XXVII.    ANSCAR (II.)

der Sohn des Markgrafen Adelbert von Ivrea und dessen zweiter Gattin Ermengarda [1
Vgl. Liudprand, Antapod. lib. II, c. 56, Seite 63: Quae (sc. Ermengarda) ei (sc. Adelberto, Eporegiae civitatem marchioni) filium genuerat nomine Anscarium ...; weiter lib. IV, c. 8, Seite 108 und lib. V, c. 4, Seite 131.], wird zum ersten Mal genannt in einer am 18. August 924 in Pavia ausgestellten Urkunde König Rudolfs II. von Hoch-Burgund. Er intervenierte damals mit seinem (Halb)-Bruder Berengar II., dem späteren König, bei Rudolf für eine Bestätigung des Besitzes der S. Johanneskirche in Pavia [2 SCHIAPARELLI, I dipl. di Lodovico III. e di Rodolfo II. Seite 103, nr. 4:... Berengarium et Anscharium illustres marchiones dilectos fideles nostros suppliciter exorasse nostram clementiam . . .]. Berengar und Anskar zählten also zu den Anhängern des BURGUNDERS, den ihr Vater Ende 921 mit ins Land gerufen hatte. Auch am 5. Dezember 924 war Anskar II. bei König Rudolf in Pavia. Hermengardis nobilissima comitissa et filii eins Berengarius et Ascerius incliti comites erwirkten dabei die Übergabe des Castel vecchio d'Asti an den (Grafen) Autbert von Asti [3 SCHIAPARELLI, a.a.O. Seite 122, nr. 10.]. Mit dem 926 in Italien erscheinenden Hugo von der Provence scheint Anskar trotz der engen Bindung an König Rudolf bald in ein erträgliches Verhältnis gekommen zu sein. Seine Mutter Ermengarda war ja Hugos (Halb)-Schwester, die bald in dessen Umgebung gelangte [4 Vgl. Skizze Adalbert von Ivrea. - Die Verwandtschaft Hugos mit Ermengarda ergibt sich aus LIUDPRAND, Antapod. lib. III, c. 7, Seite 77 und III, c. 47, Seite 99.]. So ist Anskar auch im September 935 vor Hugo in Pavia und verzichtet nach dem Vertreter der pars publica auf gewisse von Kaiser KARL III. der Kirche von Parma geschenkte Besitzungen und Rechte [5 SCHIAPARELLI, I dipl. di Ugo Seite 115ff. (besonders Seite 121), nr. 39 (= MANARESI, I placiti Seite 506, nr. 136). Die Urkunde ist in der vorliegenden Form verfälscht; vgl. dazu C. MANARESI, Alle origini del potere dei vescovi Seite 238ff.]. - Am 22. Juni 936 erwarb er in Asti das Castel vecchio, für dessen Übergabe an den Grafen Autbert er 924 schon bei König Rudolf interveniert hatte, und zwar von einem Wido clericus, dem Sohn des Grafen Autbert [6 BSSS 28 Seite 91, nr. 52 (= Mhp Chart. I Seite 139, nr. 85): hacepi ad le Anscarjus marchio filio bone memorie Adelbertj marchio argentum per denarjos bonos ljbras decjm...]. Schon vorher, im Mai 933, hatte er Güter in der Umgebung von Asti, in Assegiano, gekauft [7 BSSS 28 Seite 89, nr. 51 (= Mhp Chart. I Seite 137, nr. 83): acepji ad uos Anscherjus marchjonj filjus quondam Adalbertj qui fujt sjmjljter marchionj argentum ...].
So breitete Anskar mit seinem Bruder Berengar die Macht des Hauses weit über Ivrea hinaus aus. Steht damit in Zusammenhang, daß rex Hugo (Anscerium) nimis sraspectum habuerat, ne se occideret ac regnum sibimet optineret? Auf diesen Verdacht hin schob Hugo jedenfalls Anskar nach der Markgrafschaft Spoleto und Camerino ab, wo Markgraf Tebald I. gegen Ende 936 verstorben war. Aber auch dort „konspirierte" Anskar weiter. Den gefürchteten Neffen zu beseitigen, sandte deshalb König Hugo seinen Pfalzgrafen Sarilo nach Spoleto. Von den Seinen verlassen, fiel Anskar (939) im Kampfe gegen eine erdrückende Übermacht [8
LIUDPRAND, Antapod. lib. V, c. 4-8, Seite 131ff.; Destructio monasterii Farfensis, in: Il Chronicon Farfense Seite 42ff. - Zum Todesdatum vgl. Ann. Fadens. ad 940, in MG SS XI Seite 537,588; Regesto di Farfa II Seite 16: Anno Dom. DCCCCXL, Ind. XIII., Eclipsis solis fit, Anscherius marchio obiit - dazu O. GERSTENBERG, Die politische Entwicklung des römischen Adels Seite 34, Anm. 60.].
Anskar II. hinterließ einen Sohn Amedeus. Im September 962 kaufte dieser als kaiserlicher Vasall mit seiner Gemahlin Guntilda, Tochter Rogers II. von Auriate, in Mosezzo vom (Grafen) Egelrich einen Anteil des dortigen Kastells [9
BSSS 78 (Novara) Seite 84, nr. 56 und Seite 81, nr. 55: accepi ad te Guntilda filia quondam Rotgeri comiti et cognus Amedei, filius quondam Ansscarii marchio ...; vgl. dazu Skizze Maginfred von Lomello, Anm. 5. - Wahrscheinlich war dieser Sohn Anskars II. auch jener Amadeus miles, der nach LIUDPRAND, Antapod. lib. V, c. 18, Seite 140 - mit Berengar II. nach Deutschland floh. Berengar wäre dann also von seinem Neffen begleitet worden.].
Anskar war fränkischer Abstammung [10
Vgl. Skizze Adalbert von Ivrea.].