte, war Ermenulf mit
den römischen Bischöfen
Johannes und Paschal, dem Bischof Gerard von Lodi und dem Gastalden Dido, welche als missi domni Karlomanni regis
bezeichnet werden, in Faedo. Dort wurde das Kloster des hl. Sixtus und
des hl. Fabian in Piacenza in den Besitz der curtes Faedo, Muciana und des
Waldes Meleto investiert. Ermenulfs Unterschrift
findet sich unter der Investitionsurkunde; sie steht neben der von vier
Leuten ex genere Francorum [3 CdL Seite
481, nr. 286 ( = FICKER, Forschungen IV Seite 20, nr.
15). Faedo unbekannter Ort im Gebiet von Cremona und Lodi. Muciana -
fraz. di Vittadona, mand. di Casalpusterlengo. Meletum = Meletto,
distr. di Codogno.].
Im Rivalenkampf um die Krone Italiens, der zwischen WIDO und BERENGAR
ausgetragen wurde, stand Ermenulf auf
des letzteren Seite. BERENGAR
bezeichnete ihn sogar in einem am 2. Dezember 894, also kurz nach dem
Tode WIDOS,
in Mailand ausgestellten Diplom als Ermenulfum nostrae
militiae comitem. Dieses Diplom zeigt aber auch wieder die
Beziehungen Ermenulfs zu der um
den Lago Maggiore gelegenen Grafschaft Stazzona (heute Angera). Er
intervenierte damals für die Überlassung von mansum illud quod est in Cornaledo
pertinens ex comitatu Stazionensi an das Mailänder S.
Ambrosiuskloster [4
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 46, nr. 13.].
Am 15. Februar 898 überließ ihm BERENGAR dazu
einige Knechte und Mägde und andere abhängige Personen in vico et fundo Luano (= Lugano) pertinentibus de iure regni nostri [5 SCHIAPARELLI,
a.a.O. Seite 58, nr. 19. - Zur Identifizierung
von Luano mit Lugano vgl. schon P. DARMSTÄDTER, Reichsgut in der
Lombardei Seite 91. - Diese in Mailand ausgestellte Urkunde BERENGARS ist
auch deshalb von Interesse, weil nach ihr BERENGAR in
Mailand war und
auffälligerweise über Gebiete westlich der Adda
verfügte, die nach dem
896 zwischen
LAMBERT und BERENGAR
geschlossenen Vertrag (vgl. dazu
L. SCHIRMEYER, Kaiser Lambert Seite 50) doch eigentlich LAMBERT
zustanden.
Wäre es schon denkbar, daß bei der Teilung (Ergebnis: Gebiete
nördlich des Po und östlich der Adda stehen BERENGAR
zu, alles andere
LAMBERT) das kirchlich vom Erzbistum Aquileja
abhängige Bistum Como und damit auch die Gegend von Lugano BERENGARS
Anteil zugefallen ist, so gibt aber doch BERENGARS
Anwesenheit in
Mailand sehr zu denken. Sollte es sich damals etwa nicht mehr an den
Vertrag gehalten haben?].
Für die nordalpine Abstammung Ermenulfs
liegt kein direkter Beweis vor [6
Die Urkunde BERENGARS
vom 30. Juni 920, in der consultu
quoque et ortatu incliti Mainfredi
qui et Berengarii comitis
consiliarii nostri atque eius filii
Hermenulfi alias Algerii imperialis
palatii comitis counsanguineorum nostrorum dem Mailänder
Kloster S.
Maria Maggiore der Besitz bestätigt, der Königschutz
verliehen und die
curtis Cerchiate geschenkt wird, ist eine plumpe Fälschung,
für alle
genealogischen Erörterungen und als Basis für die Einordnung Ermenulfs
in das fränkische Geschlecht der UNRUOCHINGER also
völlig wertlos
(SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 396, nr. -I 14). -
Hingegen könnte der Ermenulf,
dessen missus
in einem undatierten
Besitzverzeichnis des Hofes Limonta (am Comer See) genannt wird (post
a. 835), gut mit unserem Grafen identifiziert werden; MANARESI, I
placiti Seite 572, nr. 5 (= CdL Seite 223, nr. 126, letzter Teil).].
Doch bietet die Unterschriftenreihe unter der Investitionsurkunde vom
Jahre 879 für diese Annahme gute Anhaltspunkte.