FRIEDRICH II.
ROGER
Deutscher König (25.12.1196/5.12.1211-1250)
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Römischer Kaiser seit 22.11.1220
26.12.1194
† 13.12.1250
König von
Jerusalem (1225-1228)
Jesi
Castel Fiorentino König von
Sizilien
(1198-1250)
(Mark Ancona)
(Apulien)
König von Italien
König von Burgund
Begraben: Palermo, Dom
Einziger Sohn des Römischen Kaisers
HEINRICH
VI. († 28.9.1197) aus dem
Hause der STAUFER und der Konstanze von Sizilien,
Erb-Tochter von König
Roger II. († 26./27.2.1154) und der Beatrix von
Rethel;
Neffe von Herzog Friedrich V.
von Schwaben (†
1169),
Herzog
Friedrich VI. von
Schwaben (†
20.1.1191),
Pfalzgraf Otto I. von Burgund (†
13.1.1200), Herzog Konrad von Rothenburg-Schwaben (†
15.8.1196), König PHILIPP VON SCHWABEN (†
21.6.1208
ermordet), Rainald
(†
Oktober
1178
), Wilhelm (†
nach
Oktober
1178
), Agnes († 1184
), Verlobte von König Emmerich von
Ungarn (†
30.11.1204),
Beatrix
(†
Anfang
1174) und N.N.,
Verlobte von König Richard I.
Löwenherz von
England (†
6.4.1199), Herzog Roger III. von
Apulien (†
2.5.1149),
Fürst Tankred von Bari (†
16.3.1137/40), Herzog Alfons von Capua (†
10.10.1144), König
Wilhelm I. dem Bösen von
Sizilien († 14.5.1166),
Heinrich von Sizilien (†
um 1145), Gräfin Adelheid von Loritello (†
nach 1169),
Cousin von König Tankred von Lecce-Sizilien († 20.2.1194
),
Herzog Roger von Apulien († 9.3.1161 ermordet), Fürst Robert von Capua († um 1165),
König Wilhelm II. dem Guten von Sizilien († 16.11. 1189), Fürst Heinrich von Capua († 1172),
Kaiserin N.N. von Zypern und Gräfin Marina von Malta, Johanna von Burgund († nach 1205), Herzogin Beatrix von
Andechs-Meran († 7.5.1231), der Römischen Kaiserin Beatrix der
Älteren († 11.8.1212), Königin
Kunigunde von Böhmen († 13.9.1248), Herzogin
Maria von Brabant († 1235) und
Königin Beatrix der Jüngeren von Kastilien
(†
5.11. 1235), Enkel vom
Römischen Kaisers
FRIEDRICH
I. BARBAROSSA (†
10.6.1190 ertrunken)
und der Beatrix von
Burgund
Lexikon des Mittelalters: Band IV
Seite 934
********************
2. Friedrich II., Kaiser, deutscher König, König
von Sizilien und Jerusalem
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* 26. Dezember 1194 in Iesi (Provinz Ancona), † 13. Dezember 1250 in Castel
Fiorentino bei Lucera (Provinz Foggia)
Begraben: Palermo, Dom
Eltern: Kaiser Heinrich
VI. (†
1197) und Konstanze († 1198),
Tochter König Rogers
II. von Sizilien
1. oo Konstanze (†
1222), Tochter König Alfons' II. von Aragón
2. oo Isabella Jolande (†
1228), Tochter des Grafen Johann
von Brienne, König von Jerusalem
3. oo (später legitimiert) Markgräfin
Bianca Lancia die Jüngere
4. oo Isabella (†
1241), Tochter König Johanns von England
Kinder:
legitime: von 1.:
Heinrich (VII.) († 1242),
deutscher König
von 2:
Konrad IV. († 1254), deutscher
König
von 3: (später legitimiert)
Manfred (⚔ 1266), König
von Sizilien
von 4.:
Margarete († 1270), oo Albrecht
der Entartete, Landgraf von Thüringen
Carl-Otto (Heinrich) (†
1253/54), Statthalter im Königreich Sizilien
illegitime:
Enzio († 1272), König von
Sardinien
Friedrich (von Antiochien) (†
1256)
und andere
I. Leben und Regierung:
Von der Mutter anfangs Konstantin
genannt, erhielt FRIEDRICH
bei der Taufe mit FRIEDRICH ROGER
die Namen seiner beiden Großväter und damit
schicksalhaft den Lebensweg zwischen Imperium
und normannischer Monarchie vorgezeichnet. Konnte HEINRICH VI. auch mit seinem
Erbreichsplan nicht durchdringen, so erreichte er wenigstens die Wahl
seines Sohnes zum König
durch die deutschen Fürsten (25. Dezember 1196).
Zur Krönung kam es nicht mehr, da des Kaisers Bruder PHILIPP VON SCHWABEN auf dem Weg
nach Foligno, wo FRIEDRICH
seine ersten Lebensjahre in Pflege verbrachte, in Folge der Wirren nach
HEINRICHS Tod nach
Deutschland allein zurückkehrte.
Die Kaiserin ließ FRIEDRICH
nach Palermo bringen, wo er am 17. Mai 1198 zum König von Sizilien gekrönt
wurde und dem deutschen Einfluß weitestgehend entzogen werden
sollte. Den Intentionen der päpstlichen Politik folgend,
verzichtete sie de facto für ihren Sohn auf dessen deutsches
Königtum. Noch nicht vierjährig verlor FRIEDRICH
auch die Mutter.
Testamentarisch hatte sie Papst
Innozenz III. zum Vormund
des jungen Königs und zum Verweser des sizilischen Reiches
eingesetzt und das Familiarenkolleg mit den Regierungsaufgaben betraut,
an dessen Spitze der Kanzler Walter von Pagliara, Bischof von Troia, stand, der
nominell schon unter HEINRICH VI.
dieses Amt bekleidet hatte.
In den Wirren der nächsten Jahre stritten verschiedene Gruppen -
deutsche und päpstliche Truppenführer und Legaten,
einheimische Barone und sizilische Sarazenen - um die Macht. 1201 fiel
Palermo samt dem König in die Hand des im Auftrag PHILIPPS VON SCHWABEN agierenden
Reichstruchsessen Markward von Annweiler, nach
dessen Tod (1202) in die eines anderen Deutschen, des Wilhelm Capparone. Diese
für den jungen König schwierigen Jahre, in denen er
offenkundig auch materielle Not zu leiden hatte, prägten seinen
Charakter und bestimmten Mißtrauen, Härte und
Skrupellosigkeit späterer Jahre, bewirkten aber auch seine
frühe Reife und intellektuelle Wachheit. Palermo als Schmelztiegel
der verschiedenen Kulturen war der Nährboden für seine
vielseitige Bildung und mannigfachen Interessen.
1208 wurde FRIEDRICH
vierzehnjährig aus der Vormundschaft entlassen.
1209 heiratete er auf päpstliche Veranlassung Konstanze von Aragón. In
diesem Jahr unternahm er auch energische Anstrengungen zur
Konsolidierung seiner Herrschaft auf der Insel und konnte nach der
Niederwerfung eines Adelsaufstandes Teile des entwendeten Krongutes
zurückgewinnen.
Eine grundlegende Wende trat ein, als Kaiser
OTTO IV., von
aufständischen Baronen gerufen, in das Königreich einfiel
(November 1210) und sich anschickte, FRIEDRICH
zu vertreiben. Gegen den staufische
Reichsideen aufgreifenden WELFEN,
gegen die Gefahr der so gefürchteten Umklammerung ließ der
Papst OTTO IV. fallen und
unterstützte antiwelfische
Kreise im Reich, die im Herbst 1211 in Nürnberg FRIEDRICH
zum künftigen Kaiser
wählten, was den Abzug des WELFEN aus Italien zur Folge
hatte.
Im März 1212 brach FRIEDRICH
gegen den Rat seiner Gattin, die er als Regentin im Königreich
eingesetzt hatte, und sizilischer Großer mit nur geringer
Begleitung nach Norden auf. Auf päpstlichen Wunsch hatte er noch
zuvor seinen einjährigen Sohn HEINRICH
zum König von Sizilien
krönen lassen - zum Zeichen, daß eine Vereinigung von Imperium und Regnum nicht geplant sei. In Rom
wurde FRIEDRICH
von Papst, Senat und Volk ehrenvoll empfangen. Nach Leistung des
Lehnseides für Sizilien und der Erneuerung von
Zugeständnissen an die Kurie zog das »chint von Pulle« - »Sohn der Kirche«, wie
der Papst, und »Pfaffen-Kaiser«,
wie seine Gegner ihn nannten - auf abenteuerlichem Weg nach Deutschland
weiter, wo er Stunden vor OTTO IV.
in Konstanz eintraf (September 1212).
Die päpstliche Unterstützung, französisches Geld, die staufischen Parteigänger in
Schwaben und am Oberrhein, die Hilfe der geistlichen Fürsten und
nicht zuletzt der Glanz des staufischen
Namens brachten ihn bald in den Besitz ganz
Süd-Deutschlands. Am 5. Dezember 1212 wurde FRIEDRICH
in Frankfurt nochmals zum König
gewählt, am 9. Dezember mit nachgebildeten Insignien in
Mainz gekrönt.
In der Goldenen Bulle von Eger (12. Juli 1213) wiederholte er mit
fürstlicher Zustimmung die Zugeständnisse an die Kirche, die OTTO IV. 1209 gemacht hatte,
und erfüllte die territorialen Forderungen des Papstes in
Mittel-Italien.
Die Entscheidung im deutschen Thronstreit fiel schließlich im
Sieg Philipps II. August von
Frankreich über OTTO
IV. und seine englischen Verbündeten in der Schlacht von
Bouvines (27. Juni 1214).
Am 25. Juli 1215 ließ sich FRIEDRICh II.
nochmals in Aachen krönen und nahm das Kreuz, offensichtlich auch
deshalb, um die Kreuzzugsbewegung wieder stärker in die
Zuständigkeit des Herrschers zu ziehen. Entgegen früheren
Versprechungen holte er seinen Sohn HEINRICH II. nach Deutschland,
übertrug ihm das Herzogtum
Schwaben sowie das Rektorat
über Burgund und ließ ihn im April 1220 zum deutschen König wählen.
Als Preis hierfür trat er den geistlichen Reichsfürsten in der »Confoederatio cum principibus
ecclesiasticis« wesentliche Rechte ab.
Nachdem FRIEDRICH
II. seinen unmündigen Sohn unter der
Oberaufsicht des Kölner
Erzbischofs Engelbert von
Berg als seinen Vertreter in Deutschland zurückgelassen
hatte, brach er im August 1220 mit nur wenigen Truppen nach Italien
auf.
Am 22. November 1220 krönte ihn Papst
Honorius III. in
Rom zum Kaiser.
FRIEDRICH II. bekräftigte
die
staatsrechtliche Trennung Siziliens vom Reich, die Kurie hingegen fand
sich mit der tatsächlichen Personalunion ab. Ein kaiserliches
Edikt gegen die Ketzer und weitere Verfügungen zugunsten der
Kirche zeigen ein damals weitgehend gutes Verhältnis zwischen
Kaiser und Papst.
Mannigfache Maßnahmen in der Folgezeit galten dem energischen
Ausbau eines straffen zentralistischen Herrschaftssystems im
Königreich unter Zurückdrängung der feudalen Strukturen.
Auf einem Hoftag in Capua (Dezember 1220) wurde ein Landfriede
verkündet, die Beschlüsse (Assisen) ordneten unter anderem
die Überprüfung aller seit 1189 erfolgten Privilegierungen
und Bestätigungen an. In harten Auseinandersetzungen brach FRIEDRICH II.
die Macht der festländischen Barone und schuf ein
wohlorganisiertes Burgensystem. Die räuberischen Sarazenen des
sizilischen Berglandes warf er 1222-1224 in grausamen Kämpfen
nieder und siedelte sie im apulischen Lucera an, wo sie dann bei freier
Glaubensausübung als treue Untertanen des Kaisers lebten. Mit dem
Bau einer Kriegs- und Handelsflotte wurde begonnen und der
wirtschaftliche Einfluß der Seemächte Pisa und Genua
zurückgedrängt.
Die 1224 von FRIEDRICH
II. als erste abendländische
»Staatsuniversität« gegründete Hohe Schule zu
Neapel sollte loyale und vor allem juristisch gebildete Beamte
hervorbringen. Ausländische Hochschulen durften nicht mehr besucht
werden. Hatte die Frage der Bischofseinsetzungen im Königreich
neuerlich zu Unstimmigkeiten mit dem Papsttum geführt, so
verstärkte sich das Mißtrauen, als FRIEDRICH II.
1226 die kaiserlichen Rechte in Ober-Italien wieder zur Geltung bringen
wollte. Da die lombardischen Städte ihren alten Bund erneuerten
und den deutschen Fürsten den Zug nach Italien versperrten, konnte
ein für Ostern angesagter Hoftag in Cremona nicht stattfinden.
1226 bestätigte FRIEDRICH
II.
die Reichsfreiheit Lübecks und schuf mit der Goldenen Bulle von
Rimini die rechtlichen Voraussetzung für den Deutschordensstaat in
Preußen (Deutscher Orden). Inzwischen drängte die Frage des
aufgeschobenen Kreuzzuges immer mehr. Er sollte nun unwiderruflich 1227
beginnen.
Bereits 1225 hatte die auf Vermittlung Honorius' III. erfolgte
Verehelichung mit Isabella von
Brienne FRIEDRICH
II.
den Königstitel von Jerusalem
gebracht.
Am 8. September 1227 stach er zusammen mit Landgraf Ludwig von Thüringen in
See, mußte jedoch infolge einer Seuche, an der der Landgraf starb
und er selbst erkrankte, nach drei Tagen umkehren. Der neue Papst Gregor IX. nutzte die
Gelegenheit, gegen den Staufer
vorzugehen, und tat FRIEDRICH
II.
wegen des »Versäumnisses« in den Bann, den er im Frühjahr 1228
erneuerte, da FRIEDRICH
II.
auch als Gebannter nicht abließ, die Kreuzfahrt für den
Sommer dieses Jahres vorzubereiten.
Als er im Hl. Land ankam, fand er - abgesehen vom Deutschen Orden - nur
wenig Unterstützung von christlicher Seite. In Verhandlungen mit Sultan Al-Kamil von Ägypten
erreichte er jedoch ohne Schwertstreich die Abtretung von Jerusalem,
Bethlehem, Nazareth und eines Küstenstreifens an die Christen. Am
18. März 1229 setzte sich der gebannte Kaiser in der Grabeskirche
selbst die Krone von Jerusalem
aufs Haupt. Nach Brindisi zurückgekehrt, konnte er rasch Apulien,
in das ein päpstliches Heer eingefallen war, zurückgewinnen.
In langwierigen Friedensverhandlungen mit Gregor IX. in S. Germano
und Ceprano erreichte er durch die Vermittlung des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, und
deutscher Fürsten die Absolution, freilich um den Preis
kirchenpolitischer Einbußen in Sizilien (1230).
Im August 1231 publizierte FRIEDRICH II.
als Gesetzgeber mit den »Konstitutionen
von Melfi« die erste große staatliche
Rechtskodifikation seit Justinian.
Sie war Ausdruck seines Herrschaftsverständnisses, auf das hin der
zentralistische Staat orientiert war, und regelte die Verwaltung oft
bis ins private Leben hinein. Man hat in diesem »Liber Augustalis« -
wie in der monopolisierten Wirtschaft oder in der kaiserlichen
Bautätigkeit - vielfach Züge eines »aufgeklärten
Absolutismus« sehen wollen. Zunehmend wandte sich FRIEDRICH II.
nun wieder einer von imperialen Vorstellungen geprägten Neuordnung
des oberitalienischen Städtewesens zu. Dies erforderte eine
behutsame Politik gegenüber dem Papsttum und den deutschen
Fürsten. Der seit 1228 selbständig regierende HEINRICH (VII.) war mit seiner
Politik in Gegensatz zu den Fürsten geraten und suchte
Unterstützung bei den aufstrebenden Städten und den
Reichsministerialen. Am 1. Mai 1231 mußte HEINRICH jedoch in Worms im »Statutum in favorem principum«
den weltlichen Fürsten für die Ausbildung ihrer Landeshoheit
wesentliche Rechte verbriefen.
Im Mai 1232 bestätigte FRIEDRICH II.
zu Cividale das Statutum, nachdem er auf einem Hoftag in Aquileja zu
Ostern seinen Sohn unter demütigenden Umständen zu einer
fürstenfreundlichen Politik verpflichtet hatte.
Die politischen und persönlichen Differenzen zwischen Vater und
Sohn führten in der Folge sogar zu einem Bündnis HEINRICHS mit den Lombarden
(Dezember 1234). FRIEDRICH
II.
begab sich im Mai 1235 mit einem kleinen Heer nach Deutschland. HEINRICH unterwarf sich und
starb nach siebenjähriger Haft in Süd-Italien. 1235 - nach
Verehelichung mit Isabella von
England - kam es auf dem Mainzer Hoftag im August zur
Aussöhnung mit den WELFEN.
Otto das Kind, der Enkel Heinrichs des Löwen,
erhielt das neugeschaffene Herzogtum
Braunschweig-Lüneburg als Lehen. Der Mainzer
Reichslandfrieden, der auch in deutscher Sprache publiziert wurde,
versuchte über eine verbesserte Friedenssicherung hinaus die
Verfassungsstruktur des Reiches grundsätzlich zu ordnen, indem
alle Rechte, wie auch immer erworben, als vom Königtum verliehen
gelten sollten. Nach sizilischem Muster wurde ein Reichshofrichter
eingesetzt.
Anfang Mai 1236 nahm FRIEDRICH
II.
an der Erhebung der Gebeine der mit ihm verwandten hl. Elisabeth in Marburg teil.
Nach erfolgreichen Kämpfen in Ober-Italien stand er 1237 im Feld
gegen den geächteten Herzog
Friedrich II. von Österreich,
der seiner Länder verlustig erklärt wurde, diese jedoch in
veränderter politischer Lage bald wieder in Besitz nehmen konnte.
Die Auseinandersetzungen mit den oberitalienischen Städten
führten am 27./28. November 1237 zum glänzenden Sieg bei
Cortenuova über die lombardische Liga. FRIEDRICH II.
wollte jedoch die volle Unterwerfung und lehnte in
Überschätzung seiner Mittel ein Friedensangebot Mailands ab. Gregor IX., der die
Entschlossenheit des Kaisers in Ober-Italien und die Umklammerung des
Kirchenstaates fürchtete, belegte ihn unter fadenscheinigen
Vorwänden zum zweiten Mal mit dem Bann (20. März 1239). Der
Endkampf zwischen dem Kaiser und dem Papsttum setzte ein. Er wurde von
beiden Seiten mit größtem propagandistischem Einsatz
geführt, wobei FRIEDRICH
II.
für seine Anhänger geradezu messianische Züge annahm,
während er in der päpstlichen Propaganda als Vorläufer
des Antichrist verteufelt wurde.
Auf die Verhängung des Bannes reagierte FRIEDRICH II.
mit gewaltigen Rüstungen, wofür eine weitere Straffung der
Verwaltung im Königreich Sizilien durch Ernennung je eines
Generalkapitäns und eines Großhofjustitiars im
festländischen Teil und auf der Insel die Voraussetzung schaffen
sollte (Beamtenwesen, VI).
In Reichs-Italien wurden zehn Vikariate mit süditalienischen
Beamten an der Spitze eingerichtet, denen der Kaiser-Sohn Enzio als direkter kaiserlicher
Vertreter vorstand.
Die Bettelorden - vielfach im Dienst der päpstlichen Propaganda -
wurden vertrieben und die Überwachung der Bevölkerung
verstärkt. Im August 1239 zog FRIEDRICH II.
die Mark Ancona und das Herzogtum Spoleto an sich und rückte im
nördlichen Kirchenstaat ein. Als Gregor IX. für Ostern 1241
ein Konzil nach Rom berief, offensichtlich um die Absetzung des Kaisers
zu betreiben, fing eine kaiserlich-pisanische Flotte mehr als 100
Konzilsteilnehmer ab, die nach Apulien gebracht wurden. Während FRIEDRICH II.
Rom belagerte, verstarb Gregor
IX. (22. August 1241), worauf sich FRIEDRICH II.
ins Königreich zurückzog, um die Wahl eines neuen Papstes
abzuwarten.
Auf Coelestin IV., dessen
Pontifikat nur 17 Tage dauerte, folgte Innozenz IV. Ende
März 1244 schienen Verhandlungen mit dem Papst - nach den von
diesem vorgegebenen Bedingungen - ein greifbares Ergebnis zu bringen.
Die Aussöhnung scheiterte schließlich an der
oberitalienischen Frage. Dem Kaiser schien die Unterwerfung der
lombardischen Rebellen unabdingbar, der Papst wollte die Städte
nicht im Stich lassen. Nach einigen Scheinverhandlungen floh der Papst
am 28. Juni 1244 über Genua nach Lyon, um sich der Macht des
Kaisers zu entziehen, und berief für den 24. Juni 1245 ein
allgemeines Konzil ein.
Als der Kaiser nach dem neuerlichen Verlust Jerusalems (Auguat 1244)
einen letzten Versöhnungsversuch - ungewiß, ob ernst gemeint
oder nur zum Zeitgewinn - mit dem Angebot eines dreijährigen
Kreuzzuges, der Räumung des Kirchenstaates und einer
päpstlichen Schiedsrichterrolle in der Lombardei unternahm,
erlangte er nochmals die Absolution (6. Mai 1245), die Innozenz IV. jedoch auf die
Nachricht von Übergriffen im Kirchenstaat hin im Mißtrauen
gegenüber der Unberechenbarkeit des Kaisers widerrief. Am 17. Juli
1245 verkündete der Papst trotz der Bemühungen der unter der
Führung des Großhofrichters
Thaddeus von Suessa
stehenden kaiserlichen Gesandtschaft die Absetzung FRIEDRICHS II.
Hatte dieser bisher gegen die Person des Papstes argumentiert, so
wandte sich seine Propaganda nun gegen den korrupten Zustand der
Kirche, die die Ideale der Armut und die Heiligkeit der Urkirche
aufgegeben habe, und forderte die europäischen Fürsten zur
monarchischen Solidarität auf.
Innozenz ließ gegen FRIEDRICH II.
den Kreuzzug predigen. Eine von päpstlicher Seite angezettelte
Verschwörung in Sizilien mit dem Plan eines Attentats auf den
Kaiser wurde im Juli 1246 grausam niedergeschlagen.
Am 22. Mai 1246 wählte die kuriale Partei in Deutschland den Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen
zum Gegen-König, nach
dessen Tod den Grafen Wilhelm von Holland (1247) -
Maßnahmen, die jedoch keine wesentliche Beeinträchtigung der
staufischen Position in
Deutschland brachten. Vielmehr zog FRIEDRICH II.
1246 nach dem Tod des letzten BABENBERGER-Herzogs, Friedrichs II., Österreich und Steiermark als
erledigte Reichslehen ein und ließ sie durch Generalkapitäne
verwalten. Im Juni 1245 war auf dem Hoftag in Verona der Plan, die babenbergischen Länder in
ein Königtum umzuwandeln, gescheitert, da die unter
päpstlichen Einfluß stehende Nichte des letzten BABENBERGERS, Gertrud, sich weigerte, den
gebannten Kaiser zu heiraten. Im Mai 1247 brach FRIEDRICH II.
von Cremona aus nach Lyon auf, um seine Sache persönlich zu
vertreten und um danach weiter nach Deutschland zu ziehen. Der Abfall
des strategisch wichtigen Parma vereitelte jedoch den Zug. Ein Ausfall
der daraufhin monatelang eingeschlossenen Parmesen fügte dem
Kaiser eine empfindliche Niederlage zu. Das Jahr 1249 brachte die
Gefangennahme seines Sohnes Enzio
durch die Bolognesen und einen Giftmordversuch seines Arztes.
Auch ließ er unter nicht näher bekannten Umständen
seinen engsten Vertrauten, den Großhofrichter
und Logotheten Petrus de
Vinea, als Verräter verhaften.
Als sich 1250 das Blatt militärisch zum Besseren zu wenden begann
und FRIEDRICH
II. nun endgültig den Zug nach Lyon
antreten wollte, verstarb er unerwartet an einer ruhrähnlichen
Krankheit in Castel Fiorentino, bekleidet mit einer grauen
Zisterzienserkutte, nachdem er aus der Hand seines langjährigen
Vertrauten, Erzbischof Berard, Absolution und
Sterbesakramente erhalten hatte.
Kaum ein mittelalterlicher Kaiser hat seine Zeit und die Nachwelt mehr
in den Bann gezogen als FRIEDRICH
II.
Sein universelles Herrschaftsverständnis war gespeist aus der
monarchischen Idee des sizilischen Normannen-Reiches, seiner realen und
ausbaufähigen Machtbasis, der ererbten staufischen Kaiseridee, der
Gottesunmittelbarkeit des Davidkönigstums und zunehmend auch aus
antik-heidnischen Elementen - dies alles in einer Welt des
institutionellen Höhepunktes der päpstlichen Macht, der
korporativen Freiheit der aufblühenden Städte und ihres
wirtschaftlichen Aufstiegs, der im Ausbau ihrer landesherrlichen
Stellung begriffenen deutschen Feudalwelt, der sich konsolidierenden
nationalstaatlichen Monarchien, aber auch in einer Zeit brodelnder
Formen neuer Frömmigkeit. In der Weltoffenheit Siziliens
herangewachsen, stand FRIEDRICH
II.
den Künsten sowie den neuen Wissenschaften und Ideen seiner Zeit
aufgeschlossen gegenüber und vermochte sie seinem Kaisertum
dienstbar zu machen. In einer Welt des Umbruchs verband er uralte
traditionelle Herrschaftsvorstellungen in größter
Übersteigerung mit zukunftsweisenden Ideen. Er war nicht der
»erste moderne Mensch auf dem Thron« (J. Burckhardt);
er blieb - mit hohem Intellekt und unerbittlicher Konsequenz im Handeln
ausgestattet - ein Mensch seiner Zeit, der freilich in der Lage war,
manche Tendenzen der Zukunft zu erkennen, aufzugreifen und
vorwegzunehmen. Alles dies in Verbindung mit seinem vielschichtigen und
vielfach zwiespältigen Charakter schwingt in Bezeichnungen wie »mutato r saeculi« oder
»stupor mundi«
mit. Sie drücken in gleicher Weise die Bewunderung wie auch die
Angst seiner Zeitgenossen aus.
W. Koch
II. Kultur im Umkreis Friedrichs II.:
Seit den zwanziger Jahren entfaltete sich am Hofe des Kaisers ein
reiches kulturelles Leben, wie es im Abendland des 13. Jh. wohl
einzigartig war. Viele Dichter, Künstler und Gelehrte waren daran
beteiligt, aber Mittelpunkt und Anreger war gewiß der Kaiser
selbst. -
Dichtung:
Zu den Ruhmestiteln des Kaisers gehört, daß an seinem Hof
die italienische Dichtungssprache geschaffen worden ist. FRIEDRICH II.
selbst dichtete im Volgare, mehrere seiner Söhne und zahlreiche
Angehörige des Hofes verfaßten Canzonen und Sonette; zum
Teil auch lateinische Gedichte (Sizilianische Dichterschule). Diesem
Literatenkreis entstammen auch die großartigen lateinischen
Manifeste des Kaisers. -
Kunst:
Anregungen dürften ihm besonders die Architektur und die bildende
Kunst zu verdanken haben; Bauten wie das Brückentor von Capua oder
Castel del Monte sind in ihrer Originalität kaum anders zu
erklären. Der Kaiser ließ auch antike Skulpturen sammeln und
von seinen Bildhauern nachahmen. Die Augustalen und Kameen
Süd-Italiens spiegeln die antikisierenden Neigungen, die
Illustrationen des sogenannten Falkenbuchs den Wirklichkeitssinn des
Kaisers wider. -
Wissenschaft:
FRIEDRICH II. besaß umfassende
wissenschaftliche Kenntnisse und war erfüllt von
ungewöhnlichem Erkenntnisdrang. Davon zeugt vor allem sein Werk »De arte venandi cum avibus«,
das sogenannte Falkenbuch, das aber nicht nur ein Lehrbuch der
Falkenjagd, sondern auch der Vogelkunde überhaupt ist. In ihm
betont der Kaiser unter anderem, er wolle die Dinge, die sind, sichtbar
machen so, wie sie sind, und stellt seine eigenen Beobachtungen
über die traditionellen Autoritäten. Hierhin gehören
auch die nicht immer glaubwürdigen Nachrichten über seine
Experimente. Wissensdurst verraten auch die Fragen metaphysischen
Inhalts, die FRIEDRICH
II. an verschiedene arabische Gelehrte
schickte. Der Schwerpunkt seiner Interessen lag jedoch nicht auf
Philosophie und Theologie, sondern auf den exakten Wissenschaften
Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie; ferner auf Human- und
Veterinärmedizin, Zoologie und den Grenzwissenschaften Astrologie,
Alchemie und Physiognomik. Das ist im einzelnen belegt durch »De arte venandi«,
durch die von ihm veranlaßte Übersetzungsliteratur aus dem
Griechischen und Arabischen, darunter Werke des Aristoteles (nebst
pseudo-aristotelischen Schriften), des Avicenna und des Averroës sowie durch die
Gelehrten in seinem Umkreis. Die bedeutendsten waren der Astrologe, Astronom, Mathematiker und Übersetzer Michael Scotus, der ebenso
vielseitige Theodor von
Antiochia und der Mathematiker
Leonardo Fibonacci von
Pisa. - Zwiespältig erscheint FRIEDRICH II.
auch als Wissenschaftler. Teils steht er auf der Höhe seiner Zeit,
teils vertritt er noch ältere, inzwischen überholte Theorien,
und nüchterner Rationalismus steht neben dem Glauben an okkulte
Kräfte.
H.M. Schaller
Bibliographie:
-----------------
Bibliographie zur Gesch. Ks. F.s II. und der
letzten
Staufer,
hg. C.A. Willemsen, MGH Hilfsmittel 8, 1986
Quellen und Literatur:
---------------------------
NDB V, 478 ff.; Hist. diplomatica Friderici
secundi
...hg.
J.-L. - A. Huillard-Breholles, 11 Bde, 1852-1861; Einleitungsbd, 1859 -
MGH Const. 2, hg. L. Weiland, 1986 - RI V, 1-3, 1891-1901 [Nachdr.
1971]:
V, 4: Nachtr. und Erg., P. Zinsmaier, 1983 - E. Kantorowicz, Ks. F II.,
1927, 1980; Ergbd. 1931, 1980. - W.E. Heupel, Der siz. Großhof
unter
Ks. F. II. (MGH Schr. 4, 1940) - H.M. Schaller, Die stauf. Hofkapelle
im
Kgr. Sizilien, DA 11, 1954/55, 463 ff. - Ders., Die Kanzlei Ks. F. II.
Ihr Personal und ihr Sprachstil, ADipl 3, 1957, 207 ff.; 4, 1958, 264
ff.
- Die Konstitutionen F.s II. v. Hohenstaufen für sein Kgr.
Sizilien.
Nach einer lat. Hs. des 13. Jh., hg., übers. H. Conrad, T. v. d.
Lieck-Buyken,
W. Wagner (Stud. und Q. zur Welt Ks. F.s II. 2, 1973) - N. Kamp, Kirche
und Monarchie im stauf. Kgr. Sizilin, MMS 10/I, 1-4, 1973-1982 -
Probleme
um F. II., hg. J. Fleckenstein (VuF 16, 1974) - H. Dilcher, Die siz.
Gesetzgebung
Ks. F.s II. Q. der Constitutionen von Melfi und ihrer Novellen (Stud.
und
Q. zur Welt Ks. F.s II. 3, 1975) - G. Fasoli, Federico II e la Lega
lombarda,
Ann. Ist. stor. it.-germ. in Trento 2, 1976, 39 ff. - Staufer I-IV,
1977-1879
- Stupor mundi, Zur Gesch. F.s II. v. Hohenstaufen, hg. G. Wolf, WdF
101,
1982. - O. Engels, Die Staufer, 1984 - N. Kamp, Der Episkopat und die
Monarchie
im stauf. Kgr. Sizilien, QFIAB 64, 1984, 84 ff. - Th.
Kölzer,
Die siz. Kanzlei von Ksn. Konstanze bis Kg. Manfred (1195-1266), DA 40,
1984, 532 ff. - W. Lammer, F. II. 1212-1250 (Kaisergestalten des MA,
hg.
H. Beumann, 1984), 199 ff. - Potere, societa e popolo nell`eta sveva
(Centro
di studi normanno-svevi; Atti delle seste giornate normanno-sveve,
1985)
- R. Neumann, Parteibildungen im Kgr. Sizilien während der
Unmündigkeit
F.s II. (1198-1208)(Europ. Hochschulschr., R III, Bd. 266, 1986) -
Politica
e cultura nell Italia di Federico II. hg. S. Gensini, 1986 [P. Brezzi,
R. Manselli, G. Fasoli, E. Voltmer, H.M. Schaller, E.
Mazzarese-Fardella,
R. Elze.
Brandenburg
Erich: Tafel 23
Seite 47
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"
XIV. 524.
FRIEDRICH II.
---------------------------------
* 1194 26. XII, † 1250 13. XII
KÖNIG von
SIZILIEN 1197
DEUTSCHER
KÖNIG 1212
KAISER
1222 22. XI.
KÖNIG
von JERUSALEM 1229
18.XI.
Gemahlinnen:
-----------------
a) 1210 II.
CONSTANZE, Tochter Alfons II. König
von Aragon (siehe XIV 349)
† 1222
23.
VI.
b) 1225 9. XI.
JOLANTHE, Tochter Johanns von Brienne,
König
von Jerusalem
† 1228
IV.
c) 1235 VII.
ELISABETH, Tochter Johanns König
von
England
† 1241
1. XII.
d) Konkubine (ob später oo?)
BEATRIX, Tochter
des
Manfred Lancia
Anmerkungen:
Seite 153
------------------
XIV. 524.- 530.
Zeit von FRIEDRICHS II. erster
Vermählung.
Winckelmann, Jahrb. 2, 479. Sonst Winckelmann, Philipp.
Schwennicke
Detlev: Tafel 15
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I.
1"
KONSTANTIN-ROGER-FRIEDRICH
II.
----------------------------------------------------
* Iesi, Provinz Ancona 26. XII 1194, † Castel
Fiorentino
bei Lucera, Provinz Perugia 13. XII 1250
Begraben: Palermo Dom
25.XII.1196 als KÖNIG
gewählt
Palermo 17.V.1198 als KÖNIG von SIZILIEN
gekrönt
Frankfurt/Main 5.XII.1212 als KÖNIG
gewählt
Mainz 9.XII.1212 und Aachen 25.VII.1215
gekrönt
Rom 22.XI..1220 KAISER
Brindisi 9.XI.1225 sich selbst zum KÖNIG
von
JERUSALEM
erklärt
Jerusalem 18.III.1229 sich selbst gekrönt
17.VIII.1245 vom Papst abgesetzt
Messina 5./15.VIII.1209
I. oo
KONSTANZE
INFANTIN VON ARAGON
*
(1179),
†
Catania 23. VI 1222
Begraben: Palermo Dom
Tochter von Alfons(o)
II. König von Aragon,
Graf
von Bacelona
Witwe von Emmerich
(Imre) König von Ungarn
Brindisi 9. XI 1225
II. oo
JOLANDE (ISABELLE) DE BRIENNE
* 1211, †
Andria, Provinz Bari 25. IV 1228
Begraben: Andria Dom
1225 KÖNIGIN
VON JERUSALEM
Tochter von Johann
(Jean) König von
Jerusalem
Kaiser
von Konstantinopel
Confirmatio matrimonii
in articulo
mortis
1233/34
III. oo BIANCA DIE JÜNGER LANCIA
† 1233/34
Tochter von N
und Bianca der Älteren
Lancia
Worms 15.(20.)VII.1235
IV. oo
ISABELLA VON ENGLAND
(ANJOU-PLANTAGENET)
* 1214, †
Foggia 1. XII 1241
Begraben: Andria Dom
Tochter von König
Johann Ohneland (Lackland)
Höflinger
Klaus: Seite 323
**************
"Kaiser Friedrich II. (1212-1250)" in
Mittelalterliche
Herrscher in Lebensbildern
KAISER FRIEDRICH II.
--------------------------------
* 26.12.1194 in Jesi (Provinz Ancona)
†
13.12.1250 in Castel Fiorentino bei Lucera (Provinz
Foggia)
Grabstätte: Dom zu Palermo, Herz
im Dom zu
Foggia
Eltern: Kaiser
HEINRICH VI. und Konstanze
Verlobt vor dem 5.6.1202
SANCHA
VON
ARAGON
Tochter König
Alfons' II. von Aragon († 1196)
und
der Sancha von Leon-Kastilien († 1208),
Tochter König Alfons' VII.
Verlöbnis Ende 1204 gelöst
5./15.8.1209 in Messina
(?) (verlobt
bereits
Ende 1204/Anfang 1205, Trauung per
procurationem 1208 in Saragossa)
1. oo
KONSTANZE VON ARAGON
* um 1182/83, †
23.6.1222 in Catania
Grabstätte: Dom zu Palermo
Eltern: König
Alfons II. von Aragon († 1196)
und
Sancha von Leon-Kastilien († 1208),
Tochter König Alfons' VII.
o um 1211/12 Konkubinat mit
N (normannisch-sizilianische
Gräfin)
* um 1190/95, † nach
1213
o nach 1213/14 in Deutschland
Konkubinat mit
ADELHEID (aus
schwäbischen
Hochadel), Tochter des Konrad
von Urslingen, Herzog von
Spoleto
* um 1194/95 in
Spoleto, †
nach
1218 (oder 1223 bzw. 1234?)
o um 1220 in Italien Konkubinat
mit
MARIA/MATHILDE VON ANTIOCHIA
* um 1200, † nach
1222/25
o um 1220/22 Konkubinat mit
N (aus dem Hause der Grafen
Lancia?)
o um 1220/25 Konkubinat mit
MANNA, Nichte des Erzbischofs
Berard von Messina
2. oo 9.11.1225 (verlobt im
März 1223)
ISABELLA/ELISABETH VON BRIENNE
* um 1211/12, †
5.5.1228 in Andria
Grabstätte: Dom zu Andria
Eltern: Johann,
Graf von Brienne († 1237),
König
von Jerusalem (1212-1225),
und Maria, Tochter des Markgrafen Konrad von
Montferrat, Königin von
Jerusalem (1191-1212)
o November 1225 in Brindisi (?)
Konkubinat mit
N (Verwandte der Isabella von
Brienne, Beatrix?)
o um 1226 (?) in Ober-Italien
Konkubinat mit
N (vornehme Schwäbin,
Tochter
des Bertold von Beilstein?)
* um 1205, † nach
1235
3. oo 1233/34 in Apulien, Gioia
del Colle (?)
MARKGRÄFIN BIANCA LANCIA DIE JÜNGERE
* um 1210/11, †
1233/34 in Gioia del Colle (?)
Grabstätte: Gioia del Colle
(spätestens seit 1227 in
Verbindung mit dem
Kaiser,
die am Totenbett legalisiert wurde)
Mutter: Bianca
Lancia die Ältere, Tochter des
Manfred
Lancia
4. oo 15.7.1235 in Worms (per
procurationem
in
Westminster 22.2.1235)
ISABELLA/ELISABETH VON ENGLAND
* 1217, †
1.12.1241 in Foggia
Grabstätte: Dom zu Andria
Eltern: König
Johann Ohneland von England (†
1216)
und Isabella († 1246),
Tochter
des Grafen Aimar II. von Angouleme
Nach dem Scheitern
seines
Erbreichplanes setzte Kaiser
HEINRICH VI. vor Beginn seines Kreuzzuges im Dezember
1196
die
Wahl seines Sohnes FRIEDRICH II. ROGER
zum deutschen König durch.
Seine ersten Jahre
verlebte
FRIEDRICH
in Foligno im Palast des Herzogs von Spoleto. Kaiserin
Konstanze ließ ihren Sohn Pfingsten 1198 im Dom von
Palermo
zum König von Sizilien
krönen und bestellte im
November
des gleichen Jahres Papst Innocenz III. zum
Reichsverweser und Vormund
ihres Sohnes. Markward von
Annweiler eroberte 1201 Palermo und
bemächtigte
sich der Person
FRIEDRICHS, der in
den folgenden Jahren ohne Kontrolle in den Straßen von Palermo
aufwuchs.
Weihnachten 1208 wurde FRIEDRICH
aus
päpstlicher Vormundschaft entlassen und übernahm die
Regierung
des in Anarchie versunkenen sizilianischen Reiches selbst. Nach
Befriedungs-
und Unterwerfungsmaßnahmen hatte FRIEDRICH
im Frühjahr 1209 die Insel fest in der Hand. Als Kaiser
OTTO IV. mit einem Heer gegen Sizilien zog, wählten
auf
Veranlassung der Kurie und Philipps II. von
Frankreich
im September 1211 in Nürnberg eine Anzahl deutscher Fürsten FRIEDRICH
in Abwesenheit zum deutschen
König. Im März 1212
ließ
er seinen 1211 geborenen Sohn HEINRICH
zum
König von Sizilien krönen, übertrug die Regentschaft
seiner
Frau Konstanze und begab sich mit
wenigen
Begleitern nach Deutschland. In Vancouleurs erneuerte FRIEDRICH
das
Bündnis mit den KAPETINGERN
und
erhielt 20.000 Mark Silber. Mit Zustimmung der Reichsfürsten
legalisierte
FRIEDRICH
in der Goldbulle von Eger (12.7.1213) alle Forderungen der Kurie. Durch
die Niederlage OTTOS IV. bei
Bouvines
(27.7.1214) im Bunde mit den Engländern war der staufisch-welfische
Thronstreit praktisch zugunsten FRIEDRICHS
entschieden. Er verbündete sich mit Waldemar
II. von Dänemark gegen die WELFEN
und erkannte die dänischen Eroberungen in Holstein und
Mecklenburg
an. Am 23.6.1215 ließ sich
FRIEDRICH
in Aachen nochmals krönen und gelobte einen Kreuzzug. Er
ließ
seinen Sohn HEINRICH nach
Deutschland
bringen und übertrug ihm 1217 das Herzogtum Schwaben. Für
ihre
Zustimmung zur Wahl HEINRICHS (VII.)
[26.4.1220] verzichtete FRIEDRICH II.
in der "Übereinkunft mit den geistlichen Fürsten" auf eine
Ausweitung
der königlichen Herrschaftsrechte zugunsten der geistlichen
Fürsten
und erkannte diese damit als selbständige Landesherren an. Er
bestellte
den Erzbischof Engelbert von Köln zum
Reichsverweser und begab
sich
zur Kaiserkrönung nach Rom. Da inzwischen die Hafenstadt Damiette
verloren wurde, erlangte FRIEDRICH
Aufschub für seinen Kreuzzug und gewann damit Zeit, das in
Anarchie
versunkene sizilianische Erbreich zurückzuerobern. FRIEDRICH
begab sich nach Sizilien, das er zum modernsten zentralistischen Staat
seiner Zeit ausbaute. Er kehrte nur noch einmal 1235-1237 für
kurze
Zeit nach Deutschland zurück, das den Fürsten überlassen
blieb. Am 29.9.1227 bannte Papst
Gregor IX. den zu
mächtig
gewordenen
Kaiser wegen Nichteinhaltung des Kreuzzugsversprechens, obwohl im
Kreuzzugsheer
eine Seuche ausgebrochen war und FRIEDRICH
um Aufschub bat. Im Juni 1228 brach der gebannte FRIEDRICH
zum
5. Kreuzzug auf, gewann durch Verhandlungen mit dem Sultan im März
1229 die "Heilige Stadt" und krönte sich am 18.3.1229 selbst zum König
von Jerusalem. Inzwischen hatte der Papst Truppen ins
Königreich
Sizilien einfallen lassen, die jedoch weichen mußten, als FRIEDRICH
in Brindisium an Land ging. Gegen die weitere Preisgabe der letzten
Königsrechte
im Bereich der sizilischen Kirche erreichte
FRIEDRICH
II.
im Vertrag von Ceprano (Sommer 1230) die Lösung vom
Bann. Im Frühjahr 1235 kam FRIEDRICH II.
nach Deutschland und ließ am 4. Juli in Worms HEINRICH
(VII.)
durch Fürstenspruch absetzen, da er sich gegen den
Vater empört hatte und ein Bündnis mit der Lombardischen Liga
geschlossen hatte. Sein Versuch, Friedrich
von Österreich
abzusetzen,
mißlang. Im Februar 1237 ließ der Kaiser seinen Sohn KONRAD
in Wien zum deutschen König wählen. Am 27.11.1237 besiegte
FRIEDRICH II. mit seinen Elitetruppen - deutsche Ritter und
sarazenische Bogenschützen - bei Cortenuova (südöstlich
von Bergamo) die Lombarden entscheidend. Doch auf dem Höhepunkt
seiner
Macht forderte er das Schicksal heraus, indem er die Stadt Mailand zur
bedingungslosen Unterwerfung aufforderte. Damit beschwor er den
Widerstand
der Lombardei erneut herauf und rief den Papst auf den Plan. Am
20.3.1239
wurde der Kaiser erneut von Gregor
IX. mit dem Kirchenbann belegt, weil
er seinen illegitimen Sohn Enzio zum
König von Sardinien
ernannt hatte, und auf dem von Innocenz
IV.
einberufenen
Konzil von Lyon (17.7.1245) abgesetzt, als Ketzer bezeichnet
und
eine Neuwahl gefordert. Obwohl diese Maßnahme wirkungslos
verpuffte,
konnte für kurze Zeit HEINRICH RASPE als
päpstlicher Gegen-König gewonnen werden. Am 18.2.1248 erlitt
der Kaiser eine schwere Niederlage bei der Belagerung von Parma. In
diesen
unerfreulichen Jahren sehnte sich FRIEDRICH II.
immer mehr nach Ruhe und Muße für seine friedlichen
Ambitionen,
doch dieser Wunsch sollte ihm nicht mehr erfüllt werden, obwohl er
zuletzt zu enormen Zugeständnissen gegenüber dem Papst bereit
war. Aber der Haß der Kirchenoberen erwies sich als
unüberwindlich.
Am
13.12.1250 starb FRIEDRICH II. im
Castel Fiorentino in Apulien an einer Darminfektion und wurde
wie
sein Vater im Dom von Palermo beigesetzt. Sein glanzvoller Hof in
Palermo
war ein Mittelpunkt des italienischen Geistesleben; er selbst schrieb
ein
Buch über die Falkenjagd. FRIEDRICH II.
war einer der bemerkenwertesten Herrscher des Deutschen Reiches. Seine
Klugheit, vor allem aber seine Weltoffenheit eilten seiner Zeit mit
großem
Abstand weit voraus. Das Unvermögen seiner Zeitgenossen, ihn in
seiner
Modernität zu verstehen, und die orientalische Lebenshaltung des
Kaisers
waren es wohl, die zu den unkontrollierten Haßgefühlen in
der
römischen Kirche führten und dieser über FRIEDRICHS
Tod hinaus die Gründe lieferten, das staufische
Adels-Geschlecht letztlich auszulöschen.
FREIE PRESSE vom 11.12.1998
-----------------------------------------
Palermo (dpa).
Im Sarkophag von Kaiser
FRIEDRICH
II. VON HOHENSTAUFEN (1194-1250) liegt eine Frau. Diese als
"Überraschung" bezeichnete Entdeckung machten Forscher bei den
gegenwärtigen
Untersuchungen in Palermo, berichtete gestern das italienische
Fernsehen.
Wissenschaftler hatten den Sarkophag des STAUFER-Kaisers
fast 750 Jahre nach seinem Tod Anfang November geöffnet.
Im Sarkophag in der Kathedrale von Palermo
befinden
sich
die sterblichen Überreste von insgesamt drei Personen. Bei den
Untersuchungen
soll geklärt werden, ob der legendäre STAUFER-Kaiser
vergiftet wurde. Außerdem soll die Identität der beiden
anderen
in dem Steinsarg Beigesetzten festgestellt werden. Nach Angaben des
italienischen
Fernsehens handelt es sich bei der Frau um eine Adlige, ihre
Identität
stehe aber noch nicht fest.
"Jetzt haben wir Gewißheit, dass die
Überreste
von einer jungen Frau stammen", sagt der Experte Rosario La Duca. "Es
wird
nicht sehr schwer sein, sie zu identifizieren."
Der andere Tote soll Peter
II.
von Aragon
sein, ein Verwandter von FRIEDRICHS
Mutter,
berichtet das Fernsehen. Unter seinem Körper sei das Schwert des STAUFER-Kaisers
gefunden worden, das als verschollen galt. Das Schwert ist in zwei
Teile
zerbrochen und wurde bei Röntgenaufnahmen entdeckt. Es wird
vermutet,
dass die beiden Toten 100 bis 150 Jahre nach FRIEDRICHS
Tod in den Sarkophag gelegt wurden.
Persönlicher Zusatz
--------------------------
Peter II. von Aragon
(1176 †
13.9.1213)
war der Sohn von König
Alfons II.
(1154 †
26.4.1196) und
der Sancha von Kastilien
(21.9.1154 †
9.
1208), Tochter von König
Alfons VII. Seine Schwester Konstanze
(um 1179 † 23.6.1222) war in
zweiter Ehe
mit Kaiser
FRIEDRICH II. vermählt.
BILD-ZEITUNG vom 10.7.2000
-----------------------------------------
Wer liegt neben dem STAUFER-Kaiser
im Sarkophag?
Forscher der Universität Palermo
glauben, die
Frau
identifiziert zu haben, die neben dem STAUFER-Kaiser
FRIEDRICH II. (1194-1250) im Dom entdeckt wurde. Er wurde
vor
knapp zwei Jahren geöffnet. Im Sarg liegt sehr wahrscheinlich
seine
Enkelin
Beatrix. Sie saß 18 Jahre
im Kerker des Schlosses dell Ovo in Neapel, war sechs Jahre alt, als
sie
gefangengenommen wurde. Bald nach ihrer Befreiung starb sie abgemagert
und geschwächt.
Vermutung der Forscher: Ihre lange Leidenszeit
in Haft
verschaffte ihr die Ehre im Grab des großen Kaisers bestattet zu
werden.
19.8.1209
1. oo 2. Konstanze von Aragon, Tochter
des
Königs
Alfons II.
1184 †
23.6.1222
9.11.1225
2. oo Isabella II. von Jerusalem, Tochter
Johanns
von Brienne
1212 † 8.5.1228
1235
3. oo Isabella von England, Tochter des
Königs
Johann Ohneland
1214 †
1.12.1241
Kinder:
1. Ehe
HEINRICH (VII.)
Ende 1211
† 12.2.1242
2. Ehe
KONRAD IV.
25.4.1228
† 21.5.1254
3. Ehe
Heinrich
17.2.1238
† 1253/54
Margarete
1236
† 8.8.1270
1254/55
oo Albrecht II. Markgraf von Meißen
1240 †
13.11.1315
Illegitim
Enzio König von Sardinien
1218
† 11.3.1272
Manfred König von Sizilien
1231
† 26.2.1266
Richard Graf von Theate
1225
† 1249
Selvaggia
1223/25 †
vor 1244
23.5.1238
oo Ezzelino III. da Romano
25.4.1194 †
27.9.1259
Friedrich von Antiochia
1225
† 1256
Violante
† 1264
1246
oo Richard Fürst von Caserta
um 1220 †
1266
Konstanze (Anna)
1230
† April
1307
1244
oo Johann III. Kaiser von Nikäa
1193
† 3.11.1254
Margarethe
†
1297/98
vor 1247
oo Thomas von Aquino, Fürst von
Acerra
1226 †
1273
Konrad von Antiochien
1240
†
Katharina
vor 1220 †
1272
1247
oo Jakob Graf von Caretto
†
Blanchefleur
†
20.6.1279
Sie kam in das
Dominikanerinnen-Kloster Montargis
(Auxerre),
wo sie starb.
Gerhard
† 1254
Literatur:
------------
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Kulturen
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Lorenz und Ulrich Schmidt, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des
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