L. BOSO (III.),
ein Sohn des Grafen Suppo (II.) von Parma, ergriff im Kampf zwischen
WIDO und
BERENGAR
888/89 für den letzteren Partei, mit dem er
durch die
Ehe seiner Schwester Bertilla
verwandtschaftlich verbunden war. Sein
und seiner Brüder - Graf Adelgis
(II.) und Graf Wifred (II.) -
Aufgebot
von zusammen 1.500 gepanzerten Reitern hatte eine große Bedeutung
für
Berengars Streitmacht [1
Gesta Berengarii, lib. II, v. 77-78, Seite 101 mit zugehörigen
Glossen.]. - Obwohl er demnach ein angesehener
Mann
gewesen sein muß, sind doch die weiteren Nachrichten über
ihn sehr
knapp. So erwähnt ihn eine Urkunde vom Januar 925, laut welcher
eine
ehemals von seiner Mutter Berta,
seinen Brüdern Adelgis (II.),
Wifred
(II.), Arding clericus und ihm
vorgenommene Freilassung eines
Hörigen
durch Graf Suppo IV. bestätigt
und erneuert wird [2
DREI, Le carte Parmensi I Seite 104, nr. 32 (= Fehlerhaft bei
AFFO,
Parma I Seite 333, nr. 52).] so zeigt ihn
auch
die Schenkungsurkunde seiner Mutter
Berta vom Juli 902 für die S.
Antoninuskirche von Piacenza, die nach dem Handzeichen des Bischofs
Arding von Brescia, des eben noch als clericus erwähnten Bruders,
das +
ego Boso
m. m. ss. wiedergibt [3
BOSELLI, Delle storie Piacentine I Seite 288.].
Wenn im August 910 zwei uasallj Bosoni marchione ex genere francorum
als Zeugen bei einem Gütertausch in Asti auftreten [4 BSSS 28
Seite 68, rar. 42.], dann ist man
sehr
geneigt, auch diese Nennung noch auf Boso
(III.) zu beziehen. In einer
Urkunde König BERENGARS vom 19.
September 913 ist dann von einem
infideli
nostro Bosonete die Rede [5
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 244, nr. 91:
... Adelardus
et suus homo Ingelbertus qui
etiam Plantardus dicitur uniti
cum infideli
nostro Bosonete de nostra infidelitate tractantes inventi sunt. Mit
G. FASOLI, I re d'Italia Seite 233ff., in dem infideli nostro
Bosonete den Bruder Hugos von der Provence zu
sehen und diese Urkunde für die
Datierung des
1. Italienzuges Hugos,
bei dem dieser nach CONSTANTIN. PORPHYROGEN. (De administr. imp., cap.
26, Seite 227ff.) von seinem Bruder
Boso
begleitet war, unter Heranziehung auch der Miracula S. Apollinaris (MG
SS XXX, 2 Seite 1343ff.) auf 912 verwenden zu wollen, ist meines
Erachtens nicht
statthaft. G. FASOLI glaubt, ehe quel „nostro" si riferisce non ad un
rapporto di dipendenza feudal violato, bensi all'oggetto del
tradimento, cioe a Berengario (Seite 234). Da aber den
Urkundenschreibern
dieser Zeit ein Genitivus obiectivus (hier in eine
Ablativkonstruktion eingebaut) völlig unbekannt ist, wird das
„nostro"
nur als einfaches Possessivpronomen aufgefaßt werden können.
Demnach
muß es sich hier aber auch um einen Untergebenen BERENGARS,
nicht
um
Boso aus der Provence,
gehandelt haben. - Zur Datierung des 1. Italienzuges Hugos
vgl. oben Seite 82f.]. Da in diese Zeit
gerade der
Giftmord König BERENGARS an seiner Gemahlin Bertilla, Bosos Schwester,
fällt und dazu um diese Zeit auch die Nachrichten über seinen
Bruder
Wifred II. aufhören, steht - bezieht man diese Quelle auf
den
gleichen
Boso - zu vermuten, daß
die SUPPONIDEN den Mord an
ihrer
Schwester
nicht unbeachtet hinnahmen, sondern mit einer Auflehnung beantworteten,
dabei aber erfolglos blieb.
Als Sohn Suppos II. war Boso fränkischer Abstammung [6 Vgl. Exkurs:
Supponidengenealogie.].