IX.    ADELGISUS II.


ist vornehmlich dadurch bekannt, daß er mit seinen beiden Brüdern Wifred II. und Boso III. nach dem Sturze Kaiser KARLS III. beim Kampf um die italienische Krone zwischen BERENGAR und WIDO (888-889) entschlossen auf die Seite des ersteren trat; 1.500 gepanzerte Reiter vermochten nach den Angaben der Gesta Berengarii diese Brüder, die tria fulmina belli Supponide, welche durch die Verheiratung ihrer Schwester Bertilla mit BERENGAR engstens mit ihrem Prätendenten verbunden waren, für den Kampf zu stellen [1
Gesta Berengarii, lib. II, v. 77-83 (mit Glossen!), Seite 101.].
Adelgisus war ein Sohn Suppos II. Seine Mutter war Berta, die Tochter des Grafen Wifred von Piacenza [2
Vgl. Exkurs: Die Genealogie der Supponiden.]; mit ihr und seinen Brüdern Wifred, Boso und Bischof Arding (von Brescia) hatte er dereinst einem Hörigen Gisembert die Freiheit gegeben, wie wir aus einer Urkunde vom Januar 925 erfahren [3 DREI, Le carte degli arch. Parm. Seite 104, nr. 32.]. Da Adelgis bereits im August 880 (oder 885?) als comes istius ciuitatis Placencia in Piacenza zu Gericht saß [4 SCHIAPARELLI, Documenti inediti dell'arch. capit. di Piacenza Seite186, nr. 1 datiert dieses „Originale con guasti" auf 885/August, MANARESI, I placiti Seite 328, nr. 91 auf 880/Dez. - 881/Febr. Die in der Urkunde gegebenen Datierungselemente Hanno domni Karoli rex in Italia tercio, mense augustus, indicione tercia sind nicht miteinander zu vereinen. Überdies ist eine Urkunde Karls III. inseriert mit dem Datum Data tercio idus aprilis, anno ab incarnacionem Domini nostri octigenti octuaginta quatuor, indicione prima, anno domni regi Karoli tercio. Da KARL III. in beiden Urkunden als rex, nicht als imperator, bezeichnet wird und da nur iudices und missi domni regis, nie imperatoris oder sacri palacii, vorkommen (MANARESI, a.a.O. Seite 330, Z. 1 und SCHIAPARELLI a.a.O. bieten mit A. et A. iudices sacri palacii eine falsche Ergänzung einer Lücke), deshalb dürften meines Erachtens beide Urkunden in die Zeit vor 881/Febr., das heißt vor KARLS Kaiserkrönung, gehören.], so ist es zunächst klar, daß er dem Grafen Richard in dieser Grafschaft schon unter KARL III. nachgefolgt war; dann scheinen es aber auch die Verbindungen seiner Mutter mit Piacenza gewesen zu sein, die ihm diese Grafschaft einbrachten. Die Beziehungen, die dabei zu seinem Herkunftsort Parma bestehen blieben, lassen sich deutlich an den verschiedenen in dieser Urkunde genannten, aus Parma stammenden vassi eidem comes und scavini aufzeigen.
Seine Grafschaft Piacenza verlor er beim Einsatz gegen WIDO, welcher seinen Einfluß bis zur Adda ausdehnen konnte und in Piacenza den Grafen Sigefred, einen seiner treuesten Parteigänger, einsetzte. Deshalb finden wir Adelgis auch am 20. Oktober 890 am Hofe seines Schwagers König BERENGAR in Verona; er bittet dort mit Bischof Adalard von Verona als illustris comes und dilectus fidelis den König, dieser möge seinem Vassus Ropert sortes sex samt Zubehör in vico qui dicitur Rovereto ... in comitatu Regiensi überlassen [5
SCHIAPARELLI, I dipl. di Berengario I. Seite 35, nr. 9.]. Welche weiteren Beziehungen Adelgis zu Reggio unterhielt, läßt sich nicht mehr erkennen [6 Man beachte in diesem Zusammenhang auch den Streit Wifreds II., seines Bruders (und Nachfolgers ab 906 in Piacenza), mit dem Bischof von Reggio sowie die sich in der Besitzlage äußernde merkwürdige Doppelstellung in Piacenza und Reggio beim Vizegrafen Wifreds II., Framsit. Vgl. dazu auch Skizze Suppo IV.].
Adelgis II. scheint bereits vor 902 verstorben zu sein [7
Vgl. Skizze Adelgis I., Anm. 13 und die vorige Anm.]. Er war Franke, denn Bischof Arding von Brescia, sein Bruder, und Berta, seine Tochter, bezeugten dieses Herkommen für sich am 16. Mai 919 und im August 903 in klarer Weise [8 DREI, a.a.O. Seite 72, nr. 18 und Skizze Adelgaus I., Anm. 13.].