LVI. DIDO
Graf Dido gehört zu den
seltener hervortretenden Großen
BERENGARS I.
Man sieht ihn zunächst (906-910) mit BERENGAR,
einigen
Bischöfen und
dem Grafen Guntard bei einem
Gerichtstag in Pavia [1
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 188, nr. 70 (= MANARESI, I
placiti Seite 456, nr. 122).]. Im Januar 918
findet man ihn bei einem Königsgericht in Verona zugegen. Er
verzichtet
dort darauf, mehr als die ihm rechtmäßig zustehende
Hälfte des Kastells
Nogara zu beanspruchen. Die andere Hälfte des Kastells war damals
Besitz des Klosters Nonantola. Sie war diesem 911 vom Grafen Anselm II.
von Verona (Franke) übertragen worden, der sie 908 aus der
Hand
des
Veroneser Diakons Audibert
erhalten hatte. Diesem wiederum hatte sie
König BERENGAR geschenkt. Von Didos Anteil ist hingegen nur
bekannt,
daß
er 913 Gariberga, Witwe des Notars Adelpert, gehörte.
Ob Dido den
Anteil durch Kauf oder Erbe erwarb, steht nicht fest [2
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 302, nr. 117 (= MANARESI,
I
placiti Seite 478, nr. 128).].
Eine nicht unwesentliche Rolle scheint Dido
bei dem Versuch BERENGARS
gespielt zu haben, im Jahre 906 (?) schon die Kaiserkrone zu erhalten.
Im Auftrage BERENGARS
und Bertillas
besetzte er mit seinen Vasallen
Güter der Kirche von Ravenna in Salto (= Saltospano, 25 km
nördlich
Bologna),
um damit den Ravennater Erzbischof
Johannes XI. unter Druck zu setzen.
Erzbischof Johannes vermittelte
nämlich zwischen BERENGAR und
den
ablehnend sich verhaltenden Markgrafen von Tuszien und Spoleto [3 LOEWENFELD,
Acht Briefe Seite 522, nr. 2: -- venerunt
nunc
homines Didonis et
hoccupaverunt praedia nostrae ecclesiae quae in
Salto sunt, dicentes se reginae aucioritate facere talia ...
Vgl. dazu
auch Seite 525, nr. 3. Zur Einordnung dieser Briefe in das politische
Geschehen der ersten Jahre des 10. Jahrhunderts vgl. G. BUZZI, Ravenna
e Roma Seite 150 ff. und A. VICINELLI, Bologna, in Atti XI Sete 239ff.
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Obwohl Dido in diesen Briefen
nicht ausdrücklich als Comes
bezeichnet
ist, muß bei dem Ausführer eines königlichen Auftrages
doch wohl an
einen Grafen gedacht werden. Auch der Editor sagt schon: „Wer jener
Dido gewesen ist, habe ich
nicht finden können; wahrscheinlich ein
Graf
einer benachbarten Stadt".].
Dieses Auftreten in der Gegend von Bologna und die Zusammenkunft Didos
mit Boten des Markgrafen Alberich von
Spoleto in Argenta bei Ferrara
[4
LOEWENFELD, Acht Briefe Seite 527, nr .4.]
lassen es ebenso wie die Ansprüche auf das Kastell Nogara als
sicher
erscheinen, daß Didos
Aufgabenfeld im unteren Etsch- und Pogebiet
lag [5 In
dieser Gegend liegt auch Casteldidone (9 km nördlich
Casalmaggiore/Po),
das seinen Namen von diesem Grafen
Dido haben dürfte. Der erste
mir
bekannte Beleg für diesen Ort stammt aus dem Jahre 1010
(TIRABOSCHI,
Nonantola (I Seite 140, nr. 104: iam
nominata corte in predicto loco
castello didoni dicitrrr).
Casteldidone war damals in der Hand eines
Petrus presbiter
filius quondam Gisoni de
loco Rovere qui dicilur
Casale Pauli, der seinen Besitz von fast 8000 jugera mit Kastellen,
Kirchen und Gutshöfen darunter auch in Vidalinga und Nogara ( !)
an die
Gräfin Richilda verkaufte.
Das obengenannte Salto ist mit Saltospano, etwa 25 km nördlich
Bologna, zu
identifizieren; vgl. A. GAUDENZI, Il monastero di Nonantola,
Bullettino 22 Seite 134f. und MANARESI, I placiti Seite 388 f. GAUDENZI
schließt aus diesen Nennungen, daß Dido Graf von Bologna
war und daß er
eine markgrafenahnliche Stellung in der Romagna und Emilia einnahm.
Zu Unrecht macht er ihn auch zum Grafen
von Verona. Nach G. BUZZI,
Ravenna e Roma Seite 150 war Dido
Graf von Modena.].
Wenn eine Urkunde vom 9. Oktober 915 den Didoo
comes et filius
bone
memorie item que Didoni de finibus Pergamense, villa nuncupanze
Vidalinga, bei einem
umfangreichen Gütertausch mit dem
Bischof Adalbert von
Bergamo zeigt, dann erfahren wir wohl weiteres über die
Gegend, in der
Graf Dido begütert war,
den Namen seines Vaters und dessen
Herkunftsort; welchem Bevölkerungsteil Ober-Italiens er allerdings
angehörte, ist nicht zu erkennen, da in der Urkunde keine
Rechtsformeln angewandt werden [6
CdL Seite 801, nr. 464. Ob eine Identifizierung vielleicht des Vaters -
mit dem Dido gast. vorgenommen
werden kann, der im August 879 als
Missus Kg. Karlsmanns das S.
Sistokloster in Piacenza in den Besitz von
Gütern in Faedo und Muciana investierte (CdL Seite 481, nr. 286 =
FICKER,
Forschungen IV Seite 20, nr. 15), bleibt unentschieden. Vgl. auch die
Intervention eines Dido
für Mantua in MG DD Karlmann Seite 302, nr.
13 am
14. März 878. Ein Dido
unterschrieb auch im März 877 mit
vielen Großen
Ober-Italiens das Testament der
Kaiserin Angilberga (BENASSI,
Parma I Seite
146, nr. 22 = CdL Seite 452, nr. 270).].