GENEALOGIE
Vater Graf Godebold II. ( 1144), Burggraf von Würzburg, Sohn des Godebold I. ( um 1110), Burggraf von Würzburg
Groß-Vater Poppo
I. (⚔ 1078)
Bruder Poppo II. (
1157), Burggraf von Würzburg, Bischof Günther von Speyer (1161), Berthold I. ( 1158), Burggraf von Würzburg

LEBEN
Gebhard studierte nach eigenem Zeugnis in Frankreich und hatte wohl schon früh in Würzburg ein Kanonikat inne. Als Kandidat Kaiser HEINRICHS V. wurde er kurz nach dem Tode Bischof Erlungs ( Dezember 1121) in zwiespältiger Wahl zum Bischof gewählt, andere gewichtige Stimmen fielen auf Rugger, den Propst von Neumünster. Vermutlich im Februar 1122 wurde Gebhard vom Kaiser investiert, doch erkannte Erzbischof Adalbert von Mainz den Gegenkandidaten an, als sich für diesen ein größerer Anhang fand. Im Zentrum des Bistums aber konnte Gebhard sich behaupten. Nach Ruggers Tod (26.8.1125) glaubte er sich der Anerkennung sicher, doch kamen dem Metropoliten gegen Gebhards Weihe neue Bedenken, war er doch der letzte Bischof gewesen, den der Kaiser - noch während der Verhandlungen über das Wormser Konkordat - in der herkömmlichen Weise investiert hatte. Nach seiner Absetzung durch Honorius II. und nach Aufforderung zur Neuwahl an das Würzburger Kapitel (März/April 1126) sah Gebhard seine Sache als verloren an und verfaßte eine möglicherweise als Rundschreiben an den Reichsepiskopat verschickte Rechtfertigungsschrift. Bei seiner wohl gleichzeitig mit der Investitur seines Nachfolgers Embricho erfolgten Absetzung durch König LOTHAR hat er auf das Bistum förmlich resigniert. 1131 konnte er als Kandidat für den Trierer Erzstuhl gegen den päpstlichen Kandidaten, Albero von Montreuil, von seinen Anhängern nicht durchgesetzt werden. Nach dem Tode seines zweiten Würzburger Nachfolgers wurde er im Herbst 1150 auf Betreiben des Landgrafen Ludwig von Thüringen neuerlich zum Bischof von Würzburg gewählt. In der Reichspolitik trat er nun stärker hervor. Nach KONRADS III. Tod verhandelte er zusammen mit Bischof Eberhard II. von Bamberg mit dem vom sterbenden König designierten Herzog Friedrich von Schwaben (BARBAROSSA) über die Königswahl und ist wahrscheinlich auch an dieser selbst beteiligt. In der Folgezeit weilte er häufig am Hofe, war 1156 Gastgeber bei der Hochzeit BARBAROSSAS mit Beatrix von Burgund in Würzburg und beteiligte sich 1158 am Zuge gegen Mailand. Territorialpolitische Erfolge waren dem durch schismatischen Pontifikat und Reichsdienst erschöpften Bischof nicht beschieden. Bamberg gegenüber holte er sich 1157 eine Niederlage, als er versuchte, im Rangau herzogliche Rechte geltend zu machen. Den inneren Landesausbau förderte er vor allem durch Begünstigung der jungen Zisterzienser-Klöster. Der Bamberger Geistliche Udalrich widmete ihm 1125 die als Codex Udalrici bekannte Briefsammlung.

Literatur  
ADB VIII;  C. Spangenberg, Hennebergische Chronik, Straßburg 1599, Seite 89-91;  L. Fries, in: J. P. Ludewig, Geschicht-Schreiber von dem Bischoffthum Wirtzburg, Frankfurt/M. 1713, Seite 495-99, 512-14;  Ae. Ussermann, Episcopatus Wirceburgensis, St. Blasien 1794, Seite 60-62, 66-68;  K. J. von Hefele, Der Streit um das Bisthum Würzburg in den Jahren 1122–1127, in: Anzeiger für Kalender der deutschen Vorzeit 9, 1862;  F. Kolbe, Erzbischof Adalbert I. von Mainz und Heinrich V., 1872; Jahrbücher der seutschen Geschichte unter Lothar von Supplinburg, Seite 104-17; E. Schaus, Über Briefe  des Codex Udalrici aus der Zeit Lothars III., in: HV 1, 1898, Seite 222-28;  K. J. von Hefele und H. Leclercq, Histoire des conciles 2V/1, Paris 1912, Seite 611-616;  J. Bachmann, Die Briefe des Codex Udalrici n 234 und 235, in: NA 38, 1913, Seite 535-42;  F. Tenner, Burg Henneberg, [1936], Seite 8-10.

Autor  
Alfred Wendehorst
Empfohlene Zitierweise  

Wendehorst, Alfred, „Gebhard, Graf von Henneberg“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 117 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd131768719.html