XXVIII. ANSELM (I.)
Der Streit, der 820 zwischen dem Veroneser
Grafen Hucpald und dem
Kloster Nonantola um den Wald Ostiglia entbrannte, sollte dem Kloster
ein volles Viertel und noch die Hälfte der verbleibenden drei
Viertel des umstrittenen Waldgebietes einbringen; dieses jedoch excepto
sorte una, que pertinet ad domumcultile capelle regalis, quod vocabulum
est Sancto Laurentio,
et alia sorticella, que videtur esse de curte Roverxelle Anselmi
comitis [1
MANARESI, I placiti Seite 95, nr. 31 (= FAINELLI, Cod. dipl. Veronese,
Seite 158, nr. 121 = CdL Seite 177, nr. 95) von 820/März/31.].
Und als endlich 7 Jahre später - schon unter Graf
Waradus von Verona - die Investitur des Klosters in seinen
Besitz
erfolgt, da wird die Abgrenzung gezogen da fine Mantuana longo ripa de Pado usque
in finem ex silva de
Sterano, que est sorte de domocultile Sancti Laurencii, et a sorte
Sancti Laurencii usque ad fossam, que vocatur regia, excepta
sorticella illa Anselmi comitis,
que pertinet de corte sua Roverxelle
... [2
MANARESI, I placiti Seite 566, nr. 2 - 827/März/11 (= FAINELLI,
a.a.O. Seite 172, nr. 128 und CdL Seite 195, nr. 108). Zur Datierung
dieser
Urkunde vgl. C. SANTORO, Rettifiche Seite 233.].
Graf Anselm (I.) hatte demnach also die curtis
Rovescello inne. Weiteres
ist bei dieser kargen Quellenlage über ihn nicht auszusagen. Die
Erwähnung eines Grafen Anselm
in einer nur in Abschrift erhaltenen
Urkunde LUDWIGS
DES FROMMEN [3
FAINELLI, a.a.O. Seite 152, nr. 117. - BM² nr. 597 verzeichnet
nichts von einem Einschub. Doch betont dies FAINELLI in seiner Ausgabe,
und es ist ihm darin nur beizupflichten, denn von der Stelle: et
horreum infra ciuitatem Veronam cunr areis suis in circuitu, aliaequre
res tam in ciuitate Verona,
quam extra in singulis locis ab Anselmo
comite quondam praefato cenobio
delegalae sunt, seu et res in Runco, quae oblatae sunt a Boniperto
Presbytero ... ist
zunächst die Schenkung des
Bonipert an das S. Zenoklostcr auf die Zeit nach 896 zu
datieren, da König BERENGAR
in einem (Original)-Diplom vom 30. November 896 presbytero et
fidelissimo oratore nostro nomine
Boniberto ... mansum unum iuris nostri regni pertinentem de
comitatu Veronense situm in villa que nominatur Runco erst
einmal
schenkt; und bei Graf Anselm
ist auf die Grafschaft Verona angespielt, die ja auch Anselm II.
verwaltete, während zur Zeit Anselms I. Hucpald und Worad Grafen von
Verona waren. Vgl. dazu auch SCHIAPARELLI, I dipl. di Bcrcngario I.
Seite
51, rar. 16 und Seite 100, rar. 34.] vom 19.
November 815 kann als nachträgliche Interpulation, die sich dazu
auf Graf Anselm II. von Verona
bezieht, erwiesen werden.
Wenn man um die Wende zum 10. Jahrhundert die curtis Rovesecllo wieder
im Besitze eines Grafen Anselm sieht
(Anselm II.), der sie
allerdings durch königliche Verleihung innehat [4 Vgl.
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 194, nr. 72 und Skizze Anselm II.],
wegen seiner Ausstattung gerade in diesem Gebiet auch Eigengüter
um Rovescello gehabt zu haben scheint, so darf vielleicht ein
Zusammenhang zwischen diesen beiden Grafen
namens Anselm vermutet werden. Zieht man aber diese Verbindung,
dann bejaht man auch für diesen Grafen das fränkische
Herkommen, denn Anselm II. lebte
nachweislich nach der lex salica
und war der Sohn eines Waldo ex genere francorum.