IV. ADELBERT von Parma
Der im Mai 921 in villa Caselle comitatuParmense zu Gericht sitzende Adelbertus comes
eiusdem comitatu Parmense [1
DREI, Le cartc Parmensi I Seite 83, nr. 23 (= MANARESI, I placiti Seite
491, nr. 131).] ist in den Arbeiten der
italienischen Historiker sehr umstritten. MALAGUZZI VALERI [2 I. MALAGUZZI
VALERI, I Supponidi Seite 18 und 30.] hält
ihn für identisch mit Adelgis II.
aus dem Geschlecht der
SUPPONIDEN; PIVANO [3
S. PIVANO, Le famiglie comitali di Parma Seite 510ff.]
lehnt dies ab, da im Original eindeutig
Adelbertus comes
zu lesen sei, möchte in ihm aber auch einen SUPPONIDEN
- nämlich einen Sohn oder Neffen
jenes Adelgis II. - erkennen; POCHETTINO [4 G.
POCHETTINO, I Pipinidi in Italia Seite 18f.]
hingegen sieht in ihm
einen Angehörigen des tuszischen
Markgrafen-Hauses, und zwar das
Bindeglied zwischen den (bayrischen)
BOMIFAZEN VON TUSZIEN und den
späteren (langobardischen) OTBERTINERN. PIVANOS und POCHETTINOS
Hypothesen müssen kritisch geprüft werden.
Es ist zwar offensichtlich, daß die Macht der bis ca. 915 in
Parma
gebietenden SUPPONIDEN durch
den Giftmord König BERENGARS an seiner
Gemahlin Bertilla (912-915), der Schwester Adelgis II., Wifreds II. und
Bosos III., Einbußen erlitt [5 Vgl. Skizzen
Boso III. und Wifred II. - Zur Stellung Bischof Ardings vgl. die
Rekognitionen in den Urkunden Kaiser BERENGARS ab 903.],
doch wurde der Einfluß der Familie nicht
so weit gebrochen, daß man eine Vertreibung der SUPPONIDEN aus der
Grafschaft Parma behaupten und damit PIVANOS Ansicht abtun
könnte. So ist ja Bischof Arding
von Brescia, ein weiterer Bruder
Adelgis II., noch 922 BERENGARS archicancellarius, und noch
später
findet man Suppo IV. in der
Grafschaft Parma begütert. - Andererseits
hatten auch die Markgrafen der Toskana, bei denen der Name Adelbert
vorkommt, reichen Besitz in der Grafschaft Parma. So wurde im Mai 906
ad cutte Veloniano finibus Parmense, qui est propria domni Adelberti
comes et marchio,
ein Gerichtstag abgehalten, bei dem Adelbertus comes
et marchio et Berta coniuge
eius (also eindeutig das Markgrafen-Paar
von
Tuszien) eine Schenkungsurkunde KARLS III.
(den Ort Lucolo betreffend)
als echt anerkannten [6
Insert. in SCHIAPARELLI, I dipl. di Ugo Seite 115, nr. 39. Ob und
wieweit diese Urkunde, die zu dem Parmenser Fälschungskomplex
gehört, verfälscht ist, müssen erst genauere
Untersuchungen erweisen; vgl. vorläufig C. MANARESI, Alle origini
dcl poteree del vescovi Seite 238ff.]. Im Februar
918 nannte außerdem die Nonne
Lamperga als Begrenzung ihres in der Stadt Parma verkauften
Grundbesitzes: da mane de heredibus
quondam Adalberti marchioni...[7
DREI, Le carte Parmensi I Seite 67, nr. 16 (= AFFO, Parma I Seite 320,
nr. 39).] POCHETTINOS These, man habe im Grafen Adelbert von Parma einen
der heredes Adelberts des Reichen von Tuszien († 915) zu erblicken,
steht somit gleichfalls auf gutem Boden. Ein Anschluß des Geschlechtes
der OTBERTINER an die Familie der Markgrafen von Tuszien jedoch,
die POCHETTINO mit Hilfe dieser These vornimmt, ist verfehlt, da
die Nennung eines Adelbert als
Vater Otberts (in einer Urkunde
von
1002) sich - wie schon GABATTO richtig erkennt [8 F. GABOTTO,
I marchesi Obertenghi Seite 159. - Zur bayrischen
Herkunft der Markgrafen von Tuszien vgl. A. HOFMEISTER,
Markgrafen Seite 287.] nicht auf Markgraf Otbert I.,
sondern auf Otbert II. und dessen Vater Adelbert (Sohn Otberts I.)
bezieht.
Für die Lösung der Frage, wer dieser Adelbert von Parma war bzw. welcher
Familie er angehörte, bietet sich nun noch die einfache
Identifizierung mit dem anschließend behandelten comes Adelbertus,
Sohn des Grafen Bertald (von
Reggio?), an, der zum Jahre 937 bezeugt
ist [9
Sind doch bei diesem Gerichtstag von 921 auch einige Leute aus der
Umgegend von Reggio anwesend.]. Die
größte Wahrscheinlichkeit spricht meines Erachtens aber
für eine
Identität mit dem Markgrafen
Adelbert von Ivrea. Auf Adelbert
von Ivrea
und seine Sippe scheinen ja gerade - und zwar offenbar bei der
Verheiratung Ermengardas von Tuszien
mit Adelbert von Ivrea - die
Besitzungen und Anrechte der tuszischen
ADELBERTE im Raum von Parma
übergegangen zu sein. Erscheint doch Anskar II. von Ivrea, Sohn
Adelberts und Ermengardas, im Jahre 935 in der
Stellung eines
Rechtsnachfolgers Adelberts von Tuszien;
er bekannte vor Gericht, wie
schon 906 Markgraf Adelbert der Reiche
von Tuszien mit seiner Gemahlin
Berta, keine Rechte
auf die der Kirche von Parma gehörige Ortschaft
Lucolo zu haben [10
Vgl. Anm. 6 (= MANARESI, I placiti Seite 506, nr. 136).].
Dazu kommt folgendes: Zwei Zeugen, Gunfred
und
Agino, die sich in der Urkunde
aus Parma vom Jahre 921 als vasalli
suprascripti Adelberti comiti bezeichnen,
werden am 25. April 931 als
Vasallen des Markgrafen Berengar, des Sohnes Adelberts von Ivrea,
erwähnt [11
DÜMMLER, Urkunden Seite 313, nr. 20 (= CdL Seite 915, nr. 537, wo
der Name Gunfreds
fälschlich mit Hunfred
wiedergegeben ist): Signum
manibus ++++ Gunfredi vicecomiti, Achinoni et
Desoni seu Eilmerici
vassalli suprascripto Berengarii,
qui pro f essi sunt lege vivere
salicha, testes.], Gunfred dazu schon am 14. Mai 927
als Vasall Ermengardas,
der Witwe des 923/24
verstorbenen Adelbert von Ivrea [12 MANARESI, I
placiti Seite 497, nr. 133: Mauro, Gunfredus et Ariprandus vassalli Hermengarde comitisse.].
Auch der im
September 897 als Vasall des Vicegrafen
Helmerich von Parma-Piacenza
auftretende Eimericus
erscheint 931 als Berengars
Vasall [13
Vgl. Skizze Helmericus Anm. 4
und oben Anm. 11.].
Dafür, daß es dem Hause
von IVREA gelang, seinen Einfloß bis auf den
Raum von Parma auszudehnen, und daß der Graf Adelbert von Parma mit dem
Markgrafen Adelbert von Ivrea
zu identifizieren ist, sprechen meines Erachtens die
überzeugendsten Argumente. Aber einerlei, welchen der genannten
Identifizierungvorschläge man auch billigt, in allen vier
Fällen - als
SUPPONIDE, als Verwandter der tuszischen Markgrafen,
bei einer
Identifizierung mit Adelbert (von Reggio?) oder mit Adelbert von Ivrea
- müßte Graf Adelbert von
Parma nordalpiner Abstammung gewesen sein.