XL.    BERARDUS comes


Setzte im Februar 876 seine Unterschrift unter das von KARL DEM KAHLEN sogleich nach seiner Wahl zum König Italiens erlassene Capitulare [1
MG Capit. II Seite 100, nr. 221.]. Obwohl sein Name nicht mit unter der Wahlurkunde KARLS DES KAHLEN zu finden ist, darf man in ihm doch wohl einen Mitwähler und somit einen Vertreter der in der Nachfolgefrage von 875 westfränkisch orientierten Grafen sehen. - Im Oktober 879 empfahl Papst Johann VIII. neben anderen Grafen auch Berardo Bonifatii filio den Schutz der von verschiedenen Großen bedrohten Güter der Kaiserin-Witwe Angilberga [22 MG Epist. VII Seite 210, nr. 239.]. - Wenn man erfährt, daß im Jahre 882 ein Berardus quoque quidam ab Italia veniens Boso von der Provence bekriegte [3 Ann. Vedast. ad 882, Seite 52.], dann wird man ihn wohl ohne weiteres - wir es, auch schon getan wurde [4 E. DÜMMLER, Geschichte des ostfränkischen Reiches III² Seite 208; A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 290 und Seite 344.] - mit unserem Grafen Berard identifizieren dürfen. Und das gleiche gilt für den Berardus, der laut Angabe der Gesta Berengarii 888 mit 300 Mann auf Seiten BERENGARS gegen WIDO kämpfte [5 Gesta Berengarii, lib. II, v. 95, Seite 102. - Der kurz vorher (v. 93) genannte Bonifaz durfte Berards Neffe, welcher 884 im Testament seines Vaters Adelbert I. von Tuszien und 894 unter den primores marchenses Italici regne neben seinem Bruder Adelbert II. von Tuszien genannt wird (MURATORI, Antichita Estense I Seite 54 und Ann. Fuldens. ad 894, Seite 124), gewesen sein. Oder ist hier Berard von Siena gemeint? (vgl. Adelgis II. Anm. 13).].
Durch Vergleich des Güterverzeichnisses des Klosters Bobbio vom Jahre 862 mit dem vom Jahre 883 erhält man noch einmal einen Hinweis darauf, daß Berard der Sohn eines Grafen Bonifaz war. Für den Ort Caniano (= Cagnano, 5 km wstlich Voghera?) ist 862 angegeben: Fuit ibi silva ad CC porcos saginandum et est perdita et tenens eam iuri pars Bonefacii comiti ... An der entsprechenden Stelle des Verzeichnisses von 883 steht pars Berardi comiti [6
    Cipolla, Cod. diel. di Bobbio I S. 216, nr. 63.].
Welche Grafschaft Berard verwaltete, ist nicht bekannt. Offenbar lag aber sein Aufgabenbereich in dem an Tuszien angrenzenden Ligurien. Als Sohn des Grafen Bonifaz von Tuszien war Berard bayrischer Abkunft [7
Vgl. A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 287ff.].