XXVI. ANSCAR (I.)
war der Stammvater der Markgrafen von
Ivrea. Die Gesta Berengarii imperatoris berichten, daß er
mit König WIDO nach
Italien kam, als dieser von seinem Zug nach West-Franken (888)
zurückkehrte. 500 Mann sollen er und sein Bruder Wido, der im
zweiten
großen Treffen an der Trebbia fiel, in den Kampf gegen BERENGAR
geführt
haben [1
Gesta Berengarii, lib. II, v. 13 ff., Seite 97. - Prior arma rapil iam Gallicus heros (Gl.: id est Wido), Aerios
ducibus montes superantibus auctus Anrcherio cum fratre simul, qui
iure protervo Quingentos
acuunt propria de gente minisiros.
Die Auflösung darf nicht wie schon oft betont wurde (vgl. L.
SCHIRMEYER, Kaiser Lambert Seite 46, Anm. 5; E. DÜMMLER, Gesta
Berengarii Seite
22; Th. WÜSTENFELD, Über die Herzöge von Spoleto Seite
419), aber erst
neulich wieder unbeachtet blieb (vgl. H. SCHREIBMÜLLER, Die Ahnen
Kaiser
Konrads II. Seite 193) - mit „Der gallische Held (König WIDO) ... mit seinem
Bruder Anscher" wiedergegeben werden. Anscherio
cum fratre simul ist
vielmehr zu dem Ablativus absolutus des Verses 14 zu beziehen, so
daß
unter den ducibus montes superantibus
Anscar und sein Bruder,
welcher
nach der Glosse (cognominis erat duci
Gallorum, id est Wido)
zufällig
auch Wido hieß, zu
verstehen sind. Vgl. auch lib. II, v. 189 ff.
mit
Glosse.].
Für die Folgezeit ist Anskar
einige Male in der Umgebung
WIDOS
und LAMBERTS
nachzuweisen.
Am 21. Februar 891 war er in Rom, um dort an der Kaiserkrönung
WIDOS
teilzunehmen. Zusammen mit dem Bischof
Wibod von Parma, einem der gewiegtesten Diplomaten dieser Zeit,
intervenierte er für
die
Überlassung großer Fiskalgütcr an die Kaiserin
Ageltrude, WIDOS
Gemahlin; dilecti
consiliarri werden sie dabei genannt [2
SCHIAPARELLI, I dipl. di Guido e di Lamberto Seite 11, rar. 5 und S.
16,
rar. 7: Vuichodus sanctae Parmensis
aeclesiae venerabilis epircopus et
archicapellanus et Anscherius marchio
dilectique consiliarii nostri
petrerunt ...]. Am 1 l. Juli 892 ist der
strenuissimus marchio Ansker bei WIDO in Pavia
[3
SCHIAPARELLI, a. a.O. Seite 41, rar. 16 ( = MANARESI,
I placiti Seite
420, Insert. in nr. 113). - Intervention für die Freilassung des
Hörigen Martin aus Vercelli.]. Als ARNULF
VON KÄRNTEN
sich
im Frühjahr 894 zu seinem ersten Italienzug rüstete, wegen
der
Ermattung
des Heeres bei Piacenza aber umkehren mußte und über
Nordwest-Ober-Italien wieder abziehen wollte, verlegte Anskar den abziehenden Truppen beim
Kastell
Ivrea den Weg, so daß ARNULF erst nach
dreitägiger
beschwerlicher
Umgehung ins Tal von Aosta und dann über den St. Bernhard nach
Schwaben
gelangen konnte [4
Ann. Fuldens. ad 894, Seite 124. - LIUDPRANDS Erzählung (Antapod.
lib.
I, c. 35, S. 26 f.), wonach Anskar
nach einer Rebellion Ivreas gegen
ARNULF
ins Gebirge flüchtete, die Stadt sich aber übergab,
ist mit dem
klaren Bericht der Fuldaer Annalen nicht zu vereinbaren. LIUDPRAND
sucht mit dieser Veränderung des Tatbestandes offenbar die Familie
Berengars II.,
des Enkels Anskars I. und
Todfeindes LIUDPRANDS, zu treffen und herabzusetzen.].
Am 25. Juli 896 trat der dilectissimus marchio
noster
atque fidelissimus comes Anscharius als
Fürbitter für das Kloster Bobbio
beim
Nachfolger WIDOS, Kaiser LAMBERT,
hervor [5
SCHIAPARELLI, I dipl. di Guido e di Lambcrto Seite 80, nr. 5.].
Nach dessen frühem Tode (†
15.
Oktober 898) hat er sich mit
König BERENGAR
zu versöhnen vermocht. Der Abt
Johannes
vom S. Cristinakloster bei
Cortcolona erwirkte jedenfalls am 1.
Dezember 898 per Petrum venerabilem episcopum
(von Padua, archicancellarius
BERENGARS),
Restaldum
(königlicher Notar) et per Ascherium illustrem
marchionem, summos
consciliarios nostros, von dem in Reggio/Em. weilenden König BERENGAR die
Überlassung der curtis Bellamio
in der Grafschaft Acqui für
sein
Kloster [6
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 69, nr. 23. Vgl. auch E.
DÜMMLER, Gesta Berengarii Seite 34, Anm. 4. Um diese Zeit
scheint auch die
Ehe Adalberts, des Sohnes Anskars I., mit Gisla, der Tochter König
BERENGARS, zustande
gekommen zu sein.].
Im April 902 muß Anskar schon
verstorben gewesen sein, denn
damals trat
bereits sein Sohn als Adalbertus
marchio filius quondam Anscherii
hervor [7
SCHIAPARELLI, I dipl. di Lodovico III. Seite 51, nr.
18. - Papst
Johann IX. nennt 899 in einem Schreiben an Klerus und Volk von
Langres
einen Anscharium
comitem dilectum filium nostrum
als einen
Nachrichtenübermittler; MIGNE PL 131 Seite 30, nr. 3. Hier
könnte Anskar
von Ivrea gemeint sein.].
Markgraf Aaskar gehörte
dein Stamm der Salfranken an. Nach salfränkischem Recht lebten
nicht nur seine Nachkommen, sein Geschlecht läßt sich auch
in Burgund zurückverfolgen, wie er selbst vor seinem Erscheinen in
Italien dort im Gau Ouche bei Dijon Graf gewesen zu sein scheint [8 Vgl. schon
Th. WÜSTENFELD, Über die Herzöge von Spoleto Seite 420f.
und E. DÜMMLER, Gesta Berengarii Seite 22, Anm. 1.].