ALBRECHT
I.
Römisch-Deutscher König (1298-1308)
-------------------
Herzog von Österreich und Steiermark (1282-1308)
nach 1255 † 1.5.1308 ermordet
Rheinfelden Königsfelden
Begraben: Kaisergruft im Dom zu Speyer
Ältester Sohn des Römisch-Deutschen
Königs
RUDOLF I. († 15.7.1291)
aus dem Hause HABSBURG
aus
seiner 1. Ehe mit der Gertrud
von Hohenberg, Tochter von Graf
Burchard III.;
Bruder von Graf
Hartmann
von Habsburg († 20.12.1281
ertrunken), Herzog Rudolf II. von
Österreich († 10.5.1290), Graf Karl von
Habsburg († 16.8.1276
),
Königin Clementia
von Ungarn (†- nach 7.2.1293), Königin Jutta (Guta)
von
Böhmen († 18.6.1297), Herzogin Mathilde von Bayern († 23.12.1304), Herzogin Katharina von Nieder-Bayern († 4.4.1282
); Herzogin Agnes Gertrud von
Sachsen-Wittenberg († 11.10.1322) und Markgräfin Hedwig von
Brandenburg († um 1303),
Stief-Bruder von Albrecht von Schenkenberg, Enkel von Graf
Albrecht IV. von
Habsburg
(† 22.11.1240) und
der Heilwigis von Kyburg
Lexikon des Mittelalters: Band I Seite
311
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ALBRECHT I., Deutscher König
--------------------
wahrscheinlich 1255 † 1. Mai 1308 ermordet
bei Brugg an der Reuß (Schweiz)
Mai 1281 "Verweser über Österreich und
über
Steyr", Ende 1282 Herzog zu
Östererich und zu Steyr, Herr
zu Krain, der Mark und zu Portenau, 27. Juli 1298 zum König
gewählt, 24. August 1298 in Aachen gekrönt.
Nach der Wahl seines Vaters zum König trat ALBRECHT
seit
1274 mit wechselnden Titeln als Graf
von Habsburg, primogenitus
oder
einfach filius regis
politisch auf. Nachdem König
Ottokar II. von Böhmen
1276 RUDOLF VON HABSBURG unterlegen
war und auf die Erwerbungen in den Ostalpen-Ländern verzichtet
hatte,
belehnten 1277 bayerische Bischöfe ALBRECHT
und seine Brüder mit Lehen, die früher BABENBERGER und SPANHEIMER
(in Kärnten) innegehabt hatten.
1281 wurde ALBRECHT
von seinem Vater als Reichsverweser eingesetzt
und 1282 zusammen
mit seinem Bruder Rudolf mit dem babenbergischen
Erbe belehnt. In der Rheinfelder Hausordnung von 1283 wurde dieser
Besitz
von den habsburgischen
Stammlanden
am Oberrhein getrennt und ALBRECHT allein
übertragen.
ALBRECHT,
eine
kantige Persönlichkeit, stieß in Österreich und
Steiermark
auf Ablehnung. In Wien, das über den Verlust seiner
Reichsunmittelbarkeit
erbittert war, fand er Widerstand, unterwarf aber die Stadt 1288
wieder.
1290 übertrug ihm König
RUDOLF Ungarn
als heimgefallenes Reichslehen, doch war diese Verleihung unzureichend
begründet und musste schon 1291 wieder zurückgenommen werden,
nicht zuletzt deshalb, weil Papst Nikolaus IV. Ungarn als
Eigentum der
römischen Kirche betrachtete, das angeblich auf Stephan
den Heiligen zurückging.
Der zuletzt 1290 in Erfurt von König
RUDOLF unternommene Versuch, ALBRECHT
die
Nachfolge zu sichern, misslang, weil der HABSBURGER
nicht bereit war, dem PREMYSLIDEN die
Ostalpen-Länder zurückzugeben, die sein Vater Ottokar
II. innegehabt hatte. König
RUDOLF
hatte das Wahlrecht des Böhmen-Königs anerkannt und ihm die
schlesischen
Reichslehen übertragen, erfolglos. Die Belehnung
ALBRECHTS
mit
Ungarn verdarb vollends die Bereitschaft Wenzels
II. zur Wahl des HABSBURGERS.
Die Fürsten wollten keine Erbmonarchie. ALBRECHTS
Lage
wurde schwierig, als sich die Steirer mit dem Erzbischof Konrad von Salzburg
verbündeten, aber ALBRECHT konnte
Anfang 1292 ein bis Bruck an der Mur vorgedrungenes
salzburgisch-bayerisches
Heer schlagen und Friesach einnehmen. Um freie Hand für den Kampf
um die Krone zu gewinnen, bestätigte er die Rechte der Steiermark.
Ein Aufstand rief ihn in die habsburgischen Stammlande.
Im Dezember 1292 huldigte er König
ADOLF
und wurde mit Österreich
und der Steiermark belehnt.
Die Beziehungen zu Böhmen wurden normalisiert, 1296 die
Auseinandersetzung
mit Salzburg und Bayern beendet.
Seit Juni 1297 betrieb Erzbischof Gerhard
II. von Mainz den Sturz
ADOLFS VON NASSAAU.
Bei der Aussöhnung zwischen ALBRECHT
und
Wenzel
II. von Böhmen spielte Peter von Aspelt eine wichtige
Rolle.
Wenzel
wurde dadurch für eine Wahl ALBRECHTS
gewonnen, dass dieser ihm die Verpfändung der Reichsländer
Eger
und Pleißen (um Altenburg) in Aussicht stellte und auf die
Erfüllung
aller vasallitischer Pflichten Böhmens gegen das Reich
verzichtete.
In der Schlacht bei Göllheim verlor König
ADOLF am 2. Juli 1298 das Leben gegen den HABSBURGER.
ALBRECHT
bestand auf einer zweiten, förmlichen Wahl, die in Frankfurt
stattfand.
Gleich ADOLF VON NASSAAU musste sich
ALBRECHT die
Krone mit großen Zugeständnissen an die Erzbischöfe von
Mainz, Trier und Köln und auch an Wenzel von Böhmen erkaufen.
Während sich König ADOLF in
den Streit zwischen Frankreich und England auf die Seite Eduards
I. geschlagen hatte, hatte ALBRECHT
seit
1295 Kontakt mit
Philipp IV. dem Schönen
aufgenommen.
Die Begegnung der beiden Könige in Quatrevaux an der Maas (bei
Toul)
stand unter dem Druck des KAPETINGERS,
die französische Grenze nach Osten zu verschieben. Man
fürchtete,
ALBRECHT
wolle
wichtige Reichsgebiete preisgeben, um dem Hause
HABSBURG die französische Unterstützung bei der
Errichtung
der Erbmonarchie zu sichern. ALBRECHTS
Versuch,
einen Erbstreit um die Grafschaft Holland-Seeland zu Gunsten seines
Hauses
zu wenden, schlug fehl. Frankreich duldete die HABSBURGER
nicht an der Rheinmündung.
Die rheinischen Kurfürsten planten
im "Kurverein von (Nieder)heimbach" (bei Bingen) am 14. Oktober 1300
die
Absetzung ALBRECHTS. Der König
ging von der Reichsvogtei Ober-Schwaben aus erfolgreich gegen die
rheinischen
Kurfürsten vor, zuerst gegen den Pfalzgrafen, dann gegen den
Mainzer
(Belagerung von Bingen 1302); auch der Kölner musste sich
schließlich
den Forderungen des Königs zur Preisgabe widerrechtlich
errichteter
Zölle und Rückgabe von Reichsgut beugen. Nicht zuletzt dank
der
Hilfe rheinischer Städte, die unter den Zöllen gelitten
hatten,
war es dem König gelungen, den Kurverein von Niederheimbach zu
vernichten.
Obwohl Bonifatius VIII. ALBRECHT nicht
anerkannt und ihn bei seinem Streit mit den Kurfürsten schwer
bedroht
hatte, wahrte ALBRECHT die Ruhe und
rechtfertigte sein Verhalten 1302. Die inzwischen aufs
äußerste
getriebene Spannung zwischen Bonifatius
VIII. (Bulle "Unam sanctam"
18.
November 1302) und Philipp IV. kam
ALBRECHT
zugute, der dem Papst einen Treu- und Gehorsamseid leistete und weiter
Zugeständnisse machte. Der Tod Bonifatius' VIII. brachte die
Wende
dieser Politik.
Während ALBRECHT
die
Nachfolge Wenzels II., des
Schwieger-Sohnes
Premysl II. von Polen († 1296), und
seine Krönung zum König von Polen in Gnesen 1299 hinnahm,
trat
er der Nachfolge der PREMYSLIDEN in
Ungarn (Aussterben der ARPADEN 1301)
in der Gestalt Wenzels III. entgegen
und entschied sich mit Bonifatius
VIII. für
Karl
Robert von Anjou.
Jetzt soll ALBRECHT von
Wenzel
all das zurückgefordert haben, womit er 1298 sein
Königtum
vom Böhmen-König erkauft hatte, nämlich Meißen,
Eger-,
Oster-, Pleißenland. Wenzel II. sollte
ferner auf Schlesien, Polen und Ungarn verzichten. Peter von Aspelt riet
Wenzel zu einem Bündnis mit
Frankreich.
In Ungarn setzte sich Karl Robert von Anjou
durch. Während Rudolf III. von Habsburg
in Mähren einrückte, marschierte
ALBRECHT von
Nürnberg auf Budweis, erlitt aber dann vor der Bergstadt
Kuttenberg
eine Niederlage. Nach dem Tod Wenzels II. (1305)
schloss sein Sohn Wenzel III. mit ALBRECHT
den
Frieden von Prag und verzichtete auf Egerland und Meißen. Als Wenzel
III. 1306 ermordet wurde, gab ALBRECHT
Böhmen
als erledigtes Reichslehen an Rudolf III. von
Habsburg, der Wenzels II. Witwe
geheiratet hatte. Nach dem Tod Rudolfs III.
1307 verlangte eine böhmische Partei Herzog
Heinrich von Kärnten als König. Nachdem ALBRECHT
seinen Sohn Rudolf in Böhmen zur
Macht verholfen hatte, war er von dort in das Osterland eingebrochen,
hatte
den Feldzug aber aufgeben müssen. In Erneuerung der Politik König
ADOLFS hatte er sich von
Landgraf Albrecht
den Verkauf Thüringens
bestätigen lassen; sein Hauptmann verlor aber 1307 die Schlacht
bei
Lucka gegen die Söhne des Landgrafen, die die Erneuerung des wettinischen
Territoriums von Thüringen bis Meißen betrieben. Weil
ALBRECHT
die
Ansprüche seines Neffen Johann
auf den Besitz des Hauses nicht anerkannte, wurde er von diesem
meuchlings
erstochen.
Literatur:
-----------
NDB I, s.v.
F. Kern, Die »Abtretung« des linken Maasufers an Frankreich
durch A. I., MIÖG 31, 1910
F. Baethgen, Die Promissio A.s I. für Bonifaz VIII.
(Gedächtnisschr. G. v. Below, 1928), 75-90
A. Hessel, Jbb. des Dt. Reiches unter Kg. A. I. v. Habsburg, 1931
A. Lhotsky, Gesch. Österreichs, 1967
W. Leist, Landesherr und Landfrieden in Thüringen, 1975.
Schwennicke Detlev: Tafel 41
******************
"Europäische
Stammtafeln
Neue Folge Band I. 1"
ALBRECHT
I.
--------------------
* VII.1255 † ermordet Königsfelden /AG 1.V.1308
Begraben: Wettingen; 1309 Speyer Dom
1282 resp 1283 HERZOG von ÖSTERREICH STEIERMARK KRAIN
und der WINDISCHEN MARK
Mainz 24.VI. resp. Frankfurt/M. 27.VII.1298 Wahl, Aachen 24.VII.1298
Krönung
oo Wien 1274
ELISABETH VON GÖRZ-TIROL
* vor 1262 † Wien 28.X.1313
Begraben:
Königsfelden
Tochter von Graf Meinhard IV. (II.) Graf von Görz und Tirol Herzog von
Kärnten
ALBRECHT
wurde
von seinem Vater behutsam, aber konsequent zur
Herrscherpersönlichkeit
aufgebaut und 1281 zum Statthalter
von Wien ernannt. Am 27.12.1282 wurde
er gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf von
seinem Vater mit Österreich,
Steiermark und Krain belehnt
und ab 1283 bestimmte die "Rheinfelder Hausordnung" ALBRECHT
zum alleinigen Landesherrn. Vom ersten Tag seiner Regierung an war der
führungsstarke und politisch begabte
ALBRECHT
bestrebt,
die landesfürstliche Gewalt in Österreich durchzusetzen. In
der
Wahl seiner Mittel, dieses Ziel zu erreichen, war er nicht
wählerisch.
Da die Herrscher der Nachbarländer sich gegen eine Ausweitung der
habsburgischen
Macht wehrten, musste es zu inneren und äußeren
Schwierigkeiten
kommen. Hinzu kam die ablehnende Haltung von Adel und Bevölkerung
der ehemals babenbergischen
Länder. So konnte es nicht ausbleiben,
dass es zu Aufständen kam. 1287 erhob sich die Wiener
Bürgerschaft
gegen die Herrschaft des Herzogs. Der Aufstand wurde mit Gewalt
niedergeschlagen.
Kaum war der Aufstand in Wien niedergeschlagen, erhoben sich der ober-
und niederösterreichische Adel, dem sich der steirische Adel und
der
Erzbischof Konrad von Salzburg sowie der Herzog von Bayern
anschlossen.
In einem schnellen Zugriff gelang es ALBRECHT,
die Streitkräfte seiner Gegner bei Bruck an der Mur zu
zerschlagen.
Großzügig verzichtete er auf Repressalien und konnte so
seine
Herrschaft in den Alpenländern festigen. Die Hoffnungen König
RUDOLFS I., einen seiner Söhne noch bei Lebzeiten zu seinem
Nachfolger wählen zu lassen, erfüllte sich nicht.
Nach dem Tod
des Königs vereitelten die drei geistlichen Kurfürsten den
Plan, ALBRECHT zum
König zu wählen, da sie sich durch die
HABSBURGER
territorial bedroht sahen. ALBRECHT
huldigte
dem am 5.5.1292 gewählten neuen König
ADOLF VON NASSAU und händigte ihm die Reichsinsignien aus.
Er musste die Wahl akzeptieren, weil er durch Aufstände in seinen
eigenen Ländern gebunden war. Von ALBRECHT
an
konnten sich die HABSBURGER nie damit
abfinden, wenn die deutsche Krone einem anderen Geschlecht zufiel. Als
er sich 1297 auch noch mit Erzbischof
Konrad von Salzburg,
Wenzel
II. von Böhmen und dem Herzog
von Bayern
aussöhnte,
die bisher den aufständischen österreichischen und
steirischen
Adel unterstützt hatten, hatte er endlich freie Hand um seinen
vermeintlichen
Ansprüchen auf die Königskrone Geltung zu verschaffen. Die
Kurfürstenversammlung
in Mainz (Juni 1298) beschloss die Absetzung König
ADOLFS und wählte ALBRECHT,
obwohl 1292 übergangen, zum deutschen
König.
ALBRECHT
musste
den Kurfürsten Zugeständnisse machen und besiegte am 2.7.1298
in der Schlacht bei Göllheim (Rheinpfalz) ADOLFS
Heer. Im Jahre 1299 traf sich ALBRECHT I. mit
dem französischen König in Quatrevaux bei Toul und schloss
mit
ihm ein Bündnis. Mit französischer Hilfe und gestützt
auf
die materiellen Grundlagen des Hauses HABSBURG
im
Osten, hoffte ALBRECHT, seinen Plan
einer Erbmonarchie durchzusetzen. Am 14.10.1300 schlossen sich die vier
rheinischen Kurfürsten, die sich durch das französische
Bündnis
und den - zwar vergeblichen - Griff ALBRECHTS
nach Holland und Seeland in ihrer Herrschaft bedroht sahen, im
Heimbacher
Kurverein zusammen und beschlossen ALBRECHTS Absetzung.
In den Jahren 1301-1302 unterwarf ALBRECHTS
I. die vier rheinischen
Kurfürsten.
Durch die Aufgabe aller nach 1250 neu errichteten und erhöhten
Rheinzölle
und das Privileg zur Bildung von Landfriedensbünden der
Städte
zog ALBRECHT
das rheinische Bürgertum
auf seine Seite, schloss mit Basel, Straßburg, Speyer, Worms,
Mainz
und Köln Bündnisse und konnte das finanzielle und
militärische
Aufgebot der Städte und des niederen Adels gegen die
Kurfürsten
nutzbar machen, die nacheinander geschlagen wurden. Die
Unterwerfungsverträge
der Kurfürsten brachten ihnen erhebliche Einbußen an
Zöllen
und usurpiertem Reichsgut.
Am 23.5.1304 erneuerte ALBRECHT
den
Vertrag FRIEDRICHS II. von 1214, das
heißt, er trat die Südwest-Küste der Ostsee mit
Ausnahme Lübecks
an den dänischen
König Erich Menved
ab.
Durch das Aussterben der Dynastie
der PREMYSLIDEN
(4.8.1306) bot sich für ALBRECHT die
Gelegenheit, Böhmen als erledigtes Reichslehen einzuziehen und mit
seinen reichen Bodenschätzen für die HABSBURGER
zu erringen. Mit einem Heer in Prag einmarschierend, setzte er die
Belehnung
seines Sohnes Rudolf (verheiratet mit
der Witwe Wenzels II.) mit Böhmen
einschließlich der polnischen Ansprüche durch. Damit kamen
die
HABSBURGER zu
einer überwältigenden Hausmacht, die die
Oberrheinländer,
ein weites Gebiet um Nürnberg, Böhmen, Mähren,
Österreich,
Steiermark, Krain, Teile von Schlesien und Polen und weitere kleinere,
weitverstreute Gebiete umfasste. Darüber hinaus erhielt HABSBURG
mit Böhmen erstmals eine eigene Kurstimme, die Pfalz und Sachsen
waren
auf der HABSBURGER Seite und die
rheinischen
Kurfürsten waren entmachtet. Die Kaiserkrönung schien nur
noch
eine Frage des geeigneten Datums zu sein, als völlig
überraschend
sein Sohn Rudolf am 3.7.1307 im Alter
von nur 26 Jahren starb.
Die Herrschaft der
HABSBURGER
in Böhmen brach unverzüglich zusammen und in der Schlacht bei
Lucka (31.5.1307) wurde ALBRECHT I.,
der die Eroberungspläne seines Vorgängers wiederaufgenommen
hatte,
von den WETTINERN
besiegt. Am 1.5.1308 wurde ALBRECHT
während erneuter Rüstungen gegen Meißen-Thüringen
und Böhmen-Polen von seinem Neffen Johann
(genannt
Parricida) aus eigensüchtigen
Beweggründen - ein
seinem
Vater versprochenes Fürstentum war ihm noch nicht übergeben
worden
- in Königsfelden bei Brugg an der Aare ermordet. Mit ALBRECHTS
I. Tod schwand die Hoffnung auf ein wiedererstarktes Kaisertum
im Deutschen Reich dahin. Die Herrscherpersönlichkeit, sein
unbeugsamer
Wille, seine Rücksichtslosigkeit, Nüchternheit und sein
überragendes
politisches Verständnis hätten ihn befähigt, die
Überlegenheit
seiner Hausmacht auf das Reich zu übertragen. Er war einer der
kraftvollsten
und temperamentvollsten Persönlichkeiten in der langen Reihe der HABSBURGER.
Die Ermordung dieses Mannes gehört zu den größten
Unglücksfällen,
die die deutsche Geschichte getroffen hat. König
ALBRECHT I. ruht zusammen mit seinem Widersacher ADOLF
VON NASSAU im Speyerer Dom.
DIE
HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon: Seite 30-34
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Albrecht I., römisch-deutscher König
* 1255 (wahrscheinlich in der 2. Jahreshälfte), † ermordet 1.5.1308 bei Brugg an der Reuß
Begraben: Zunächst Zisterzienser-Kloster Wettingen, 1309 gemeinsam
mit Adolf von Nassau im Dom zu Speyer
Ältester Sohn des Grafen
und nachmaligen Königs RUDOLF I. und der Gräfin Gertrud von Hohenberg
Über die Jugendzeit ist nichts bekannt. Entgegen den bisherigen
Ansichten erhielt Albrecht
jedoch offenkundig eine für Fürsten-Söhne jener Zeit
ungewöhnlich sorgfältige Erziehung, denn er konnte schreiben
und war vermutlich auch mit den Grundlagen des Lateinischen vertraut.
Seit 1274 übte er über das habsburgische Hausgut in den
Oberen Landen Herrschaftsrechte aus. Hier befand er sich auch - was
seine Vertrauensstellung bezeugt - während des Krieges von König RUDOLF gegen König Premysl Ottokar. Sein
nüchterner Sinn und der Blick für das verwaltungstechnisch
Wesentliche zeigt sich unter anderem darin, daß er die Aufnahme
eines Urbarrs der habsburgischen Hausgüter
veranlaßte.
1274 ging er die Ehe mit Elisabeth,
der Tochter Meinhards II. von
Görz-Tirol, ein, die sich als glücklich erwies. Aus
ihr gingen 12 Kinder hervor, die den Interessen der Dynastie
entsprechend verheiratet wurden.
1279 ging Albrecht zu König RUDOLF nach Österreich,
seit Juli 1280 weilte er in Wien. 1281 wurde er zum Reichsverweser der wieder ans Reich
gefallenen Herzogtümer
Österreich und Steiermark bestellt.
1291 belehnte ihn König RUDOLF gemeinsam mit seinem
minderjährigen Bruder Rudolf
zu gesamter Hand mit Österreich,
Steiermark, Kärnten, Krain und der Windischen Mark.
Kärnten, Krain und die Mark wurden allerdings an Meinhard II. von Görz-Tirol,
eine der wichtigsten Stützen König
RUDOLFS und
Schwieger-Vater Albrechts,
verpfändet. 1286 erfolgte nach dem förmlichen Verzicht der HABSBURGER die Belehnung Meinhards mit Kärnten. Da
sich die österreichischen und steierischen Stäne vehement
gegen die Gesamthand-Herrschaft der beiden Brüder wehrten,
übertrug König RUDOLF in der Rheinfelder
Hausordnung vom 1. Juni 1283 Albrecht
und seinen männlichen Nachkommen die alleinige Herrschaft.
In seinen Territorien setzte Albrecht
die Landesherrschaft konsequent gegen den Landadel und das
Bürgertum durch, nicht zuletzt gestützt auf die
angefeindeten "Schwaben", Angehörige schwäbischer
Ministerialen-Geschlechter, die sein Vertrauen besaßen.
Zunächst forcierte er die Revindikation der landesfürstlichen
Güter und betrieb die Aufnahme der landesfürstlichen Urbare.
Ein Aufstand gegen den Herzog in
Wien im Winter 1287/88 wurde
niedergeschlagen, dem Adel mochte der Mißerfolg als Warnung
dienen. Zudem hatte Albrecht
in der Zeit bis zum Tod seines Vaters 1291
den uneingeschränkten Rückhalt beim König. Der Plan,
König von Ungarn zu
werden - tatsächlich wurde Albrecht
1290
von seinem Vater Ungarn als heimgefallenes Reichslehen schriftlich
übertragen - mußte umgehend fallengelassen werden, als nach
dem Tod RUDOLFS eine antihabsburgische Koalitionn in den
Oberen Landen
eine schwierige Situation schuf. Es kam auch zu einer von Salzburg und
Bayern unterstützten Erhebung in der Steiermark, die Albrecht
durch den kühnen, völlig unerwarteten Vorstoß über
den tiefverschneiten Semmering (Februar 1292) und die darauffolgenden,
von kluger Konzessionsbereitschaft geprägter Verhandlungen zu
beenden wußte. Dann eilte er in die Oberen Lande.
Während dieser Ereignisse liefen Verhandlungen um seine
Thronkandidatur, doch die ablehnende Haltung der Kurfürsten machte
diese Pläne, die als Propagierung eines erblichen Königtums
aufgefaßt werden konnten, zunichte:
1292 wurde Adolf von Nassau
gegen bedeutende Zugeständnisse an die
Kurfürsten zum König gewählt. Da es Albrecht in den
Oberen Landen gelang, die Lage ähnlich wie in der Steiermark in
den Griff zu bekommen, entzog er dem neuen König die
Möglichkeit, zugunsten der habsburgischen
Gegner einzugreifen. Er
lieferte ADOLF die
Reichsinsignien aus, huldigte ihm im Dezember 1292
in Hagenau und erhielt die Belehnung. Die Aussöhnung mit
Böhmen (Ende 1293) befreite Albrecht
von einer latenten Gefahr.
Die Bedrohung der habsburgischen
Machtposition war damit gebannt.
Zu neuerlichen Kriegshandlungen Salzburgs und zu Empörung
der österreichischen Landherren führte das Gerücht von
Albrechts Ableben im
November 1295:
Tatsächlich war er wegen eines
akuten Leidens, das man für eine Vergiftung hielt, von den
Ärzten an den Füßen aufgehängt worden, um das Gift
abfließenn zu lassen. Nach dieser Prozedur, die den Verlust
eines Auges bewirkte, wurde er für tot erklärt. Der Aufstand,
an dem Wien nicht beteiligte, wurde unterdrückt; 1297 wurde auch
mit Salzburg Frieden geschlossen.
Nun war der Weg frei für die Auseinandersetzung mit König
ADOLF: ADOLF war
wegen seines Versuchs, sich in Thüringen und
Meißen eine Hausmacht zu schaffen, in Gegensatz zu den
Kurfürsten geraten, die ihn schließlich absetzten. 1298
verlor ADOLF gegen den zum
neuen König gewählten ALBRECHT
die
Schlacht bei Göllheim und sein Leben. ALBRECHT legte nun den
Königstitel nieder und ließ sich 1298 in Frankfurt von allen
Kurfürsten gegen beachtliche Wahlversprechen neu
wählen. Am 24. August 1298 wurde er in Aachen gekrönt.
Auf seinem ersten Reichshoftag im November 1298 in Nürnberg
erneuerte ALBRECHT den
Reichslandfrieden und belehnte seine Söhne
mit Österreich, Steiermark und Krain. Mit den Kurfürsten
geriet er indes bald in einen unüberbrückbaren Gegensatz.
Seine Verbindung mit König Philipp IV. von Frankreich, sein
Nachgeben gegenüber französischen Ansprüchen (etwa in
der Freigrafschaft Burgund unter Wahrung der nominellen Oberhoheit des
Reiches), die Ehe zwischen seinem Sohn Rudolf
III. und Blanche
von Frankreich, die Halb-Schwester
Philipps IV., rief die
Kurfürsten auf den Plan. Dazu kam noch sein - allerdings
mißglückter - Versuch, Holland, Seeland
und Friesland als erledigte Reichslehen einzuziehen und einen seiner
Söhne damit zu belehnen. In Niederheimbach bei Bingen schlossen
die rheinischen Kurfürsten 1300 einen Bund mit dem Ziel, den
König abzusetzen. ALBRECHT
verstand es aber unter
geschicktem Einsatz wirtschaftspolitischer Maßnahmen wie der
Aufhebung der Rheinzölle, die rheinischen Städte als
Bundesgenossen zu gewinnen und im Laufe von zwei Jahren die
Kurfürsten niederzuringen. Erstmals hatte sich ein König
gegen die Kurfürsten und ihre partikularistischen Interessen
durchgesetzt.
In dieser Situation wandte sich ALBRECHT
1302 neuerlich an Papst
Bonifaz VIII., der
ihm bisher die Anerkennung verweigert hatte. Der
scharfe Konflikt des Papstes mit Philipp
von Frankreich macht
sein Interesse, ALBRECHT
von seinem Bündnis mit Frankreich
abzuziehen, verständlich. Obwohl Bonifaz gerade damals in der
Bulle "Unam sanctam" in
realitätsfremder Übersteigerung des
Papalismus den Anspruch auf die päpstliche Allgewalt
verkündet hatte, leistete ALBRECHT
ihm durch seine Prokuratoren im
Konsistorium 1303 den geforderten Treu- und Gehorsamseid und erlangte
dafür die Approbation und die Einladung
zur Kaiserkrönung.
Bevor noch konkrete Schritte in dieser Richtung unternommen werden
konnten, starb Bonifaz 1303
an den Folgen des Attentats von Anagni.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Interesse der HABSBURGER an
Böhmen und Ungarn. ALBRECHTS
angebliche Bemühungen um die
Stephanskrone (1290) wurden schon erwähnt. Als die Ungarn sich
damals gegen den Papst für Andereas
III. entschieden, gab ihm
ALBRECHT seine Tochter Agnes
zur Gemahlin und gewann ihn als
Bundesgenossen gegen ADOLF.
Nach dem frühen Tod von Andreas,
mit
dem die ungarischen ARPADEN ausstarben,
kam ALBRECHT der
Aufforderung
von Bonifaz VIII. nach, Karl Robert von Anjou zu
unterstützen, da
er sich gegen die Ansprüche der PREMYSLIDEN auf Ungarn stellte.
Im Reichslehen Böhmen herrschte der PREMYSLIDE Wenzel II., der
mit ALBRECHTS Schwester Guta (Jutta) vermählt war.
Die gegen Polen
gerichtete Ausdehnungs-Politik genoß ALBRECHTS
Unterstützung, unter anderem durch die Belehnung mit allen
künftigen Erwerbungen in Polen (1300). Dem Ausgreifen nach Ungarn
versuchte er hingegen ein Riegel vorzuschieben; Wenzel II. starb
während des darüber ausgebrochenen Krieges (1305). Wenzel
III., der letzte PREMYSLIDE, verzichtete auf
Ungarn und wurde von
ALBRECHT anerkannt, doch
starb er bereits 1306 durch Mord. Nun handelte
ALBRECHT rasch, rückte
mit seinem ältesten Sohn Rudolf
III.
in Böhmen ein und erlangte dessen Anerkennung als König von
Böhmen. Rudolf III.
nahm Elisabeth-Ryksa, die
Witwe nach Wenzel
II., zur Gemahlin, doch er starb bereits 1307. ALBRECHT gelang es
nicht, seinen zweiten Sohn Friedrich,
"den Schönen", als
König zu etablieren. Offenkundig war der gleichzeitige Kampf um
Thüringen und Meißen, die ALBRECHT aufgrund des Verkaufs
Thüringens ans Reich beanspruchte, eine zu große Belastung.
Die Absicht, aus den Stammlanden Verstärkungen zu rekrutieren,
führten den König in seine Heimat. Während der
Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug fiel er 1308 beim Übergang
über die Reuß einem Mordanschlag seines Neffen Johann
"Parricida" (dem Sohn seines Bruders Rudolf II.), der sich um sein
Erbteil geprellt fühlte, zum Opfer.
Damit wurde eine Entwicklung jäh unterbrochen, die zu einem
starken Königtum auf der soliden Grundlage einer ausgedehnten
Hausmacht hätte führen können. Der ernste und stolze
Fürst - die steierische Reimchronik rühmt als seine vier
Tugenden Keuschheit, Großmut, Versöhnlichkeit und
Wohlanständigkeit - verband den nüchternen Blick für das
Wesentliche und Mögliche mit staatsmännischer Begabung und
Geduld.
Literatur:
------------
Regesta habsburgica 2/1: Die Regesten Albrechts I. 1281-1288,
bearbeitet von Harold Steinacker (1934); Alfred Hessel, Jahrbücher
des Deutschen Reiches unter König Albrecht I. von Habsburg,
München 1931; Alphons Lhotsky, Geschichte Österreichs ...
(1281-1358), Wien 1967, 43-168; Winfried Stelzer, Zur Kanzlei der
Herzoge von Österreich aus dem Hause Habsburg (1282-1365), in:
Landesherrliche Kanzleien im Spätmittelalter, Münchener
Beiträge zur Mediavistik und Renaissance-Forschung 35, 1984, 299.
24.11.1274
oo Elisabeth von
Görz-Tirol,
Tochter des Herzogs Meinhard II.
um 1262 † 28.10.1313
Kinder:
Rudolf III. König von
Böhmen
um 1282 † 4.7.1307
Wien
Horazdowitz bei Prag
FRIEDRICH (III.) DER
SCHÖNE Römisch-Deutscher König
um 1289 † 13.1.1330
Wien
Gutenstein
Leopold I. der Glorwürdige
Herzog von Österreich
vor 4.8.1290 † 28.2.1326
Wien
Straßburg
Albrecht II. der Weise Herzog
von Österreich
12.12.1298 † 20.7.1358
Habsburg Wien
Heinrich der Freundliche Herzog
von Österreich
um 1299 † 3.2.1327
Wien
Bruck an der Mur
Meinhard Herzog von
Österreich
um 1300 † um 1301
Wien
Wien
Otto der Fröhliche Herzog
von Österreich
23.7.1301 † 17.2.1339
Wien Neuburg
Anna
um 1280 † 19.3.1328
Wien
Breslau
1295
1. oo Hermann Markgraf von Brandenburg
um 1280 † 1308
um 1311
2. oo Heinrich VI. Herzog von
Schlesien-Breslau
28.3.1294 † 24.11.1335
Breslau Breslau
Agnès
18.5.1281 † 10.6.1364
Wien Königsfelden
13.2.1296
oo Andreas III. König von Ungarn
um 1275 † 14.1.1301
Slawonien
Stuhlweißenburg
Elisabeth
um 1285 † 19.5.1352
Wien
Nancy
1306
oo Friedrich IV. Herzog von Lothringen
15.4.1282 † 23.8.1328 gefallen
Nancy
bei Kassel
Katharina
Oktober 1295 † 18.1.1323
Wien
Neapel
1316
oo Karl Herzog von Kalabrien
um 1290 † 10.11.1328
Neapel Neapel
Jutta
um 1300 † März 1329
Wien
Wien
26.4.1319
oo Ludwig VII. Graf von
Öttingen
um 1300 † 29.9.1346
Harburg
Weitra/Nieder-Österreich
Literatur:
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DIE
HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon.
Piper
Verlag GmbH & Co. KG, München 1988 Seite 30-34 -
Engel, Evamaria: Albrecht I., In
Deutsche
Könige
und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 258-266
-
Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen
Thron, Verlag Styria 1986, Seite 108-286 - Höfer, Manfred:
Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen
1994,
Seite 128-131 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser.
Die
Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen
bis
Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 104-121 - Krieger,
Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. Bis
Friedrich
III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1994, Seite
42,54,67,75-99
- Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. Bis Karl
I. Verlag Styria Graz Wien Köln, 1982, Seite 10,19,21,24-33,37 - Schwennicke
Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio
Klostermann
GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 41 - Thiele, Andreas:
Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I,
Teilband
1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 89 -