XVIII.              ALPCAR


zählt zu den angeseheneren Adligen Ober-Italiens der Zeit KARLS DES GROSSEN und König Pippins. Als baiolus der Tochter König Pippins Adelheid - also als Erzieher, Beschützer und Hofmeister einer karolingischen Prinzessin - war er nach Italien gekommen. Wie er in einer undatierten Gerichtsurkunde aus den Jahren zwischen 820 und 840 erklären ließ, habe er damals verschiedene Besitzungen im Gebiet südlich des Lago Maggiore, in den Comitaten von Seprio und Stazzona, gekauft. Doch als er darauf mit der Prinzessin einmal zu KARL DEM GROSSEN an den Hof gekommen sei, habe dieser ihm eine Grafschaft übertragen. Durch dieses Amt und durch andere Pfalzdienste beansprucht, habe er aber nicht mehr nach Italien und zu seinen Besitzungen kommen können. Er verlangte nun seine Güter, die von zwei Brüdern widerrechtlich besetzt wurden, wieder zurück [1 MANARESI, I placiti Seite 147, nr. 45 (= CdL Seite 242, nr. 138). Faks. bei MORONI STAMPA, Codex palaegraph. nr. 19.]. Seine Ansprüche stützte er auf die Kaufurkunde vom 11. September 807, die uns glücklicherweise erhalten ist [2 CdL Seite 157, nr. 84. - Faks. bei MORONI STAMPA, a.a.O. nr. 17.]. - Erhalten ist weiterhin die Urkunde, mit der er nach gewonnenem Prozeß am 26. August 842 seine umstritten gewesenen Güter dem Mailänder  S. Ambrosiuskloster übertrug [3 CdL Seite 254, nr. 146. - Faks. bei MORONI STAMPA, a.a.O. nr. 20.], nachdem er schon am 9. April des Jahres einige dieser Besitzungcn durch seinen Bruder Autkar der Gewalt jenes Klosters hatte unterstellen lassen [4 CdL Seite 253, nr. 145.].
Die Grafschaft, die Alpcar nach seinem Italieneinsatz von KARL DEM GROSSEN erhielt, lag nicht in Italien, sondern in Alemannicn. Comes de Alemannia wird er in der Gerichtsurkunde genannt; es findet sich dazu auch eine im Hegau sub Alpcario comite ausgestellte Urkunde [5
  WARTMANN, UB St. Gallen I Seite 304, nr. 331.].
Versuche der italienischen Forschung [6
F. GABOTTO, Il conte di Tortona Alpgario Seite 150ff.], Alpcar auf der Grundlage eines von ihm bei WALAHFRID STRABO (auf der Reichenau) bestellten Gedichtes zu einem Grafen von Tortona zu erklären, müssen zurückgewiesen werden. Alpcar bekannte in der Gerichtsurkunde ausdrücklich: venire in hat patria (= Italien) licenciam non habuissem. Das für eine Kircheninschrift bestimmte Gedicht dagegen besagt nur, daß Alpcar den hl. Marsanus, Bischof von Tortona in der Zeit Kaiser HADRIANS, zum Patron für eine von ihm erbaute Kirche auserkor; es besagt nicht, daß die Kirche in Tortona erbaut wurde, noch gar, daß Alpcar Graf von Tortona war, wenn es heißt [7 MG Poetae lat. II Seite 409, nr. 68.]:

          Martianus praesul Terdona primus in urbe
          moribus et meritis inclitus emicuit.
          .......................................................
         Huius in obsequium sancti comes infimus Alpger
         hanc aedem extruxi auxiliante Deo,
         laudibus ut Domini societur palma patroni
         illius ut meritis dona superna metam.

Die Beziehungen Alpcars zu Italien in der Spanne zwischen seiner „Versetzung" nach Alemannien und der Rückkehr zur Abhaltung des Prozesses entwickelten sich auf der Ebene von palatinis serviciis. So wurde er etwa nach dem Zeugnis der Annales regni Francorum 817a1s Königsbote nach Friaul und nach Dalmatien gesandt [8
Ann. regni Franc. ad 817, Seite 145. - Ob er auch identisch ist mit dem Albgarius, der im Libellus de conversione Bagoar. et Carantan. (MG SS XI Seite 11 und 15) als zweiter comes von Kärnten genannt wird, oder mit dem fidelis Alpcarius, dem Kaiser LOTHAR am 5. Februar 842 Land im Moselgau und im Gau Woevre zu freiem Eigen schenkte (BM² nr. 1091), lasse ich unentschieden.].
Wenn er dabei Unroci nepos genannt wird, dann wird damit erwiesen, daß er mit der Familie der berühmten fränkischen [9
Vgl. Skizze Eberhard von Friaul.] UNRUOCHINGER in engsten Beziehungen stand. Da Alpcar aber - wie die zitierten Urkunden betonen - ex genere alamannorum war, und zwar der Sohn eines Autcherio de finibus Alamanniae, loco ubi nominatur Lintzicavua (= Linzgau) [10 10 Lintzicavua wird von MANARESI, I placiti Seite 148 fälschlich mit Lenzburg-Schweiz identifiziert. GABOTTO (vgl. Anm. 6) schlug dafür Lindau/Bodensee vor.], kann nur seine Mutter eine Schwester Unruochs gewesen und die Nepos-Verwandtschaff nur auf diese Weise zustande gekommen sein [11 So schon P'. HIRSCH, Erhebung Berengars Seite 34, wo auch die Nennungen Alpkars in den alemannischen Verbrüderungsbüchern verzeichnet sind. Unentschieden Iäßt diese Frage G. TELLENBACH, Der großfränkische Adel Seite 58ff.].