Bolilut                                               Fürst der Heveller
---------
   
 

Sohn des Heveller-Fürsten Tugumir und einer sächsischen Grafen-Tochter

Ludat, Herbert: Seite 49
*************
"An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa."

Während Kizos Abwesenheit hatte sich aber Bolilut, der nicht in Brandenburg weilte, jedoch über Anhänger in Burg verfügte, wie Thietmar ausdrücklich hervorhebt, der Herrschaft bemächtigen können, offensichtlich ohne Zustimmung des Königs, höchstwahrscheinlich mit seiner nachträglichen Billigung, da zunächst nichts auf eine neue Herrschaft des Lutizenbundes in Brandenburg hindeutet. Da ferner OTTO in diesem Jahr 995 in großen Feldzügen, die er von Leitzkau aus antritt, zusammen mit Boleslav von Böhmen und Boleslaw Chrobry gegen die nördlichen Wilzenstämme und Obodriten kämpft und sich bei der Rückkehr im benachbarten Havelberg aufhält, darf die Herrschaft des Bolilut in Brandenburg damals wohl sicher nicht als ein feindseliger Akt und als eine Bedrohung angesehen worden sein. Man wird sie daher vielmehr als eine legitime Nachfolge innerhalb der HEVELLER-Dynastie zu deuten haben, auf die Bolilut nach dem Tode Pribislavs Anspruch erhob, wofür auch sein Name spricht. Dazu paßt gut das Verhalten Boliluts gegenüber der Witwe Pribislavs, der Markgrafen-Tochter Mathilda, die er, wie die Angaben Thietmars deutlich erkennen lassen, in strengem Gewahrsam hielt, ganz sicher aus Furcht vor Erbansprüchen, und ebenso schließlich die Nachricht unseres Chronisten, dass Bolilut seinen Rechtsanspruch von außen her durchsetzen konnte, ohne selbst in Brandenburg zu sein, was nur mit Hilfe einer starken Anhängerschaft innerhalb der hevellischen Oberschicht möglich gewesen sein konnte. Von wo Bolilut diesen Einfluß ausgeübt hat, sagt Thietmar nicht. Aber eine Reihe von Gründen gibt immerhin zu der Vermutung Anlaß, dass Bolilut vom PIASTEN-Hof aus seine Ansprüche erhoben und durchgesetzt hat, da Boleslaw zweifellos ein starkes Interesse gehabt haben mußte, auch in Brandenburg den Einfluß der HALDENSLEBENER Familie für immer auszuschalten; der Tod Pribislavs war ihm darum gewiß nicht ungelegen und ein Nachfolger der dieses Interesse teilte, höchst willkommen.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar 1995 Seite 43,49,51-53,58;364,367,372, 376,379 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 138,180 -