GIENGEN AN DER BRENZ
Lexikon des Mittelalters:
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Giengen an der Brenz (Giengin, Gienga, Genge)
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Stadt am Südrand der schwäbischen Alb, liegt im Schnittpunkt
alter
Handelsstraßen (Ulm-Nördlingen, Cannstatt-Lauingen-Augsburg)
am wichtigen Wasserweg der Brenz. Das Stadtbild gliedert sich in die
obere und die jüngere untere Stadt. Der mittelalterliche
Grundriß war
nahezu quadratisch.
Die Entstehungsgeschichte der Stadt ist noch ungeklärt; sicher ist
ein Zusammenhang mit der vor 1078 von Diepold II. von Giengen (Markgraf im
Nordgau aus der Familie der
RAPOTONEN; DIEPOLDINGER) erbauten Burg.
Burg und Gebiet Giengen kamen durch die erste Frau FRIEDRICHS I., Adela von Vohburg, an die STAUFER, die das »burgum
King et praedia
attinentia« (1188) seit FRIEDRICHS
erstem Aufenthalt 1171 zu
einer Pfalz und zum pfalzstädtischen Zentrum des Brenzgaus
ausbauten.
Bewohner, vor allem aus Alten-Giengen (Wüstung nach 1321),
siedelten in der
sich bildenden Burgsiedlung, der vermutlich noch FRIEDRICH
I. Marktrechte verliehen hatte. 1241 zahlt die bei ca. 12
ha. rund
800-1.200 Einwohner zählende Stadt ansehnliche 25 MK Reichssteuer.
Nach
dem Ende der STAUFER fiel
Giengen an das Reich. 1252 wurde die Oberstadt mit
einer von 24 Türmen gesicherten Mauer und Wassergraben befestigt,
gleichzeitig sind »burgenses, cives« genannt; 1279
heißt
der Ort »civitas«, dreimal besucht ihn RUDOLF VON HABSBURG.
Die Unterstadt (spätmittellterliche Erweiterung) wurde erst 1563
ummauert.
Das
städtische Gericht unter Vorsitz des königlichen Vogtes ist
1279 nachweisbar,
1292 bilden »ammann, judices et consules laici« das
Gericht.
KARL IV. erteilte 1378 das
Recht zu freier Ammann- und
Richterwahl. Zu 1391 ist der Stadtrat (15 Ratsherren, 1 Syndikus)
überliefert. 1398 verlieh König
WENZEL städtische
Rechte nach Ulmer
Vorbild, 1481 gab FRIEDRICH III.
ein Blutbann- und
Gerichtsstandprivileg. Giengen war 1307 Mitunterzeichnerin des
Landfriedens
ALBRECHTS I.
Im 14. Jahrhundert mehrmals verpfändet, verlieh KARL IV.
Giengen 1351 als Erblehen den Grafen von Helfenstein. 1368 konnte sich
die
Stadt wieder freikaufen und späteren Versuchen der Grafen, ihre
Ansprüche durchzusetzen, erfolgreich begegnen, zumal WENZEL 1391
die Reichsfreiheit von Giengen anerkannte. Das bis Ulm und Augsburg
wirkende
Textil-Exportgewerbe von Giengen bot entsprechenden materiellen
Rückhalt. Obwohl Mitglied im Schwäbischen Städtebund,
hielt
sich Giengen in den Auseinandersetzungen mit dem Grafen von
Württemberg
zurück. - Bei der Schlacht vor Giengen am 19. Juli 1462 verlor
Markgraf
Albrecht Achilles von
Hohenzollern gegen Herzog
Ludwig IX. von Bayern
Landshut.
P.-J. Schuler
Literatur:
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R. Magenau, Hist.-topograph. Beschreibung der Stadt G. a. d.
Br., 1830
Beschreibung des Oberamts Heidenheim, 1844
DtStB IV, 4, 1962, 94-98
Das Land Baden-Württemberg IV, 1980, 591-597.