EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XII
Tafel
57-60
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2118
********************
Helfenstein, Grafen von
------------------------------
Erste nachweisbare Mitglieder der sich nach der oberhalb von
Geislingen/Steige gelegenen Burg nennenden Familie waren Eberhard (Anfang 12.
Jahrhundert) und sein gleichnamiger Sohn (um 1140).
Ludwig von Helfenstein (1171-1200
nachgewiesen), der als Stammvater gilt, wird mit dem 1147 zusammen mit
seinem Vater Rudolf und
seinem Bruder Gottfried,
Bischof von Würzburg,
erwähnten Ludwig von
Spitzenberg (Burg
bei Geislingen/Steige) identifiziert.
Die sich im 13. Jahrhundert in einen
Sigmaringer, Spitzenberger (beide im 13.
Jahrhundert erloschen) und einen Helfensteiner
Zweig aufspaltende
Familie hatte umfangreiche Güter auf der
Schwäbischen Alb zwischen Geislingen/Steige (dort reiche
Zolleinkünfte), Ulm und Heidenheim sowie im Donautal um
Sigmaringen.
Der Helfensteiner Zweig erwarb um 1258 große
Teile des um Ulm
herum gelegenen Besitzes der Grafen von Dillingen und erreichte damit
einen Höhepunkt seiner Macht.
Die von den Vettern Ulrich dem
Älteren († 1372) und
Ulrich dem Jüngeren († 1361; durch Heirat mit Maria
von Bosnien verschwägert mit dem ungarischen Herrscher-Haus der ANJOU),
beide Landvögte in Ober-Schwaben, 1356 vorgenommene Teilung der
Familiengüter in eine Blaubeurer
und eine Wiesensteiger
Linie
sorgte für einen raschen Niedergang.
Die Blaubeurer Linie
verkaufte die ihr als österrische Erblehen verbliebene Herrschaft
Blaubeuren mit der Klostervogtei 1447 an Württemberg und ebenso
1448
die Herrschaft Heidenheim mit den Klostervogteien Anhausen,
Herbrechtingen
und Königsbronn. Sie erlosch 1517.
Die Wiesensteiger Linie
mußte 1396 wegen ihrer Schulden die Stammburg mit dem
gesamten
Besitz auf der Ulmer Alb und der Vogtei über das Kloster Elchingen
an
die Stadt Ulm verkaufen. Sie erlosch 1627.
I. Eberl
Quellen und Literatur:
----------------------------
H.F. Kerler, Gesch. der Gf.en v. H., 1840 [mit Urkk.]
C. F. v. Stälin, Württ. Gesch. II, 1847, 388-399; III,
1856, 660-666
Kl. Blaubeuren 1085-1985 (Benediktin. Erbe und evangel.
Seminartradition, hg. I. Eberl, 1985).
Nach der Burg Helfenstein nannten sich,
durch Aufzeichnungen
der Klöster Hirsau und Zwiefalten uns überliefert, in der 1.
Hälfte des 12. Jahrhunderts zwei Eberharde, Vater und Sohn
(um 1113 und um 1140), deren Geschlecht sowohl hinsichtlich seines
Ursprungs,
als der Art seines Erlöschens urkundlich nicht feststeht. In der
2.
Hälfte des Jahrhunderts, erstmals im Jahre 1171, dagegen erscheint
nach dieser Burg benannte Graf Ludwig,
Sohn eines gegen die
Mitte
des Jahrhunderts (um 1135 und 1147) vorkommenden Rudolf von
Sigmaringen
und Spitzenberg,
vielleicht der Gemahl einer Erb-Tochter des ersten
Geschlechtes. Auch Graf von Sigmaringen genannt und wohl in Verbindung
mit seinem Vater bereits im Jahre 1147 erwähnt, scheint Ludwig
dem
Geschlechte der Herren von Sigmaringen angehört
zu haben, welche
seit
dem Jahre 1083 in mehreren Gliedern erwähnt, in neuerer Zeit aus
einer
Eheverbindung der Grafen-Häuser
ALTHAUSAEN und BREGENZ hergeleitet
werden
und nach dem Beginne des 12. Jahrhunderts auch von Spitzenberg
heißen.
Sowohl jene älteren Herren von
Helfenstein,
als auch die neueren Sigmaringen-Helfenstein,
diese durch die Stamm-Mutter, werden vielfach auf dem Ende des 11. und
Anfang
des 12. Jahrhunderts angehörigen Eberhard von Metzingen
zurückgeführt.
Der genannte Graf Ludwig fand sich häufig
am Hoflager Kaiser
FRIEDRICHS I. ein,
unterzeichnete den berühmten Konstanzer Frieden vom Jahre 1183,
beteiligte
sich in hervorragender Weise am Kreuzzuge des Kaisers und leistete wohl
auch noch bei dessen Söhnen, Kaiser
HEINRICH
VI. und König
PHILIPP,
Hoffahrt. Sein Bruder Gottfried
war in den Jahren 1172-1186 ein
viel verwandter und sehr verdienter Kanzler
FRIEDRICHS
I., in der letzten Zeit auch
HEINRICHS
VI., 1184 und 1185 als kaiserlicher
Generallegat in Italien
mehrfach tätig; im Jahre 1186 Bischof
von Würzburg geworden,
starb er im Jahre 1190 auf dem erwähnten Kreuzzuge, für
welchen
er besonderen Eifer gezeigt hatte und bei dem er gewissermaßen
die
leitende Seele gewesen war. Von Graf
Ludwigs
Söhnen wurde
der
älteste, Gottfried,
Anfangs auch von Helfenstein
und
im Gefolge Kaiser
FRIEDRICHS II.
genannt,
der Begründer der Sigmaringer Linie
(† vor 1241); ein
zweiter
Graf
Gottfried von Sigmaringen,
wahrscheinlich sein Sohn, wandte
sich wohl, zugleich mit seinem Schwager Graf Ulrich von
Württemberg,
von den STAUFERN ab und dem Gegen-Könige
HEINRICH RASPE zu, beschloß aber seinen Stamm nach der
Mitte des 13. Jahrhunderts (vor 1259), worauf Sigmaringen für
einige
Jahre an die Helfensteinische
Linie kam. Diese letztere
eröffnen
der zweite und dritte Sohn Graf Ludwigs, die Grafen Eberhard
und Ulrich (I.); sie
finden sich von 1207 (beziehungsweise
1208)
an bei König PHILIPP,
Kaiser
FRIEDRICH II. (beide, der zweite wenigstens wie es
scheint,
sowohl in Deutschland als in Italien, der erste vielleicht auch auf dem
Kreuzzuge des Jahre 1228/29) und bei König
HEINRICH (VII.). Wohl Söhne Graf Eberhards sind
Graf
Ludwig von Spitzenberg († um 1278), bei Kaiser
FRIEDRICH II. 1245 in Italien, am Hoflager KONRADS
IV., und Graf Heinrich von Spitzenberg, 1251
mit
letzterem
König in Italien. Graf Ulrichs gleichnamiger Sohn († um
1289),
auch im Gefolge Konradins
erwähnt,
vermehrte gegen Ende der staufischen
Periode sein Hausgut beträchtlich durch seine Heirat mit
Willibirg,
einer der reichen Töchter des im Jahre 1258 gestorbenen Grafen
Hartmann
IV. von Dillingen, deren Erbe in Württemberg in der
Neresheimer
Gegend
lag. Auch erwarb er - die Art des Erwerbs ist nicht ganz sicher - wohl
im Beginn der folgenden Periode noch die früher tübingische
Herrschaft
Blaubeuren nebst der Vogtei über die Besitzungen des dortigen
Klosters außerhalb seiner Ringmauern.
Die Hauptburgen, um welche sich der beträchtliche
Besitz des Geschlechtes in der Helfensteiner Gegend gruppierte, waren
außer
den bereits erwähnten: Hiltenburg bei Ditzenbach, Wiesensteig,
Herwartstein
bei Königsbronn; eine Quelle reicher Einkünfte bildete der
Geislinger
Zoll. Die Grafschaften, welche die Familie, wie es scheint, seit dem
letzten
Drittel des 12. Jahrhunderts verwaltete, waren die des alten
Ratoldesbuchgaues
und des Pleonungetales. Um die Zeit von Konradins
Tod kam jedoch die Grafschaft und der Besitz zu Sigmaringen unter nicht
genügend bekannten Verhältnissen von der Familie weg an Graf
Ulrich von Montfort.
Das Helfensteinische
Wappen
war ein auf vier (oder drei) Bergspitzen schreitender (silberner)
Elephant
(im
rotem Felde).