ALBRECHT I.                             Römisch-Deutscher König (1298-1308)
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nach 1255
1.5.1308 ermordet
Rheinfelden Königsfelden

Begraben: Kaisergruft im Dom zu Speyer  

Ältester Sohn des Römisch-Deutschen Königs RUDOLF I. ( 15.7.1291) aus dem Hause HABSBURG aus seiner 1. Ehe mit der Gertrud von Hohenberg, Tochter von Graf Burchard III.; Bruder von Graf  Hartmann von Habsburg ( 20.12.1281 ertrunken), Herzog Rudolf II. von Österreich ( 10.5.1290), Graf Karl von Habsburg ( 16.8.1276 ), Königin Clementia von Ungarn (- nach 7.2.1293), Königin Jutta (Guta) von Böhmen ( 18.6.1297), Herzogin Mathilde von Bayern (23.12.1304), Herzogin Katharina  von Nieder-Bayern ( 4.4.1282 ); Herzogin Agnes Gertrud von Sachsen-Wittenberg ( 11.10.1322) und Markgräfin Hedwig von Brandenburg ( um 1303), Stief-Bruder von Albrecht von Schenkenberg, Enkel von Graf Albrecht IV. von Habsburg ( 22.11.1240) und der Heilwigis von Kyburg  

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 311
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ALBRECHT I., Deutscher König
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wahrscheinlich 1255
1. Mai 1308 ermordet
                               bei Brugg an der Reuß (Schweiz)

Mai 1281 "Verweser über Österreich und über Steyr", Ende 1282 Herzog zu Östererich und zu Steyr, Herr zu Krain, der Mark und zu Portenau, 27. Juli 1298 zum König gewählt, 24. August 1298 in Aachen gekrönt.
Nach der Wahl seines Vaters zum König trat ALBRECHT seit 1274 mit wechselnden Titeln als Graf von Habsburg, primogenitus oder einfach filius regis politisch auf. Nachdem König Ottokar II. von Böhmen 1276 RUDOLF VON HABSBURG unterlegen war und auf die Erwerbungen in den Ostalpen-Ländern verzichtet hatte, belehnten 1277 bayerische Bischöfe ALBRECHT und seine Brüder mit Lehen, die früher BABENBERGER und SPANHEIMER (in Kärnten) innegehabt hatten.
1281 wurde ALBRECHT von seinem Vater als Reichsverweser eingesetzt und 1282 zusammen mit seinem Bruder Rudolf mit dem babenbergischen Erbe belehnt. In der Rheinfelder Hausordnung von 1283 wurde dieser Besitz von den habsburgischen Stammlanden am Oberrhein getrennt und ALBRECHT allein übertragen.
ALBRECHT
, eine kantige Persönlichkeit, stieß in Österreich und Steiermark auf Ablehnung. In Wien, das über den Verlust seiner Reichsunmittelbarkeit erbittert war, fand er Widerstand, unterwarf aber die Stadt 1288 wieder.
1290 übertrug ihm König RUDOLF Ungarn als heimgefallenes Reichslehen, doch war diese Verleihung unzureichend begründet und musste schon 1291 wieder zurückgenommen werden, nicht zuletzt deshalb, weil Papst Nikolaus IV. Ungarn als Eigentum der römischen Kirche betrachtete, das angeblich auf Stephan den Heiligen zurückging.

Der zuletzt 1290 in Erfurt von König RUDOLF unternommene Versuch, ALBRECHT die Nachfolge zu sichern, misslang, weil der HABSBURGER nicht bereit war, dem PREMYSLIDEN die Ostalpen-Länder zurückzugeben, die sein Vater Ottokar II. innegehabt hatte. König RUDOLF hatte das Wahlrecht des Böhmen-Königs anerkannt und ihm die schlesischen Reichslehen übertragen, erfolglos. Die Belehnung ALBRECHTS mit Ungarn verdarb vollends die Bereitschaft Wenzels II. zur Wahl des HABSBURGERS. Die Fürsten wollten keine Erbmonarchie. ALBRECHTS Lage wurde schwierig, als sich die Steirer mit dem Erzbischof Konrad von Salzburg verbündeten, aber ALBRECHT konnte Anfang 1292 ein bis Bruck an der Mur vorgedrungenes salzburgisch-bayerisches Heer schlagen und Friesach einnehmen. Um freie Hand für den Kampf um die Krone zu gewinnen, bestätigte er die Rechte der Steiermark. Ein Aufstand rief ihn in die habsburgischen Stammlande.
Im Dezember 1292 huldigte er König ADOLF und wurde mit Österreich und der Steiermark belehnt. Die Beziehungen zu Böhmen wurden normalisiert, 1296 die Auseinandersetzung mit Salzburg und Bayern beendet.
Seit Juni 1297 betrieb Erzbischof Gerhard II. von Mainz den Sturz ADOLFS VON NASSAAU. Bei der Aussöhnung zwischen ALBRECHT und Wenzel II. von Böhmen spielte Peter von Aspelt eine wichtige Rolle. Wenzel wurde dadurch für eine Wahl ALBRECHTS gewonnen, dass dieser ihm die Verpfändung der Reichsländer Eger und Pleißen (um Altenburg) in Aussicht stellte und auf die Erfüllung aller vasallitischer Pflichten Böhmens gegen das Reich verzichtete.
In der Schlacht bei Göllheim verlor König ADOLF am 2. Juli 1298 das Leben gegen den HABSBURGER. ALBRECHT bestand auf einer zweiten, förmlichen Wahl, die in Frankfurt stattfand. Gleich ADOLF VON NASSAAU musste sich ALBRECHT die Krone mit großen Zugeständnissen an die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln und auch an Wenzel von Böhmen erkaufen.
Während sich König ADOLF in den Streit zwischen Frankreich und England auf die Seite Eduards I. geschlagen hatte, hatte ALBRECHT seit 1295 Kontakt mit Philipp IV. dem Schönen aufgenommen. Die Begegnung der beiden Könige in Quatrevaux an der Maas (bei Toul) stand unter dem Druck des KAPETINGERS, die französische Grenze nach Osten zu verschieben. Man fürchtete, ALBRECHT wolle wichtige Reichsgebiete preisgeben, um dem Hause HABSBURG die französische Unterstützung bei der Errichtung der Erbmonarchie zu sichern. ALBRECHTS Versuch, einen Erbstreit um die Grafschaft Holland-Seeland zu Gunsten seines Hauses zu wenden, schlug fehl. Frankreich duldete die HABSBURGER nicht an der Rheinmündung.
Die rheinischen Kurfürsten planten im "Kurverein von (Nieder)heimbach" (bei Bingen) am 14. Oktober 1300 die Absetzung ALBRECHTS. Der König ging von der Reichsvogtei Ober-Schwaben aus erfolgreich gegen die rheinischen Kurfürsten vor, zuerst gegen den Pfalzgrafen, dann gegen den Mainzer (Belagerung von Bingen 1302); auch der Kölner musste sich schließlich den Forderungen des Königs zur Preisgabe widerrechtlich errichteter Zölle und Rückgabe von Reichsgut beugen. Nicht zuletzt dank der Hilfe rheinischer Städte, die unter den Zöllen gelitten hatten, war es dem König gelungen, den Kurverein von Niederheimbach zu vernichten.
Obwohl Bonifatius VIII. ALBRECHT nicht anerkannt und ihn bei seinem Streit mit den Kurfürsten schwer bedroht hatte, wahrte ALBRECHT die Ruhe und rechtfertigte sein Verhalten 1302. Die inzwischen aufs äußerste getriebene Spannung zwischen Bonifatius VIII. (Bulle "Unam sanctam" 18. November 1302) und Philipp IV. kam ALBRECHT zugute, der dem Papst einen Treu- und Gehorsamseid leistete und weiter Zugeständnisse machte. Der Tod Bonifatius' VIII. brachte die Wende dieser Politik.

Während ALBRECHT die Nachfolge Wenzels II., des Schwieger-Sohnes Premysl II. von Polen (
1296), und seine Krönung zum König von Polen in Gnesen 1299 hinnahm, trat er der Nachfolge der PREMYSLIDEN in Ungarn (Aussterben der ARPADEN 1301) in der Gestalt Wenzels III. entgegen und entschied sich mit Bonifatius VIII. für Karl Robert von Anjou.
Jetzt soll ALBRECHT von Wenzel all das zurückgefordert haben, womit er 1298 sein Königtum vom Böhmen-König erkauft hatte, nämlich Meißen, Eger-, Oster-, Pleißenland. Wenzel II. sollte ferner auf Schlesien, Polen und Ungarn verzichten. Peter von Aspelt riet Wenzel zu einem Bündnis mit Frankreich. In Ungarn setzte sich Karl Robert von Anjou durch. Während Rudolf III. von Habsburg in Mähren einrückte, marschierte ALBRECHT von Nürnberg auf Budweis, erlitt aber dann vor der Bergstadt Kuttenberg eine Niederlage. Nach dem Tod Wenzels II. (1305) schloss sein Sohn Wenzel III. mit ALBRECHT den Frieden von Prag und verzichtete auf Egerland und Meißen. Als Wenzel III. 1306 ermordet wurde, gab ALBRECHT Böhmen als erledigtes Reichslehen an Rudolf III. von Habsburg, der Wenzels II. Witwe geheiratet hatte. Nach dem Tod Rudolfs III. 1307 verlangte eine böhmische Partei Herzog Heinrich von Kärnten als König. Nachdem ALBRECHT seinen Sohn Rudolf in Böhmen zur Macht verholfen hatte, war er von dort in das Osterland eingebrochen, hatte den Feldzug aber aufgeben müssen. In Erneuerung der Politik König ADOLFS hatte er sich von Landgraf Albrecht den Verkauf Thüringens bestätigen lassen; sein Hauptmann verlor aber 1307 die Schlacht bei Lucka gegen die Söhne des Landgrafen, die die Erneuerung des wettinischen Territoriums von Thüringen bis Meißen betrieben. Weil ALBRECHT die Ansprüche seines Neffen Johann auf den Besitz des Hauses nicht anerkannte, wurde er von diesem meuchlings erstochen.

Literatur:
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NDB I, s.v.
F. Kern, Die »Abtretung« des linken Maasufers an Frankreich durch A. I., MIÖG 31, 1910
F. Baethgen, Die Promissio A.s I. für Bonifaz VIII. (Gedächtnisschr. G. v. Below, 1928), 75-90
A. Hessel, Jbb. des Dt. Reiches unter Kg. A. I. v. Habsburg, 1931
A. Lhotsky, Gesch. Österreichs, 1967
W. Leist, Landesherr und Landfrieden in Thüringen, 1975.


Schwennicke Detlev: Tafel 41
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

ALBRECHT I.
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* VII.1255
ermordet Königsfelden /AG 1.V.1308

Begraben: Wettingen; 1309 Speyer Dom

1282 resp 1283 HERZOG von ÖSTERREICH STEIERMARK KRAIN und der WINDISCHEN MARK
Mainz 24.VI. resp. Frankfurt/M. 27.VII.1298 Wahl, Aachen 24.VII.1298 Krönung

  oo Wien 1274
       ELISABETH VON GÖRZ-TIROL
       * vor 1262
Wien 28.X.1313

Begraben: Königsfelden

Tochter von Graf Meinhard IV. (II.) Graf von Görz und Tirol Herzog von Kärnten


ALBRECHT wurde von seinem Vater behutsam, aber konsequent zur Herrscherpersönlichkeit aufgebaut und 1281 zum Statthalter von Wien ernannt. Am 27.12.1282 wurde er gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf von seinem Vater mit Österreich, Steiermark und Krain belehnt und ab 1283 bestimmte die "Rheinfelder Hausordnung" ALBRECHT zum alleinigen Landesherrn. Vom ersten Tag seiner Regierung an war der führungsstarke und politisch begabte ALBRECHT bestrebt, die landesfürstliche Gewalt in Österreich durchzusetzen. In der Wahl seiner Mittel, dieses Ziel zu erreichen, war er nicht wählerisch. Da die Herrscher der Nachbarländer sich gegen eine Ausweitung der habsburgischen Macht wehrten, musste es zu inneren und äußeren Schwierigkeiten kommen. Hinzu kam die ablehnende Haltung von Adel und Bevölkerung der ehemals babenbergischen Länder. So konnte es nicht ausbleiben, dass es zu Aufständen kam. 1287 erhob sich die Wiener Bürgerschaft gegen die Herrschaft des Herzogs. Der Aufstand wurde mit Gewalt niedergeschlagen. Kaum war der Aufstand in Wien niedergeschlagen, erhoben sich der ober- und niederösterreichische Adel, dem sich der steirische Adel und der Erzbischof Konrad von Salzburg sowie der Herzog von Bayern anschlossen. In einem schnellen Zugriff gelang es ALBRECHT, die Streitkräfte seiner Gegner bei Bruck an der Mur zu zerschlagen. Großzügig verzichtete er auf Repressalien und konnte so seine Herrschaft in den Alpenländern festigen. Die Hoffnungen König RUDOLFS I., einen seiner Söhne noch bei Lebzeiten zu seinem Nachfolger wählen zu lassen, erfüllte sich nicht.
Nach dem Tod des Königs vereitelten die drei geistlichen Kurfürsten den Plan, ALBRECHT zum König zu wählen, da sie sich durch die HABSBURGER territorial bedroht sahen. ALBRECHT huldigte dem am 5.5.1292 gewählten neuen König ADOLF VON NASSAU und händigte ihm die Reichsinsignien aus. Er musste die Wahl akzeptieren, weil er durch Aufstände in seinen eigenen Ländern gebunden war. Von ALBRECHT an konnten sich die HABSBURGER nie damit abfinden, wenn die deutsche Krone einem anderen Geschlecht zufiel. Als er sich 1297 auch noch mit Erzbischof Konrad von Salzburg, Wenzel II. von Böhmen und dem Herzog von Bayern aussöhnte, die bisher den aufständischen österreichischen und steirischen Adel unterstützt hatten, hatte er endlich freie Hand um seinen vermeintlichen Ansprüchen auf die Königskrone Geltung zu verschaffen. Die Kurfürstenversammlung in Mainz (Juni 1298) beschloss die Absetzung König ADOLFS und wählte ALBRECHT, obwohl 1292 übergangen, zum deutschen König.
ALBRECHT
musste den Kurfürsten Zugeständnisse machen und besiegte am 2.7.1298 in der Schlacht bei Göllheim (Rheinpfalz) ADOLFS Heer. Im Jahre 1299 traf sich ALBRECHT I. mit dem französischen König in Quatrevaux bei Toul und schloss mit ihm ein Bündnis. Mit französischer Hilfe und gestützt auf die materiellen Grundlagen des Hauses HABSBURG im Osten, hoffte ALBRECHT, seinen Plan einer Erbmonarchie durchzusetzen. Am 14.10.1300 schlossen sich die vier rheinischen Kurfürsten, die sich durch das französische Bündnis und den - zwar vergeblichen - Griff ALBRECHTS nach Holland und Seeland in ihrer Herrschaft bedroht sahen, im Heimbacher Kurverein zusammen und beschlossen ALBRECHTS Absetzung. In den Jahren 1301-1302 unterwarf ALBRECHTS I. die vier rheinischen Kurfürsten. Durch die Aufgabe aller nach 1250 neu errichteten und erhöhten Rheinzölle und das Privileg zur Bildung von Landfriedensbünden der Städte zog ALBRECHT das rheinische Bürgertum auf seine Seite, schloss mit Basel, Straßburg, Speyer, Worms, Mainz und Köln Bündnisse und konnte das finanzielle und militärische Aufgebot der Städte und des niederen Adels gegen die Kurfürsten nutzbar machen, die nacheinander geschlagen wurden. Die Unterwerfungsverträge der Kurfürsten brachten ihnen erhebliche Einbußen an Zöllen und usurpiertem Reichsgut.
Am 23.5.1304 erneuerte ALBRECHT den Vertrag FRIEDRICHS II. von 1214, das heißt, er trat die Südwest-Küste der Ostsee mit Ausnahme Lübecks an den dänischen König Erich Menved ab.
Durch das Aussterben der Dynastie der PREMYSLIDEN (4.8.1306) bot sich für ALBRECHT die Gelegenheit, Böhmen als erledigtes Reichslehen einzuziehen und mit seinen reichen Bodenschätzen für die HABSBURGER zu erringen. Mit einem Heer in Prag einmarschierend, setzte er die Belehnung seines Sohnes Rudolf (verheiratet mit der Witwe Wenzels II.) mit Böhmen einschließlich der polnischen Ansprüche durch. Damit kamen die HABSBURGER zu einer überwältigenden Hausmacht, die die Oberrheinländer, ein weites Gebiet um Nürnberg, Böhmen, Mähren, Österreich, Steiermark, Krain, Teile von Schlesien und Polen und weitere kleinere, weitverstreute Gebiete umfasste. Darüber hinaus erhielt HABSBURG mit Böhmen erstmals eine eigene Kurstimme, die Pfalz und Sachsen waren auf der HABSBURGER Seite und die rheinischen Kurfürsten waren entmachtet. Die Kaiserkrönung schien nur noch eine Frage des geeigneten Datums zu sein, als völlig überraschend sein Sohn Rudolf am 3.7.1307 im Alter von nur 26 Jahren starb.
Die Herrschaft der HABSBURGER in Böhmen brach unverzüglich zusammen und in der Schlacht bei Lucka (31.5.1307) wurde ALBRECHT I., der die Eroberungspläne seines Vorgängers wiederaufgenommen hatte, von den WETTINERN besiegt. Am 1.5.1308 wurde ALBRECHT während erneuter Rüstungen gegen Meißen-Thüringen und Böhmen-Polen von seinem Neffen Johann (genannt
Parricida
) aus eigensüchtigen Beweggründen - ein seinem Vater versprochenes Fürstentum war ihm noch nicht übergeben worden - in Königsfelden bei Brugg an der Aare ermordet. Mit ALBRECHTS I. Tod schwand die Hoffnung auf ein wiedererstarktes Kaisertum im Deutschen Reich dahin. Die Herrscherpersönlichkeit, sein unbeugsamer Wille, seine Rücksichtslosigkeit, Nüchternheit und sein überragendes politisches Verständnis hätten ihn befähigt, die Überlegenheit seiner Hausmacht auf das Reich zu übertragen. Er war einer der kraftvollsten und temperamentvollsten Persönlichkeiten in der langen Reihe der HABSBURGER. Die Ermordung dieses Mannes gehört zu den größten Unglücksfällen, die die deutsche Geschichte getroffen hat. König ALBRECHT I. ruht zusammen mit seinem Widersacher ADOLF VON NASSAU im Speyerer Dom.

 
DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon: Seite 30-34
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Albrecht I., römisch-deutscher König
* 1255 (wahrscheinlich in der 2. Jahreshälfte),
ermordet 1.5.1308 bei Brugg an der Reuß

Begraben: Zunächst Zisterzienser-Kloster Wettingen, 1309 gemeinsam mit Adolf von Nassau im Dom zu Speyer

Ältester Sohn des Grafen und nachmaligen Königs RUDOLF I. und der Gräfin Gertrud von Hohenberg

Über die Jugendzeit ist nichts bekannt. Entgegen den bisherigen Ansichten erhielt Albrecht jedoch offenkundig eine für Fürsten-Söhne jener Zeit ungewöhnlich sorgfältige Erziehung, denn er konnte schreiben und war vermutlich auch mit den Grundlagen des Lateinischen vertraut. Seit 1274 übte er über das habsburgische Hausgut in den Oberen Landen Herrschaftsrechte aus. Hier befand er sich auch - was seine Vertrauensstellung bezeugt - während des Krieges von König RUDOLF gegen König Premysl Ottokar. Sein nüchterner Sinn und der Blick für das verwaltungstechnisch Wesentliche zeigt sich unter anderem darin, daß er die Aufnahme eines Urbarrs der habsburgischen Hausgüter veranlaßte.
1274 ging er die Ehe mit Elisabeth, der Tochter Meinhards II. von Görz-Tirol, ein, die sich als glücklich erwies. Aus ihr gingen 12 Kinder hervor, die den Interessen der Dynastie entsprechend verheiratet wurden.
1279 ging Albrecht zu König RUDOLF nach Österreich, seit Juli 1280 weilte er in Wien. 1281 wurde er zum Reichsverweser der wieder ans Reich gefallenen Herzogtümer Österreich und Steiermark bestellt.
1291 belehnte ihn König RUDOLF gemeinsam mit seinem minderjährigen Bruder Rudolf zu gesamter Hand mit Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und der Windischen Mark. Kärnten, Krain und die Mark wurden allerdings an Meinhard II. von Görz-Tirol, eine der wichtigsten Stützen König RUDOLFS und Schwieger-Vater Albrechts, verpfändet. 1286 erfolgte nach dem förmlichen Verzicht der HABSBURGER die Belehnung Meinhards mit Kärnten. Da sich die österreichischen und steierischen Stäne vehement gegen die Gesamthand-Herrschaft der beiden Brüder wehrten, übertrug König RUDOLF in der Rheinfelder Hausordnung vom 1. Juni 1283 Albrecht und seinen männlichen Nachkommen die alleinige Herrschaft.
In seinen Territorien setzte Albrecht die Landesherrschaft konsequent gegen den Landadel und das Bürgertum durch, nicht zuletzt  gestützt auf die angefeindeten "Schwaben", Angehörige schwäbischer Ministerialen-Geschlechter, die sein Vertrauen besaßen. Zunächst forcierte er die Revindikation der landesfürstlichen Güter und betrieb die Aufnahme der landesfürstlichen Urbare. Ein Aufstand gegen den Herzog in Wien im Winter 1287/88 wurde niedergeschlagen, dem Adel mochte der Mißerfolg als Warnung dienen. Zudem hatte Albrecht in der Zeit bis zum Tod seines Vaters 1291 den uneingeschränkten Rückhalt beim König. Der Plan, König von Ungarn zu werden - tatsächlich wurde Albrecht 1290 von seinem Vater Ungarn als heimgefallenes Reichslehen schriftlich übertragen - mußte umgehend fallengelassen werden, als nach dem Tod RUDOLFS eine antihabsburgische Koalitionn in den Oberen Landen eine schwierige Situation schuf. Es kam auch zu einer von Salzburg und Bayern unterstützten Erhebung in der Steiermark, die Albrecht durch den kühnen, völlig unerwarteten Vorstoß über den tiefverschneiten Semmering (Februar 1292) und die darauffolgenden, von kluger Konzessionsbereitschaft geprägter Verhandlungen zu beenden wußte. Dann eilte er in die Oberen Lande.
Während dieser Ereignisse liefen Verhandlungen um seine Thronkandidatur, doch die ablehnende Haltung der Kurfürsten machte diese Pläne, die als Propagierung eines erblichen Königtums aufgefaßt werden konnten, zunichte:
1292 wurde Adolf von Nassau gegen bedeutende Zugeständnisse an die Kurfürsten zum König gewählt. Da es Albrecht in den Oberen Landen gelang, die Lage ähnlich wie in der Steiermark in den Griff zu bekommen, entzog er dem neuen König die Möglichkeit, zugunsten der habsburgischen Gegner einzugreifen. Er lieferte ADOLF die Reichsinsignien aus, huldigte ihm im Dezember 1292 in Hagenau und erhielt die Belehnung. Die Aussöhnung mit Böhmen (Ende 1293) befreite Albrecht von einer latenten Gefahr. Die Bedrohung der habsburgischen Machtposition war damit gebannt.
Zu neuerlichen Kriegshandlungen Salzburgs und zu Empörung der österreichischen Landherren führte das Gerücht von Albrechts Ableben im November 1295:
Tatsächlich war er wegen eines akuten Leidens, das man für eine Vergiftung hielt, von den Ärzten an den Füßen aufgehängt worden, um das Gift abfließenn zu lassen. Nach dieser Prozedur, die den Verlust eines Auges bewirkte, wurde er für tot erklärt. Der Aufstand, an dem Wien nicht beteiligte, wurde unterdrückt; 1297 wurde auch mit Salzburg Frieden geschlossen.
Nun war der Weg frei für die Auseinandersetzung mit König ADOLF: ADOLF war wegen seines Versuchs, sich in Thüringen und Meißen eine Hausmacht zu schaffen, in Gegensatz zu  den Kurfürsten geraten, die ihn schließlich absetzten. 1298 verlor ADOLF gegen den zum neuen König gewählten ALBRECHT die Schlacht bei Göllheim und sein Leben. ALBRECHT legte nun den Königstitel nieder und ließ sich 1298 in Frankfurt von allen Kurfürsten gegen beachtliche Wahlversprechen neu wählen. Am 24. August 1298 wurde er in Aachen gekrönt.
Auf seinem ersten Reichshoftag im November 1298 in Nürnberg erneuerte ALBRECHT den Reichslandfrieden und belehnte seine Söhne mit Österreich, Steiermark und Krain. Mit den Kurfürsten geriet er indes bald in einen unüberbrückbaren Gegensatz. Seine Verbindung mit König Philipp IV. von Frankreich, sein Nachgeben gegenüber französischen Ansprüchen (etwa in der Freigrafschaft Burgund unter Wahrung der nominellen Oberhoheit des Reiches), die Ehe zwischen seinem Sohn Rudolf III. und Blanche  von Frankreich, die Halb-Schwester Philipps IV., rief die Kurfürsten auf den Plan. Dazu kam noch sein -  allerdings mißglückter - Versuch, Holland, Seeland
und Friesland als erledigte Reichslehen einzuziehen und einen seiner Söhne damit zu belehnen. In Niederheimbach bei Bingen schlossen die rheinischen Kurfürsten 1300 einen Bund mit dem Ziel, den König abzusetzen. ALBRECHT verstand es aber unter geschicktem Einsatz wirtschaftspolitischer Maßnahmen wie der Aufhebung der Rheinzölle, die rheinischen Städte als Bundesgenossen zu gewinnen und im Laufe von zwei Jahren die Kurfürsten niederzuringen. Erstmals hatte sich ein König gegen die Kurfürsten und ihre partikularistischen Interessen durchgesetzt.
In dieser Situation wandte sich ALBRECHT 1302 neuerlich an Papst Bonifaz VIII., der ihm bisher die Anerkennung verweigert hatte. Der scharfe Konflikt des Papstes mit Philipp von Frankreich macht sein Interesse, ALBRECHT von seinem Bündnis mit Frankreich abzuziehen, verständlich. Obwohl Bonifaz gerade damals in der Bulle "Unam sanctam" in realitätsfremder Übersteigerung des Papalismus den Anspruch auf die päpstliche Allgewalt verkündet hatte, leistete ALBRECHT ihm durch seine Prokuratoren im Konsistorium 1303 den geforderten Treu- und Gehorsamseid und erlangte dafür die Approbation und die Einladung zur Kaiserkrönung. Bevor noch konkrete Schritte in dieser Richtung unternommen werden konnten, starb Bonifaz 1303 an den Folgen des Attentats von Anagni.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Interesse der HABSBURGER an Böhmen und Ungarn. ALBRECHTS angebliche Bemühungen um die Stephanskrone (1290) wurden schon erwähnt. Als die Ungarn sich damals gegen den Papst für Andereas III. entschieden, gab ihm ALBRECHT seine Tochter Agnes zur Gemahlin und gewann ihn als Bundesgenossen gegen ADOLF. Nach dem frühen Tod von Andreas, mit dem die ungarischen ARPADEN ausstarben, kam ALBRECHT der Aufforderung von Bonifaz VIII. nach, Karl Robert von Anjou zu unterstützen, da er sich gegen die Ansprüche der PREMYSLIDEN auf Ungarn stellte.
Im Reichslehen Böhmen herrschte der PREMYSLIDE Wenzel II., der mit ALBRECHTS Schwester Guta (Jutta) vermählt war. Die gegen Polen gerichtete Ausdehnungs-Politik genoß ALBRECHTS Unterstützung, unter anderem durch die Belehnung mit allen künftigen Erwerbungen in Polen (1300). Dem Ausgreifen nach Ungarn versuchte er hingegen ein Riegel vorzuschieben; Wenzel II. starb während des darüber ausgebrochenen Krieges (1305). Wenzel III., der letzte PREMYSLIDE, verzichtete auf Ungarn und wurde von ALBRECHT anerkannt, doch starb er bereits 1306 durch Mord. Nun handelte ALBRECHT rasch, rückte mit seinem ältesten Sohn Rudolf III. in Böhmen ein und erlangte dessen Anerkennung als König von Böhmen. Rudolf III. nahm Elisabeth-Ryksa, die Witwe nach Wenzel II., zur Gemahlin, doch er starb bereits 1307. ALBRECHT gelang es nicht, seinen zweiten Sohn Friedrich, "den Schönen", als König zu etablieren. Offenkundig war der gleichzeitige Kampf um Thüringen und Meißen, die ALBRECHT aufgrund des Verkaufs Thüringens ans Reich beanspruchte, eine zu große Belastung.
Die Absicht, aus den Stammlanden Verstärkungen zu rekrutieren, führten den König in seine Heimat. Während der Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug fiel er 1308 beim Übergang über die Reuß einem Mordanschlag seines Neffen Johann "Parricida" (dem Sohn seines Bruders Rudolf II.), der sich um sein Erbteil geprellt fühlte, zum Opfer.
Damit wurde eine Entwicklung jäh unterbrochen, die zu einem starken Königtum auf der soliden Grundlage einer ausgedehnten Hausmacht hätte führen können. Der ernste und stolze Fürst - die steierische Reimchronik rühmt als seine vier Tugenden Keuschheit, Großmut, Versöhnlichkeit und Wohlanständigkeit - verband den nüchternen Blick für das Wesentliche und Mögliche mit staatsmännischer Begabung und Geduld.

Literatur:
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Regesta habsburgica 2/1: Die Regesten Albrechts I. 1281-1288, bearbeitet von Harold Steinacker (1934); Alfred Hessel, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter König Albrecht I. von Habsburg, München 1931; Alphons Lhotsky, Geschichte Österreichs ... (1281-1358), Wien 1967, 43-168; Winfried Stelzer, Zur Kanzlei der Herzoge von Österreich aus dem Hause Habsburg (1282-1365), in: Landesherrliche Kanzleien im Spätmittelalter, Münchener Beiträge zur Mediavistik und Renaissance-Forschung 35, 1984, 299.
 

24.11.1274
    oo Elisabeth von Görz-Tirol, Tochter des Herzogs Meinhard II.
         um 1262 28.10.1313       

 
 
 

Kinder:

  Rudolf III. König von Böhmen
  um 1282
4.7.1307
  Wien       Horazdowitz bei Prag

  FRIEDRICH (III.) DER SCHÖNE Römisch-Deutscher König
  um 1289
13.1.1330
  Wien       Gutenstein

  Leopold I. der Glorwürdige Herzog von Österreich
  vor 4.8.1290
28.2.1326
  Wien             Straßburg

  Albrecht II. der Weise Herzog von Österreich
  12.12.1298
20.7.1358
  Habsburg    Wien

  Heinrich der Freundliche Herzog von Österreich
  um 1299
3.2.1327
  Wien       Bruck an der Mur

  Meinhard Herzog von Österreich
  um 1300
um 1301
  Wien       Wien

  Otto der Fröhliche Herzog von Österreich
  23.7.1301
17.2.1339
  Wien         Neuburg

  Anna
  um 1280
19.3.1328
  Wien       Breslau

   1295
  1. oo Hermann Markgraf von Brandenburg
          um 1280
1308

    um 1311
  2. oo Heinrich VI. Herzog von Schlesien-Breslau
          28.3.1294
24.11.1335
          Breslau   Breslau

  Agnès
  18.5.1281
10.6.1364
  Wien        Königsfelden

13.2.1296
  oo Andreas III. König von Ungarn
     um 1275
14.1.1301
     Slawonien Stuhlweißenburg

  Elisabeth
  um 1285
19.5.1352
  Wien       Nancy

1306
  oo Friedrich IV. Herzog von Lothringen
     15.4.1282
23.8.1328 gefallen
     Nancy       bei Kassel

  Katharina
  Oktober 1295
18.1.1323
  Wien              Neapel

 1316
  oo Karl Herzog von Kalabrien
     um 1290
10.11.1328
     Neapel     Neapel

  Jutta
  um 1300
März 1329
  Wien       Wien

26.4.1319
   oo Ludwig VII. Graf von Öttingen
      um 1300
29.9.1346
      Harburg  Weitra/Nieder-Österreich
 
 
 
 

Literatur:
-----------
DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon. Piper Verlag GmbH & Co. KG, München 1988 Seite 30-34 - Engel, Evamaria: Albrecht I., In Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 258-266 - Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron, Verlag Styria 1986, Seite 108-286 - Höfer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 128-131 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 104-121 - Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. Bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1994, Seite 42,54,67,75-99 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. Bis Karl I. Verlag Styria Graz Wien Köln, 1982, Seite 10,19,21,24-33,37 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 41 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 89 -