XXXVII. AUTRAMNUS
begegnet uns das erste Mal in einer am 14. August 826 in Gundulfo
villa sive palacium regis (= Gondreville) ausgestellten Urkunde,
mit
der er Adelburga, die er
soeben per voluntate Dei vel
parentum
nostrorum secundum legem saiicam per solidum et dinarium vel anulum -
also unter Beachtung des fränkischen Rechtsbrauches - geheiratet
hatte,
dotis nomine eine curtis mit 30 Mansen schenkt; und
zwar liegen diese
Besitzungen in regno Italico in pago
Vercellensis in villa Flaviasco [1
BENASSI, Parma I Seite 1, nr. 1 zu 823 (= GAUDENZI, Nonantola, Bull.
36, Seite 29, nr. 4).].
Für den Fall, daß er diese Schenkung in Flaviasco nicht
ausführen kann,
verspricht er eine Besitzdotation in villa
Vetiniadum. Er trägt in
dieser Urkunde noch keinen Titel, scheint damals also noch kein
Grafenamt verwaltet zu haben. Aber Kaiser
LOTHARS Capitulare de
expeditione contra Sarracenos facienda vom Oktober 846 (oder
Sommer
847) zeigt dann schon Autramnus comes
als signifer
in der secunda
scara [2 MG Capit. II
Seite 65ff., nr. 203. - Zur Datierung auf Sommer 847 vgl.
L. DUPRAZ, Le capitulaire de Lothaire I. Seite 244ff.].
Am 16. Mai 848 finden wir ihn schließlich wieder als
gloriosus comis; er verpachtet Guter an einen gewissen Ilonunicus. Den Zins will Autram
im März jeden Jahres auf seiner curtis
in Sabbionc (20 km westlich
Modena) in
Empfang nehmen [3
BENASSI, Parma I Seite 10, nr. 4.]. Am 22.
Septembcr desselben Jahres sehen wir ihn von
einem gewissen Luno Güter
hic infra finibus civitate
Geminiana, in
locum ubi dicitur Sablune, zu seinen eben genannten Besitzungen
hinzuerwerben; er wird in dieser Urkunde ausdrücklich als comes
civitatis nove bezeichnet [4
BENASSI, a.a.O. Seite 12, nr. 5. Bereits MURATORI (Antiqu. Italiae
II Seite 242), der diese Urkunde allerdings nicht kannte, hatte
vermutet,
daß Autram Graf von Modena war (Hunc fuisse comitem Mulinensem,
opinari
liceat). TIRABOSCHI (Nonantola I Seite 25 und Modena I Seite 63)
hatte es
aber in Zweifel gezogen, da er in unserer Urkunde comite Clumino -
worunter er sich natürlich nichts vorstellen konnte - statt comite
ciuitatis nove las.]. Mit civitas Geminiana und civitas nova
ist dabei der heute ca. 4 km westlich von Modeaa gelegene Ort Cittanova
gemeint, der seinerzeit Modena etwas überflügelt zu haben
scheint
[5 Vgl.
MANARESI, I placiti Seite 386.]. 850 erwirbt Autram weiteren Besitz von einem Aupert in
Sabbione [6
BENASSI, Parma I Seite 14, nr. 6.]. Am 15. Januar
851 gibt der Bologneser Presbyter
Wiliarius
die feierliche Erklärung ab, im voraufgegangenen Jahre dem Grafen
Autram seinen Besitz in fundo
Cusiriano et in fundo Trenta et in fundo
Hobediana et Subhobedianola et in fundo Sala, vel ubi ubi intra
pleve Sancti Martini que vocatur Runcensi, simulque et portionem meam
de porto qui vocatur Capraria überlassen zu haben. Nachdem
dieser
Kauf
bestritten worden ist, bestätigt Wiliarius
dem Grafen Autram nun
erneut
den Verkauf [7
BENASSI, a.a.O. Seite 16, nr. 7 (= GAUDENZI,
Nonantola, Bull. 36, Seite 34, nr. 6).]. Auch in
Marzaglia war Autram begütert,
denn zur curtis
Marzaglia gehöriges Acker-, Wiesen-, Reb- und
Waldgelände konnte die
Gräfin Adelburga, die wir
oben als seine Gattin schon
erwähnten, 854
einem gewissen Ermenpert zu
Libell geben [8
BENASSI, a.a.O. Seite 24, nr. 9.]. In der in
Modena am 12. Juni
876 ausgestellten Urkunde, mit welcher Adelburga
für sich und ihre
Erben das dem hl. Desiderius geweihte und inter Ramo et Fredo nec non
et Sicla (3 km nördlich Modeaa) gelegene Kirchlein von Bischof Leudoinus von
Modena zu Libell nimmt, bezeichnet sich Adelburga bereits als Witwe des
Grafen Autram [9
TIRABOSCHI, Modena I Seite 48, nr. 36 (= VICINI,
Regesto della chiesa cattedr. di Modena I Seite 41, nr. 24).].
Ein Diplom KARLS
III. für den Bischof
Wibod von
Parma
vom 8. Januar 880 berichtet noch, daß dereinst der Graf Autram
seinem
Vasallen Teudericus eine dem
hl. Caesarius geweihte Kapelle
übertragen
hatte [10
MG DD Karl III. Seite 22, nr. 15.].
Alles in allem ergibt sich damit - und seien die Notizen noch so
spärlich - das Bild eines nach einer starken wirtschaftlichen
Stellung
ringenden Grafen. Da wirtschaftliche Kraft und politischer
Einfluß in
der damaligen Zeit Hand in Hand gingen, wird man gut tun, die Bedeutung
dieses Mannes nicht zu unterschätzen. Er war, wie die oben
zitierten Urkunden von 823/August/14, 850 und 876/Juni/12 eindeutig
angeben, ex genere Francorum [11 Ob der Graf Rudolf, ebenfalls ein Franke,
den wir später im
Besitz von Sabbione, Marzaglia und Veriniaco finden, einer der heredes
ist, welche Adelburga 876
erwähnt, das heißt ob Graf
Rudolf mit in
diese Familie gehört, kann nur vermutet, aber nicht bewiesen
werden.].