XXXV. AUTBERT
Am 14. März 940 war in Asti eine stattliche Anzahl angesehener
Personen
zur Abhaltung eines Gerichtstages zusammengekommen: Bischof Bruning von
Asti, Graf Ubert von Asti,
der Vicegraf des Comitats von Asti -
Bernard, Königsrichter,
Schöffen aus der Grafschaft,
Pfalznotare,
königliche Vasallen, Vasallen des Mark-
und Pfalzgrafen Hubert
(Sohn
König Hugos),
Vasallen des Grafen Ubert von Asti,
Vasallen des Bischofs
Bruning und andere. Unter den letzteren befand sich auch ein Adelbertus de
Aljano, Autberti quondam comiti filius [1 BSSS
28 Seite 96, nr. 55 (= Mhp, Chart. I Seite 144, nr. 88 und MANARESI,
I placiti Seite 513, nr. 137.]. Im Juni 948
tauschte der
gleiche Adhelbertus,
filius
quondam Odbertj qui
fuit comes Astense,
Güter mit dem Bischof Bruning;
er gab Landstücke in Vinchio,
San Paolo
(infra comjtatum Taurinense),
Solbrito, Rivazzola etc. gegen
Besitzungen der Abtei San Dalmazzo (sita
quondam Pedhona) in Agliano (-
13 km südlich Asti) [2
BSSS 28 Seite 116, nr. 64 (= Mhp, Chart. I Seite 160, nr. 98).].
Die Zeit, in welcher der Vater dieses
Adelbert, Autbert, Graf in Asti
war, ist nicht genau festzulegen. Es maß aber in der
Spanne
zwischen
913 und 935 gewesen sein, denn 903, 905, 909 und 913 ist Autbert noch
als Vicecomes von Asti belegt.
Im April 903 unterschreiben Raginvardus
de Tidone et Gislefredo, vasallo Autberti vicecomes, viventes
lege
salica, eine Kaufurkunde der fränkischen
Eheleute Joseph und
Aurelia [3
BSSS 28 Seite
57, nr. 36 (= Mhp, Chart. II Seite 24, nr. 12).];
im März 905 schenkt der Bischof
Audlax von Asti den Kanonikern seiner Kirche die Höfe
Quarto
und
Azzano una cum consilio Oberti vicecomitis [4 BSSS 28
Seite 59, nr. 37 (= Mhp, Chart. I Seite 111, nr. 66).]
und am 11. Dezember 909
verkauft ein gewisser Germanus qui Acio uocatur an Bouo
ex genere francorum vasallo Autberti uicecomitis Astensis seinen
Besitz in Gatingo, Villa,
Bruniano und anderen Orten [5
BSSS 28 Seite 63, nr. 39 (= Mhp, Chart. I Seite 116, nr.
69 - fälschlich
zu 910).]. Dazu überließ König
BERENGAR I. ca.
913
Autberto vicecomiti... quendam
mansum situm de comitatu
Laumellino, und zwar in Cario
(= Cairo Laumellino) [6
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario 1. Seite 247, nr. 93.].
- Am 5.
Dezember
924 schenkte dann der aus Hoch-Burgund nach Italien gerufene König
Rudolf II. auf Bitten der Gräfin
Hermengard (Witwe Adalberts) von
Ivrea
und ihrer Söhne Berengar II.
und Anscar II. cuidam fideli nostro
nomine
Odberto das Castellum Vetus, quod coniacet in Aste, sowie einige zum
Fiskus von Asti gehörige Unfreie [7
SCHIAPARELLI, I dipl. di Lodov. III. e di Rodolfo II. Seite 122, nr. 10
(=
Mhp,Chart. I Seite 123, nr. 73).]. Auch hier ist Autbert nicht mit
dem
Grafentitel bedacht. Wenn aber ein Uuido clericus hac notarius de
ordine saute Mediolanensis ecclesie filius
Odberti monacho mit einer
Urkunde vom 22. Juni 936 verschiedene Güter prope Haste locus ubi
dicitur Castris vetere an den Markgrafen
Anscar II., den Intervenienten
von 924, verkauft [8
BSSS 28 Seite 91, nr. 52 (= Mhp, Chart. I Seite 139, nr. 85).],
und wenn das Chronicon Novaliciense den Eintritt von duo magni comites, . . . Rogerius vocatus est unus,
alter dictus est Otbertus,
illustres secundum sanguinem, in den
Mönchsstand verzeichnet [9
Chron.
Novalic. lib. V, cap. 24, Seite 266.], so liegt
der
Schluß nahe,
daß der von König
Rudolf beschenkte fidelis der Graf Autbert von Asti war und
daß
dieser
bald darauf - vielleicht im Zusammenhang mit dem Übergang der
Regierung
von Rudolf II.
auf Hugo
(926) - das Mönchskleid
anlegte, den
Besitz in
Asti aber seinen Söhnen hinterließ [10 BOLLEA
(BSSS 127 Seite 12) datiert den Eintritt der beiden Grafen ins
Kloster auf ca. 950. Er scheint jedoch die Urkunden nicht gekannt zu
haben oder
auf die Zusammenhänge nicht aufmerksam geworden zu sein.].
Völlig
klargestellt wird der
Zusammenhang zwischen Uuido clericus,
dem Verkäufer des Kastells
von
Asti, Odbertus
monachus, seinem Vater,
und dem Grafen Autbert von Asti
aber dadurch, daß das Chronicon Novaliciense
noch
zusätzlich berichtet, ein vir
idoneus et sapiens, nomine Vuido
clericus, ex stemate Otberti
comitis, cuius superius memoriam fecimus,
habe dem Kloster Breme die Kastelle Verduno und Roddi im Gebiet von
Alba geschenkt [11
Chron.
Novalic. lib. V, cap. 29, Seite 269.].
Auf die fränkische Abkunft dieses Grafen deuten schon seine
miterwähnten
fränkischen Vasallen. Jeden möglichen Zweifel beseitigt
jedoch die
schon zitierte Urkunde seines Sohnes
Adelbert vom Juni 948. Professus
sum ex nacjone mea lege uiuere saljcha, gibt dieser zu
Protokoll; und dazu vollzieht er die Übergabe seiner
Tauschgrundstücke per
cultellum,
fistucum nota tum, uuantonem, et uuasonem terre atque ramum arboris
etc., also
gemäß salfränkischem Recht. Und desgleichen nennt sich
auch der zweite
Sohn, Wido, 936 als filius Odherti monacho qui f uit ex
genere francorum.