MILSENER
Lexikon des Mittelalters:
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Milsener (in den Q. Milczane, Milzieni u. ä.)
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Slavischer Stamm in der (Ober-) Lausitz um Bautzen.
Der Geographus
Bavarus (Mitte 9. Jh.) zählte bei den Milsenern 30
Burgen
(civitates). Neben Ackerbau haben die Milsener, wie eine Urkunde Kaiser OTTOS
I.
von 971 erkennen läßt, Schweinezucht,
Zeidlerei und
Pelztierjagd betrieben und vom Handel mit Tuchen, Sklaven und Silber
auf dem Handelsweg von Merseburg über Bautzen nach Krakau
profitiert. Im Verlauf der Kriege gegen die Slaven östlich von
Elbe und
Saale zwang König Heinrich I. die Milsener
932 zu Tributzahlungen. Aber auch
böhmischer Einfluß reichte in ihr Gebiet. Erst nach der
Unterwerfung Boleslavs I. von
Böhmen unter Kaiser OTTO I. (950) wurde
der 'pagus Milzsane' allmähl. in die Marken- und
Kirchenorganisation (Bistum Meißen, 968) des Reiches
eingegliedert.
Doch konnten die Milsener ihre 'Freiheit' (Thietmar von Merseburg, V/7) im
Grenzgebiet des Reiches, Polens und Böhmens zunächst noch
bewahren. Wahrscheinlich hat der senior Dobromir damals
Herrschaftsrechte
in der Lausitz wahrgenommen, dessen
Tochter Emnild 987 Boleslaw I. von
Polen heiratete. Offenbar als Folge damit verbundener Absprachen
wurden
die Milsener nun durch Markgraf
Ekkehard von Meißen unterworfen. Nach
Ekkehards Tod 1002 erhielt Boleslaw die
Länder der Lusici und Milsener
von König HEINRICH II. zu Lehen, doch wurden sie in
der Folge zum
Zankapfel und Schauplatz der Kriege zwischen HEINRICH und
dem Polen-Fürsten.
Zweimal (Friede von Merseburg 1013, Friede von Bautzen 1018)
mußte
der Kaiser die Regelung von 1002 bestätigen, und zuletzt wurde sie
durch Boleslaws vierte Ehe mit Oda, einer Tochter Ekkehards,
bekräftigt. Als die Herrschaft Mieszkos II. von
Polen 1031
zusammenbrach, wurde das Milsenerland in die Mark Meißen
eingegliedert
und damit den EKKEHARDINERN (Markgraf Hermann), dann den Grafen
von
Weimar und den WETTINERN
unterstellt, 1158 gelangte es als Land Bautzen
als Reichslehen an die böhmischen Könige.
Chr. Lübke