XLVII.    BONIFACIUS,


der Graf von Bologna [1
A. HESSEL, Geschichte der Stadt Bologna Seite 39ff. hält ihn für einen Grafen von Bologna, da einige von seinen Nachkommen Grafen von Bologna waren und da verschiedene Bologneser Emphyteusis-Urkunden der Zeit von 958 bis 1133 die Klausel enthalten: habendum, tenendum ei possidendum .., excepto heredibus quondam Bonifacii et illorum servis. (Vgl. zum Beispiel CENCETTI, Le carte Bolognesi Seite 65, nr. 16 und Seite 80, nr. 23). Man beachte aber auch das unten angegebene Diplom OTTOS I. nr. 249.] (oder Modena) und spätere Markgraf von Spoleto, ist in der Geschichte Ober-Italiens in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts deshalb von einem besonderen Interesse, weil er recht enge Beziehungen zu Burgund unterhielt. Noch vor den 20er Jahren des 10. Jahrhunderts hatte er Waldrada, die Schwester König Rudolfs II. von Hoch-Burgund, geheiratet. - Als die Großen Italiens 921 gegen BERENGAR rebellierten und Rudolf einluden, aus Burgund nach Italien zu kommen, scheint er beteiligt gewesen zu sein. LIUDPRAND erwähnt von ihm - unter besonderem Hinweis auf seine Familienbeziehungen - ausdrücklich, daß er den Kampf zwischen BERENGAR und Rudolf II. bei Fiorenzuola (17. Juli 923) durch seinen Einsatz zu Rudolfs Gunsten entschied. Als das Schlachtglück sich Kaiser BERENGAR zuzuneigen begann, sei er mit dem Grafen Gariard und einer Gruppe in Reserve gehaltener Krieger aus dem Hinterhalt hervorgetreten und habe dadurch bei seinen Gegnern Verwirrung gestiftet und Rudolf den Sieg eingebracht [2 LIUDPRAND, Antapod. lib. II, cap. 66, Seite 67. - Bonifaz hatte schon vor der Schlacht bei Fiorenzuola Waldrada geheiratet, denn LIUDPRAND sieht in den Familienbeziehungen die Begründung für das Eingreifen des Bonifaz in die Schlacht: Dederat rex Rodulfus Waldradam sororem suam ... coniugem Bonefatio comiti potemtissimo, qui nostro post tempore Camerinorum et Spoletinorum extitit marchio.]. Zwei Urkunden vom Oktober und November 924 zeigen ihn dann auch als Fürbitter beim neuen König [3 SCHIAPARELLI, I dipl. di Lodov. III. e di Rodolfo II. Seite 111, nr. 6 und Seite 117, nr. 8.]. Wenn er dabei inclitus oder strenuissimus genannt wird, so scheint das daher zu kommen, daß er zu dieser Zeit Graf in dem an das Kirchenstaatsgcbiet angrenzenden Gebiet von Bologna-Modena, also auch eine Art Grenzgraf [4 Vgl. Skizze Amelrich II.] war. Eine - allerdings verfälschte - Urkunde mit dem Datum des 7. Mai 936 zeigt nämlich den Bonifatius comes filius bone memorie domini Ubaldi comitis bei einem Güterausch mit dem Abt Ingelbert von Nonantola im Gebiet von Modena und Bologna reich begütert [5 TIRABOSCHI, Nonantola II Seite 115, nr. 86. - Zum Nachweis der Fälschung, bei der aber eine echte Urkunde des Bonifaz vorgelegen zu haben scheint, vgl. die Vorbemerkung zur Urkunde nr. 312 MG DD Karl der Große Seite 470 und A. HESSEL, Bologna Seite 40. Gänzlich aus den Erörterungen herausbleiben muß die Notiz MURATORIS (Antiqu. Italiae V Seite 674): „Eodem anno 911 Bonifacius Marchio monasterio Nonantulano donavit in comitatu Veronense Castrum Nogariae non longe a supradicta curte ad Duas Robores". Hier liegt offenbar eine Verwechslruig mit dem Grafen Anselm II. von Verona vor.]. Und auch ein Diplom OTTOS I., mit dem dieser dem Presbyter Erolf von der Kirche von Arezzo curtem iuris regni nostri, Antognano (= Antoniano) nuncupatum, situm in loco Saltospano, coniacentem in comitatu Modonense in plebe sancti Uincentii terntorio Bononiensis et Ferrariensis, verleiht, sicut Bonefacius dux et marchio ad suam manum tenuit [6 MG DD Otto I. Seite 357 nr. 249 (= PASQUI, Arezzo I Seite 96, nr. 70).], verweist auf dieses Gebiet.
In der Zeit zwischen Juli und November 945 erhielt Bonifaz, wie sich aus zwei Farfenser Urkunden ergibt, außerdem die Herrschaft über Spoleto und Camerino [7
Regesto di Farfa III Seite 56, nr. 382: - ab incarnatione domni nostri Ihesu Christi anno DCCCCXLVII, et regnantis domni Hlotharii excelentissimi regis in Christi nomine anno XVII, ei temporibus Bonefatii et Tebaldi filii ejus ducum, anno ducatus eorum in Christi nomine III. Mense Novembris, per indictionem VI (= 947/November). Liber largit. I Seite 149, nr. 235: - regni Hlotharii anno XVII et Bonefatii et Tebaldi filii eius ducum III, mense julii (= 948/Juli). - FATESCHI, Memorie istorico-diplomatiche Seite 90. GREGOR VON CATINO setzt in seinem, dem Regesto Farfense vorangestellten Abts- und Herrscherkatalog zu 946: Bonefatius et Tebaldus duces, doch eilt er dabei offensichtlich wie bei vielen anderen Einträgen den Ereignissen um 1 Jahr voraus (Reg. di Farfa II Seite 16). Desgleichen nennt GREGOR sie in seinem, dem Chronicon Farf. vorangesetzten Katalog (Chron. Farf. Seite 89).]. Auch LIUDPRAND erwähnt ihn in der Antapodosis für seine eigene Zeit, also für etwa Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre, als marchio Camerinorum et Spoletinorum. Doch ist über seine dortige Tätigkeit nichts Näheres bekannt [8 Vgl. oben Anm. 2. - Außer den in Anm. 7 genannten Urkunden datieren noch zwei weitere nach temporibus Bonefacii et Tebaldi filli eius ducum et marchionem; Liber largit. I Seite 144, nr. 222 und nr. 223. ]. In der 2. Jahreshälfte 953 scheint er verstorben zu sein, da im August 955 das zweite und im Dezember 956 bereits das vierte Herrschaftsjahr seines Sohnes und Nachfolgers Teubaldus in Spoleto gezählt wird [9 Libcr largit. I Seite 144, nr. 224 und Seite 146, nr. 227. - Vgl. weiter nr. 226,228,229,231 und A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 424.].
Markgraf Bonifaz war, wie schon aus dem Zitat der Urkunde aus Nonantola ersichtlich wurde und wie auch LIUDPRAND bezeugt, der Sohn des Grafen Hubald. Als seine und seiner Gemahlin Waldrada Kinder kennt man eine in den Florentiner Urkunden häufig genannte Gräfin Willa, die mit dem Markgrafen Hubert von Tuszien vermählt war [10
SCHIARAPELLI, Le carte del monastero di S. Maria in Firenze nr. 1,2,3,4,5,6 und Mem. e doc.di Lucca V, 3 Seite 528, nr.1647.], den schon genannten Grafen Teubaldus von Spoleto, einen Grafen Adelbert (von Bologna) [11 Dazu vgl. A. HESSE, Bologna Seite 39ff., CENCETTI, Le carte Bolognesi Seite 21 und Seite 51, nr. 11, sowie SAVIOLI, Annali Bolognesi I, parte II Seite 54, nr. 31 und A. VICINELLI, Conti di Bologna] und den Bischof Everardus von Arezzo [12 PASQUI, Arezzo I Seite 107, nr. 77
(= CENCETTI, Le carte Bolognesi, Seite 88, nr. 27.
]. Durch das Rechtsbekenntnis dieser Kinder läßt sich auch die Stammeszugehörigkeit des Bonifaz ermitteln. Bischof Everard von Arezzo bekennt von sich ausdrücklich: qui professo sum ex natione mea lege vivere Ribuariorum; Graf Adelbert lebe ebenfalls nach ripuarischem Recht; und die Gräfin Willa nannte sich nach dem Tode ihres Gatten als lege vivente salica, was allerdings eine Nachwirkung des salfränkisdicn Rechtsbekenntnisses ihres Gatten Hubert gewesen sein dürftc. Die fränkische Abkunft dieser Familie ist damit jedenfalls gesichert.



















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