Tochter des Heveller-Fürsten
Bacqlabic (= Vaclav);
Schwester des Fürsten
Tugumir
Glocker Winfrid: Seite 270
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der
Politik."
IV. b 3) OTTO I. ("DER GROSSE")
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* 912 XI 23, † 973 V 7
Aus der Sachsengeschichte Widukinds III c. 74, Seite
150
und der Chronik Thietmars II c. 35, Seite 82, erfahren wir auch von der
außerehelichen Verbindung des
sächsischen Königs-Sohnes
mit der vornehmen Slawin
NNw. Möglicherweise war diese, wie
Ludat, Elbe Seite 12f., vermutet, die Schwester des Heveller-Fürsten
Tugumir und wurde nach der Vermählung OTTOS
mit der angelsächsischen
Königs-Tochter
Edgith in eine kirchliche Gemeinschaft, vermutlich das Stift
Möllenbeck an der Weser, abgeschoben.
HEINRICH I. hat demnach den in Brandenburg residierenden Fürsten, vielleicht jenen im Bericht al Masudis aufgeführten Bacqlabic, wahrscheinlich den Vater Tugumirs, nach seiner Unterwerfung als Vasallen in seiner bisherigen Stellung belassen und sich darauf beschränkt, nur einige Angehörige der Dynastie nach Sachsen zu entführen, so mit Sicherheit Tugumir und höchstwahrscheinlich auch dessen Schwester, mit der sich der knapp 17-jährige Thronfolger OTTO verband. Denn nur sie kann die Mutter des Sprößlings dieser vielleicht nicht einmal illegitimen Verbindung, des 929 beziehungsweise 930 geborenen Wilhelm, des späteren Erzbischofs von Mainz, gewesen sein. Die ausdrückliche Hervorhebung ihrer edlen Herkunft als "nobili tamen... genere procreata" und "...quamvis captiva er Sclavonica tamen nobili" läßt kaum einen anderen Schluß zu, als dass sie aus dem Fürsten-Haus der HEVELLER stammte. Diese Verbindung, der OTTO auch die Beherrschung des Slavischen verdankte, hat bekanntlich nicht lange gedauert. Sie paßte sicher nicht in die Pläne des Hofes und nicht zu den Zielen der Heiratspolitik der LIUDOLFINGER, und sie dürfte fraglos nach den voraufgegangenen großen politischen und militärischen Erfolgen HEINRICHS Entschluß, noch im Herbst 929 seinen Sohn OTTO unter den Schwestern des englischen Herrschers die Gemahlin wählen zu lassen, verstärkt und beschleunigt haben. Die Heveller-Prinzessin verschwand, vermutlich in einem sächsischen Kloster, wahrscheinlich in jenem Möllenbeck an der Weser. Denn wie anders als über familiäre Beziehungen und Stiftungen ließe sich sonst jene Eintragung "Tugumir dux" im Totenbuch dieses Frauenklosters erklären! Da ihr Name uns nicht überliefert ist, dürfte sie hier unter einem der sächsischen Namen, den sie wahrscheinlich angenommen hat, aufgeführt sein.
Laudage, Johannes: Seite 24
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"Otto der Große. Eine Biographie."
Alles in allem sind uns nämlich nur drei Beziehungen zu Frauen bezeugt: eine erste, die OTTO schon als Sechszehnjähriger mit einer vornehmen Slavin einging und aus der sein Sohn Wilhelm, der spätere Erzbischof stammte.
Widukind von Corvey: Buch III Seite 229
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"Die Sachsengeschichte."
In der Zeit, in der dies in Italien geschah,
verwaltete
Erzbischof Wilhelm,
ein weiser und
kluger Mann, fromm und zu jedem freundlich, das ihm von seinem Vater
anvertraute
Frankenreich.
74. Seine Mutter war zwar eine Fremde, aber
stammte
aus adligem Geschlecht.
Thietmar von Merseburg: Seite 73
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"Chronik."
35. Erzbischof Friedrich, ein sehr
enthaltsamer
mann, starb ím 17. Jahr seiner Erhebung; an seine Stelle trat im
Jahre 954 der Fleischwerdung des Herrn Wilhelm,
der Sohn einer kriegsgefangenen,
aber vornehmen Slawin und des Königs.
Kinder:
Wilhelm Erzbischof von Mainz
929/30 † 2.3.968
Literatur:
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Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und
ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989
Seite
270 - Laudage, Johannes: Otto der Große. Eine Biographie.
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 24 - Ludat,
Herbert:
An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des
Ottonenreiches
und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag
Weimar
1995 Seite 10-13 - Thietmar von Merseburg: Chronik
Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 73 - Widukind von Corvey:
Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart
1981
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