Sohn des Heveller-Fürsten
Tugumir und einer sächsischen Grafen-Tochter
Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 202
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Pribislaw, Fürst der Heveller
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oo Mathilde, Tochter Markgraf Dietrichs von Haldensleben
Mußte wohl nach dem großen Slavenaufstand von 983 seinen Sitz in Brandenburg aufgeben. Mit Unterstützung Kaiser OTTOS III. und Fürst Mieszkos I. von Polen, der mit Pribislaw verschwägert war, gelangte er um 991 wieder dorthin, ohne aber dauernde Herrschaft ausüben zu können. Vor dem Hintergrund der Kämpfe des Reiches mit den heidnischen Lutizen wurde die Brandenburg zum Brennpunkt gewalttätiger Auseinandersetzungen sächsischer Familien, der Heveller und der PIASTEN, in deren Verlauf Pribislaw bald nach 991 getötet wurde.
Quellen:
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Thietmar von Merseburg, Chronik, IV/64, ed. R.
Holtzmann
(MGH SRG NS IX, 1935)
Literatur:
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H. Ludat, An Elbe und Oder um das Jahr 1000, 1971,
38ff.,
49ff - Chr. Lübke, Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und
Oder, T. II, III, V [Ind.], 1985ff.
Zunächst steht einmal fest, dass es in
Brandenburg
nach dem Liutizenaufstand Fürsten gegeben hat. Thietmar erwähnt
in seinen Schilderungen der Kämpfe in Brandenburg zu Beginn der
990-er
Jahre einen "gewissen"
Prebislavus,
der einen Bruder mit Namen Liudolf hatte, der
Priester war. Pribislav
selbst war mit Mathilda,
einer Tochter des Markgrafen Dietrich
von der Nordmark vermählt, das
heißt also einer Schwester
der zweiten Gemahlin Mieszkos
I. Dass es sich daher bei ihm um einen slavischen
Fürsten,
der selbstverständlich auch Christ gewesen war, gehandelt haben
kann,
ist deshalb schlechterdings nicht zu bezweifeln, auch wenn man die
Eintragung
im Nekrolog des Lüneburger Michaelsklosters nicht auf ihn beziehen
darf.
Nun lassen die eingestreuten Berichte, in deren
Zusammenhang
Pribislav, Ludolf und Mathilda
erwähnt
werden, gewiß viel Raum für Spekulationen; ihre Stellung und
Rolle in den dramatischen Ereignissen um Brandenburg läßt
sich
dennoch einigermaßen klar fixieren. Unweifelhaft muß es
sich
bei Pribislav und
Mathilda
um
das Fürstenpaar der Heveller gehandelt haben, auch wenn Thietmar
nichts davon erwähnt. Aber während er Dobromir
als venerabilis senior einführt,
verzichtet er hier auf jedes
Beiwort, wie er überhaupt von allen Mitgliedern dieser Familie
recht
geringschätzig spricht, was fraglos auf seiner feindseligen
Einstellung
gegenüber dem Geschlecht
Dietrichs von Haldensleben beruht, mit dem
die WALBECKER damals in
offener Feindschaft lebten.
Schon daraus ist evident, dass Pribislav
der Fürst der Heveller gewesen ist, mit dem sich Dietrichs
dritter Tochter Mathilda vermählte.
Wann diese Hochzeit stattgefunden hat, wissen wir nicht, sicherlich
aber
vor 983; dass diese Ehe in erster Linie den Zweck gehabt haben
dürfte,
der Herrschaft, die Dietrich
über seine Mark von der Burg
Brandenburg
ausübte, einen zusätzlichen Schein von Legitimität zu
geben,
ist wohl anzunehmen. Es kann sich darum einzig und allein nur um ein
Glied
der angesehenen Tugumir-Dynastie
gehandelt
haben, da ein Angehöriger eines anderen, fremden Geschlechts diese
Aufgabe nicht hätte erfüllen können - nach allem, was
wir
über die Stellung der Fürstensippe bei den Slaven im
allgemeinen
und der Stellung der HEVELLER-Dynastie
in ihrem Herrschaftsbereich speziell wissen - und darum auch nicht die
Hand der Markgrafen-Tochter erhalten hätte. Wenn das zutrifft,
haben
wir in Pribislav wahrscheinlich
einen
Sohn des Tugumir und einen Bruder oder
mindestens einen nahen Verwandten des
Dobromir zu sehen.
Denn nichts spricht
gegen die Annahme, dass Tugumir
unter
Geros Aufsicht in seiner
Stellung belassen wurde und Nachkommen hatte,
da er wahrscheinlich bei der Einnahme Brandenburgs 929 höchstens
ein
Jüngling, vielleicht noch ein Knabe gewesen war, den HEINRICH
als Geisel und Werkzeug seiner Politik zurückbehalten hatte.
Noch etwas anderes ist vielleicht bezeichnend: Als
einmal
im kritischen Jahr 955 sogar das Kerngebiet der Heveller durch das
Vordringen
der Wilzen bedroht erschien, ist auffälligerweise auch das
Aufgebot
der Böhmen an deren Bekämpfung beteiligt. Es scheint nur
naheliegend,
dieses bemerkenswerte Faktum mit dem politischen Interesse der PEMYSLIDEN
zu erklären: Boleslav,
der Sohn Drahomirs
und
ein Vetter Tugumirs, muß
auch
daran interessiert gewesen sein, die Stellung dieser Dynastie zu
stützen.
Spätestens durch den siegreichen Feldzug von 991
müssen auch
Pribislav und Mathilda
nach Brandenburg zurückgeführt worden sein, sofern das nicht
bereits zu einem früheren Zeitpunkt zwischen 985 und 987 geschehen
war und der Feldzug lediglich der Festigung ihrer inzwischen durch
Kizo
gefährdeten Situation dienen sollte.
Damals, offenbar einige Zeit nach der zweiten Eroberung
Brandenburgs im Sommer 993 durch Markgraf
Ekkehard, also vermutlich erst
994 oder 995, war es bei Abwesenheit des Befehlshabers der Burg Kizo
zu einem erneuten Herrschaftswechsel gekommen: Ein miles dieses Kizo
ein Slave namens Bolilut, hatte
sich
zum Herrn der Burg gemacht und hielt die Witwe Pribislavs
in
strenger Haft, in der sie ihren Sohn gebären und aufziehen
mußte;
es gelang ihr nach den Worten Thietmars,
später ihrem Elend zu entfliehen
und als indigna, das heißt trotz ihrer Unwürdigkeit,
Äbtissin
im St. Laurentiuskloster in Magdeburg zu werden. Ihr Gemahl
Pribislav
war bereits vor der Geburt des Sohnes von einem sächsischen Brüderpaar,
deren Namen Thietmar auch
nennt, erschlagen worden. Wann und wo
das geschehen war, ob in einer Privatfehde oder während eines
Kriegszuges,
darüber schweigt der Chronist. Aber dass es sich doch wohl um eine
nicht unbedeutende Auseinandersetzung gehandelt haben muß, geht
noch
aus dem Zusatz Thietmars hervor,
dass
Pribislavs
Bruder, der Priester Ludolf nämlich, das
priesterliche Gewand abgelegt
und den Kampf gegen die Unsrigen, das heißt die Deutschen, nicht
ohne Erfolg geführt hat, bis er in Gefangenschaft OTTOS
geriet und wieder in sein Priesteramt zurückversetzt werden konnte.
oo Mathilde von Haldensleben, Tochter des
Grafen
Dietrich
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Literatur:
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Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der
König,
Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 226,456,471,476 - Ludat,
Herbert:
An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des
Ottonenreiches
und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag
Weimar
1995 Seite 38-41,43,47-51, 58,57,275,277-279,282,299,328,334,344,368,372,377,382
- Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft
Darmstadt 1992 Seite 180 -